Wie jeden Tag besuchte er nach getaner Arbeit noch kurz den städtischen Park, um sich die Beine zu vertreten. Nach einer Runde um den kleinen Teich pflegte er dann seine Tasche zu öffnen, seine Zeitung herauszuholen und den Sportteil zu lesen, bevor er sich auf den Weg nach Hause machte. Als er sich gerade hinsetzen wollte, bemerkte er, dass er sich auf etwas gesetzt haben musste. Es war ein kleines Schild mit sehr viel Text darauf. „Parkbank“ stand da in großen Buchstaben zu lesen, den Rest konnten seine alten Augen nicht mehr ohne Brille entziffern. „Da hätte ich trotz meines Alters kein Schild gebraucht, um das zu erkennen“, dachte er schmunzelnd. Hatte sich da jemand einen Scherz erlaubt? Er kramte in seiner Tasche nach der Lesebrille und fuhr fort:

Diese Bank ist Eigentum von Herrn Simon F. und wird Ihnen freundlicherweise zum Parken Ihres werten Gesäßes zur Verfügung gestellt. Da die beständige Pflege (Aufrechterhaltung der Hygiene, Neulackierungen usw.) eine verantwortungsvolle Aufgabe darstellt, wurde von dem gemeinnützigen Verein Parkbank e.V. einstimmig beschlossen, Parkgebühren für die Benutzung unserer Prachtstücke einzufordern.

Preise:
– 0,50€/Stunde*
– 3€/Tag
– 300€ als exklusives Angebot für unsere werten Dauernutzer**

* Sollten sie vorhaben, ein Nickerchen zu machen, bitten wir höflichst um die Verwendung der beigelegten grünen (umweltfreundlichen) Park-Uhr.

** auf Anfrage kann die Bank auch mit Ihrem Abbild und Namen reserviert werden. Keine kalten Nächte auf frostigem Boden mehr! DAS Angebot für Benutzer ohne festen Wohnsitz! Besuchen Sie unser Büro in der Elisabethstraße 12 und reservieren Sie jetzt!

Nicht zahlende Personen, die von unseren Mitarbeitern auf unseren Bänken angetroffen werden, müssen wir leider auffordern, sie für zahlende Gäste freizugeben. Sollte der Aufforderung nicht nachgegangen werden (etwa wegen zu hohem Alkoholspiegel oder Verständigungsproblemen), behalten wir uns das Recht vor, Sie kostenpflichtig von unseren professionellen Parkwächtern ab- bzw. fortschleppen zu lassen.

Wir wünschen Ihnen viel Freude an der Nutzung unseres Angebots und hoffen, Sie beehren uns baldigst wieder!

Ihr Parkbänke e.V.-Team

Er musste es zwei Mal lesen, um sicherzustellen, dass er sich da nicht verlesen hatte. Schlussendlich setzte er sich einfach auf die Bank, ohne zu zahlen. Als wenig später ein Parkwächter des Weges kam, um ihn darauf hinzuweisen, dass er die grüne Parkuhr nicht gestellt hätte, fragte er den Parkwächter, ob es sich dabei um einen schlechten Scherz handle, doch der winkte ab. Die Leute werden eben kreativ, wenn ihnen die Arbeit ausgeht, meinte er achselzuckend. Anfangs wird so etwas einfach ignoriert, meinte er, dann, wenn es mehr solche Bänke gibt, wird darüber gelächelt. Irgendwann, wenn immer mehr auf den Zug aufspringen, werden sie bekämpft. Und dann, irgendwann, finden sich die Leute damit ab. Das war doch mit den Wasserflaschen ebenso, wer hätte vor zwanzig Jahren Wasser in Flaschen gekauft, wo es doch günstig aus der Leitung kam? Heute setzen Sie sich einfach neben die Bank, aber was wenn ihnen jahrelang eingeredet wird, die Wiese um die Bank sei gefährlich, weil dort Bakterien lauern würden, die sie nicht sehen können? Dass nur die Bank ein sicherer Sitzplatz sei? Angst ist das beste Marketing, meinte er nur noch. Und Sie müssen entweder zahlen oder sich neben die Bank oder eine der freien setzen. Tut mir Leid, die Bank ist im Privatbesitz.

Also ging er, um eine freie Bank zu finden. Doch Parkbank e.V. dürfte wohl alle Bänke in dem Park erworben haben, denn überall sah er die grünen Parkuhren. Da er alt und müde vom Gehen war, setzte er sich eben auf eine der Bänke und zahlte die Gebühr für eine Stunde. Weil es lächerlich ist, redete er sich ein. Und doch tat er es. Würden nicht andere folgen? Was würde als nächstes privatisiert werden? Die Luft, die er atmete?

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