-> Zu den Barfuß-Geschichten

Für einen Autor ist es im Regelfall nicht einfach, veröffentlicht zu werden. Da schreibt er zahlreiche Verlage und Zeitungen an, und niemand interessiert sein Werk, obwohl er doch nicht nur seine Zeit, sondern auch sein Herz hineingesteckt hat. Den Entscheidungsträgern in den Verlagen muss man jedoch auch zugutehalten, dass es auch ein gehöriger Aufwand sein kann, da hunderte Seiten an Manuskripten durchzulesen. Aber ist dies tatsächlich die einzige Möglichkeit, sein Werk an die Öffentlichkeit zu bringen?

Inspiriert von meinen Erfahrungen mit Straßenmusik, in der man sein „Werk“ einfach an die Öffentlichkeit bringt, ohne zuvor auf das OK eines Musikkritikers zu warten, kam ich irgendwann 2014 auf die simple Idee, Kurzgeschichten von maximal einer Seite zu schreiben und einfach selbst an Haltestellen zu veröffentlichen. Eine Seite Text ist durchaus in den wenigen Minuten – bis eben der Bus oder die Straßenbahn eintrifft – lesbar. Meine Kosten belaufen sich dabei auf ungefähr 10 Cent pro gedruckte Seite, was durchaus vertretbar ist, und der “Direktvertrieb” mit dem Fahrrad hat nebenbei noch den Vorteil dass man regelmäßig eine 15km-Runde fährt, was schon fast als Sport zu werten ist.

„Barfuß“ bezieht sich in diesem Fall auf die Verwundbarkeit, in die ich mich hier begebe. Es gibt keinen Verlag, der bestätigt, dass diese Geschichten irgendetwas taugen, genauso wenig, wie es in der Straßenmusik die Sicherheit gibt, dass jemand einen Euro in meinen Hut wirft oder auch nur einige Augenblicke dem lauscht, was ich vorzutragen habe. Trotzdem kamen in jeder Session im Durchschnitt um die 30 Euro zusammen, und während meine Geschichten mit Sicherheit nicht einem jeden gefallen werden, hoffe ich doch, dass doch so mancher Gefallen daran finden wird. Mir gefällt die Idee der Straßenmusik, zuerst zu geben, ohne sich zu kümmern, ob neben dem Geben auch ein Nehmen stattfindet, und ebenso möchte ich es hier handhaben.

Meine Vorteile bestehen darin, dass ich – und um wenig anders geht es doch beim Schreiben – nicht nur schreibe, sondern auch gelesen werden kann. Möglicherweise verirrt sich auch der eine oder andere Leser auf diesen Blog und liest weitere Geschichten, lässt mir Feedback zukommen oder entschließt sich sogar, selbst an seiner Lieblingsbushaltestelle einen weiteren Leseplatz einzurichten. Der Aufwand dafür beläuft sich auf eine Klarsichthülle, ein gedrucktes Blatt Papier und ein wenig Klebeband, um es zu befestigen. Und – was ungleich schwerer zu leisten und daher seltener ist – den Mut, etwas Ungewöhnliches zu tun.

Was ich damit erreichen möchte, ist, den öffentlichen Raum ein wenig bunter werden zu lassen. Vor allem an Haltstellen scheinen sich oft viele Menschen zu langweilen. Diese Geschichten sollen helfen, diese Wartezeiten zu überbrücken. Vielleicht können sie sogar für Gesprächsstoff unter Fahrgästen sorgen, die ansonsten nur aneinander vorbeistarren würden.

Schön, dass ihr hier seid, und viel Freude beim Lesen und Entdecken!

Niklas

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