Mal wieder ein kleines Gedicht zur Abwechslung, nachdem ich die letzten Tage vergeblich versucht habe, eine Geschichte zusammenzubringen, die meinen Ansprüchen genügt hat. Es ist gut, die (freiwillige) Verpflichtung eingegangen zu sein, wöchentlich zu veröffentlichen, sonst hätte ich mich diese Woche wohl gerne davor gedrückt. Dämlicher Perfektionismus, der zu Schreibblockaden führt! Viel Freude mit dem Gedicht!

An Alphabeten:
Eure Lettern vergehn!
An die Besser-Wisser
Die ihr glaubt, zu verstehen:
An die, die Freude finden, Alphas anzubeten
Omegas zu zertreten, die ihr erwartet Propheten
Um sie zu fragen: „Was tun?“
Nun, lebt! Liebt! Leidet! Verzeiht!
Es ist an der Zeit, es ist eure Zeit!
Die vergeht, die verrinnt, ob ihr weint oder lacht –
Die einzige, die euch verbleibt.

Hört auf, euer Leben in Büchern zu suchen
Die andere für euch geschrieben
Hört auf!, euch zu beneiden
Leben ist Lieben– Leben ist Leiden.
Leben ist Lernen, sinn-erfassend lesen.
Sucht den Sinn! Oder seid sinnlos gewesen.
Welch fester Anker, wenn der Sturmwind weht
Sinn: letzte Antwort auf jedes Gebet
Das sonst da nur fraget: Wann?
Wann wird er kommen, mich zu freien
Der Mann in Schwarz, mich zu befreien?
Wann wird er bringen süßes Glück
Und was nur: Was? Was bleibt einst zurück?

Du fragst nur: Wann?, und betest flehend,
Liest Bücher und Welten, und doch nicht verstehend,
Dass die Welt aus Zwei bestehend,
Die am Ende scheinen gleich, und -gültig,
Bis ein neuer Anfang eilt herbei,
Aus dem Einen wieder Zwei,
Dann Drei und die Zehntausend werden,
Doch selbst Zehntausend müssen sterben,
Werdn’s Einer, Zwei, Zehntausend erben?

Ein Lied ertönt nun, liebestrunken
Und ruft das Reich, das einst versunken.
„Atlantis!“, rufst du, reich belesen
In was noch komme, was gewesen
Und irrst doch! Tragisch irrt dein Wesen
Wie recht du hast! Geschrieben steht
Was einst wird kommen, früh vergeht
Doch irrt der Narr, der glaubt, versteht
Zur Zukunft brauchts zukünftig Alphabet.

Oh Mensch, bedenke, wo du stehst
Woher du kommst, wohin du gehst
Drehst dich immerfort im Kreise
Und wirst doch niemals wirklich weise.
Ein Narr!, wer glaubt einst zu verstehn:
Wir sind und bleiben Analphabet
Wie alles ist, das noch erbebt
Sind Bücher mit noch leeren Stellen
Hab’n Tinte auch, um sie zu füllen.
Bevor wir sie dann dereinst schließen
Gibt’s noch so viel zu genießen
Nur schreibend lernen wir zu lesen
Geschichte eines Lebens:
Das wäre sie gewesen.
Sterbend erst –
Werden wir sie lesen.

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