So, wieder ist ein Monat zu Ende, und ich habe mir gedacht, ich stelle auch dieses Mal wieder die Ergebnisse meiner Monatsbilanz zur Verfügung – vielleicht kann der eine oder der andere etwas damit anfangen oder möchte es selbst versuchen, eine für sich anzulegen. Sie erfüllt wohl die Grundfunktionen eines betrieblichen Rechnungswesens, nämlich Bewusstsein zu schaffen für die finanziellen Bewegungen innerhalb eines Unternehmens, einer Familie oder auch nur der eigenen Brieftasche.

Anhand der letzten Monatsbilanz, die ebenso auf diesem Blog zu finden ist, habe ich damals festgestellt, dass ich relativ viel Geld dafür ausgebe, auswärts (d.h. in Restaurants, beim Bäcker) zu essen, und ich habe mir vorgenommen, dies auf maximal 1x/Woche zu reduzieren. Außerdem wollte ich mir selbst verbieten, keine Süßigkeiten mehr zu kaufen. Wenn ich Hunger auf Süßigkeiten habe, bin ich also gezwungen, sie mir selbst herzustellen, etwa indem ich einen Kuchen backe, oder das Glück zu haben, dass andere sie mir zufällig gerade anbieten. Vor allem der Drang, Kekse zu kaufen, war anfangs relativ schwer zu bewältigen, und auch der Vorsatz, nur 1x/Woche auswärts zu essen, führt zu einigem Organisationsaufwand, wenn man etwa den ganzen Tag oder sogar ein Wochenende außer Haus ist. Aber wenn ich schon eine Wortschöpfung mit dem Wort „Bilanz“ im Titel führe, sind hier wohl erst einmal ein paar Zahlen fällig:

Die Zahlen

Als erstes fällt auf, dass es dieses Monat gelungen ist, die monatlichen Verluste um 38,59 € im Vergleich zum Vormonat zu senken, obwohl ich, wie ich gerade feststellen musste, dieses Monat nur ein Mal auf der Straße Musik machte und die Einnahmen aus dieser Quelle dementsprechend geringer sind. Die Kosten für das auswärtige Essen sanken von 78,86 € auf 4,80 €, während die Nahrungsausgaben in diesem Monat um knappe 20 € höher waren. Dies erklärt sich recht schlüssig daraus, dass ich mehr zuhause gekocht habe und dementsprechend mehr Zutaten verbraucht habe. Die sonstigen Kosten blieben relativ gleich, wobei ich mir relativ am Anfang des Monats einige CDs bei Libro sowie zwei Bücher zum Thema Schriftstellerei geleistet habe, eigentlich vermeidbare Kosten. Die CDs waren nicht sonderlich gut, und die Bücher hätte ich wohl auch in einer Bibliothek ausleihen können. Aber diese waren zumindest echt lesenswert.

Die Erfahrungen

Ich habe ja an dieser Stelle letztes Monat postuliert, dass eine Mitschrift der Einnahmen und Ausgaben zu mehr Bewusstsein führen kann. Diese These hat sich in meiner Erfahrung bestätigt. Im Alltag läuft man ja ansonsten gerne durch die Landstraße und wird von allen möglichen Angeboten angelockt, auf die man vielleicht eigentlich gar keine wirkliche Lust hat – Da mal ein Leberkäsesemmerl, dort mal ein Eis…

Ich habe in diesem Monat so einiges über die Befriedigung von Bedürfnissen gelernt. Zum einen war es irritierend, wie wenig Geduld ich im Allgemeinen aufbringe, wenn ich ein Bedürfnis (etwa nach Keksen) verspüre. Ohne überhaupt gründlich in mich hineinzufühlen, ob ich nun tatsächlich Kekse essen will oder eigentlich etwas ganz Anderes, habe ich dann früher einfach Kekse gekauft und sie gegessen, bis ich Bauchweh hatte. Dadurch, dass ich meine Bedürfnisse (oder vermutete Bedürfnisse) so blitzartig befriedigen konnte, blieb mir gar keine Zeit, auf sie einzugehen, ähnlich wie ein gestresster Erwachsener, der dem traurigen Kind sagt, es dürfe ja eh den Fernseher einschalten, ohne überhaupt zu merken, dass das Kind vielleicht keinen Fernseher braucht sondern ein wenig Aufmerksamkeit und Verständnis. Es ist interessant, was passiert, wenn ich diese fast automatisch ablaufende Bedürfnisbefriedigungshandlung bewusst wahrnehme und versuche, einen Dialog mit meinen Bedürfnissen zu führen.

Eine andere Erkenntnis erscheint möglicherweise noch verblüffender: es zahlt sich aus, etwas selber zu machen, selbst wenn es teurer ist als das fertige Produkt zu kaufen. Der mit Abstand größte Wertgewinn, der leider wohl auf keiner Bilanz der Welt aufscheint, ist der der sinnvollen Erfahrung. Ich habe das Gefühl, etwas Sinnvolles und Interessantes zu tun, wenn ich meinen eigenen Sauerteig ansetze und mein eigenes Brot backe, auch wenn es unökonomisch sein sollte. Das Brot, dass ich bei Hofer oder beim Bäcker kaufe, macht mich abhängig davon, dass der Produzent auch morgen noch sein Brot für Geld verkauft. Mein Brot selbst herstellen zu können, macht mich auf eine unbeschreiblich befriedigende Art und Weise frei. Natürlich weiß ich immer noch nicht, wie ich beispielsweise Mehl aus Weizen erzeuge oder den Weizen überhaupt anbaue. Aber ich bin ein Stück weit unabhängiger von der Geldwirtschaft geworden, indem ich mich getraut habe, etwas potentiell Ineffektives zu tun. Und so ganz nebenbei: Mein Brot schmeckt echt ziemlich gut.

Die letzte interessante Erfahrung, die ich in diesem Monat intensiv machen durfte, ist die der Gemeinschaft. Je mehr ich selbst in unserer Gemeinschaftsküche kochte, desto öfter kam es auch vor, dass ich ein wenig zu viel gekocht hatte. Wenn dies passierte, teilte ich es mit allen anderen, die zufällig vorbeikamen. Und praktisch zeitgleich boten mir Freunde, aber auch Nachbarn, die ich kaum kenne, Dinge an, die sie nicht mehr brauchten. Aber nicht nur auf materieller Ebene hat ein vermehrter Austausch begonnen. Je weniger fertige Produkte ich kaufe, desto eher stoße ich bei meinen Vorhaben auf Schwierigkeiten, weil ich mich natürlich nicht in allen Bereichen auskenne. Also frage ich eben andere Menschen in meinem Umfeld, und auch dies führt zu einem vertieften Miteinander.

Es klingt möglicherweise ein bisschen verrückt, aber irgendwie fühlt es sich ein bisschen so an, als würde ich mit jedem Schritt zur Selbstständigkeit ein wenig kindischer handeln. Ich frage andere Menschen, ob sie mir helfen können, ohne mich zu schämen, dass ich etwas als Erwachsener noch nicht selbst beherrsche oder das Geld ausgeben kann/will, um es mir zu kaufen. Ich lege mehr Wert darauf, dass das, was ich tue, sinnvoll ist, anstatt wie viel Geld es mir bringt oder wie viel Zeit ich „einspare“, um sie dann in Langeweile vor dem Bildschirm zu vergeuden. Anstatt erwachsen, vernünftig, rational und unabhängig zu agieren, wage ich mich in einen Zustand der Interdependenz, der gegenseitigen Abhängigkeit – oder, anders ausgedrückt, der Zusammengehörigkeit. Und irgendwie fühlt es sich trotz aller schulischen und medialen Ausbildung in exakt die Gegenrichtung dabei auch noch gut und richtig an.

Vorsätze für den nächsten Monat

Im nächsten Monat werden wohl vor allem die Transportkosten in die Höhe schießen, weil ich von Mitte bis Ende Mai nach Deutschland fahren möchte, um einige Schulen, die mich dort eingeladen haben und an denen ich vielleicht ab Herbst arbeiten darf, zu besuchen. Auch die Einschränkung, nur 1x/Woche Essen zu gehen oder Leberkäsesemmerl zu verputzen, wird in dieser Zeit wohl mangels eigener Küche in meinem VW-Bus nur schwer umzusetzen sein.

Da ich mich immer wieder in meinem Leben mit den unterschiedlichen Religionen und Spiritualität beschäftige, habe ich mir für den nächsten Monat vorgenommen, zumindest zwei Mal am Tag (am besten wohl morgens und abends) zu beten. Soweit ich das für mich verstanden habe, ist christliches, jüdisches oder muslimisches Beten im Großen und Ganzen in der Funktion gleichzusetzen wie das Meditieren im Buddhismus oder im Taoismus, und ich möchte versuchen, ob ich nicht eine Form des Gebets oder der Meditation für mich entdecke, die mich persönlich weiterbringt. Wenn die besagten Rituale in so vielen heiligen Schriften erwähnt werden, müssen sie wohl einen tieferen Sinn haben.

Ein Vorschlag

Ich kann mir gut vorstellen, dass einige von euch, die bis hierher gelesen haben, sich denken, ich sei verrückt, das durchzuziehen und da tatsächlich jeden Cent mitzuschreiben. Tatsächlich beläuft es sich auf vielleicht 5 Minuten alle paar Tage, wenn ich die Werte und die Herkunft der Rechnungen der letzten Tage eintrage, alles zusammen pro Monat und mit der Schlussauswertung auf vielleicht zwei Stunden Arbeit. Rein finanziell gerechnet handelt es sich in diesem Monat bei einer Einsparung zum Vormonat um einen Stundenlohn von 20 €/h, gar nicht so übel. Nebenbei lerne ich auch mich selbst und die Festigkeit meines Willens kennen, wenn ich etwa innerlich gegen das Bedürfnis ankämpfe, mir jetzt sofort Kekse zu kaufen. Wie schwierig das ist, weiß ich mittlerweile aus eigener Erfahrung.

Vielleicht wollt ihr auch einmal, spaßeshalber, ein ähnliches Experiment wagen, und eure Finanzen mitschreiben. Oder wie viele Zigaretten ihr wirklich am Tag raucht, wie viel Geld ihr für Kleidung ausgeben oder was auch immer. Solange ihr euch nicht selbst belügt, werdet ihr wohl dabei so einiges über euch selbst herausfinden. Und so ganz nebenbei habt ihr nicht nur Anwendungserfahrung in Statistik und Rechnungswesen, ihr habt auch noch ohne großen Aufwand den Sinn dieser Disziplinen verstanden. Etwas, das Rechnungswesen-Unterricht oft in einigen Jahren nicht vermag.

Ich kann euch bei Bedarf auch gerne dabei helfen, Tipps oder Ermutigung geben usw. – meine Kontaktadresse ist ja leicht zu finden.

Niklas

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