(Vergessen dazuzuschreiben: wer dies übers Handy liest, muss für den Newsletter etc. oben auf den Kompass klicken, um ihn zu sehen!!!)

Schönen Sonntag!

Weil dieser Newsletter auch als Mail an allerhand ebenso übermotivierte Selbstständige aus den UGP-Seminaren rausgeht, dieses Mal eine besondes an Selbstständige gerichtete Version.

So habe ich nicht nur 2 Geschichten aus meinem Buch ausgewählt, die mit dem Thema Selbstständigkeit zu tun haben. Sondern auch noch mein ursprüngliches Angebot basierend auf diversen Rückmeldungen etwas verfeinert, um zusätzliche Bedürfnisse/Gegebenheiten vor allem auch neuer Selbstständiger mit einzubeziehen.

Die Idee ist entstanden, in Wels eine Art Unternehmer-Stammtisch ins Leben zu rufen. Einige haben bereits gemeint, es wäre ihnen recht, zur Abwechslung mal Vormittags-Termine anzubieten. Jetzt geht es darum, passende Termine zu finden. Zusätzlich noch die Idee eines  “Online-Stammtisches”.

Außerdem vor allem für Unternehmer interessant, die sich in einem Feld bewegen, in dem Authentizität eine große Rolle spielt, etwa Coaching, Therapie, …: die Option, mein Buch “Barfuß führt dein Weg dich weiter” als Zwischenhändler mit 20% Provision weiterzuverkaufen.

Wer Interesse daran hat und wessen Unternehmen auch thematisch so halbwegs dazu passt: Ich würde gerne Verlinkungs-Kooperationen mit anderen feinen Menschen eingehen: eine gegenseitige Verlinkung unserer Webseiten. Das hilft beiden, weil Suchmaschinen beide Seiten für relevanter halten und entsprechend weiter nach oben reihen. Wer da Interesse hat, bitte ebenso Kontakt aufnehmen, wir klären dann Details.

Hier eine kleine Übersicht über diesen Beitrag/Newsletter (man kann auf die Punkte klicken, um direkt zum jeweiligen Bereich zu gelangen)

1. Zusätzliche Angebote zu nachhaltigem/authentischem Marketing

Unter anderem biete ich jetzt nach einigen Anfragen auch die “Verdichtung” von noch schwammigen Konzepten auf marketing-taugliche Texte/Bilder an, die Erstellung einer günstigeren Anfänger-Webseiten-Variante sowie für Selber-Macher einen Crashkurs über alles, was man wissen sollte, bevor man eine Webseite selber aufsetzt. Mehr dazu hier.

Zudem möchte ich auch nochmal auf meine kleine Serie zur Erstellung einer Webseite mit dem CMS WordPress hinweisen, da kann man den ungefähren Prozess anhand meiner eigenen Webseite nachvollziehen.

2. Unternehmer-Stammtisch in Wels: Rückmeldungen zu Terminen erbeten!

Es haben sich nun bereits einige interessiert an meiner Idee gezeigt, in Wels einen regelmäßigen (Jung-)Unternehmer-Stammtisch aufzubauen. Mit dem FreiRaumWels ist dafür auch ein geeigneter Raum vorhanden, der kostenlos genutzt werden kann und den ich bereits (mit positiver Rückmeldung) angefragt habe.

Nach bisherigen Rückmeldungen besteht – vor allem auch bei Alleinerziehenden, die an den sonst oft angebotenen Abend-Terminen selten können – Interesse daran, ein alternatives Angebot an Vormittagen aufzubauen.

Nun brauche ich von euch (und anderen Interessierten, ihr könnt ja auch anderen davon erzählen) die Rückmeldung, welche Tage sich dafür für euch besonders eignen würden. Kontrolliert dafür bitte auch, ob der FreiRaumWels zu diesen Zeiträumen auch noch nicht belegt ist, das könnt ihr hier überprüfen. Rückmeldungen bitte per Mail oder sms, Kontaktdaten findet ihr auf meiner Webseite rechts oben unter dem Foto.

Kommen (mit mir) 3+ Interessierte zusammen, die sich auf einen ersten Termin einigen können, können wir loslegen. Ich glaube, dass es uns gut tun wird, uns auch außerhalb der ösb-Seminare gegenseitig zu unterstützen und weiterzuhelfen.

2.1 “Online-Stammtisch”/Austausch?

Weil ja nicht alle immer nach Wels (oder sonstwohin) kommen können: was haltet ihr davon, zusätzlich eine Art “Online-Stammtisch” für Unternehmer aufzubauen, wo man sich über Themen, die einen betreffen, austauschen kann?

Ich denke da einerseits durchaus auch an fachliche Fragestellungen. Aber vor allem auch an die “dunkle Seite” des Unternehmertums, also Ängste, Zweifel usw., über die man sich vielleicht in der Öffentlichkeit, wo man sich ja oft auch ein wenig präsentieren will, nicht so wirklich redet.

Vor allem wenn jemand beruflich/familiär zeitlich sehr “eingespannt” ist (alleinerziehend z.B.) kann diese Form der Kommunkation als zusätzliches Angebot möglicherweise sinnvoll sein. Außerdem wärs dann einfacher, mit all den feinen Menschen, die man in all den Seminaren so kennenlernt, in Kontakt zu bleiben.

Es ist gerade nicht sichtbar geschaltet, aber an sich existiert hier auf dieser Webseite ein Forum, das ich dafür bereit stellen könnte. Vor einiger Zeit habe ich eine Funktion programmiert, die Beiträge in einem bestimmten Unterforum anonymisiert. Das würde sich dann auch für die “dunklen Seiten” der Selbstständigkeit eignen.

Auch hier bitte ich bei Interesse um Rückmeldung, damit ich weiß, an welchen Bedürfnissen ich mich bei der Weiterentwicklung des Ganzen orientieren sollte. Danke!

3. Buch: Barfuß führt dein Weg dich weiter

Einige haben danach gefragt, andere haben zumindest den Testdruck schon gesehen, und einige auserwählte Testleser durften es auch schon ganz lesen: am 24.11. wird mein Buch “Barfuß führt dein Weg dich weiter” offiziell erscheinen.

Anfang nächster Woche werden die letzten Rückmeldungen der 3. Welle an Testlesern eingearbeitet, dann geht es rechtzeitig vor Weihnachten in Druck.

Die bisherigen Rückmeldungen waren durchgängig begeistert 🙂

3.1 Erscheinungs-Termin: 24.11.

Am Erscheinungs-Tag findet im FreiRaumWels eine 3-Jahres-Feier des Bestehens statt. Imzugedessen wird es eine Lesung meinerseits zum Buch, ein kleines Konzert (mit meiner Schwester) und diverse andere Angebote wie auch beispielsweise eine offene Jam-Session geben. Einige Instrumente bring ich mit, wer sich und mehr Instrumente/liebe Menschen mitbringen möchte, ist gerne willkommen 🙂

Nach derzeitigem Plan kann die Taschenbuch-Version um 15€/Exemplar erstanden werden – entweder über Amazon oder direkt bei mir. Im letzteren Fall verdiene ich erheblich mehr pro Buch, dafür zählt es nicht als “nachvollziehbarer Kauf” bei Amazon, was eine Rezension weniger wertvoll macht.

3.2 eBook für 5 Tage kostenlos

Ebenso ab Erscheinungs-Tag ist das Buch für 5 Tage ganz legal kostenlos auf Amazon als eBook downloadbar (Link folgt am 24.11.). Es ist mir ein Anliegen, dass möglichst viele Menschen dies mitbekommen, weswegen ich auf Menschen wie dich angewiesen bin, die diesen Beitrag an ihre sozialen Netzwerke teilen bzw. auch so mit Freunden/Bekannten darüber sprechen.

Auf Facebook beispielsweise könnt ihr ganz einfach diesen Link nutzen, um zum entsprechenden FB-Eintrag zu gelangen, den ihr dann mit einem Klick an eure FB-Kontakte teilen könnt.

Wenn du die eBook-Version innerhalb der 5 Tage über Amazon kostenlos “kaufst” und dann bei mir direkt die Taschenbuch-Version, dann zählt deine Bewertung, als hättest du das Taschenbuch über Amazon gekauft.

Egal wie sie zustande kommen: Ich brauche eure Hilfe, um möglichst viele Bewertungen auf Amazon zustandezubringen.

Praktischerweise dürfte das Buch nach den Rückmeldungen meiner Testleser aber ohnehin verdammt gut geworden sein. So sollte sich auf einfache Weise das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden lassen 🙂

3.3 Newsletter

Um den Zeitraum nicht zu verpassen, kannst du dich auch rechts (bzw. wenn du dies über dein Handy liest oben, wenn du auf den Kompass klickst) im Newsletter eintragen. Ich informier dann im Abstand von ca. 1-2 Wochen jeweils über Neuerungen zum Buch/was sonst interessant sein könnte. Die Mail-Adressen werden von mir nicht weitergegeben, und du kannst dich jederzeit und auf einfache Weise wieder abmelden.

Wichtig: Ich bin ich selbst kein großer Fan von Massen-Mails, weswegen ich all jene, die sich nicht “händisch” im Newsletter anmelden, nur genau 1x anschreiben werde, um sie von der Möglichkeit zu informieren. Dies ist auch deswegen sinnvoll, weil meine Benachrichtungen ansonsten womöglich in deinem Spam-Ordner landen. Bekommst du sie über mein Newsletter-System, sollten sie problemlos bei dir ankommen.

3.4 Vorbestellungen

Wer möchte, kann sich das Buch bei mir auch vorbestellen, dazu reicht eine Mail an mich mit Name + Anzahl der gewünschten Exemplare. Ich informier dann per Mail, sobald sie eingetroffen sind, was vermutlich schon vor dem 24.11. der Fall sein wird. Wir finden dann einen Weg, wie du zu deinen Büchern kommst.

3.5 Weiterverkauf auf Provision

Wer als Unternehmer z.B. in einem Bereich arbeitet, das mit dem Thema des Buches, Authentizität, zu tun hat (ich denke z.B. an Coaches, Energetiker, …) mag vielleicht beim Lesen feststellen, dass das Buch auch den eigenen Kunden gefallen/weiterhelfen könnte.

Du kannst nun sehr freundlich sein und die Interessierten einfach so auf mich und mein Buch aufmerksam machen – oder dabei auch mitprofitieren – wenn du davon ausgehst, dafür 10 oder mehr Interessenten zu finden.

Das funktioniert folgendermaßen:
  1. Nimm Kontakt mit mir auf und teile mir mit, wie viele Bücher du brauchst (ein Vielfaches von 10, also etwa 10, 20, 30, …).
  2. Du kannst die Bücher entweder selbst abholen oder von mir (innerhalb von OÖ) vorbeibringen lassen.
  3. Je 10 Bücher bezahlst du mir statt 150€ nur 120€, und bekommst eine entsprechende Rechnung.
  4. Ab wann es sich für dich rechnet:
    1. Mit jedem weiterverkauften Buch machst du 3€ Gewinn, das ist eine 20% Marge für dich.
    2. Anders ausgedrückt: Ab 8 weiterverkauften Büchern hast du deine Kosten voll abgedeckt. Die 30€ Verkaufspreis der zwei verbleibenden sind für dich Reingewinn.

Warum “verschenkst” du 20% deines Umsatzes?

Weil meine persönliche Reichweite in der Verteilung des Buches sehr beschränkt ist. Und du mit großer Wahrscheinlichkeit Menschen zu meinem Buch bringen kannst, die ohne dich nie davon hören würden.

Auch wenn mein Gewinnanteil/Buch dadurch sinkt, steigt langfristig trotzdem der Bekanntheitsgrad. Und weil ich als Autor Großbestellungen zu günstigeren Preisen drucken lassen kann, bleiben mir trotz der 20% für dich am Ende noch ein paar Euro/Buch.

Muss ich dazu ein Gewerbe anmelden?

Der Handel mit Büchern fällt – soweit ich das in der bundeseinheitlichen Liste der freien Gewerbe der WKO überblicke – unter das freie Gewerbe Handel. Da du bis zu 30% deines Umsatzes auch in “fremden” freien Gewerben machen darfst, sollten ein paar nebenbei verkaufte Bücher auch rechtlich abgedeckt sein.

Da du von mir eine Rechnung bekommst, kannst du den Einkauf auch als Kosten abschreiben (frag sicherheitshalber nochmal einen Steuerberater, aber müsste eigentlich gehen). Allerdings musst du natürlich auch den erzielten Umsatz versteuern.

3.6 Leseproben

Wie schon eingangs angedeutet, dieses Mal einige Leseproben ausgewählt zum Thema Selbstständigkeit (das Bild – und die anderen, die sich im Buch finden – hat Kordula, eine Freundin, gemalt):

3.4.1 #107 Schamlose erste Schritte

Ein Blick auf den Arbeitsmarkt, ein Blick auf Freunde, Bekannte, Fremde, ein Blick in ihre Gesichter, während sie frühmorgens zur Arbeit trotteten, um spätabends unter dem nebeligen Licht der Straßenlaternen heimzukehren. Wie sie sich ausbrannten in der trügerischen Flamme ihrer jugendlichen Kraft, zu hoch geschürt, zu rasch verzehrt, um lange durchzuhalten. Die ausgemergelten Überreste der Glut vergangener Träume in den Augen der Alten. Ein Blick in den Spiegel. Noch ist Zeit. Aber die Jahre, sie verrinnen, vergehen, entfliehen! Investieren. Jetzt länger arbeiten, später die Früchte ernten. Sich frei fühlen. Vielleicht auf Reisen gehen. Irgendwann. Sich etwas erarbeiten.

Ein Blick auf sein Konto: klägliche Leere. Zeit seines Lebens war es seine Devise gewesen zu geben, sich einzusetzen für ein größeres Ganzes. Geblieben waren Berührungen, Momente, Erkenntnisse. Ein seltsames Gefühl von Verlust, der keiner war, während sich die Anzahl der Ziffern einer Zahl weiter verringerte, der alle Welt größte Bedeutung zuzumessen schien. Nichts war wirklich gewonnen, nichts verloren, und doch war mit der Verringerung der Zahlen sonderbarerweise ein drängendes Gefühl des Verrinnens von Zeit verbunden. Ich muss etwas tun, fühlte er es in sich aufwallen, und wusste doch nicht so recht, welche Art von Handlung denn nun angebracht sein würde. Nur eines fühlte er deutlich in sich: es war noch nicht genug. Es war noch nicht möglich, sich um Dinge zu kümmern, die ihn im Moment wirklich interessierten. Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Um seinen rebellierenden Geist zu beschäftigen, fütterte er ihn mit einigen Artikeln über Selbstständigkeit, die ihm das Gefühl vermittelte, etwas Verwertbares zu tun, während er versuchte, in sich hineinzuspüren. Plötzlich fühlte er in sich eine fast nicht auszuhaltende Anspannung, fühlte, wie verkrampft zahlreiche Muskeln, selbst seine Organe in seinem Körper waren. Kein Wunder, dass er sich oft kränklich fühlte. Bewegung.

Er schaltete den die letzten Tage beinahe ständig benützten Laptop aus und fühlte ein Gefühl der Erleichterung in sich hochschwemmen. Stemmte sich gegen automatisch in ihm aufflammende Impulse, doch zumindest noch die Emails zu checken oder die Nachrichten zu lesen, nahm die Schlüssel und verließ die Wohnung. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er seit zwei Tagen nicht mehr in die Öffentlichkeit der Straße getreten war. Einen Moment musste er über die Absurdität des Gedankens „Darf ich das?“ lachen, bis ihm schmerzlich bewusst wurde, dass er hierbei nur kläglich tatsächliche Unsicherheit mit Humor zu überspielen versuchte. Die Frage war für ihn durchaus real, war essentiell: Durfte er das? War es denn nicht seine Aufgabe, zuerst wieder Arbeit, zu einer Produktivität zurückzufinden? Sollte er sich nicht schämen, immer noch arbeitslos zu sein?

Durch die nächtlichen Straßen wandelnd, fühlte er, dass er seiner Verpflichtung zur Scham durchaus nachkam. Senkte den Blick vor Passanten, fühlte, er habe nichts zu erzählen. Und, was machst du so beruflich? war ihm eine Fangfrage, machte ihm Angst. Was hatte er denn zu erzählen? Wo war denn nun noch sein Wert? Besser jeglichem Kontakt aus dem Weg gehen.

Schließlich gelangte er an das Ufer des großen Stromes, der die Stadt durchzog, lehnte sich an einen gegen jegliche Vernunft mitten in den Strom gewachsenen Baum. Fühlte seine Müdigkeit, in ihrer Intensität weit über jener Müdigkeit nach einem langen Tag vollbrachter Arbeit. Sank kraftlos gegen den Stamm des irregeleiteten Baumes, schmiegte seinen Rücken an diesen Riesen, der wohl Zeit seines Baumlebens gegen widrige Strömungen angekämpft haben mochte. Und doch war er da, ragte in seiner einsamen Schönheit über das Wasser. Jemand hatte eine Schaukel an einem Nebenast beschäftigt, und er konnte vor seinem geistigen Auge lachende Kinder unter dem Baum spielen sehen. Wie oft wohl hatte jener Baum über seinen eigenen Wert nachgedacht, sich gefragt, ob es ihm erlaubt sei, hier zu wachsen? Hatte er seinen eigenen Wert anhand einer Tabelle internationaler Holzpreise festgestellt und sich abgemüht, sein Wachstum an edleren Normen zu orientieren? Waren in diesem riesigen Universum tatsächlich nur die Menschen so dermaßen kompliziert?

Mit den Fingern die raue Oberfläche der Rinde nachzeichnend, fühlte sich plötzlich verbunden mit diesem uralten Giganten. Nun war er also ohne geregelte Arbeit, war ihr durch eine Fügung des Schicksals entwachsen wie dieser Baum seinen Brüdern und Schwestern. Was sollte er seine Zeit darauf vergeuden, den Weg zurück zu finden, wo ihm doch das Licht der Sonne andere Wege wies? Weil es bequemer ist, schoss es ihm aus den Tiefen seiner Prägungen, aber nicht einmal der Wahrheitsgehalt dieser Aussage erschien ihm noch wahrscheinlich. Wir lassen uns verarschen, ging es ihm auf, oder wir verarschen andere, nutzen sie aus und fühlen uns unglaublich intelligent dabei. Aber so oder so entkommen wir der Angst nicht.

Nun konnte er den Gedanken endlich greifen und aufrechterhalten. Ja, verdammt, wir haben alle eine tierisch große Angst. Da liegt der wahre Wert einer geregelten Arbeit. Sie lenkt ab vor der wirklichen Arbeit, die uns erwarten würde. Arbeitslos, keine Arbeit, keine Entschuldigungen mehr, sich dieser inneren Arbeit nicht zu stellen. Wir hätten dann zu viel von jener freien Zeit, die sich Arbeitende vermeintlich immer wünschen. Er sah ab von dem alten Giganten und wandte sich den anderen Bäumen am Ufer zu. Für einen Moment dachte ich, der Baum über dem Fluss sei euch überlegen, aber auch das stimmt nicht. Ihr seid auf eure Weise gewachsen, und er nach der seinen. Ihr bearbeitet eure Aufgaben, und ich die meinen.

Es war spät geworden, doch erst jetzt fiel ihm auf, dass er wohl der einzige Nachtwandler im ganzen Stadtteil sein mochte. Ein leichter Nieselregen zeigte sich im Schein der Straßenlaternen entlang der Uferpromenade. Das Rauschen des Flusses übertönte auch noch die letzten Reste der üblichen akustischen Hintergrundkulisse der Stadt. Seine Einsamkeit in ihrer Tiefe erspürend, traf er unerwartet auf festen Grund, ihn und die Begrenztheit seiner Gedanken und Ängste erschütternd, öffnend, einatmend die Welt um ihn herum, und für einen kurzen Moment lösten sich die Schleier von seinen Augen. Er fühlte sich eins mit dieser ihm so fremden Welt, durchschaute die Illusion ihrer Unterschiede, dann jedoch ausatmend, Trennung, Isolation wiedererfahrend. Staunend löste er seine Hand vom Stamm des alten Baumes, sich erinnernd der Weisheiten, von denen ihn seine Ängste abzuhalten pflegten.

Die Angst, die Hast, das Gefühl der Dringlichkeit, sie würden wiederkehren wie sie es immer zu tun pflegten, doch für einen beinahe heiligen Moment hatte er sich un-bestimmt, frei gefühlt. Und auch wenn der Alltag jene Momente rasch mit dem Zauber des Vergessens zu bedecken pflegte, würde er ihn in sich aufbewahrt wissen, von ihm zehren können in den dunklen Stunden der Ungewissheit und der Nebel, die vor ihm lagen – nun da er die ausgetretenen Pfade seiner Mitmenschen auch offiziell verlassen hatte.

„Wissen Sie, ich gehe tatsächlich keiner geregelten Arbeit nach“, sagte er gedankenverloren, doch da war niemand, der ihn hätte hören können. Und nach einer kurzen Nachdenkpause fügte er hinzu: „Aber wer will das schon?“
Die Nacht schwieg in Zustimmung.          

3.4.2 #86 Integrität

Es war seltsam, wie ihm dieses Wort nun immer häufiger in den Sinn kam, war es doch ein Wort, mit dem er sich ansonsten selten beschäftigt hatte, dessen tieferen Sinn er als ohnehin gegeben angenommen hatte. Doch nun, erschüttert von inneren Zweifeln, wie weit Integrität ihn bisher getragen, wie weit sie ihn wohl noch tragen würde, tauchte es immer wieder unvermittelt auf. Bisher, so erkannte er jetzt, war es noch immer irgendwie gutgegangen. Vielleicht hatte er einfach Glück gehabt, oder die Alternativen gar nicht in Erwägung gezogen. Hatte ihn ein nicht angreifbarer, weil impliziter naiver Glauben an das Gute im Menschen weitergetragen, vor den Konsequenzen weitreichender Entscheidungen beschützt.

Seit er 14 war, hatte er nicht mehr gelogen, aber es anderen im Zweifelsfall nachgesehen, wenn sie den Verlockungen ihrer „Notlügen“ erlagen. Sie hatten eben nicht das Glück gehabt, die Konsequenzen unwahren Handelns schon in jungen Jahren so intensiv erleben zu dürfen wie er, waren wohl noch am Weg. Aber nie hatte er in Zweifel gezogen, dass sie sich auf einem Weg befanden, und noch weniger die Richtung dieses Weges, die die Mehrheit der Menschen zu wählen pflegte. Doch nun, zum ersten Mal in seinem Leben, regte sich nagender Zweifel in ihm. Was, wenn er seine Entscheidungen, sein Handeln auf Illusionen baute?

„Das ist eben so“, hatte der Freund gesagt, und: „es ist sinnlos, da Energie zu verschwenden oder überhaupt darüber nachzudenken. Kein Wunder, dass du so oft krank bist. Das macht kein anderer Mensch. Schau, dass du deinen Job bekommst, und dann kannst du vielleicht irgendwas machen. Da muss man einfach durch.“

Doch wer war man noch, nachdem man „durch“ gegangen war, durch jene Maschine? Was hatte man noch zu geben, wenn man aufgab, woran man glaubte, um an jene Position zu gelangen, von der aus man glaubte, gestalten zu können?
„Du denkst zu viel nach“, hatte der Freund darauf nur gemeint, „das tut dir nicht gut, kostet nur unnütze Energie. Alle anderen machen es ja auch!“

Alle anderen? Nein, er kannte Menschen, die integer waren, die verlässlich waren, auf die man vertrauen konnte. Aber waren sie nur die Ausnahme der Regel gewesen, wie der Freund behauptet hatte? War es wirklich so irrational in dieser Welt, das Richtige zu tun, weil es einem im Grunde nur Nachteile brachte? War die Welt im Grunde schlecht, oder wurde sie, wie die älteren Mitglieder der Gesellschaft gerne zu behaupten pflegten, tatsächlich immer schlechter?

Es war, wie er nach einigen Tagen eines psychisch-seelischen Ausnahmezustandes feststellte, an ihm selbst, diese Frage für sich zu beantworten und mit den Konsequenzen zu leben. Ja, das System, in das er sich begeben würde, belohnte Unaufrichtigkeit mehr als Integrität. Aber keine bösartige Macht hatte es verbrochen, nur die Folge eines kraftlosen Glaubens, der sich aus der Realität ableitete, anstatt die Realität den Hoffnungen eines starken Glaubens anzunähern.

Glauben. Es war seltsam, dieses Wort in sich zu spüren, als gehöre es zu ihm. Hatte er doch seit vielen Jahren keine Kirche mehr freiwillig besucht, nachdem er als Kind erkannt hatte, wie unwahrscheinlich ihm die Geschichten über Gott erschienen. Aber den Glauben, wenn schon nicht an einen Gott, dann zumindest an die Menschen oder zumindest das Potential, das Göttliche im Menschen, den hatte er sich bewahren können. Gott als Projektion selbst war ihm irrelevant geworden. Aber die Idee, etwas zu dienen, das größer war als man selbst, die Bereitschaft, die sofortige eigene Befriedigung einem größeren Zusammenhang unterzuordnen, war für ihn die Grundlage dessen, was die Menschen „Hoffnung“ zu nennen pflegten.

Gab es nur ihn alleine, hatte er nur Verantwortung für sich alleine zu tragen, war er in Wahrheit allein in dieser Welt, so war es tatsächlich unsinnig, den eigenen Vorteil für das Wohl aller in Frage zu stellen, wie der Freund behauptet hatte. Aber so sehr ihn manchmal die Furcht übermannte, ihn prüfte, ihn in die dunkle Nacht des Glaubens warf, so wusste er auch, dass er niemals ganz alleine sein würde, solange er noch zu hoffen wagte, zu vertrauen wagte. Vertrauen, das hatte etwas mit trauen zu tun, mit Mut, aber auch mit Bindung, und er fühlte sich seinen Mitmenschen verbunden, auch wenn er oft Schwierigkeiten hatte, ihre Liebe anzunehmen. Doch darum ging es nur am Rande.

An erster Stelle ging es um die Erfüllung einer heiligen Pflicht, die ihm sein Glaube auferlegte: an den guten Willen der Menschen zu glauben, selbst wenn nichts in der Welt noch auf ihn hinweisen würde. Denn Glaube war mehr als nur Illusion, ein Glaube, der stark war und sich auf Integrität stützte, war fähig, die Realität der „Illusion“ anzunähern. Es gab keine Medaillen, keine Belohnungen für diese heilige Pflicht, nur die Gewissheit, seinem Gewissen zu folgen, das Gefühl, ganz zu bleiben, sich nicht aufteilen, zersplittern, verkaufen zu müssen.

Nein, Integrität war nicht mehr gegeben gewesen, war kein Fixum mehr, sondern eine tagtägliche Entscheidung, ein tagtäglicher Kampf geworden. Aber es war ein heiliger Kampf, ein wilder, zornig ausgetragener und doch heiliger Kampf, der ihn ängstigte, niederwarf, Schmerz fühlen und bluten ließ. Der ihn daran erinnerte, dass es noch etwas zu verlieren gab, dass es noch Werte in ihm gab, die sich zu verteidigen, für die es sich zu kämpfen lohnte, kostbarstes Gut aller Güter.

Nun, auftauchend aus dem Nebel der angeblichen Notwendigkeiten und Zwänge, sah er wieder klar: die Nacht war vorüber. Die ersten Sonnenstrahlen lockten, die ersten Knospen brachen durch das Eis, und eine wunderbare Lebendigkeit kam über ihn: der herrliche Duft des Frühlings wehte erneut in seinem Herzen.

 

… wenn dir diese Leseproben gefallen hat, findest du noch mehr in der Liste bisheriger Newsletter, in den Newslettern der nächsten Wochen (dazu einfach auf www.bunterrichten.com gehen und dich dafür anmelden) – oder eben im Buch selbst.

Einen farbenfrohen Sonntag wünscht dir
Niklas

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