Aufgrund meiner Schulausbildung zum Programmierer an der HTBLA Leonding und der auch dadurch häufigen Beschäftigung mit computer- und internet-affinen Themen bin ich an unserer Schule unter anderem auch beliebter Ansprechpartner bei Fragestellungen, die mit jenen Themen zu tun haben. Vor einigen Monaten wurde dann vom Vorstand die Anfrage an mich herangetragen, welche Projektmanagement-Programme sich wohl am ehesten für unsere Schule eignen würden. Basecamp war als günstige Alternative ins Auge gefasst worden, und ich sollte mich umsehen, ob ich nicht noch sinnvolle, ebenso günstige Lösungen finden würde. Und nach einiger Suche stieß ich zufällig auch auf Trello, und in relativ kurzer Zeit war auch unser Lernbegleiter-Team überzeugt, dass uns mein kleiner Fund Möglichkeiten eröffnen würde, von der wir mit Basecamp nur träumen konnten.

Kurzübersicht der Möglichkeiten

teamsitzungverschieben
Ein Tagesordnungspunkt wird verschoben. Der Text wurde aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht.

Im Grunde ist Trello eine Art digitale Pinwand. Es gibt „Kärtchen“ mit Überschriften und Beschreibungstexten, die man vertikal in Listen einordnen kann, die wiederum horizontal gereiht aneinanderliegen. Diese Kärtchen kann man nun mit gedrückter linker Maustaste zwischen den Listen umherschieben, was für eine sehr intuitive Art des Vorgehens sorgt. Wir arbeiten hier ja alle noch mit Laptops, aber ich kann mir vorstellen, dass dies mit Touch-Screens sogar noch intuitiver funktionieren würde.

Zusätzlich zum Umherschieben kann man mit den Kärtchen noch einige andere praktische Dinge anstellen. Man kann ihnen zum Beispiel sogenannte „Labels“ zuweisen, farbige Kennzeichnungen, die für bestimmte frei definierbare Eigenschaften stehen, z.B. „Arbeitsgruppe“, „Beschlossen“, oder „wichtig“, ebenso einzelne Benutzer, die für die Kärtchen verantwortlich sind. Ein Datum, bis wann das Kärtchen erledigt werden sollte, und eine Kalenderfunktion, alle Kärtchen nach dem geplanten Fertigstellungsdatum geordnet anzuzeigen.

calender
Ah, wir haben am Montag zwei Kärtchen zu überprüfen!

Eine sehr praktische Funktion ist es auch, dass man eine Email-Adresse einrichten kann, an die Titel und Beschreibung eines Kärtchens geschickt werden, und es wird automatisch ein entsprechendes Kärtchen erstellt. Da Trello derzeit nur auf Englisch existiert, ist es damit möglich, Grundfunktionen auch per Mail zu nutzen, und diejenigen, die sich den Umgang mit dem Programm zutrauen, können dann mit den Beiträgen der einzelnen Teammitglieder weiterarbeiten.

Mit der sehr mächtigen Filter-Funktion lassen sich Kärtchen nach bestimmten Kriterien aussortieren, wie beispielsweise nur jene, die in der letzten Woche fertig werden sollten, diejenigen mit bestimmten Labels (z.b. nur „wichtige“ oder nur „Arbeitsgruppen“) oder bestimmter Nutzer.

Kärtchen lassen sich in Trello nicht löschen, sondern nur „archivieren“, eine Art des in-den-Papierkorb-Schiebens, die sich wieder rückgängig machen lässt und die sichtbar macht, warum versehentliche Löschungen passiert sind.

Durch ein freundlicherweise von einem Programmierer zur Verfügung stehenden Extra-Tool lassen sich aus den Kärtchen mit einem Klick eine tabellarische Übersicht im .html-Format erzeugen. Ausgehend von der dabei erzeugten Datei lassen sich mit ein paar php-Befehlen noch nette Anpassungen an die jeweiligen Bedürfnisse durchführen.

All dies mag nun für so manchen ein wenig theoretisch klingen, weswegen ich nun einige mögliche Anwendungsgebiete skizzieren werde.

Organisation der Teamsitzung

Alle Teammitglieder haben die Möglichkeit, über eine dafür eingerichtete Mail-Adresse per Betreff und Mail-Inhalt Tagesordnungspunkte einzubringen. Ursprünglich geschah dies mit Hilfe einiger Tabellen in der Dropbox, was immer wieder zu versehentlichen „Überspeicherungen“ und verlorenen Themen führte. Nun werden die Themen von den Moderatoren in Trello vorsortiert (Beschlussfähig, Arbeitsgruppe, Großgruppendiskussion, unklar), und die Teamsitzung wird dadurch strukturierter. Am Anfang jeder Teamsitzung können wir anhand des Kalenders kontrollieren, ob die vorgenommenen Aufgaben auch durchgeführt worden sind. Am Ende der Sitzung entsteht mit einem Klick das Protokoll in Tabellen-Form.

Open-Source-Schulentwicklung

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Das automatisch erzeugte Protokoll wird durch ein paar php-Scripts noch optisch verschönert.

Die einzelnen Bausteine der Schulstruktur werden als Kärtchen beschrieben, Änderungen mit Versionsnummern (z.B. V.1.2.0) versehen und als Kommentar hinzugeschrieben, wobei die jeweils aktuelle Version im „Beschreibungs“-Feld der Kärtchen verbleibt. Mit Hilfe von /* TEXT */ – Zeichen werden Kommentare und Begründungen deutlich gemacht. Anhand der Versions-Änderungen lässt sich die Entwicklung der Schulstruktur mit Datum und Begründungen nachverfolgen. Nach jeder Änderung wird die jeweils aktuelle Struktur mit einem Klick in eine tabellarische Form gebracht und durchläuft ein kleines php-Script, das die die Schrift noch lesbarer macht, in dem sie größer wird und Kommentare grün eingefärbt werden. Dieses Script ist für alle Eltern, Lernbegleiter und Schüler jederzeit online zugänglich und dient als Grundlage für die Weiterentwicklung der Schule.

Transparente Prüfungsanforderungen

Wenn alle Themen für die Ablegung bestimmter Prüfungen (z.B. Hauptschulabschluss) so aufbereitet werden, dass es Prüfungen und entsprechende Vorbereitungs-Probetests gibt, die nur noch auszudrucken sind, können Schüler jederzeit Prüfungen ablegen. Wenn sie sie schaffen, werden sie (wenn sie das möchten) als „Benutzer“ für die jeweilige Prüfung eingetragen. Wenn nun beispielsweise Eltern wissen möchten, welche Prüfungen ihre Tochter schon abgelegt hat (und daher vermutlich auch bei den Abschlüssen schaffen würde), so reicht ein Druck auf die Taste ‚f‘ (für „Filter“), die Auswahl der entsprechenden Schülerin, und prompt werden all jene Prüfungen angezeigt, die die Tochter bereits abgelegt hat.

Dies ist noch ein Stück weit Zukunftsvision – ich bin gerade erst am Anfang, all diese Prüfungen auch nur für das Fach Mathematik anzulegen. Der Trick an der Sache ist jedoch jener, dass ich, wenn ich alles in Trello übertragen habe, diese Prüfungen einfach kopieren und einem jeden anderen frei zugänglich machen kann. Das würde bedeuten, dass mit einem Schlag alle Pädagogen, die das möchten, darauf zugreifen könnten, oder auch helfen könnten, diese Prüfungen mit anzulegen. Es gäbe dann eine von allen gemeinsam erstellte und gepflegte Basis, die jeder nach den Bedürfnissen seiner Schule verfeinern könnte. Ich hoffe, in den nächsten Monaten dazu mehr berichten zu können.

Open Source

Trello basiert auf dem Open-Source-Prinzip. Das bedeutet (nach heutigem Stand), es ist a) kostenlos, b) wird ständig weiterentwickelt und c) im Notfall kann man auch selbst einige Funktionen dazu programmieren.

Für ganz kleine Schulen mit 1-2 Pädagogen lohnt es sich vielleicht nur eingeschränkt, Trello eine Chance zu geben, aber allen schon etwas gewachsenen Schulen kann ich es nur weiterempfehlen!

Niklas

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