Erfahrungsbericht Comunidade Escolar: Ein Nachmittag in einer offenen Schule

Heute war ich an der Escola Municipal CEI Curitiba Ano 300, um die Funktionsweise der Comunidade Escolar in Aktion zu sehen. Vor allem interessierten mich, wie stark das Angebot genutzt wird, welche Angebote es innerhalb der offenen Schule gibt und Fragen der Sicherheit: wer beaufsichtigt die Kinder? Wie wird gewährleistet, dass die Kinder nicht in Kontakt mit potentiell gefährlichen Menschen wie Pädophilen kommen? Aber der Reihe nach:

Angebote

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Grundsätzlich war heute vor allem der Sportplatz zur allgemeinen Nutzung freigegeben, was bedeutete, dass eine Gruppe Fussball spielte, während eine andere an ihren Skateboard-Tricks feilte. Obwohl beide Gruppierungen den selben Bereich nutzten, gab es keine wahrnehmbaren Konflikte, es gab auch häufige Wechsel, so dass manche Kinder eine Weile Skateboard-Tricks übten und später Fussball spielten, und umgekehrt. Es gab diverse Bälle für die verschiedensten Sportarten sowie auch einen Tischtennistisch. Zudem waren einige Kostüme zur freien Verfügung gestellt (Theater), es gab einen Spielplatz mit Rutsche und Schachbretter mit dazugehörigen Figuren. Zudem stand die Schulbibliothek (samt Internetzugang) offen.

Professionelle Kurse (mit abschliessendem Zertifikat!) gab es zwar früher, aber aus finanziellen Gründen wurden diese eingestellt. Heute wurde jedoch etwa von Freiwilligen ein Strick-Kurs angeboten.

Auch die Betreuer boten eine Aktivität an, die rege genutzt wurde: Ein Wissenswettbewerb mit jeweils zwei Kontrahenten und Wahr-Falsch-Fragen. Wer als erster die Hand vom Hinterkopf (Startposition) auf den Stuhl brachte und die richtige Antwort wusste, durfte dem Kontrahenten einen Pappteller mit Schlagobers ins Gesicht schmieren. Bei einer falschen Antwort durfte der andere einem das Gesicht beschmieren.

Alle diese Angebote werden frei und umsonst zugänglich gemacht.

Andrang

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Als ich um etwa zwei Uhr ankam, waren um die zehn Besucher hier, was sich dann vor allem rund um die Torte-ins-Gesicht-schmieren-Aktivität auf etwa 30-40 erhöhte. Einige eher kleinere Kinder waren auch mit den Eltern da, die sich rege an den Aktivitäten beteiligten. So spielte etwa ein Vater Fussball mit oder mit mir Schach. Das Angebot scheint sehr gut anzukommen. Angeblich (laut einer Jugendlichen) kommen an anderen Tagen noch mehr Besucher.

Fragen der Sicherheit

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In jedem Bereich, der zugänglich gemacht wird, wie heute eben der Sportplatz, befindet sich immer ein Betreuer, der dafür zuständig ist, beispielsweise die Bälle zur Verfügung zu stellen oder die Kinder zu ermahnen, die Fensterscheiben nicht kaputt zu schiessen. Vor allem aber ist er Ansprechpartner bei Problemen, etwa, wenn sich Kinder verletzt haben. Potentiell gefährliche Bereiche wie etwa der Werkraum werden nur geöffnet, wenn jemand verlässlicher die Verantwortung für die Aufsicht übernehmen kann.

Zudem gibt es nur zwei Eingänge, die ständig von Mitarbeitern besetzt sind, um das Eindringen unerwünschter Personen zu verhindern. Heute waren insgesamt fünf angestellte Mitarbeiter im Einsatz, um für den reibungslosen Ablauf zu sorgen.

Laut den Mitarbeitern ist seit Projektbeginn (also die letzten 8, 9 Jahre) noch nie etwas Schlimmeres passiert, bis auf ein Mal, als sich ein Jugendlicher einen Finger gebrochen hat.

Fazit

Die Comunidade Escolar ist ähnlich aufgebaut wie eine Free Skool (mit zusätzlichem freien Spiel und freier Nutzung des Schulinventars), auf Freiwilligkeit und natürliche Autoritäten. Sie ist für mich eine bunterrichtende Einrichtung, die es wert ist, kopiert zu werden. Wenn jetzt noch der Schritt gewagt wird, diese Form der informellen Bildung auch noch unter der Schulzeit, vielleicht sogar als Alternative zur “normalen” formellen Schulbildung, zu ermöglichen, so käme dies einer Revolution gleich. Aber interessanterweise finde ich keine Gründe, die dagegen sprechen.

Niklas

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