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Bunterrichten ist mein Gegenentwurf zum unter-richten (= Herstellung einer dauerhaften Machtbeziehung), mit einem zweifachen Ziel: bunter-richten im Sinne einer Erweiterung der Möglichkeiten des Anderen, und bunt-errichten im Sinne eines gemeinsamen, freiwillig eingegangenen Prozesses mit grundsätzlich ergebnis-offenem Ausgang.

1. Worauf basiert bunterrichten?

Der Zugang lässt sich grob mit dem aus dem Taoismus/Tao Te King und der verwandten chinesischen Kampfkunst Tai Chi entlehnten Begriff des “Wu Wei” beschreiben: Tun, ohne zu tun, bzw. anstrengungsloses Tun. Anstatt mit Hilfe eigener Kraftanstrengung jemand anderen “motivieren” (= von außen bewegen) zu wollen, wird stattdessen angestrebt, in Stimmigen Kontakt mit dem jeweils Anderen zu treten. Darüber dann das herzuleiten, was in jeden Moment das jeweils “Richtige” ist – und die Eigen-Initiative des Anderen zur Erreichung des gemeinsamen Ziels zu nutzen statt zu bekämpfen.

tai chi

Angewandtes Wu Wei-Prinzip: Mein Tai-Chi-Lehrer René wirbelt mich hier gerade gemütlich und mit sichtbarer Freude durch die Welt.

In den letzten 5+ Jahren habe ich in verschiedenen Rollen, u.A. als Lehrer an (auch Freien) Schulen und als Standort-Leiter, die Prinzipien auch praktisch umgesetzt, und in unregelmäßigen Abständen hier darüber geschrieben. Auch wenn der Großteil der hier beschriebenen Erfahrungen im pädagogischen Kontext entstanden sind, lassen sich viele davon beinahe 1:1 auch auf jede andere Führungs-/Gruppen-Situation sowie auf den Bereich des Marketing umlegen.

Im Gegensatz zum unterrichtenden Lehrer, der auf Wunsch auch in seiner Rolle verbleiben kann, ist derjenige, der sich an die Praxis des bunterrichten wagt, stark mit seinem ganzen Selbst im Geschehen involviert. Daraus ergeben sich einerseits unglaubliche Möglichkeiten, aber auch mögliche Stolpersteine bzw. die Notwendigkeit, sich dadurch ausgelösten inneren Entwicklungsprozessen auch zu stellen.

Das ist nicht jedermanns Sache. Aber wer sich darauf einlässt, kann darin auch so etwas wie Erfüllung in seinem jeweiligen Bereich finden.

2. Maria Montessori und andere Bunterrichter

Eine Maria Montessori beispielsweise hat meiner Ansicht nach sich auf Stimmigen Kontakt mit den ihr Anvertrauten eingelassen, auch wenn sie es nicht so benannt hat. Die “Montessori-Methode”, die entsprechenden Zugänge und Materialien, sind für mich die Konsequenzen der Entscheidung, in Stimmigen Kontakt zu gehen. Kein Zufall. Keine guten Gene oder ein toller Uni-Abschluss. Was sie von anderen ihrer Zeit unterschied, war ihre Fähigkeit und ihre Entscheidung zum Stimmigen Kontakt. Optionen, die einem jeden von uns offenstehen.

Was mich teilweise ärgert/verwundert: in Montessori-Ausbildungen wird oft (laut Aussagen von Praktizierenden) eher der Umgang mit den von ihr entwickelten Materialien etc. unterrichtet als der Zugang des Stimmigen Kontaktes, mit Hilfe dessen sich ein jeder einen eigenen für sich und die ihm Anvertrauten stimmigen pädagogischen Zugang erarbeiten könnte. Dann erzählen mir ausgebildete Montessori-Pädagogen, sie “würden ja gerne nach Montessori unterrichten, aber unsere Schule kann sich die Materialien nicht leisten”. Würden sie stattdessen den Mut aufbringen, Stimmigen Kontakt zu praktizieren, wäre die Abhängigkeit vom – entsprechend teuren – Material kein Thema mehr.

Alle “Großen” der Menschheitsgeschichte, die nicht durch Ausübung von Gewalt zu jener Größe gelangt sind, unabhängig von ihrem jeweiligen Wirkungsfeld, sind für mich Praktizierende von Stimmigen Kontakt gewesen, sei das jetzt eine Montessori, ein Paulo Freire (der mich ursprünglich zur Pädagogik gebracht hat), ein Einstein, ein Mozart, ein Ghandi, wer auch immer. Das Prinzip ist immer das Gleiche: In authentische Beziehung mit einem Gegenüber treten, und der eigenen Intuition vertrauen lernen.

3. Wie kann ich mich in Stimmigem Kontakt/bunterrichten üben?

Bunterrichten und das Prinzip des Stimmigen Kontaktes sind untrennbar miteinander verbunden: wer bunterrichten praktiziert, wird automatisch öfter in Stimmigen Kontakt mit sich und anderen treten, und wer Stimmigen Kontakt praktiziert, wird früher oder später mit großer Wahrscheinlichkeit eine eigene Form der Führung/des Miteinanders für sich entwickeln, die dem bunterrichten-Zugang nicht unähnlich sein wird.

Ein weiteres sehr interessantes Anwendungsgebiet neben Pädagogik und der Führung von Menschen im Allgemeinen ist der Bereich des Marketing, den man ja auch als “Führungs-Situation” betrachten kann, weswegen ich auch in diesem Bereich einige Dienstleistungen anbiete.

In der Folge/Zwischenzeit eine grobe Auflistung an möglicherweise relevanten Beiträgen, die ich in den letzten Jahren zum Über-Thema bunterrichten verfasst habe. Eine bessere Durchsortierung folgt noch – aber bei >1000 A4-Seiten an Ressourcen dauert das seine Zeit 🙂

4. Artikel zum Thema

4.1 Führen, ohne zu führen

4.2 Entwicklungsprozesse

4.3 Umgang mit Konflikten/Sozialpsychologie

4.4 Schule: Erfahrungen mit Systemen basierend auf bunterrichten-Prinzipien

4.5 Schule und Gesellschaft