Nach unseren ersten Vorüberlegungen in Teil 0 der Serie haben wir uns für das CMS WordPress als Grundlage für unsere Homepage entschieden. Bevor wir uns nun ans Design der Webseite an sich machen, müssen wir uns jedoch erst einmal eine fundamentale Frage stellen: Welchen Zweck soll die spätere Homepage überhaupt erfüllen? Dazu dient die strategische Planung.

Strategische Ausrichtung der Webseite

Zum Glück heißt die Homepage bunterrichten, da darf man sich auch mit Farben austoben.

Mögliche strategische Ausrichtungen einer Homepage

Wer sich ein wenig durchs Internet recherchiert, findet in den meisten Artikeln drei Hauptkategorien von strategischen Zielsetzungen für eine Webseite, die jeweils unterschiedliche Herangehensweisen erfordern (Nummer 4 habe ich hinzugefügt):

  • Informieren
  • Leads generieren
  • Verkaufen
  • Herstellen von Beziehungen zwischen Menschen

Meine bisherige bunterrichten-Seite diente, will man sie überhaupt einordnen, wohl vor allem dem Informieren. Weder konnte man hier etwas direkt kaufen (wie beispielsweise auf Amazon), noch diente die Webseite dazu, Interesse für meine eigenen Produkte/Dienstleistungen hervorzurufen (abgesehen von den minimalen Hinweisen auf meine Vorträge vor einigen Wochen, oder diese Serie hier).

Was ich in kaum einer Liste als separate strategische  Zielsetzung gefunden habe, aber trotzdem für erwähnenswert halte, ist das Herstellen einer Beziehung zwischen Menschen. In den meisten Auflistungen ist dies wohl als eine Art Sub-Ziel inkludiert, etwa als Herstellen einer Beziehung, um danach besser verkaufen zu können (was ja sogar bei offiziellen „Matching-Anbietern“ üblicherweise der Fall ist). Aber ich finde das Herstellen von Beziehung zwischen Menschen, die sich etwas zu sagen haben, unabhängig von meinem möglicherweise daraus entstehenden Vorteil interessant.

In der Realität wird die Funktion vieler Webseiten eine individuelle Mischung aus den oben gelisteten groben Grundrichtungen sein. Aber es macht beispielsweise durchaus einen Unterschied, ob man beispielsweise jemanden dazu bringen möchte, über Amazon das eigene Produkt zu bestellen, oder den Kunden dazu bringen will, dasselbe Produkt über den eigenen Shop zu bestellen. Die Überwindung für den Kunden ist in letzterem Fall wohl um einiges größer.

Die strategische Ausrichtung meiner Homepage

Ein Ausschnitt meiner Mindmap als Vorarbeit der strategischen Vorarbeit

Meine Webseite soll in Zukunft drei Funktionen erfüllen:

  1. Hilfreiche Informationen zu stimmigem Kontakt usw. allen jenen frei und möglichst unkompliziert zugänglich zu machen, für die dies hilfreich ist
  2. Menschen, die sich für jene Themen interessieren, mit anderen Menschen vernetzen, die sich ebenso für jene Themen interessieren.
  3. Lead-Generation für
    1. Webseiten-Erstellung/Online-Marketing, das ich direkt anbiete
    2. Bücher, die ich in Zukunft (über Amazon) vertreiben werde
    3. Eventuell Musik, die ich in Zukunft (über Amazon) vertreiben werde

Was noch hinzu kommt: sie soll in ihrer Funktion meinen Grundwerten von Ehrlichkeit/Authentizität entsprechen, und im Grunde das praktisch umsetzen, worüber ich seit 5+ Jahren schreibe, ohne es bis vor kurzem realisiert zu haben: eine Form des Miteinanders, das vielen von dem widerspricht, woran wir uns in Schule und Wirtschaft gewöhnt haben, aber worin sich offenbar trotzdem der Großteil der Menschheit wiederfindet, sobald er es erleben durfte.

Und sie soll mir helfen, am Ende jedes Monats genügend Einkommen (aus welchen Quellen auch immer) zu generieren, um mich

  • weiter meiner Wahrheits-Suche widmen zu können und
  • weiter frei darüber schreiben zu können, was ich nach bestem Wissen und Gewissen für die Wahrheit halte, wie ich sie vorgefunden habe.

Relevante persönliche Ressourcen und Eigenarten

Ich kenne zwar einige Menschen, die in ihren jeweiligen Bereichen absolute Spezialisten sind, aber um diese langfristig für mich arbeiten zu lassen, fehlen mir die (finanziellen) Ressourcen. Die fertige Webseite muss von mir allein im Alltag bewältigbar sein.

Dann bin ich gewissermaßen Künstler dahingehend, dass ich gewisse Tätigkeiten schlicht nicht verlässlich zu einem bestimmten vorher geplanten Zeitpunkt durchführen kann. Ich kann glücklicherweise sehr wohl mit Deadlines umgehen, aber es gibt Tage, da kann ich mich noch so sehr 8h hinsetzen, um einen Artikel zu schreiben, den ich mir vorgenommen habe – das Ergebnis wird mich nicht zufrieden stellen. Dafür bin ich zu anderen Zeitpunkten dann wieder sehr produktiv, das gleicht sich gut aus.

Im Durchschnitt 1x/Woche einen Artikel zu verfassen ist für mich beispielsweise durchaus realistisch, aber dies 3x/Tag, 5 Tage die Woche zu tun, nicht mehr so. Das dümmste, was ich daher tun könnte, wäre bei meinen Besuchern entsprechende Erwartungen zu wecken. Da ich gerne, viel und in eher unregelmäßigen Abständen schreibe, macht es Sinn, sich auf Werkzeuge zu fokussieren, die dem geschriebenen Wort Vorrang einräumen, und es nicht voraussetzen, dass man täglich 10x seinen Status updated, um überhaupt Menschen zu erreichen.

Ich habe erfahrungsgemäß keine Ambitionen, zum großen Anführer von Volksmassen zu werden, und empfinde die Vorstellung, regelmäßigen Kontakt mit 10.000 „Followern“ zu haben, als eher bedrohlich/stressig denn wunderbar. Mir ist ein stimmiger, vertiefter Kontakt mit 3 Menschen lieber als einer mit vielen Tausenden.

Zumindest wenn es um synchronen Kontakt geht. Asynchroner Kontakt, bei dem ich mir für eine Antwort Zeit lassen kann, kann ich mir durchaus auch mit vielen Menschen vorstellen, und praktiziere dies ja ohnehin auch im Alltag bereits über oft sehr lange Mails oder Gespräche.

Die Kommunikation über meine Webseite darf also durchaus in einer bewussten Langsamkeit/Überlegtheit passieren, die dem jeweils anderen Zeit/Raum lässt, und gegenseitiges Verständnis/Erkenntnis-Gewinn über rasche Befriedigung der eigenen Ziele stellt. Praktischerweise brauche ich im Durchschnitt ja auch nur 1-2 Kunden/Monat, um mit der Erstellung von Webseiten so halbwegs mein Auskommen zu finden. Mit diesen halte ich dann auch gerne intensiven Kontakt, damit das Ergebnis auch dem entspricht, was sie brauchen.

Dies wird einigen Besuchern nicht gefallen. Was die Funktion erfüllt, diejenigen auszufiltern, mit denen eine Zusammenarbeit bzw. ein Kontakt generell für mich wohl ohnehin auf Dauer anstrengend wäre – und damit nicht fruchtbar für beide Seiten.

Von der Strategie zu funktionaler Struktur & Layout

Um Verwirrungen zu vermeiden, hier eine kurze Unterscheidung:

  • Funktionale Struktur: Wie sind die einzelnen Unterseiten untereinander vernetzt?
  • Funktionales Layout: Welche Funktion erfüllen die einzelnen Bereiche des Layouts?

Von der Strategie zur funktionalen Struktur

Meine zwei Blogs (Bunterrichten, Barfuß-Geschichten) hier haben in den letzten 5+ Jahren insgesamt gesehen aktuell knapp 1500 A4-Seiten an Text angesammelt, und dies auch noch thematisch ziemlich bunt zusammengewürfelt. Wie also soll jemand, der noch nicht ohnehin langjähriger bunterrichten-Leser ist, sich hier noch zurechtfinden?

In der Online-Marketing-Community hat sich für solche Fälle das Konzept der „Landing Pages“ entwickelt: eine Unterseite, die Links zu thematisch logisch verknüpften Themen enthält, und auch von diesen Einträgen wieder entsprechende Backlinks erhält. Grafisch kann man es sich ganz gut als eine Art „Knotenpunkt“ im internen Netzwerk der Homepage vorstellen. Dadurch, dass er eine Art „Zentrale“ ist, erhält er auch mehr „Gewicht“ in Suchmaschinen, die gerne auf diese Knotenpunkte umleiten. Im Idealfall ist es von jedem dieser Knotenpunkte dann nicht mehr weit bis zur Erreichung des angestrebten strategischen Ziels, etwa das Produkt zu kaufen, das der Betreiber verkaufen will.

Welche Art der Vernetzungs-Strukturen macht für meine Homepage Sinn?

Weil eine SEO-Überarbeitung von 400+ teils sehr langen Blog-Beiträgen nicht unbedingt eine Arbeit ist, die innerhalb von 1-2 Tagen erledigt ist, werde ich hier zusätzlich andere „Taktik“ anwenden, um rascher zu sinnvollen Ergebnissen zu kommen. Orientieren werde ich mich dabei an einer Systematik, die ich in einer Volksschul-Klasse zu Sachunterricht recht erfolgreich eingesetzt habe:

Anstatt der ganzen Klasse zu erzählen was sie möglicherweise ohnehin nicht interessierte, hatte ich an meinem ersten Tag in der Klasse einige PostIt-Zettel mitgenommen, die ich an die Tafel klebte. Auf jedem dieser PostIts war eine Frage, von der ich annahm, dass sie das Interesse der Kinder wecken könnte. Aufgabe der Kinder war es nun, jeweils individuell stimmige Antworten auf diese Fragen zu finden und dazuzuschreiben. Wie man zu seinen Antworten kam, stellte ich einem jeden frei. Fand jemand keine der Fragen interessant, so gab es zusätzlich leere PostIt-Zettel, auf die man seine eigenen Fragen schreiben konnte. Am Ende der ersten Einheit hatten wir 20 PostIts, teilweise mit Fragen, die ich als Lehrer nicht beantworten konnte. Wie man sich wohl vorstellen kann, über-erfüllten wir in relativ kurzer Zeit und ohne dass ich irgendjemanden zu irgendetwas “motivieren” musste, den vorgeschriebenen Lehrplan.

Wer in einer Suchmaschine sucht, stellt im Grunde genommen eine Art „Frage“ und sucht nach einer für ihn stimmigen Antwort. Findet er diese auf meiner Webseite – gut. Wahrscheinlicher ist es aber, dass er nicht 100%ig das findet, was er braucht. Deswegen wäre es ideal, wenn er die Möglichkeit hätte, seine Fragestellung nun noch besser zu formulieren, damit er die Antwort bekommt, die ihm wirklich weiterhilft. Das wäre vermutlich ein gutes „Eingangs-Tor“ für die Community, die ich ursprünglich hier aufbauen wollte.

Ein jeder Beitrag (als mögliche „Antwort“) wäre damit eingebunden in 3 parallele Strukturen:

  1. Chronologisch wie bisher
  2. Web-Suche, SEO-optimiert auf sehr spezifische „Fragen“ (Suchbegriffe)
  3. Thematisch geordnet über Landing-Pages

Struktur 1 bedeutet keinen Extra-Aufwand und kann so bleiben. Struktur 2 bedeutet zwar einen riesigen Extra-Aufwand, aber kann in kleinen Schritten angegangen werden, sobald der Rest steht. Struktur Nr. 3 kann mit Struktur Nummer 2 mitwachsen – es macht dann Sinn, beispielsweise die Landing Page „Freie Schule“ aufzubauen, die eine Reihe von sehr spezifischen Artikeln, die jeweils für sich SEO-optimiert sind, in sich vereint.

Wenn es gelingt, die Hemmschwelle für weitere Interaktionen abzubauen (dazu in einem späteren Artikel mehr), kann daraus mit der Zeit eine Art „riesige Volksschul-Klasse“ entstehen, die sich über jeweils individuell stimmige Antworten auf die Fragestellungen, die individuell interessieren, austauscht. Beim derzeit vorhandenen Forum ist ja nicht wirklich klar, worum es denn eigentlich gehen soll – dies würde sich damit wohl deutlich verbessern, weil ein Bezug zu bestehenden Themen hergestellt werden kann, und (über das “Eingangs-Tor” der Suchmaschine) bereits diejenigen hier sind, die sich auch für dieses Thema interessieren.

Von der funktionalen Struktur zum funktionalen Layout

Das Layout der aktuellen Version der Seite ist gewissermaßen fremdbestimmt durch die Auswahl eines vorgefertigten sogenannten „Themes“. Davon gibt es für WordPress unzählige, manche davon kostenlos, andere kosten etwas. Das von mir verwendete wurde von mir bisher nur geringfügig über ein sogenanntes „Child Theme“ angepasst, bei dem das ursprüngliche „Eltern-Theme“ verlinkt bleibt. Veröffentlichen die Ersteller des Eltern-Themes ein Update, kann mein Child-Theme so ebenso davon profiteren, weil es nur die Abweichungen vom Eltern-Theme definiert und den Rest übernimmt.

Das aktuelle Theme ist nicht sonderlich schön – und funktional betrachtet ziemlich unpraktisch.

Nun habe ich mir entsprechend der Strategie ein neues funktionales Layout überlegt, und es mir grob vorgezeichnet:

Ölkreiden: eine der besten Freunde des Webdesigners.

  • Das Logo rutscht im Header nach links oben und wird bedeutend kleiner.
  • Rechts im Header kommt ein Bild, Kurzinfo und Kontakt-Info zu mir
  • Im Header mittig kommen wechselnde Kurztexte in groß, eventuell auch mit Twitter-Anbindung. Direkt darunter die Möglichkeit, aktuelle Musik von mir abzuspielen.
  • Im Sidebar-Bereich links kommen Seiten-interne Suche und die Haupt-Navigation.
  • In den Sidebar-Bereich rechts kommt alles, was mit Interaktion zu tun hat, jeweils Content-bezogen, z.B.:
    • Verweis auf weitere Blog-Artikel, die interessieren könnten
    • Anmelden zur Benachrichtigung über neue Beiträge
    • Registrieren/Anmelden für die Community
  • In den Haupt-Content-Bereich kommt – wenig überraschend – der Content hin.
  • Auf ein besonderes Gimmick für den unteren Bereich werde ich in einem anderen Artikel noch eingehen.

Zusammenfassung

Dies war nur ein kleiner Ausschnitt aus der Vorarbeit, die bisher in das Projekt der Überarbeitung meiner Homepage geflossen ist. Zu all dem kommen noch unzählige Stunden an Recherche, Gespräche mit Freunden und Bekannten, um andere Perspektiven zu gewinnen etc.

Manchmal sind auch Frustmomente dabei, vor allem wenn man unsicher wird, wie man das alles jemals schaffen soll. Aber wenn dann zwischendurch plötzlich doch ein Licht aufgeht oder ein Teilaspekt klar genug wird, dass man ihn vermutlich auch ziemlich exakt so umsetzen kann wie vorgestellt, macht es dann doch wieder auch echt Freude.

Diese „Vorarbeit“ ist aber auch nie wirklich „abgeschlossen“ im klassischen Sinn. Vielmehr handelt es sich um eine Art ersten Prototyp, mit dem vorerst weitergearbeitet werden kann. Möglicherweise scheitere ich daran, zwei Seitenleisten (eine links, eine rechts) hinzubekommen (ich hoffe nicht!). Oder ich stelle in zwei Wochen fest, dass ich die Struktur doch wieder anders haben will, weil ich erst in der Praxis sehe, dass die ursprüngliche Idee bestimmte Aspekte nicht bedacht hat. Das gehört dazu.

Wenn ich den nächsten Beitrag veröffentliche, sieht man dann hoffentlich bereits erste Änderungen live. Man darf gespannt sein.

Niklas

-> Nachhaltiges Online Marketing – Eine Homepage erstellen mit dem CMS WordPress, Teil 0: Die Entscheidung treffen

-> Nachhaltiges Online Marketing – Eine Homepage erstellen mit dem CMS WordPress, Teil 2: Funktionelles Layout umsetzen

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