Vielleicht haben es einige von euch bereits mitbekommen: ich bin seit einigen Wochen stolzer Mit-Besitzer eines alten VW-Busses. Nach der guten Nachricht, dass ich mit der p├Ądagogischen Hochschule praktisch fertig bin, gings am darauffolgenden Tag sogleich los auf grosse Reise. Eineinhalb Wochen Zeit und der Plan, von den Einnahmen der Strassenmusik unterwegs zu leben, waren die Eckpunkte dieses Experiments, ohne R├╝cksicht auf Verluste oder ├Ąussere Einflussfaktoren wie Wetter oder Jahreszeit. War es m├Âglich? War es langfristig m├Âglich, nicht nur von den Einnahmen der Strassenmusik seine tagt├Ąglichen Ausgaben f├╝r Nahrung zu bestreiten, wie ich es eine Woche in Curitiba bereits erfolgreich versucht hatte, sondern dabei auch noch herumzukommen?

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Der Verschwindibus macht Freude

Kein Mekka

Unser erstes Hauptziel f├╝hrte uns in den Norden, Richtung Prag. Da es am Weg lag, machten wir noch einen Abstecher nach Temelin zum dortigen Atomkraftwerk (dazu in einem anderen Artikel mehr). Wir schliefen im Bus an einem See neben dem dortigen Campingplatz, ohne bezahlen zu m├╝ssen, weil die Tarnfarbe unseres Verschwindibusses da recht praktisch ist. Unsere Kosten beliefen sich bis zu diesem Punkt also rein auf den Treibstoff und ein wenig zu essen, Ausgaben, die wir noch von vorangegangenen Strassenmusik-Sessions bezahlen konnten. Prag als Mekka der Strassenmusik w├╝rde unsere Erdnuss-Dose mit den M├╝nzen schon wieder auff├╝llen.

Tats├Ąchlich stellte sich heraus, dass dem nicht so war. Die ber├╝hmte Br├╝cke ├╝ber die Moldau war gerammelt voll von Strassenk├╝nstlern, und als wir uns an einem etwas ruhigeren Ort setzten, wurden wir schnell von einem der Aufsichtsorgane vertrieben ÔÇô man brauchte eine Genehmigung. Also wanderten wir die Stadt entlang, probierten es in einer Unterf├╝hrung, weil es, wie schon die gesamte Reise, wieder regnete, wurden jedoch nach einigen M├╝nzen und einer kurzen Phase von beinahe etwas wie Hoffnung von einem Restaurantbesitzer wieder vertrieben. Prag brachte uns zwar eine ordentliche Anzahl von M├╝nzen ein, aber insgesamt kaum mehr als die Parkplatzgeb├╝hr, um den Bus abstellen zu k├Ânnen.

Etwas frustriert wollten wir abends Prag wieder verlassen, fuhren etwa zwei Stunden verwirrt ├╝ber die vielen nicht vorhandenen Strassenschilder im Kreis und verschwendeten entsprechend unseren Treibstoff, ehe wir diese f├╝r uns gl├╝cklose Stadt wieder verlassen konnten. Wir wollten gr├Âssere St├Ądte in Zukunft vermeiden. Sie waren ohne Navi kaum zu befahren, ein Parkplatz ohne Abstellgeb├╝hr war kaum zu finden und die Konkurrenz (und damit die B├╝rokratie) f├╝r unsere Strassenmusik war weit ausgepr├Ągter.

Alte Freunde und der Vorteil kleiner St├Ądte

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Strassenmusik in Koblenz mit dem alten Trio aus Curitiba

Wir fuhren nun Richtung Westen mit dem Ziel Koblentz, wo wir einen Deutschen, den ich in Brasilien kennen lernen durfte, besuchen wollten, was zwei Tage dauerte, weil wir Autobahnen vermieden, nur um dann zu erfahren, dass man in Deutschland f├╝r deren Benutzung keine Geb├╝hren bezahlen musste. Wieder einmal vern├╝nftig duschen zu k├Ânnen war ein Erlebnis nach so langer Zeit, in der es zu kalt war, um in einen Fluss oder See zu springen und wir uns mehr mit Katzenw├Ąsche ├╝ber Wasser hielten. Wir wurden ├╝beraus freundlich aufgenommen und konnten in Koblentz auch in zwei Tagen in etwa die bisherigen Ausgaben f├╝r die Reise wieder einspielen. Auch sahen wir erstmals wieder einmal die Sonne.

Weiter ging es daraufhin nach Worms (lustig, wenn man das Computerspiel kennt), in dem wir halb krank und ohne rechte Stimme wieder 20 Euro einnehmen konnten und sp├Ąter nach Neuschwanstein, dem ber├╝hmten Schloss im S├╝den Bayerns, das Walt Disney angeblich zu seinem Schloss inspirierte, bevor es wieder heimw├Ąrts ging. Wir sprangen auch in einen See entlang des Weges, um uns zu s├Ąubern, aber lustig war es nicht in dieser K├Ąlte.

Fazit
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Wir wollten Neuschwanstein in diesem Sonnenuntergang sehen – aber eine Polizeikontrolle verhinderte es leider…

Nach knapp 2400 km kamen wir dann einige Erfahrungen reicher wieder in ├ľsterreich an. Wir hatten im Durchschnitt pro Tag und Nase gemeinsam 10 Euro zuschiessen m├╝ssen, um die Reise m├Âglich zu machen, wobei wir von dem Geld auch noch einen unverbrauchten Liter Motor├Âl bezahlt hatten. Aufgrund des schlechten Wetters war es nicht sehr oft m├Âglich, Strassenmusik zu machen, wir mussten auch einen neuen Saitensatz kaufen, weil mir zwei Saiten meiner Gitarre rissen. Absurd waren die vielen nat├╝rlichen Ressourcen wie Seen, die mit privaten L├Ąndereien v├Âllig verbaut waren, so dass eine ├Âffentliche Nutzung ÔÇ×verbautÔÇť war, was die K├Ârperpflege nicht erleichterte.

Je nach Jahreszeit w├Ąre es f├╝r ein solches Unternehmen m├Âglicherweise auch ratsam, sich ein Grundwissen ├╝ber Waldpflanzen und Pilze zuzulegen, um auch von diesem nat├╝rlichen Reichtum zehren zu k├Ânnen. Brennnesseln beispielsweise fanden sich ├╝berall, und angeblich kann man daraus ja einen Spinat kochen. Wenn man sich ausgabenseitig zur├╝ck h├Ąlt und einige Reserven auf der Seite hat, um wetterbedingte Engp├Ąsse auszugleichen, sollte es durchaus m├Âglich sein, auch l├Ąngerfristig von der Strassenmusik die gesamten Reisekosten bezahlen zu k├Ânnen, wenn man die wirklich grossen St├Ądte vermeidet und vielleicht nicht gerade im Herbst oder Winter unterwegs ist. Sich Zeit zu lassen, mag auch dazu beitragen, Kosten zu sparen, die Treibstoffkosten ├╝ber mehrere ÔÇ×GigsÔÇť verteilt werden k├Ânnen und man mit der Zeit bessere Pl├Ątze in den jeweiligen St├Ądten finden wird.

Nun wird es leider wohl schon etwas kalt f├╝r weitere gr├Âssere Reisen mit unserem Verschwindibus, doch wenn er durchh├Ąlt, haben wir f├╝r das Fr├╝hjahr wieder grosse Pl├Ąne. Falls ihr gute Tipps und Ideen f├╝r Reise-Einnahmequellen oder Ausgabensenker habt, bitte ich euch, sie uns mitzuteilen. Danke!

Niklas

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