Heute erzählte mir meine Großmutter während meines Besuches von einer Kiste an alten Briefen und Berichten meines Urgroßvaters (geb. 1915), und dort fand ich unter anderem zwei Seiten, die er wohl später auf einer Schreibmaschine getippt hatte. Er berichtet darin von Geschehnissen während des Partisanenkriegs gegen Ende des 2. Weltkrieges, die ich für interessant für eine weitere Leserschaft hielt. Der Bericht endet recht abrupt, aber steht wohl stellvertretend für viele weitere Gräuel des Krieges. Ich habe den Wortlaut im Original belassen, nur in einzelnen Fällen an die neue Rechtschreibung angepasst.

Außerdem habe ich erstmals in meinem Leben einen Arier-Nachweis im Original gesehen. Sehr gruselig… aber nun zu den Erinnerungen meines Urgroßvaters:

Am 27. März 1945 kam ich, nach einer Verwundung gerade genesen, als Unteroffizier des Ersatzbataillons der Division Prinz Eugen, wieder zum Einsatz, und zwar aus Italien nach Jugoslawien, Gegend Mostar. Unsere Einheit, ca. 500 Mann, lag in einem bosnischen Dorf auf einer Anhöhe. Wir hatten den Auftrag, Partisanen, die immer wieder Gefechte lieferten, zu vertreiben und 4 Tage lang zu verfolgen.

Der Tross verblieb im Dorf mit 40 Mann zur Bewachung des Stützpunktes. Mit Sturmgepäck marschierten wir los um den Auftrag, die Partisanen zu verfolgen, zu erfüllen. Mit dem Stützpunkt hatten wir dauernd Funkverbindung. Nach 2 Tagen wurden wir durch Funk informiert, dass der Stützpunktdurch Partisanen angegriffen wurde, und wir umkehren sollten. Das war am Abend des 2. Tages. Die Funkverbindung brach ab, wir gingen, als Gebirgsjäger immer zu Fuß, zurück, die ganze Nacht durchmarschiert. Nächsten Tag so gegen 10 Uhr kamen wir in die Nähe des Dorfes, darin der Stützpunkt war, und wurden von dort beschossen. Wir griffen das Dorf von 2 Seiten an, die Partisanen flüchteten.

Auf dem kleinen Friedhof des Dorfes lagen alle 40 Mann, die überwältigt worden waren, nachdem ihnen die Munition ausgegangen war. Sie langen ohne Uniformen tot da, allen waren mit Beilen der Hinterkopf weggehackt, so dass das Hirn teilweise ausgetreten war. Ein Mann hatte einen Oberarmdurchschuss, sonst wiesen se ausnahmslos keine Schussverletzungen auf. Sie waren also gefangen genommen und erschlagen worden, nachdem sie sich nicht mehr wehren konnten. Sie waren dann sichtlich ausgeraubt worden, um sie herum verstreut lagen ihre Soldbücher, Privatfotos. Brieftaschen waren nicht mehr da, auch die Uhren nicht.
Das war Anfang April 1945.

Im Sommer 1944 sahen wir auf einem Vormarsch, ebenfalls in Jugoslawien, zweimal je einen deutschen Wehrmachtsangehörigen neben der Straße liegen, den Brustkasten geöffnet, das Herz auf der Seite heraushängend, die Zunge abgeschnitten. Ein Zettel dabei, darauf stand in deutscher Sprache: Geht’s nach Hause, sonst geht es auch Euch so.

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