Ich habe deine Meinung angehört.
Ich habe deine Bücher gelesen.
Dann habe ich darüber nachgedacht.

Ich habe mich an neuen Erkenntnissen erfreut.
Ich habe über alte Wahrheiten gelächelt.
Dann habe ich Ehrfurcht erfahren
Vor der Anmut und Unendlichkeit des Lebens.

Doch deinen Glauben anzunehmen
Dafür erschien es mir noch zu früh
Ich hoffe, du verzeihst –
Wir leben noch.

 

Ich habe deinen Körper berührt.
Ich habe die Süße deiner Lippen gekostet
Dann war ich voller Glück.

Ich habe deine Formen nachvollzogen.
Ich habe deinen Splitter des Immerwährenden erkannt.
Meine Seele dehnte sich, bis sie auf die deine traf
Und für einen Moment waren wir zuhause

Doch deine Angst und Heilmittel anzunehmen
Ward mir in meiner Seele verboten
Ich hoffe, du verzeihst –
Wir leben noch

 

Ich bin stundenlang durchs nasse Gras gelaufen.
Ich habe zwei Tage im Bett verbracht.
Dann habe ich mich wieder gespürt.

Ich habe mich an deinem Lächeln erfreut
Ich habe das Glück der Welt in Händen gehalten
Es umgedreht, und sodann, beschwert vom Unglück
War für einen Moment ein stabiler Mittelpunkt zu finden

Doch zu verweilen an jenem Punkt der Stille
Mehr als einen Augenblick…
Ich hoffe, du verzeihst –
Wir leben noch.

 

Ich habe Jahre nach dir gesucht.
Ich habe dich jahrelang gefunden
Bis ich dich endlich erkennen konnte.

Ich habe mir so lange die Seele aus dem Leib gesungen
In der schallgeschützten Kammer meines Körpers
Du hast ihm die wahrhaftigen Töne entlockt
Und sie mit den deinen veredelt.

Froh locken, laden wir nun also die Welt zum Fest der tanzenden Seelen.
Verängstigt droht sie uns mit dem Unglück, das man gegen uns führen könnte.

Doch so sehr sie sich mühen, die Hüllen zu verletzen
Das Wahre kommt nur umso rascher ans Licht
Wir hoffen, sie können verzeihen –
Wir leben noch

 

Und wenn der Tag kommen wird
An dem die Endlichkeit in mein Leben tritt
Werde ich ihr gegenübertreten können.

Sie wird mit mir sprechen wollen.
Sagen, Aus! Nun ist es zu Ende!
Fragen, Hast du denn wahrhaftig gelebt?

Dann werden wir ihr sagen können: Ja!
Wir haben das Unverzeihliche gewagt:
Wir haben wahrhaftig gelebt.

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