Letztes Wochenende hatte ich erstmals die Gelegenheit, gemeinsam mit einigen Pädagogen unserer Schule und einigen unserer Schüler am Bundestreffen freier Alternativschulen in Deutschland teilzunehmen. Nach vier Tagen voller interessanter Begegnungen, gutem Essen, Lagerfeuern, ein wenig Musik und insgesamt knappen 20 Stunden Zugfahrt kann ich sagen, dass sich das Wochenende durchaus gelohnt hat.

Neue Ideen in die Welt setzen

Da die Veranstaltung weitgehend nach dem Open-Space-Prinzip organisiert war und dementsprechend wenig planbar, aber vieles möglich war, hing vieles von den einzelnen Teilnehmern ab, ob es ein interessantes Wochenende werden würde. Es war nicht einfach, sich anhand kurzer Überschriften und Beschreibungen (es gab die Möglichkeit, sein Thema morgens kurz zu beschreiben) ein Bild zu machen, was einen wohl erwarten würde, doch das „Gesetz der zwei Füße“, nachdem ein jeder selbst zu entscheiden hat, was ihn interessiert und wie viel seiner Zeit er einem Thema widmen möchte, funktionierte wohl ganz gut. Und für wen diese Tage verschwendete Tage gewesen sind – er ist wohl offensichtlich selbst mitschuldig an seiner negativen Erfahrung. Das ist für mich eine der Schönheiten am Open-Space-Konzept.

Innerhalb dieser paar Tage lernte ich einige faszinierende neue Konzepte kennen, etwa die Wanderung der Funkenflieger, die aus ganz Deutschland zu Fuß nach Berlin gewandert waren, Schulen besucht hatten und mit Lehrern über ihre Wünsche und Träume gesprochen hatten – mit Studenten, Schülern, Eltern, egal mit wem. Daraus soll eventuell eine Art „Wanderschule“ entstehen. Auch sehr interessant war ein Vertreter der „Frisch“-Schule, der ein Schulkonzept vorstellte, das auf der Soziokratie beruht und das flexible Ferientage über das ganze Jahr vorsieht. Oder die Kapriole in Freiburg, die uns ein Vorbild für die konsequente Umsetzung demokratischer Selbstverwaltung sein könnte. Einige dieser Schulen und Vorreiter hoffe ich in naher Zukunft besuchen und über sie berichten zu können.

Neue Freunde gewinnen – und alte wiedersehen

Je mehr Zeit verstrich, desto mehr Kontakte knüpften sich auch außerhalb der Open-Space-Veranstaltungen: draußen im Gras sitzend, beim Musik machen, beim Essen oder rund ums Feuer. So interessant Konzepte wie Open-Space zur Organisation großer Veranstaltungen sind, die interessantesten und lernfördernsten Gespräche finden dann doch meistens in eher informellem Rahmen statt. So war eines der faszinierendsten Erlebnisse des Treffens ein von mir ausgerufenes Thema, das nur von einer Lehrerin besucht wurde. In der Folge entwickelte sich ein sehr persönliches Gespräch, indem ich eine Seelenverwandte in ihr entdeckte. Falls du das jemals liest: Danke für deine Herzlichkeit und Offenheit – sie sind Geschenke von unschätzbarem Wert.

Eine besondere Freude war es auch, einige derjenigen Menschen wiederzusehen, die ich im Verlauf meiner Schulbesuchs-Tour im Mai kennenlernen durfte. Von manchen hatte ich nach meinem Besuch und dem Einschicken meines Feedbacks nichts mehr gehört und hatte befürchtet, eventuell jemanden auf die Füße getreten zu haben, doch es stellte sich heraus, dass sie es als total wertvoll erachtet hatten und nur gedacht hatten, jemand hätte mir schon geantwortet. Schön war es auch, als mich Vertreter einer Schule aus Greiz, die ich eigentlich auch während meiner Tour besuchen hatte wollen, entgegenkamen und ich nun, einige Monate später, die Gelegenheit hatte, mit ihnen zu plaudern.

Wir sind nicht alleine

Neben ganz vielen schönen Gesprächen und Erlebnissen dieser Tage bleibt vor allem auch ein Gefühl zurück: wir sind nicht alleine. Es gibt alleine in Deutschland so viele Menschen, die sich wie wir auf den Weg gemacht haben, alternative Wege zu gehen, die unseren eigenen Werten mehr entsprechen als jene der „alten“ Schule. Wir sind nicht alleine in unserer Inspiration, aber auch nicht alleine in unseren Konflikten und Zweifeln. Eine jede Schule mag ihre eigenen Ansichten von Pädagogik vertreten, aber was uns eint, sind unsere hohen Ziele, die menschliche Unfähigkeit, sie jemals dauerhaft zu erreichen, und – was noch viel wichtiger ist – den Willen, trotz unserer Unzulänglichkeiten nach ihnen zu streben, immer wieder, auch im Angesicht unserer Ängste und Fehler.

Danke für eine sehr schöne Zeit, und fühlt euch umarmt, Freunde.

Niklas

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