Foren Bunterrichten Aufnahme eines neuenMitarbeiters in unser Team – Kollegin reagiert problematisch

Dieses Thema enthält 4 Antworten und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Niklas 23. September 2018um 11:14.

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  • Helmchen (10. März 2018 um 14:16)

    Guten Tag liebe Community,

    ich hoffe, dass Ihr mir vielleicht den ein oder anderen kleinen Tipp für folgende Situation geben könnt.

    Zum Hintergrund:
    Ich arbeite mit drei weiteren Personen in einem Team. Das Team besteht aus mir, zwei jungen Kollegen und einer etwas älteren Kollegin. Sie ist auch schon am längsten aus diesem Arbeitsplatz (ca. 25 Jahre).
    Weiterhin haben wir noch einen Chef, der aber nicht nur für uns zuständig ist, sondern noch für zwei weitere Teams als Leiter fungiert und daher nicht immer gleich stark in unserem Team präsent ist.

    Unserem Vierer-Team steht nun eine Veränderung bevor, da ein Kollege nun aus unserem Team auf einen anderen Arbeitsplatz wechseln wird.

    Ich weiß, dass unsere Kollegin nicht immer einfach ist und auf Veränderungen äußerst allergisch reagiert. Sie wird dann meistens sehr abwertend und steht neuen Kollegen nicht sehr offen gegenüber. Es braucht daher meistens sehr viel Zeit, bis sie sich an neue Mitarbeiter gewöhnt hat. Zum Teil gab es in der Vergangenheit sehr viel Streit, bis sie einen neuen Kollegen akzeptiert hatte (einige Leute sind deswegen auch wieder gegangen). Zum Teil wurde der Streit von ihr auch offen ausgetragen. Da wir in einer Behörde arbeiten und bisweilen auch öffentlich wirksam tätig werden, ist eigentlich ein geschlossenes Auftreten und gegenseitiges Vertrauen wichtig.
    Ich habe ca. ein halbes Jahr gebraucht, bis ich das Gefühl hatte, dass sie mir vertraut und dass wir so gut auskamen, dass sie auch mal mich um Hilfe gefragt hat.
    Einen Kollegen, der gleichzeitig mit mir angefangen hat (vor ca. 2 Jahren), wird bis heute nicht so richtig von ihr akzeptiert, auch wennn es so langsam besser wird. Den Kollegen, der nun geht, hat sie inzwischen auch gut akzeptiert. Wenn er jetzt geht, wird es wahrscheinlich sehr viele Probleme geben, da dann die Konstanten für sie auf der Arbeit weniger werden.

    Da wir gerade sehr viele (organisatorische) Veränderungen in unserer Dienststelle haben, ist ihr Nervenkostüm sowieso sehr strapaziert. Sie kommt mit Veränderungen nicht gut klar.

    Ich befürchte, dass es dann für die/den neue/neuen Kollegin/Kollege sehr schwierig wird, sich in unser Team einzufinden, wenn es gleich von Beginn an so einen starken Gegenwind von der Kollegin bekommt.

    Was ich bislang versucht habe, um die Situation zu erleichtern, ist, dass ich versuche, der Kollegin gut zuzureden, die Ergebnisse der Kollegen ihr gegenüber lobe und versuche, ihre Akzeptanz zu steigern, indem ich die Kollegen bei schwierigen Fallkonstellationen, die meine Kollegin und ich bearbeiten, mit dazu hole und sie auch einbinde.
    Ich befürchte nur, dass es nicht reichen wird, wenn sie sich komplett neu an jemanden gewöhnen muss. Zumal dieses Vorgehen ja auch nicht immer funktioniert und sie die Kollegen ja bereits länger kennt.

    Die Möglichkeit, dass unser Chef durchgreift und mal Klartext redet, ist leider nicht auf meiner Liste. Das hätte er schon mehrfach machen müssen (was er auch weiß), er macht es aber nicht, wahrscheinlich auch, da es inzwischen einfach zu spät ist und er dies schon viel früher mal hätte stoppen müssen.

    Die Kollegin selbst weiß auch darum, dass es nicht unbedingt ein gutes Benehmen und Verhalten ist, sich stets mit neuen Kollegen anzulegen und diese zunächst schlecht zu machen. Sie sagt jedoch, dass sie halt nunmal so sei und damit müsse man dann klarkommen. Zwar sagt sie selbst auch, dass man ihr sagen solle, sobald sie es übertreibt, doch zum einen ist man zunächst von ihr sehr eingeschüchtert und zweitens reagiert sie darauf trotzdem nicht.

    Deswegen richte ich mich jetzt an Euch und hoffe auf ein paar gute Tipps oder erprobte Falllösungen oder auch einfach nur ein paar Gedanken zum Thema, wie ich/mein Team dafür sorgen kann, dass die Kollegin mit der/dem neue/neuen Kollegin/Kollegen möglichst gut klarkommt und sich schnell daran gewöhnt, dass wir ein neues Teammitglied haben.

    Ich danke Euch für Eure Hilfe und Gedanken zu dem Thema!

    Besten Gruß 🙂

  • Niklas (18. März 2018 um 15:35)

    Hallo Helmchen!

    Ich habe vor ein paar Tagen einen Blog-Beitrag geschrieben, der für dich relevant sein könnte. Du findest ihn hier. Möglicherweise könnte die Beachtung dieser Hierarchie auch deiner Kollegin helfen, die Handlungsweisen eines neuen Kollegen so einzuordnen, dass sie das Gefühl hat, er würde in ihrem Sinne handeln (Warum, Wie), obwohl sein konkretes Handeln (Was) anders ist?

    Dass dein Chef das Gefühl hat er hätte schon längst mal reagieren müssen und jetzt sei es zu spät finde ich eine seltsame Argumentation. Vor allem wenn nun ein neuer Mitarbeiter kommt, bietet es sich fast an, bei dieser Gelegenheit “Grundregeln” des Miteinander (neu) zu definieren oder auch gemeinsam auszuhandeln. Wenn er es sich selbst nicht zutraut, Verstöße gegen diese “offiziellen Grundregeln des Miteinanders” konsequent genug durchzusetzen, so kann er ja auch alternativ jemanden bestimmen, der das offiziell für ihn übernimmt.

    Jede Veränderung bringt ja auch immer das Risiko mit, dass “das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird”, also gut funktionierende Aspekte versehentlich mit aufgegeben werden. Vielleicht wäre es ja auch möglich, deine Kollegin zu einer Art Verantwortlichen für den Schutz essentieller Aspekte zu machen, die nicht ohne Weiteres verändert werden sollten? Ich kann mir vorstellen, dass sie in vielen Fällen nicht 100%ig exakt erklären kann warum sie gegen eine spezifische Veränderung ist, aber einige dieser Widerstände deuten ja vielleicht auch auf für euch relevante Aspekte hin, die für alle Beteiligten wertvoll sein können. Die Frage “Gibt es einen begründeten Einwand” aus der Soziokratie anstatt des sonst üblichen “Wer ist dafür/dagegen/enthält sich?” zu verwenden kann da sehr hilfreich sein. Bei Interesse kann ich das auch gern noch weiter ausführen was dabei zu beachten ist 😉

    Ich weiß ja natürlich nicht in welchem Bereich ihr konkret zusammenarbeitet, aber gibt es in eurem Bereich klare Kriterien woran man objektiv erkennt, ob die eigene Arbeit eine hohe Qualität hat? Wenn nicht – vielleicht könnt ihr ja gemeinsam solche Kriterien entwerfen? Wenn ihr die habt, dann könnt ihr eine Grundregel aufstellen, dass es einem jeden frei steht wie er diese erfüllt, solange er sie nachweislich erfüllt. Damit würdet ihr die Diskussion “wie man es richtig macht” auf eine objektivere Ebene heben und müsstet weniger über subjektive Meinungen diskutieren, indem ihr bei Konflikten einfach fragt, ob eine Handlung den gemeinsamen Kriterien entspricht oder nicht.

    Hoffe, da ist was Hilfreiches dabei 🙂
    Niklas

  • Helmchen (4. Juli 2018 um 20:57)

    Moin Niklas,
    vielen Dank für Deine Antwort!

    Über die Frage nach berechtigten Einwänden haben wir ja schon öfters mal geschrieben und geredet. Dies funktioniert auch eigentlich ganz gut. Wenn es in einer Teamsitzung zu Einwänden wie “Die kann ich halt einfach nicht ab, die machen nicht das, was in unserem Sinne ist und haben uns da noch nie geholfen, etc…” kommt, dann frage ich nach dem Hintergrund nach. Meistens kommt dann sehr schnell heraus, dass das eigentlich gar kein richtiger Einwand im Sinne eines funktionierenden und zielführenden Diskussionssystems ist, sondern nur der Versuch der Störung oder der Durchsetzung der persönlichen Meinung, die sich auf in der Vergangenheit liegenden Dingen stützt, aber den Raum für neue Erfahrungen natürlich versperrt.

    Das gemeinsame Wie müsste nach Deinem Beitrag ja das Produkt unserer täglichen Arbeit sein, also wie das Produkt, das wir abliefern wollen/müssen, im Ergebnis aussieht.
    Das Was, wie wir dieses Produkt erbringen.
    Ich glaube, dass sich zwar das Wie und das Was hier etwas überschneiden in der Praxis, aber ich berichte trotzdem mal, was wir uns ausgedacht haben:

    Für unsere Kollegin haben wir uns überlegt, dass sie die neue Mitarbeiterin, die nun bei uns anfangen wird, selber in bestimmten Fachfragen einarbeiten soll.
    Wir nutzen ein gemeinsames Fachverfahren, mit dem wir einen Großteil der Fälle bearbeiten. Da meine Kollegin die Expertin für dieses System ist, soll sie die Einarbeitung in die Bedienung übernehmen. Auch die Arbeitsprozesse (z.B. Erfassung von Fällen, Abläufe bei Eingaben, etc.) soll sie ihr beibringen.
    Zum einen soll sie sich durch die Verantwortung als wichtig für das Team empfinden und dadurch mitbekommen, dass wir sie wertschätzen und brauchen.
    Zum anderen kann sie dadurch selbst Einfluss nehmen auf die Einarbeitung und damit dafür sorgen, dass die neue Kollegin nach den gleichen Qualitätskriterien arbeitet, wie sie selbst (die Qualität ihrer Arbeit kann man sich in der Regel nämlich tatsächlich auch als Vorbild nehmen).

    Ferner haben wir für die Arbeitsschritte “Prozessbausteine” entwickelt und diese zu einer Anleitung für bestimmte Prozesse, also quasi als Arbeitsanleitung zusammengeführt. Wir haben diese Anleitungen nochmal mit ihr durchbesprochen und sie hat allen Dingen zugestimmt und ist davon überzeugt, dass die Anleitung genau die richtigen Dinge wiedergeben, um das richtige Arbeitsergebnis zu bekommen.

    So kann sie zumindest unter den gleichen Voraussetzungen wie wir anderen Mitarbeiter auch starten. Wenn sie später an dem Was, also wie sie das Ergebnis erbringt, etwas ändern will, dann kann sie das machen, weiß aber auch, an welchen Prozessbausteinen sie arbeiten kann, wenn das Ergebnis gleich bleiben soll.

    Was hälst Du/haltet Ihr, werte Mitleser, davon?

    Grüße aus dem hohen Norden 🙂

  • Helmchen (29. August 2018 um 9:51)

    Hallo,

    nach bald zwei Monaten Einarbeitungszeit der neuen Mitarbeiterin will ich hiermit mal kurz Bericht erstatten über die bisherigen Erfahrungen.

    Grundsätzlich sind die Erfahrungen mit der Einarbeitung gut. Die ersten zwei Wochen wurde unsere neue Mitarbeiterin vor allem von ihrem direkten Kollegen eingearbeitet. Als diese Phase abgeschlossen war, hat sie auch immer wieder mit unserer Kollegin in Angelegenheiten zusammen gearbeitet, die für sie noch zu komplex waren.
    Grundsätzlich hat meine Kollegin gut mit der neuen Mitarbeiterin zusammengearbeitet. Meine Kollegin war insgesamt über die bisherige Zeit sehr freundlich zu ihr (von einem kleinen “Ausrutscher” abgesehen) und hat mit recht viel “Mitgefühl” und relativ ruhig bei der Einarbeitung geholfen. Insgesamt ist ihr Eindruck, dass die Einarbeitung gut läuft.
    Sie nimmt sich sogar die Zeit, mit der neuen Mitarbeiterin zusammen einige Fälle nachzuarbeiten oder mal genauer nachzusehen, wenn sie sich nicht so sicher ist.

    Meine Kollegin freut sich, dass sie so häufig angesprochen wird und das viele Fachfragen bei ihr landen. Damit ist sie immer dabei, wenn es um die Klärung einer Angelegenheit geht und kann mit ihrem Wissen helfen.

    Ich bin wirklich erstaunt, wie gut die Einarbeitung läuft. Ich denke mal, dass sie die Planungen und Überlegungen im Voraus wirklich gelohnt haben.

    Besten Gruß

  • Niklas (23. September 2018 um 11:14)

    Hallo Helmchen,

    na das klingt ja wunderbar fürs erste! Freut mich für dich/euch, dass das so gut geklappt hat bisher 🙂

    Nur so nebenbei: ich fands grad beim Nochmal-Lesen der alten Beiträge witzig, dass du das Was und Wie der Arbeit völlig unterschiedlich interpretierst als ich es tun würde. Daher hier nochmal in Kurzform, falls das nochmal relevant/hilfreich sein könnte:

    • Warum: Gewissermaßen das Endziel des Ganzen, in meinem Fall z.B. mein “Menschen helfen aufzublühen” – mein großes Anliegen ist es, das, was in Menschen als Potential angelegt ist, zu ermöglichen.
    • Wie: Gewissermaßen die Prinzipien, die ich mir auferlege, um mein Warum-Ziel zu erreichen. Um im Bild zu bleiben versuche ich z.B. den Menschen Wasser/Nährstoffe, bisweilen auch Stützung zu schenken (wie man es bei einer Pflanze vielleicht tun würde), aber ich mache jetzt keinen Birnbaum zur Rose, nur weil ich gerade eine Rose brauche.
    • Was:Das konkrete Handeln, oder ein konkretes Angebot. Im Grunde ist alles, was ich unter meiner Wortkreation “bunterrichten” anbiete, vom Wie des Miteinanders bestimmt, aber konkret sinds ja dann doch einige sehr unterschiedliche Angebote: Bücher, Webseiten-Erstellung, …

    Kannst du damit was anfangen?

    Niklas

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