“Niklas du bist der beste Lehrer der Welt und weisst, wie man mit Kindern umgeht.” Vorgestern erhielt ich von einer meiner Schülerinnen diesen Brief, der mich sehr gefreut hat. Ich gehe zwar realistischerweise davon aus, dass es weltweit betrachtet durchaus noch Menschen gibt, die mir in dem einen oder anderen Punkt voraus sein werden und dass ich wohl viel weniger weiss, wie man mit Kindern umzugehen hat, als ein recht feines Gespür für die in der jeweiligen Situation umgehenden Energien entwickle, aber trotzdem scheint meine Arbeit in der Schule bei den Schülern einen durchaus positiven Eindruck zu hinterlassen.

Heute, als ich aus dem Bus, der mich nach Linz zurückbrachte, ausstieg, erwachte eine lange nicht gefühlte Euphorie in mir, als ich den Tag noch einmal vor meinem geistigen Auge passieren liess. Es gab die einen oder anderen Schwierigkeiten, die wir gemeinsam mit mal geringerem, mal grösseren Erfolg meisterten. Aber nicht nur, dass ein Schüler, dem es bisher noch nicht so recht gelungen war, sich unter der geforderten Arbeitsweise auch praktisch etwas vorzustellen beziehungsweise sich selbst als Akteur in diesen möglichen Rollen zu sehen, heute erstmals, zwar zaghaft, aber immerhin, in produktives Arbeiten übergegangen war, vor allem die beiden Präsentationen im Abschlusskreis waren umwerfend.

In der ersten präsentierte ein Schüler seine Forschungen über Meerestiere, was relativ schnell vorüber war, aber als später einige Fragen aus dem Publikum kamen, entwickelte sich rasch eine ausgedehnte Diskussion über diverse Meeresbewohner, von denen ich selbst in vielen Fällen noch nie etwas gehört hatte. 9-jährige brachten mich, und nicht nur einmal, ins Staunen über die Schönheit dieser Welt. Ein Höhepunkt in sozialen Belangen war für mich dann eine Schülerin, die den Präsentierenden Schüler mit dem vorgeschobenen Satz „I will di jetzt ned verletzen, aber…“ sanft darauf hinweisen wollte, dass es seinem Plakat für all sein Wissen, das er hatte, im Vergleich zur fast überbordenden graphischen Gestaltung an textlichem Inhalt mangelte.

Selbige Schülerin (eine VS-Erstklässlerin!!) präsentierte danach über die Entstehung der ersten Pflanzen und erzählte uns ganz selbstverständlich, wie die ersten Pflanzen Algen waren, und natürlich seien die Tiere erst später gekommen, weil „was I weiss, das weiss I“. Auch hier lernte ich diverse Details von einer 6-Jährigen, die noch kaum zu lesen und zu schreiben vermag, aber einen fantastischen Wissensdurst hat und sich eben in Ermangelung der Möglichkeit, Dinge niederzuschreiben, alles aus dem Stegreif erzählt und dabei leicht an professionelle Sprecher hinanreicht.

Ich freue mich unglaublich über diese genialen Leistungen, die nur wenige wohl einem Kind dieser Altersstufen zutrauen würden, aber, wie es aussieht, keine Ausnahmen an unserer Schule bleiben werden. Wenn die Qualität weiter so hoch bleibt, sollten wir vielleicht es in Erwägung ziehen, die Präsentationen in Zukunft zu filmen (oder gar zu veröffentlichen), da können so einige Erwachsene noch etwas lernen.

Ich bin heute Morgen um 6 Uhr aufgestanden, war um dreiviertel 8 in der Schule und bin um kurz vor 5 Uhr Nachmittags heimgekommen, sollte, bei alledem, was passiert ist, wohl körperlich und vor allem psychisch am Ende sein. Aber gerade bin ich einfach nur glücklich und voller Energie, und da ich nicht so recht wusste, wohin damit, wollte ich dieses Glück mit dir, liebem Leser, teilen. Ich wünsche auch dir einen wunderbaren Tag morgen, an dessen Ende du sagen kannst: Ja, dieser Tag ist es wahrhaft wert, am Leben zu sein.

Niklas

Kommentar verfassen