Ziel dieser Serie ist es, den Prozess vor, während und nach der Erstellung einer Homepage mit Hilfe des CMS WordPress sichtbar zu machen, von dem ein Webdesign-Kunde sonst nur wenig mitbekommt. Normalerweise wird eine Webseite ja vom Entwickler in einer sogenannten Sandkasten-Umgebung entwickelt und getestet. So sieht der Kunde am Ende nur das fertige Produkt.

Ich möchte mit dieser Serie das genaue Gegenteil davon erreichen: den Leser mit den Höhen und Tiefen des Prozesses vertraut machen. Einerseits, weil es durchaus auch unterhaltsam und lehrreich sein kann. Vor allem aber ist nachhaltiger stimmiger Kontakt, dessen Herbeiführung all meinem Streben zugrunde liegt, gewissermaßen der Anti-Pol zur sonst angestrebten Perfektion. Anstatt also dem Kunden die eigene Unfehlbarkeit und Perfektion vorzuspielen, entscheide ich mich bewusst für Authentizität und Ehrlichkeit.

Als Lehrer führte dies dazu, dass die mir anvertrauten Kinder mir vertrauten, weil sie wussten, dass selbst meine Fehler ehrliche Fehler waren. Dass auch sie selbst nicht fehlerlos waren, und wir uns so – als die wunderbaren Menschen, die wir waren, mit all unsere Ecken und Kanten – begegnen durften, wie es für alle Beteiligten stimmig war.

Dieser Zugang des stimmigen Kontaktes passte nicht unbedingt ideal in unser Regel-Schulsystem. Er passt auch in unser Regel-Wirtschaftssystem nicht sonderlich gut. Aber das ist auch gar nicht notwendig. Ich will ja auch nicht mit irgendeinem Kunden zusammenarbeiten, sondern genau mit jenen Menschen, mit denen ich gerne zusammenarbeite. Die mich genau dafür schätzen, wie ich authentisch bin, und auch bereit sind/die Ressourcen haben, mich dafür fair zu bezahlen. Warum Fair Trade nur international denken, und nicht auch hier miteinander gut umgehen?

Nur: diejenigen, mit denen ich menschlich gerne zusammenarbeiten würde, sind oft diejenigen, denen es vermeintlich an (finanziellen) Ressourcen fehlt, mich (oder sonstwen) fair zu bezahlen. Dies ist jedoch in den meisten Fällen nicht das eigentliche Hindernis, die eigentlich fehlende “Ressource”. Woran es nämlich oft am meisten fehlt, ist nicht Geld, sondern Mut.

Warum es so schwierig ist, etwas Neues zu beginnen

Man könnte über dieses Thema alleine seitenweise schreiben, und tatsächlich habe ich vor einiger Zeit in diesem Artikel zum universellen Entwicklungskreislauf auch ein hilfreiches Modell dazu beschrieben. Damit lässt sich in vielen Situationen herausfinden, was es braucht, um Weiterentwicklung möglich zu machen.

Ein Schlüssel-Aspekt ist die Hoheit über die eigenen begrenzten Ressourcen wie Zeit, Geld, Aufmerksamkeit. Im Durchschnitt lassen sich Menschen rascher auf eine neue Erfahrung ein, wenn sie glauben, ihre „Investition“ im Vorhinein einschätzen zu können, und wie diese im Verhältnis zu ihren aktuellen „Ressourcen-Beständen“ sowie der „Nachwachs-Rate“ dieser Ressource stehen. Simples Beispiel:

Wer im Durchschnitt 1000€/Monat netto verdient und aus Erfahrung weiß, dass es am Ende jeden Monats knapp wird, wird eine zusätzliche Investition von 2000€ ganz anders einordnen als jemand, der jedes Monat 5000€ netto verdient.

Die Einschätzung der zu investierenden Ressourcen erfolgt dabei entweder aufgrund eigener Vorerfahrungen oder aufgrund von Erfahrungen/Angaben anderer, denen vertraut wird. Je weniger Eigenerfahrung zu einem Thema besteht, desto abhängiger ist man von Fremdmeinungen, und desto mehr Risiko besteht auch, wenn man dieser vertraut. Für umso wichtiger halte ich es, von vornherein mit offenen Karten zu spielen, und nur mit jenen zusammenzuarbeiten, mit denen sich nach bestem Wissen und Gewissen eine Form der Win-Win-Zusammenarbeit finden lässt. Und allen anderen abzusagen. Nur wer gelernt hat, Nein zu sagen, kann auch guten Gewissens Ja sagen.

Mal abgesehen von den wenigen verstreuten schwarzen Schafen, die womöglich tatsächlich objektiv falsche Angaben machen, gibt es noch die subtilere Variante: die begrenzte Ressource „Aufmerksamkeit“ des Anderen geschickt im Sinne des eigenen Vorteils zu lenken. Dies funktioniert besonders gut, wenn man ein Angebot unterbreitet, das a) unverschämt günstig erscheint, b) begrenzt ist („nur noch bis morgen!“) und c) als Zielgruppe Menschen auswählt, die aufgrund geringer Vorerfahrungen mit einem Themenfeld nicht gut einschätzen können, worauf sie beim Vergleich von Angeboten achten sollten.

Beliebte Zielgruppe: junge Unternehmer, die glauben, nun ihre erste eigene Webseite zu brauchen.

Einmalkosten und wiederkehrende Kosten für eine Homepage: Zeit, Geld, Aufmerksamkeit

In Bezug auf Webseiten gibt es vor allem drei Kategorien von Kosten, die es zu bedenken gibt und die meist in Zusammenhang zueinander stehen:

  • Zeit
  • Geld
  • Aufmerksamkeit

Außerdem müssen wir nicht nur einmalige Erstkosten bedenken, sondern auch wiederkehrende Kosten, die im Laufe der Zeit die Einmalkosten übersteigen können.

Grundsätzlich steht es jedem frei, Webseiten-Entwicklung von Grund auf selbst zu lernen. In Zeiten des Internets ist dies auch durchaus möglich. Nur: es dauert ziemlich lange, und beansprucht für diesen langen Zeitraum die eigene Aufmerksamkeit. Der langfristige Vorteil ist natürlich, dass man dann auch tiefergehende Veränderungen an der eigenen Webseite in den meisten Fällen selbst vornehmen kann.

Wer viel Geld, aber wenig Zeit und Aufmerksamkeit übrig hat, kann sich Webseiten auch völlig fremd-erstellen lassen. Technisch und finanziell betrachtet ist dies womöglich sogar kurzfristig die effizienteste Lösung. Nur: bei Änderungen braucht es dann womöglich wieder den Techniker, und langfristig summieren sich die Kosten durchaus. Dies ist besonders dann der Fall, wenn eine Webseite von Grund auf „von Hand“ programmiert wird, weil dabei im Gegensatz zu CMS oft keine von Laien gut bedienbaren Editoren zur Verfügung gestellt werden.

Der Idealfall wird irgendwo dazwischen liegen: Sich professionelle Hilfe für schwierigere technische Umsetzungen zu holen, aber in der Findung der Funktionsweise/des Designs gut eingebunden zu sein. Einen Webshop integriert zu bekommen ist ja schön, aber seine Daten einzugeben stellt beispielsweise immer auch eine mögliche Barriere für den späteren Nutzer dar. Wie also kann diese Barriere vermindert/vermieden werden? Ist es überhaupt die technisch/funktional schlaueste Lösung, einen eigenen Webshop zu betreiben? Wer hier das „Projekt Homepage“ völlig an Spezialisten übergibt, bekommt zwar möglicherweise eine technisch einwandfreie Lösung, aber nicht unbedingt eine, mit der man auch nachhaltig zufrieden ist.

Es ist mit Website-Baukästen heutzutage sehr einfach, „schöne“ Webseiten zu erstellen. Aber Webseiten zu gestalten, die zum Betreiber und dem wofür er stehen will will stimmig passen, da wird Webdesign plötzlich doch wieder zur Kunstform.

Unabhängig von der Umsetzung sind mit zu bedenken: Kosten in der Einrichtung in allen drei Kategorien, aber auch laufende Kosten wie Server-Kosten, Updates, Aktualisierung/Erweiterung von Inhalten, und so weiter.

Nur um eine ungefähre Vorstellung zu bekommen, was das in Zahlen heißt: ich mache mir alles selbst, nur den Server habe ich gemietet, und für SSL-Zertifikate zahle ich extra. Sind auch rasch mal 30€/Monat alles zusammen. Kann man wohl auch billiger haben, aber ich hatte in 1,5 Jahren genau 1x ein Problem mit meinem Hoster, dass dieser innerhalb von einem halben Tag auf freundlichste Art und Weise für mich lösen konnte. Qualität kostet.

Warum sind manche Webseiten-Anbieter billiger als andere oder sogar kostenlos?

Wer mit dem Gedanken spielt, sich eine Homepage zuzulegen, sollte bedenken, dass der Großteil der Anbieter die Aufmerksamkeit des Interessenten auf bestimmte Faktoren lenken wollen wird, um von anderen abzulenken. Deshalb ist es schlau, sich durchzuüberlegen, was man erreichen möchte.

Gleich vorweg – die wertvollsten drei Ressourcen in der aktuellen Welt des Internets sind:

  • Aufmerksamkeit
  • Nutzerbindung
  • Daten über Nutzer

Facebook etwa ist nicht deswegen so viel wert, weil es an sich so toll wäre (das ist es nicht), sondern weil unglaublich viele Menschen es absichtlich benutzen, regelmäßig benutzen und gezielt benutzen. Das Gegenteil davon wäre ein PopUp, das sich automatisch öffnet, weil ich ein einziges Mal versehentlich einen Link gefolgt bin, und das mir Werbung für Sex-Robotor in Süd-China anzeigt, die ich womöglich nicht einmal dann bestellen könnte, wenn ich wollte.

Was viele der Website-Baukästen-Anbieter erreichen wollen, indem sie „kostenlos“ ihre Dienste anbieten, hängt ebenso mit diesen drei Ressourcen zusammen:

  • Ein „Umzug“ ist aufwändig, daher bleibt der Nutzer tendenziell, solange man ihn nicht völlig verärgert (-> Nutzerbindung)
  • Man kann dem Nutzer, sobald er an die (meist eng gesteckten) Grenzen des kostenlosen Angebots kommt, kostenpflichtige Upgrades anbieten. Um den 1x-Aufwand eines Umzuges zu vermeiden, urteilt er bei der Entscheidung oft nicht rational (-> Nutzerbindung)
  • Man kann als Anbieter auf der „kostenlosen“ Seite des Kunden die eigene Werbung schalten, die damit eine riesige Reichweite erzielt, und zwar neben „echten“ Inhalten. Anstatt Fake-Seiten durch Bots erstellen zu lassen oder Clickworker dafür zu bezahlen, lagert man diese Arbeit eben an unerfahrene Laien aus (-> Aufmerksamkeit, Daten der Nutzer)
  • Die so erstellten Webseiten „vertiefen“ die Anbieter-Seite im Suchmaschinen-Ranking und werben nebenbei automatisch noch für den Anbieter, der damit kostenlose Eigen-Werbung macht – und unzählige der begehrten Backlinks erhält, die seine Anbieter-Seite in Suchmaschinen-Seiten als „Authority“-Seite ausweisen. Die eigenen „Outbound-Links“, also Verlinkungen zu anderen Seiten, steigen damit massiv an Wert – und können uwiederum für Geld verkauft werden (-> Aufmerksamkeit)
  • Keine Unter-Seite des Anbieters kann dem Anbieter selbst jemals den Rang ablaufen, weil der Großteil der Autorität bei der Anbieter-Seite verbleibt (-> Aufmerksamkeit)

Wer das Angebot eines Website-Baukasten-Anbieters nützt, erzeugt Aufmerksamkeit für diesen mit, bindet mit der eigenen Nutzerbindung diese auch an den Anbieter und ermöglicht ihm möglicherweise auch Zugriff auf die entsprechenden Daten der eigenen Nutzer. Das ist ziemlich viel an eigenem Machtpotential (im positiven Sinne), das man hier von vornherein herschenkt, um anderweitig Ressourcen einzusparen. Mal abgesehen davon, dass mit einem Pleitegehen des Anbieters (unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich) womöglich die eigene Webseite mit drauf geht.

Zusätzlich bezahlt man noch mit der Begrenztheit der eigenen Gestaltungsmöglichkeiten und der Unterordnung unter einen Anbieter, dessen notwendiges Interesse es ist, den Nutzer langfristig an sich zu binden – mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Wenn man hinzurechnet, was mit Hilfe größerer Gestaltungsmöglichkeiten langfristig an Ressourcen-Zuwachs möglich wäre: ist das „kostenlose“ Angebot dann tatsächlich immer noch als „günstig“ zu bezeichnen?

Warum ich WordPress für eine Homepage empfehle

Das CMS, das ich seit 5+ Jahren nutze und das ich nach bisherigen Erfahrungen sehr empfehlen kann, ist WordPress. Es bietet von vornherein viele Funktionen, die es auch dem Laien ermöglichen, Inhalte zu editieren oder zum Beispiel ein Forum oder einen Webshop aufzubauen. Es lässt sich aber auch durch die Einbindung von Plugins/Themes etc. beliebig erweitern. Wem das noch zu wenig ist, der kann selbst im Programmcode Änderungen vornehmen. Es gibt für fast alle denkbaren Fragestellungen bereits jemanden, der eine ähnliche Frage gestellt hat, und man findet (wenn man ein wenig Ahnung von der Materie hat) meist relativ rasch die Antworten, die einem weiterhelfen.

Weltweit betrachtet laufen etwa 30% aller Webseiten auf WordPress. Daher ist es auch 5 Jahre nachdem jemand geholfen hat eine erste Webseite aufzusetzen nicht schwierig, jemand anderen zu finden, der aufbauend auf dem Vorhandenen die neuen Wünsche umsetzt. Und auch oft unterschätzt, bis man mal erlebt, wie es sein kann, wenn es nicht klappt: Updates funktionieren im Regelfall problemlos, und innerhalb von wenigen Minuten.

Screenshot vom Backend-Editor von WordPress, wie er bei mir aussieht, während ich diesen Beitrag schreibe. Würde ich mich mit dem Admin-Account einloggen, würde ich links sehr viel mehr Auswahlmöglichkeiten haben, weil ich zahlreiche Plugins nutze. Aber zum Schreiben selbst reicht auch der in seinen Rechten absichtlich reduzierte “Niklas”-User. 

Eine Webseite auf WordPress aufzusetzen ist damit meiner Meinung nach für den Laien/Anfänger die nachhaltigste Entscheidung, vor allem, wenn man sich für die Variante entscheidet, eine WordPress-Installation auf einem eigenen Webserver einzurichten. Damit erhält man (ebenso völlig kostenlos, bis auf die Server-Kosten, aber da kann WordPress nichts dafür) eine Art „Starter-Paket“, das im Grunde grenzenlose Erweiterungen und Individualisierung ermöglicht, ohne in der alltäglichen Bedienung unnötig kompliziert zu werden. Die Homepage kann so mit den Bedürfnissen und der Persönlichkeit des Betreibers “mitwachsen”.

Ich habe früher einige Webseiten „per Hand“ von null auf für Kunden programmiert. Das würde ich heute nicht mehr machen. Schon alleine aus dem Grund, weil diese dann mangels Nutzer-freundlichem Backend für jede inhaltliche Änderung wieder mich anrufen müssen. Das ist problematisch für deren Finanzen und meine Unabhängigkeit. Und damit keine Lösung, die alle Betroffenen nachhaltig glücklich macht.

Die 2-3x, bei denen ich – um Freunden/Bekannten auszuhelfen – mit anderen Webseiten-Baukästen beschäftigt habe, bin ich fast durchgedreht, weil mich als WordPress-verwöhnten User die engen Grenzen des Machbaren derart genervt haben. Habe beispielsweise in Jimdo vor ein paar Tagen 1,5h erfolglos versucht, etwas für einen Bekannten rauszufinden, was in WordPress mit Hilfe eines frei verfügbaren Plugins in 5 Minuten erledigt war.

Und nein, ich bekomme keine Provision dafür, für WordPress Werbung zu machen. Ich finde es einfach nur wirklich gut, und kann das nach 5+ Jahren Nutzung wohl auch tatsächlich mit einiger Autorität sagen.

Deswegen würde ich auch, wenn ich für andere Webseiten erstellen würde, diese auf WordPress basieren lassen. Das spart enorm viel Aufwand, stellt eine gute Bedienfreundlichkeit im Backend für den Nutzer sicher und lässt sich trotzdem in Aussehen und Funktion fast grenzenlos individualisieren.

Die Entscheidung für eine Homepage treffen: Warum jetzt ja?

Nun habe ich seit 5+ Jahren meine WordPress-Seite, seit einiger Zeit auch die selbstgehostete Variante, und muss eingestehen, dass sie nicht sonderlich schön aussieht, weil ich mich bisher kaum darum gekümmert habe. Ich würde als jemand, der mich nicht kennt, auch nicht zu mir gehen, um mir eine Webseite machen zu lassen:

Schön/aufregend sieht anders aus…

Daher die Entscheidung, meine Webseite von Grund auf neu zu überarbeiten. Praktischerweise kann ich alles, was ich dafür brauche, entweder schon oder aufgrund meiner Vorerfahrungen in relativ kurzer Zeit lernen. Ich hab da ja glücklicherweise sogar Spaß daran, solange ich mir meine Projektchen aussuchen kann und das nicht unbedingt 40+h/Woche mache.

Man darf gespannt sein, was mich (und euch als geneigte Leser) im Laufe der nächsten paar Wochen/Monate diesbezüglich erwarten wird. Vermutlich zwischendurch auch mal der eine oder andere Schock, wenn ich Zwischenversionen live stelle, die man normalerweise nicht sieht. Aber das ist ja auch das Interessante an dem Experiment.

Niklas

-> Nachhaltiges Online Marketing – Eine Homepage erstellen mit dem CMS WordPress, Teil 1: Strategische Planung

-> Nachhaltiges Online Marketing – Eine Homepage erstellen mit dem CMS WordPress, Teil 2: Funktionelles Layout umsetzen

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