Manche von euch werden euch vielleicht gewundert haben, warum ich in den letzten Wochen hier nichts mehr gepostet habe beziehungsweise warum einige Artikel pl├Âtzlich nicht mehr verf├╝gbar waren. Nun, dies hatte mit einem schwerwiegenden Konflikt in meiner Arbeit zu tun. Die besagten Artikel sind nun wieder verf├╝gbar, aber dies wird der letzte Artikel, der etwas mit besagter Schule zu tun haben wird. Aber eines nach dem Anderen.

Am Boden der Tatsachen angekommen…

Als ich vor etwa zwei Monaten meine Arbeit an der Schule begann, war ich voller Motivation ÔÇô ich w├╝rde meine Vorstellungen von Bildung tats├Ąchlich in einer richtigen Schule umsetzen k├Ânnen! Die Dinge, die ich in der Nachhilfe und in diversen anderen Institutionen und Situationen bereits teilweise ausprobieren konnte und mit denen ich bereits recht durchg├Ąngig gute Erfolge erzielen konnte, w├╝rde ich nun in gr├Âsserem Stil auch im Schulbetrieb umsetzen k├Ânnen. Und die Erfolge, die ich hier verbuchen konnte, wenn es denn Erfolge wurden, w├╝rde ich ├╝ber meinen Blog und in Gespr├Ąchen mit meinen Kollegen an der PH auch in andere Schulen bringen k├Ânnen, ebenso wie sie ihre eigenen Erfolge mit uns austauschen konnten. Gemeinsam w├╝rden wir unseren Beitrag leisten, das ├Âsterreichische Bildungssystem ein St├╝ck weit in eine gute Zukunft zu bringen. Oder so glaubte ich.

Tats├Ąchlich waren die Umst├Ąnde, als ich anfing, nicht unbedingt dem entsprechend, was ich etwa in der Nachhilfe vorgefunden hatte, und so war es oft n├Âtig, geh├Ârig zu improvisieren, um ├╝berhaupt erst die Basis bereitstellen zu k├Ânnen, in der sich meine hehren Bildungsideen ├╝berhaupt erst verwirklichen liessen. Als ich dann zwei Kolleginnen zur Seite bekam, schien die Basis tats├Ąchlich relativ gesichert, und wir w├╝rden nun dazu ├╝bergehen k├Ânnen, darauf aufbauend so einiges auf die Beine zu stellen. Ich hatte meine Wertvorstellungen, die sich mit jenen meiner Kolleginnen sehr gut zu decken schienen, und bewertet nach diesen Vorstellungen hatten wir in wenigen Wochen enorm viel erreicht.

Was ich leider wohl zu wenig bedacht hatte, war, dass es durchaus Menschen gibt, die nicht nur andere Wertvorstellungen haben, sondern diese Wertvorstellungen auch als einzige, absolute Autorit├Ąt ansehen. Und je reibungsloser der Umgang mit den Sch├╝lern selbst ablief, desto mehr verst├Ąrkte sich mein Konflikt ├╝ber Werte mit dem Organisationsteam. Was f├╝r mich ein gutes, respektvolles Miteinander mit den Sch├╝lern war, war aus anderer Perspektive offensichtlich ein Chaos, in dem Respekt v├Âllig am Fehlen war. Aber das soll uns hier nicht weiter besch├Ąftigen.

Wenn der Rechtsanwalt ausgepackt wird

Mit der Zeit musste ich feststellen, dass eine Grundkomponente eines guten Zusammenlebens, und zwar eine offene Kommunikation mit allen Beteiligten, hier offensichtlich unerw├╝nscht war. Es fing an mit meinem Vorhaben, die Eltern regelm├Ąssig ├╝ber p├Ądagogische Entscheidungen zu informieren, um Vertrauen zu schaffen, und es eskalierte v├Âllig, als es um diesen Blog hier ging. Es sei unverantwortlich, schulisches Geschehen in irgendeiner Form ins Internet zu stellen, weil es da ein Leichtes w├Ąre, aus diesen Informationen b├Âsartige Ger├╝chte entstehen zu lassen. Auf eine sachliche Diskussion wurde gar nicht eingegangen, ich h├Ątte gef├Ąlligst nichts mehr dar├╝ber zu schreiben oder k├Ânnte gehen. Dies war der Punkt, an dem ich, um die Sache noch einmal vern├╝nftig bereden zu k├Ânnen (welche Passagen w├Ąren unpassend, und warum?) einige Artikel auf unsichtbar gestellt hatte, weswegen sie nicht mehr zu finden waren.

Im folgenden Gespr├Ąch wollte ich eigentlich bereits aus eigenem Entschluss das Handtuch werfen, weil es mir, wie eingangs erw├Ąhnt, wichtig war, die Erfahrungen, die hier gemacht wurden, mit anderen zu teilen, auf das alle etwas davon haben ÔÇô ├Ąhnlich einem Open-Source-Konzept in der Informatik, und weil ich immer noch der Meinung bin, dass das beste Mittel, um b├Âsartige Ger├╝chte zu vermeiden, ein mehr, nicht ein weniger an Information ist. Als ich nach einer Denkminute zur├╝ckkam, wurde mir angeboten, ich k├Ânne ja meine Artikel jetzt schreiben, aber sie erst im Sommer gesammelt als Buch ver├Âffentlichen, und mein Schreibstil an sich gelobt. In meinem Halbdelirium (am Vortag war Lesenacht und ich hatte kaum geschlafen) unterschrieb ich voller Euphorie eine Art Vertrag, dass ich nichts mehr ├╝ber die Schule in den Blog stellen d├╝rfte, mit Ausnahme eines letzten Artikels, um zu erkl├Ąren, warum ich nichts mehr schreiben w├╝rde.

Erst im Nachhinein wurde mir dann klar, wie d├Ąmlich das gewesen war. Ich hatte nicht einmal eine Kopie dieses omin├Âsen Zettels. Wie mir ein Bekannter er├Âffnete, war es vermutlich die ganze Zeit der Plan gewesen, mich dazu zu bringen, diesen Zettel zu unterschreiben, warum sonst h├Ątten sie einen angeblich per Anwalt gepr├╝ften Zettel schon vorgedruckt bei sich gehabt? Und nat├╝rlich war davon auszugehen, dass das besagte Buch ebenso zensiert werden w├╝rde wie mein Blog. Sollte ich also weiterarbeiten, ohne dar├╝ber schreiben zu d├╝rfen, obwohl es mir ein Herzensanliegen war? Nein, diese Unterschrift hatte eine Weiterarbeit ausgeschlossen, wenn es nicht m├Âglich war, sie irgendwie zu revidieren ÔÇô etwas, von dem ich nicht ausging, dass es m├Âglich sein w├╝rde.

Ein Ende mit Schrecken… und ein Neuanfang

Nach einem wohlmeinenden Versuch einiger netter Menschen, die Sache doch noch irgendwie zu retten, wurde ich dann vor einigen Tagen gek├╝ndigt. Auch wenn es mir dann doch mehr weh tut, als ich gerne zugeben w├╝rde, weil mir nicht nur einige Eltern, sondern vor allem nat├╝rlich die Kinder ans Herz gewachsen sind, ist es wohl besser so, weil ich mich sonst vielleicht noch Monate abgem├╝ht h├Ątte, nach meinen eigenen Wertvorstellungen zu arbeiten, die so gar nicht mit jenen der Leitung zusammenpassen zu scheinen. So konnte ich mich noch ein wenig am├╝sieren (oder sollte ich besser traurig sein?), als mir eine Mutter erz├Ąhlte, wie meine K├╝ndigung begr├╝ndet wurde, und mich nun nach einem neuen Ort umsehen, an den ich tats├Ąchlich nach meinen Werten etwas Gutes bewirken kann.

Es bleiben mir einige gute, einige nicht so gute Erinnerungen, vor allem aber die Sicherheit, dass das, was ich mit meiner Arbeit erreichen will, nicht nur m├Âglich ist, sondern auch nicht nur f├╝r viele Kinder, sondern auch f├╝r viele Eltern als wertvoll empfunden wurde. Zumindest nach meinen eigenen Wertmassst├Ąben beurteilt fiel dem Organisationsteam wohl tats├Ąchlich kein nicht ziemlich aus der Luft gegriffener Grund ein, mich zu k├╝ndigen, was ja irgendwie auch beruhigend ist. Was bleibt, ist den Ort und die Zeit zu finden, an dem diese Arbeit tats├Ąchlich auch von allen Beteiligten als wertvoll gesch├Ątzt wird, Menschen zu finden, die diese Vision mit mir teilen und sie gemeinsam in dieser Welt realisieren m├Âchten.

Ich war die letzten Tage gesundheitlich ziemlich angeschlagen, vermutlich ein Ausdruck des ganzen Drucks in den letzten Wochen, den ich nun auf diese Weise endlich hinaus lassen kann. Ich weiss nicht, ob das f├╝r viele von euch Sinn macht, aber manchmal sind diese Phasen, in denen man ordentlich fertig ist, n├Âtig, um dann wieder mit voller Kraft Neues zu beginnen. Ich hoffe, dass ich in den n├Ąchsten Tagen und Wochen dann tats├Ąchlich endlich meinen Bachelor abschliessen und zudem auch recht bald wieder eine Arbeit finden kann, bei der ich das Gef├╝hl habe, dass sie f├╝r mich und f├╝r andere Sinn macht.

Falls ihr einen guten Tipp f├╝r mich habt (ab M├Ąrz gerne auch im Ausland, spreche ja neben Deutsch und Englisch auch fl├╝ssig Portugiesisch), bitte ich euch, ihn mir mitzuteilen: ich bin ├╝ber jede Hilfe diesbez├╝glich sehr dankbar.

So, hoffentlich auf bald, euer
Niklas

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