Die folgende Geschichte ist mir selbst soeben passiert. Natürlich sind die meisten irgendwie basierend auf eigenen Erlebnissen oder Erzählungen von Freunden, aber da ich die Gefahr hier so unterschätzt habe und gelähmt hätte sein können, sei hier betont, dass es eine wahre Geschichte ist – damit andere vielleicht daraus lernen und weniger leichtsinnig sind… und Danke für die Rettung, mein lieber Freund, falls du das liest 🙂

Als er sich vor einigen Tagen mit einem Freund aufgemacht hatte, Dänemark mit seinem alten Bus unsicher zu machen und vor allem die unberührte Landschaft zu erkunden, hatte er wohl kaum ahnen können, dass er dabei nur knapp einer Tragödie entkommen würde. Dabei hatte sich die dramatische Geschichte bereits seit Wochen abgezeichnet… aber der Reihe nach:

Einige Wochen vor der bereits seit Längerem geplanten Reise hatte er einen seltsamen rötlichen Fleck auf seinem rechten Bein entdeckt, der sich von den auch sonst immer wieder auftretenden Hautverfärbungen auffallend unterschied. Natürlich hatte er sich dann, fast ohne es zu merken, an der Stelle gekratzt, hatte sie damit nur noch mehr entzündet, und der Fleck war weiter gewachsen. Doch einige Tage später, als er schon überlegte, doch noch den Arzt aufzusuchen, war er wieder kleiner geworden und schon beinahe nicht mehr zu sehen gewesen. Über all den Reisevorbereitungen vergaß er die Sache dann auch schnell wieder.

Als die beiden Reisenden jedoch am zweiten Tag der Reise von ihrer bequemen Liegeposition auf einigen grasbewachsenen Sanddünen der dänischen Westküste aufstanden, bemerkten sie, dass es auch im hohen Norden des Kontinents möglich war, sich einen Sonnenbrand einzufangen. Vor allem aber fing der schon fast vergessene rötliche Fleck wieder an, sich bemerkbar zu machen. Erst juckte er, dann brannte er, wie ein Sonnenbrand es tat, nur schmerzvoller, bis sich schließlich rund um den ursprünglichen Fleck ein großer geschwollener Ring gebildet hatte. Da es sich nicht sonderlich von einem schweren Sonnenbrand unterschied, wollte er es als unwichtig abtun, doch sein Freund redete auf ihn ein, sich doch bei einem Arzt untersuchen zu lassen, hatte jener doch gehört, dass Insektenstiche nicht unbedingt nur harmlos ausgehen konnten.

Natürlich war er zu stolz, sich einzugestehen, dass ihn diese Nachrichten nicht eben beruhigten, und so fuhren sie weiter nach Norden. Schon nach kurzer Zeit jedoch fühlte er sich leicht schwindelig, fühlte fast sein Bewusstsein schwinden, während die geschwollene Stelle immer mehr zu brennen schien. War es denn Einbildung, war es eine Form der Hypochondrie, ausgelöst durch das furchtsame Gerede des Freundes? Auch als Kind hatte er sich regelmäßig schwerste Verletzungen eingebildet, obwohl es sich doch in Wahrheit stets um harmlose kleine Abschürfungen gehandelt hatte. Nach der ersten tatsächlich schweren Verletzung hatte er jedoch gelernt, harmlose Schmerzen als Nichtigkeiten zu ertragen, warum also jetzt etwas daran ändern?

Doch der Freund ließ nicht locker, und so suchten sie nun eben doch das nächstgelegene Krankenhaus auf. Der diensthabende Doktor teilte ihnen dann mit, dass es sich um einen gefährlichen Zeckenbiss gehandelt hatte. Unbehandelt würden die äußeren Wundmale sich mit der Zeit zurückentwickeln, doch die übertragenen Erreger würden sich trotzdem im Körper verbreiten und wenig später das Gehirn angreifen, was zu erheblichen Lähmungen führen konnte. Es war höchst an der Zeit gewesen, einen Doktor aufzusuchen, doch die verschriebenen Pillen würden schlimmere Folgen verhindern.

Völlig überrascht von dieser unerwarteten Entwicklung dankte er seinem Freund für seine Beharrlichkeit, die vielleicht sein Leben gerettet hatte, nahm sich vor, die kleinen Unwichtigkeiten des Lebens mehr zu achten – und erblickte noch am selben Tag drei Marienkäfer, Symboltier des Glücks. Wenn das keine Botschaft ist, dachte er lächelnd.

Diese Datei als .pdf downloaden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.