Vor einigen Tagen kontaktierte ich einen guten Freund, um ihn in einer eine andere Person betreffende Sache um Rat zu fragen. So sehr ich mir auch den Kopf zerbrach, mir wollte alleine keine langfristige Lösung für meine Schwierigkeiten einfallen. Mein Freund reagierte genau richtig, in dem er mir sagte, ich sollte halt einfach mit der Person darüber reden und nicht mit ihm, das bringe doch nichts. Natürlich hatte er Recht, und ironischerweise ist es der Rat, den ich auch einen jeden anderen in der ähnlichen Situation geben würde, eine Weisheit, die mir zwar bewusst ist, aber in manchen Situationen eben wieder entfällt.

Als ich dann in meinem Kopf das Gespräch mit der besagten Person durchging, was ich wohl sagen, was sie wohl denken, wie das Gespräch verlaufen würde, wurde mir bewusst, wie sinnlos es wäre, im Nachhinein über die Sache zu sprechen, um weitere, ähnliche Situationen, die mir nicht behagten, zu vermeiden. Möglicherweise würden diese mit einem mulmigen Gefühl erwarteten Situationen gar nicht stattfinden, warum also überhaupt einen Gedanken an die möglichen Folgen verschwenden?

In der Folge wurde mir ein wenig klarer, warum es in vielen östlichen Philosophien als Ziel galt, zunehmend im Moment zu leben. Es würde bedeuten, die Illusion aufzugeben, dass wir eine Zukunft vorausplanen können, obwohl andere, ebenso vorausplanende und selbstständig agierende Subjekte im Spiel sind, würde bedeuten, dass wir uns keine grossen Sorgen über die Zukunft zu machen brauchen – wir sind nicht allmächtig, und so viel wir auch planen und zu kontrollieren versuchen, es gibt sehr viele Mitgestalter unseres Lebens. Es ist auch relativ sinnfrei, sich Gedanken darüber zu machen, was anders gelaufen wäre, hätten wir anders reagiert. Wir werden es nie wissen, und vor allem auch nie ändern können.

Da ich diese so simplen Weisheiten immer wieder zu vergessen scheine, habe ich sie mir nun auf einen Zettel geschrieben und am WC aufgehängt: „Niki, merk das endli mal: wennst a Problem hast, red glei in der Situation mit de jeweiligen Leid und mach da ned vorher oder nachher sinnlose Sorgen oder Strategien zrecht!“, gefolgt von Bob Marley’s Zeilen des Liedes 3 little birds. Bin gespannt, obs was hilft.

Stundenpläne und (KIOSK-)Modelle

Zurück zur Schule, zur pädagogischen Hochschule mit ihren Vorgaben, eine jede zu haltende Stunde ins kleinste Detail schriftlich durchzuplanen, was bei vielen Lehrern in der Praxis schon alleine aus Zeitgründen schnell wieder verworfen wird. Ich halte es für sehr sinnvoll, gewisse Umweltbedingungen im Vorfeld zu bedenken – wenn für ein Ballspiel kein Ball zur Verfügung steht, kann es enttäuschend sein. Aber ein Stundenplan, wie er von unserer Hochschule verlangt wird geht von nur einem gestaltenden Subjekt in der Schulklasse aus – dem Lehrer – und nicht davon, dass in dieser Klasse im Regelfall um die 25 andere Subjekte das Geschehen beeinflussen.

Natürlich mag es sinnvoll sein, sich grob zu überlegen, ob für eine Aktivität möglicherweise im Regelfall nicht vorhandene Materialien oder Menschen benötigt werden, um diese bei Bedarf ohne grossen Aufhebens abrufen zu können, aber hier endet die gewaltlose Kontrolle über den Verlauf einer Schulstunde bereits, ab hier ist der Verlauf grundsätzlich offen für das gemeinsame Gestalten von kleinen Göttern, Lehrern wie Schülern. Je durchgeplanter eine Schulstunde, desto grösser die Chance, dass einerseits vom Lehrer Druck und von den so Bedrückten Widerstand ausgehen wird und andererseits, dass diese Schulstunde an Lebendigkeit, an Menschlichkeit verliert und zunehmend der Fabrikation eines Produktes ähnelt.

Auf eine ähnliche Weise halte ich auch die verlangten Jahrespläne für problematisch, weil auch sie den Schüler als Objekt betrachten. Die Praxis, diese Pläne eben alibimässig zu schreiben und sich dann an einen natürlicheren und lebendigeren Rhythmus zu halten, wie es augenscheinlich an einigen Schulen üblich ist, halte ich auch nicht für der Weisheit letzter Schluss.

Schönen Morgen, kleiner Gott

Ist es etwa ein Verbrechen, keinen Plan für dich zu haben, mein lieber Schüler, mein lieber kleiner Gott unter Göttern, auf dass du dir dein eigenes Schicksal entdeckst? Ist es ein Verbrechen, in deinen unkoordinierten Bewegungen, deinen ersten Schritten, ersten Worten, deinen Träumen, das wertvollste Gut auf dieser Welt zu erkennen, das dich erst zum wertvollen Mitglied der Gemeinschaft der Lebenden dieser Erde machen mag? Es mag ein Verbreche darstellen, doch gegen ein Gesetz, das ich selbst für ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit halte.

Und das ich daher gebrochen werden muss, wie ich finde.

Niklas

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