Heute habe ich ein interessantes Buch über „das Ende der Arbeit“ gelesen – genauer gesagt der Arbeit, wie sie unsere Elterngeneration noch als Standard kennt, also ein sicherer Job auf mehrere Jahre bis Jahrzehnte. Durch die zunehmende Optimierung in allen Wirtschaftsbereichen, so der Autor, werden kontinuierlich menschliche Arbeitsplätze durch Maschinen und Computer ersetzt, die weniger Fehler machen und rund um die Uhr arbeiten können. Angefangen von der Agrarwirtschaft über die Industrie bis hin zum Dienstleistungssektor und sogar bis in die Künste hinein wird menschliche Arbeitskraft durch Maschinen ersetzt, mit fatalen Folgen für eine auf die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft gegen monetäre Gegenleistung basierende Konsumwirtschaft.

Während die Effizienz in der Herstellung der Produkte stetig gesteigert werden kann, werden die Löhne derjenigen eingespart, die die Produkte später auch kaufen sollen. Der Autor prophezeite bereits vor etwa zehn Jahren eine enorme Wirtschaftskrise, zurückzuführen auf diese technologische Arbeitslosigkeit. Nicht etwa wächst die Wirtschaft nicht schnell genug oder läuft die Produktion zu langsam, sondern es fehlt an den Menschen, die daraus profitieren und ihr Geld auch wieder ausgeben. Die Produktivität und Effizienz der Produktion von Konsumgütern wird derart ressourcensparend und effizient, dass menschliche Arbeitskraft ganz einfach in immer mehr Bereichen an Bedeutung verliert. Der Geldkreislauf funktioniert munter weiter – doch immer mehr Arbeiter werden von ihm ausgeschlossen. Während Marx noch kritisierte, dass die Arbeiter ihre Arbeitskraft dem Kapitalisten verkaufen mussten, wird dann selbst diese Arbeitskraft wertlos, und dem Arbeiter bleibt – nichts. Weder produziert noch vertreibt oder kauft er. Er ist, aus Sicht des Marktes, ein völlig nutz-loser Mensch.

Der Autor beschreibt Horrorszenarien vom totalen Verfall menschlicher Zivilisation, wie wir sie kennen, wenn all diese „nutzlosen“ Menschen sich erheben, aber auch eine sanftere Variante, deren erste Ansätze weltweit bereits zu beobachten sind: eine Art Schattenwirtschaft, die nicht auf Geld basiert, sondern auf Eigenproduktion und direktem Austausch unter Freunden und Bekannten. Nähküchen, Geschenkkreise, Meetups und die ganze Sharing-Bewegung sind nur einige sichtbare Vorreiter.

Alternativlos?

Wenn der Markt durch den Preisdruck der Konkurrenz zur Optimierung zwingt und diese Optimierung dazu führt, dass Menschen ihre Arbeit verlieren und aus der Geldwirtschaft ausgeschlossen werden, während die Geldwirtschaft in immer mehr Bereichen des Lebens Einfuhr hält, dann lässt sich dieser Vorgang zwar wunderschön wissenschaftlich beschreiben, aber die eigentliche Frage ist dann doch, ob dies eine sinnvolle Art und Weise ist, die Zukunft zu gestalten – es ist eine politische Frage, und praktischerweise eine, die ein jeder einzelner für sich beantworten und die Antwort umsetzen kann: In welchen Bereichen meines Lebens benütze ich die Geldwirtschaft, und in welchen arbeite ich an alternativen Lösungen?

Möchte ich eine Tagesmutter für mein Kind bezahlen, deren Lohn ich erst selbst erarbeiten muss, oder versuche ich, mir meine Arbeit so zu organisieren, dass ich es auch ohne sie schaffe? Oder organisiere ich mit meinen Nachbarn einen kleinen „Kindergarten“, bei dem ein jeder Elternteil an einem Tag die Woche auf alle Kinder aufpasst, damit die restlichen Eltern die Zeit für die Arbeit nutzen können? Kaufe ich alle meine Nahrungsmittel im Einkaufszentrum oder versuche ich, so manches selbst anzupflanzen oder über Tauschbörsen zu bekommen? Ich selbst kann mitbestimmen, wie abhängig ich von der Geldwirtschaft bin oder bleibe.

Ich gehe nicht davon aus, dass es leicht möglich oder auch nur sinnvoll ist, völlig auf Geld zu verzichten. Einige Menschen weltweit führen diese Experimente aus, mit gemischten Erfahrungen – aber es ist nicht unbedingt nötig, sofort so radikal zu werden. Eine jede Ausgabe, die über alternative Ideen vermieden werden kann, bedeutet weniger Druck, das entsprechende Geld in der Arbeit einzunehmen, ermöglicht es vielleicht, statt 40 nur 20 Stunden zu arbeiten, um die restlichen 20 Stunden damit zu verbringen, Dinge selbst herzustellen oder mit Gleichgesinnten auszutauschen, die ansonsten vom Lohn dieser 20 Stunden gekauft worden wären. Dadurch wird vielleicht ein weiterer 20-Stunden-Job für jemand anderen geschaffen. Und ganz nebenbei fördern die Selbstherstellung und der Austausch der Produkte untereinander die Gemeinschaft – der geldbedingten Isolation wird entgegengewirkt.

Selbstständig sein heißt selbstbewusst sein

Ich habe mir für dieses Monat vorgenommen, eine jede Ausgabe und eine jede Einnahme kleinlichst in einem .xls-Dokument zusammenzutragen, damit ich zum ersten Mal in meinem Leben exakt weiß, was ich wofür ausgebe und wofür ich Geld einnehme und daraus ableiten kann, wo ich alternative Beschaffungs- oder Vertriebsmethoden finden kann – eine Zusammenfassung für den Monat März werde ich dann am Ende hier online stellen, vielleicht kann es jemandem helfen. Nicht nur kann ich damit möglicherweise meine Ausgaben senken und Einnahmen erhöhen, ich habe auch einen Richtwert, wie viele Einnahmen ich tatsächlich monatlich benötige und welche Arten von auch für mich subjektiver Arbeit dafür in Frage kommen.

Wiederaufleben der Künste

Eine spannende Frage drängt sich jedoch gerade im Bezug auf Bildung auf, wie ich finde: ist es noch zeitgemäß, Kinder und Jugendliche in Schulen hauptsächlich darauf auszubilden, dass sie möglichst viel Geld verdienen können? Handwerkliche Fähigkeiten wie Nähen beispielsweise werden ja in vielen Schulen eher stiefmütterlich behandelt, weil „natürlich das in echt in Fabriken gemacht wird, und viel schneller“. Doch gerade diese handwerklichen Fähigkeiten können in vielen Lebensbereichen davor bewahren, alles über die Geldwirtschaft abwickeln zu müssen. Wer auf die Geldwirtschaft angewiesen ist, ist ohne Arbeit verloren, und Arbeit für Menschen könnte in naher Zukunft zur Mangelware werden. Sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen kann eine persönlich effektive Strategie sein, gesamtgesellschaftlich und gemeinsam mit dem schrumpfenden Bedarf an menschlicher Arbeit gesehen wird es wohl nötig sein, bessere Lösungen zu finden.

Das nächste Mal, wenn ihr jemanden mit selbstgeflickter Hose herumlaufen seht, lacht ihn also bitte nicht aus, sondern zollt ihm den ihm gebührenden Respekt.
Er schreitet uns voran in eine bessere Welt.

Niklas

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