#108 Wie schnell es manchmal gehen mag
Wie schnell es manchmal gehen mag Die Fragen falsch zu stellen Was hell ist, zu ergrellen Bis blind wir alle sind Die Namen sind gerufen Sie fühlen sich berufen Und geben ihren Rat
Wie schnell es manchmal gehen mag Die Liebe wirft schon Schatten Kalt, kälter wird der Atem Wir bauen Kathedralen Herrlich auszumalen Kommen feierlich, zu beten Geh‘n leise, schuldig, und betreten Wir wohnen nicht mehr hier.
Wie schnell es manchmal gehen mag Sich völlig zu verlieren In zweien, dreien, vieren Bis einsam wir uns wiederfinden Erinnern uns der Lieder Doch die Herzen schweigen wieder Hat wohl nicht sollen sein
Wie schnell es manchmal gehen mag Sich Zukunft auszumalen Mit Worten, Geist und Zahlen Sich in Zukunft zu verlieren Nur Vergangenheit zu spüren Hör die Gegenwart, sie spricht:
Halt ein, du Wanderer auf Zeit Lass hinter dir der Zukunft Eitelkeit! Hör, was mein Moment dir spricht Getrau dich, schau mein Angesicht! Ich bin die Wahl, die du gern fliehst Bin Potential, das du nicht siehst Der Mensch – ein Läufer – läuft geschwind Was kümmert’s ihn, wohin er ging? Nun, wenn er will, so soll er leiden Wer bin ich, Mensch, ihn dir zu neiden Den Augenblick, den ich dir schenke Nütz ihn, lass ihn, fühle, denke – Schenke, teile, liebe, gebe Ruhe, schlafe, müh dich, strebe Am Ende: alles einerlei Irgendwann bin ich vorbei
Wie schnell es manchmal gehen mag Für einen Augenblick zu spüren Was für Leben wir so führen Welche Opfer wir erbringen Welch‘ Gefühle wir bezwingen Weil wir glauben, dass wir sollten Vielleicht auch glauben, dass wir wollten Hab‘n wir uns doch „längst entschieden“ Und so geschickt den Augenblick vermieden
Wie schnell es manchmal gehen mag Die Fragen neu zu stellen Und bangend Herzen zu erhellen Das Licht zieht Motten an Sie fühlen sich berufen Solch Liebe zu verfluchen Und geben ihren Rat Doch Liebe ist und bleibt Ein Akt der wiederkehrend Tat