Diese Woche gibt’s als Weihnachts-Special mal einen etwas längeren Text – und zwar ausnahmsweise mal in Gedichtform. Ich wünsch euch allen ein paar gemütliche und geruhsame Tage und möchte die Gelegenheit nutzen, mich bei meinen fleißigen Lesern für ihre Treue zu bedanken 🙂

Von draust, vom Walde, komm ich her
Und würd euch gern sagen, es weihnachtet sehr
Doch nicht viel verspür ich von der Weihe
Nicht viel erblick ich von der Nacht
Wohl seh ich nur was gut gedeihe
Was jener Nacht nicht angedacht
Zur Wein-Nacht flattern plötzlich Briefe
Zu lesen gibt’s, dass alles liefe
Wenn wir nur geben klein Betrag
Damit ein Kind auch sehen mag
Viel sieht das Kind dann, nur kein Brot
Sieht Hunger, Elend, sieht die Not
Was nützt mir schönstes Augenlicht
Wenn mir dafür die Hoffnung erlischt?
Wenn sehen kann ich Zukunft keine
Wohl seh ich Zukunft, nur nicht meine
Wenn andere mich nur sehn zum Feste
Nur dann sich ‘rinnern meiner Rechte
Nun hunger’ ich, doch sehend Auges
Und wieder bleibt mir nur der Glaube
Die Armen sind’s, die wacker beten
Und schaudernd noch die Kirch’ betreten
Die Reichen beten an das Golde
Wie kostbar wirkt es doch, das Holde!
Wie es schimmert, wie es lacht
Gott ist tot!, es leb die Macht!

Und wäre Gott, wärn wir wohl Sünder
Und wär Gott nicht, wärn wir‘s nicht minder
Schuldig an den jungen Seelen
Die wir Toren endlos quälen
Die Kinderaugen sollen lachen,
Über all die neuen Sachen
Mit Tränen müssen sie bezahlen
Jene, die in ständig Qualen
Schuften, fliehen, kämpfen, morden
Gegen übermächt’ge Horden
Geg’n Interessen, Zahlen, Konten
Wir noch kein’ Arznei gefunden
Füllt Säcke voll mit schönen Sachen
Die arme Leut’ noch ärmer machen

Von drausd, vom Walde, kam ich her
Und muss euch sagen, der Wald ist nicht mehr
Was war, ist vergangen und was ist wird vergehn
Ihr Menschen, ihr Menschen, wann wollt ihr verstehn
Dass Macht ist nicht Freibrief und Freibrief nicht Macht
Dass Macht missverstanden keine Freude euch macht
Ich kam aus dem Nichts und bracht Gaben euch mit
B’reit Liebe, Hoffnung, Demut dem Tisch
Doch ihr wolltet nur spielen, und jedes Jahr weiter
Man möchte meinen, das Leben macht g‘scheiter
Und doch sind sie Toren, belieben zu prassen
Mit Geld, mit Sachen, die Kinder zu b’spassen

Wär‘s Frieden!, wär Frieden wohl mehr als ein Wort
Es trüg auf Schwingen mich alsbald hinfort
Doch scheint es wohl nichts als ferner Traum
Es findet die Zeit nicht, findt keinen Raum
Und so komm und geh‘ ich, stets verkündend
Was sich doch am End‘ nie findet
Des Heilands Ankunft, Heil auf Erden
Müsste doch ein jeder werden
Müsst ein jeder doch erwägen
Was es heißt, sich zu ergeben
Jenem solch erhabnem Geiste
Der einst etwas Großes leiste
Der dem Frieden schenke Schwingen
Und das Gute lässt gelingen

Jenen Geist, den ich einst brachte
Der die Menschen glücklich machte
Diesen spüre ich noch wieder
Wenn ich höre Kinderlieder
Wenn Kinderaugen, voll Vertrauen
In all dem Tand den Geist noch schauen
Wenn sie lieben, herzen, lachen
Alsbald tanzen, Luftsprüng‘ machen
Und selbst die Alten sich erinnern
Wie es einst war, als sie noch jünger
Als die großen Kinderaugen
Einst den großen Geist noch schauten

Und wenn ‘ne Träne dann sich bildet
Sie rasch alsbald verschwindet
Wenn die Erinn‘rung wird zur Pein
Zur guten Feier – schenkt den Wein
Damit, zum Morgen, wir vergessen
Was schmerzt, war doch nur zu viel Essen
Und niemals wolln wir uns erinnern
An das, was – wissen wir – viel schlimmer
Den Geist der Weihnacht, der geboren
Hab’n wir wohl alle längst verloren
Er kam, er ging, wer hats bemerkt?
Vorüberging’s, das große Werk

Von drausd, vom Walde, kam ich her
Und hab‘ euch nichts zu sagen mehr
Der Wald ist weg, der Geist vertrieben
Ich wünscht, ich könnt noch jemand lieben
Doch komm ich aus zu fernen Landen
Als dass sie mich wohl würdig fanden
Woher ich kam, dort kehr ich wieder
So singt nur eure alten Lieder
Erinnert euch, was einst geschah
Haltet doch nur dies für wahr
Erinnert dem, was einst geschrieben
Vergesst, verleugnet, was vermieden
Und doch verlangt von jedermann
Auf dass der Fried’ uns finden kann

Von drausd, vom Walde, kam ich her
Und trag an meiner Wahrheit schwer
Dass Frieden sei so leicht errungen
Wenn wir nur verzeihn die Wunden
Die geschlagen wir in Ohnmacht
Das Leid ist dort wohl rasch vervielfacht
Wo Böses glauben wir zu wittern
Anstatt zu staunen, statt zu zittern
In stummer Anbetracht von Leben
Das so reichlich uns gegeben
Es schenkt uns Freude, schenkt uns Leiden
Keines lässt sich leicht vermeiden
Es schenkt uns Zeit, damit wir lernen
Uns voneinander nicht zu ‘ntfernen
Vielleicht wir lernen, uns zu lieben
anstatt uns täglich zu betrügen
Dass der Mensch sei bös im Kern
Dann ist der Frieden nicht mehr fern
Der Mensch, der an den Menschen glaubt
Dem seien große Wunder erlaubt
Das Wunder gar, Liebe zu geben
Und Liebe selbst noch zu erleben

Nun hab’ ich doch noch viel gesprochen
Und hab‘ doch dabei nichts verbrochen
Was ich erzähl seit Tausend Jahr
Das bleibt auch nächstes Jahr noch wahr.
Und mit den Jahren, die vergehn
Vielleicht wird Mensch sich selbst verstehn.

Niklas

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