„Ich kann nicht ewig warten.“, stellte sie, leicht genervt, zum wiederholten Male fest, „Irgendwann muss man sich auch einmal entscheiden. Entweder wir machen das, oder ich muss mir eben jemand anderen suchen.“
„Was wünscht du dir denn?“
„Ich brauche dich. Hier. Ich will einen Partner, auf den ich mich verlassen kann. Dich.“
„Du weißt, dass du dich auf mich verlassen kannst.“
„Ja, sicher. Aber irgendwann will man sich eben auch einmal eine Zukunft aufbauen. Und dann interessieren mich keine halben Sachen. Da braucht man einen Partner, der das auch will, auf den man sich verlassen kann.“
„Also, du brauchst also jemanden, auf den du dich verlassen kannst, und ich dann auch?“
„Ja! Ist das denn so schwer zu verstehen?“
„Hast du dich schon mal gefragt, was ich von dir will?“

„Na, das Gleiche. Hmm. Schätze ich mal.“
„Glaubst du, ich will einen Partner, mit dem ich mir etwas aufbauen kann?“
„Jeder sucht doch am Ende das Gleiche.“
„Und ich suche also einfach so lange, bis ich jemanden gefunden habe, mit dem das möglich ist?“
„Natürlich! Wie willst du das sonst machen?“
„In Ordnung. Ich suche mir also jemanden, um meine Pläne umzusetzen. Dich zum Beispiel.“
„Ja, zum Beispiel.“
„Und wenn ich feststelle, dass du für meine Pläne ungeeignet bist, lasse ich dich fallen und suche mir einfach jemand anderen?“
„Hmm. So ungefähr. Aber wir sind doch gut füreinander geeignet… oder was willst du mir jetzt wieder sagen?“
„Dass ich möglicherweise etwas anderes suche als du glaubst.“
„Du meinst ‚jemand anderen‘? Sag das doch gleich, und rede nicht um den heißen Brei herum…“
„Nein, ‚etwas‘ anderes. Liebe.“
„Mein Lieber, das ist Liebe.“
„Nein, es ist ein Abklatsch von dem, was Liebe sein kann.“
„Na dann, du großer weiser Meister, erklär mir mal, was Liebe ist.“
„Dazu muss ich erst erklären, was sie für mich nicht ist. Ist es wirklich Liebe, wenn wir einen Menschen, der unseren Erwartungen nicht entspricht, deswegen einfach fallen lassen? Haben wir dann nicht nur unsere Erwartungshaltungen geliebt anstatt des Menschen, der sie erfüllen sollte?“
„Was soll man sonst mit Menschen machen, die einen nicht weiterbringen?“
„Was, wenn wir unsere Erwartungshaltungen aufgeben und uns überraschen lassen, was ein anderer Mensch in uns auslösen kann?“
„Und einfach zuwarten, was passiert? Da kann ich ja lange warten…“
„Du willst also lieber ein Kind von einem Mann, dem du selbst egal bist, wenn er nur in den nächsten zwei, drei Jahren auftaucht, als von einem Mann, der dich – und zwar wirklich dich als Mensch – liebt?“
„Als ob es so etwas noch geben würde… und in ein paar Jahren suchst du dir dann eine Jüngere…“
„Wenn ich dann immer noch nach der Frau suche, die meinen Vorstellungen entspricht, ja. Und du wirst dir deine Liebhaber suchen, wenn die Erwartungen erfüllt wurden, und wir werden uns einige Jahre selbst belügen, bevor wir dasselbe Muster mit anderen Partnern wiederholen. ‚Wo ist die Liebe hin?‘, werden wir uns fragen, und doch wissen, dass wir uns schon vor Jahren gegen sie entschieden haben, wie alle anderen auch. Aber das will ich nicht.“
„Was willst du dann? ‚Ewige Liebe‘?“
„Ich will deine Liebe, und dir Liebe schenken, so gut ich es kann, ohne überlegen zu müssen, wie gut du im Vergleich zu anderen Frauen in meine Pläne passt.“
„Du bist ein Mann, mein Lieber. Irgendwann wirst du eine Sie treffen, die deine Liebe zu mir gehörig durcheinanderrütteln wird.“
„Und vielleicht werde ich feststellen, dass ich auch jene Frau dann zu lieben lerne. Vielleicht wirst du dann feststellen, dass dies meine Liebe zu dir nicht schmälern muss.“
„Und wenn ich andere Männer ‚lieben lerne‘?“
„Dann werde ich hoffen, dass du bis dahin gelernt hast, auch mich zu lieben und nicht deine Erwartungen an einen Mann.“
„Und du glaubst, dass ich dann zu dir zurückkehren werde?“
„Liebe ist anziehend.“
„Und dass es dir nicht wehtun wird? Dann kannst du mich nicht lieben.“
„Liebe liebt, was ist, nicht, was jemand gerne hätte. Auch wenn es wehtut.“
„Das kann nicht funktionieren.“
„Hast du es jemals wirklich versucht?“

„Ich liebe dich. Und du bist eine Nuss. Eine große, große Nuss.“
„Ich liebe dich auch. Mehr als du dir vorstellen kannst. Und du musst nicht weinen. Komm her…“

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