Rückschläge und Aufbrüche

Heute musste ich traurigen Herzens eine Hoffnung begraben. Die Hoffnung, dass meine Zeit an der pädagogischen Hochschule im Februar nun endlich einen Abschluss finden würde. Nach fast eineinhalb Jahren und der nunmehr zehnten Version meiner Abschlussarbeit und (in allen Versionen zusammen) über 400 Seiten musste ich wiederum feststellen, dass es nicht reichen sollte. Dies bedeutet nicht nur, dass ich die Arbeit noch einmal zu schreiben habe, es bedeutet auch eine Verschiebung von mindestens einem zusätzlichen Semester. Ich hatte gehofft, diese vermeintliche Lappalie nach all diesen Stunden, die ich hineingesteckt hatte, endlich hinter mich bringen zu können, aber dem war nicht so. Was war daran so schwer für mich, knapp 40 Seiten Wissenschaftliches zusammenzubringen?

In dem Gespräch mit meinen beiden Betreuerinnen, das nach meiner doch sehr grossen Enttäuschung noch stattfand (und falls ihr das lest, danke an dieser Stelle nochmals dafür), schälte sich ein möglicher Grund heraus. Sinn und Zweck einer Bachelorarbeit ist es, soweit ich es nun verstanden habe, sich mit einem Thema zu beschäftigen und zu diesem Thema ein fundiertes Fachwissen anzusammeln. Es geht also darum, sich mit Thema, zu dem der Verfasser anfangs wenig wusste, Informationen auf wissenschaftliche, vergleichende Weise zu befassen. Es geht nicht darum, tatsächlich Inhaltliches zur wissenschaftlichen Forschung beizutragen. Alle meine Arbeiten entstanden jedoch genau unter diesen Vorzeichen. Ich glaubte (und glaube immer noch), mit meinen Erfahrungen etwas zur Weiterentwicklung der Pädagogik beitragen zu können. Aber diese Arbeit ist schlicht und ergreifend nicht das Medium dafür.

Zu vernetztes Denken

Zudem wurde mir heute durch unser Gespräch ein anderes spannendes Phänomen bewusst: es fällt mir sehr schwer, nicht zu assoziieren. Mein Denken läuft wohl in aussergewöhnlichem Mass über diese Assoziationen, was grosse Vorteile bringt, wenn ich etwa Zusammenhänge verstehen will. Ich kann ein Buch mit 700 Seiten lesen und verstehe im Regelfall die für mich interessanten Zusammenhänge, weil ich automatisch Assoziationen mit meinem schon bestehenden Weltbild knüpfe. Was ich dafür absolut nicht gut kann, ist, mir Informationen etwa in Form von unzusammenhängenden Listen einzuprägen. Ich verstehe Zusammenhänge blitzschnell, aber ein Auswendiglernen ist mir fast unmöglich. An meinen Noten in den verschiedenen Seminaren an der Hochschule lässt sich wohl eine ziemlich exakte Statistik erstellen, welche Prüfungen eher auf Verständnis und welche eher auf ein Auswendiglernen von Fakten ausgelegt sind.

All dies war mir bereits länger bewusst. Dieses Assoziieren ermöglicht mir, zwischen scheinbar völlig unzusammenhängenden Ideen Verbindungen herzustellen und Regelmässigkeiten zu finden, die wohl nur wenigen Menschen auffallen, aber mein Leben in vielen Situationen erleichtert. Aber ich wusste nicht, dass ich dieses Assoziieren bereits so automatisiert zu haben scheine, dass ich es nicht ausstellen kann, selbst wenn ich dies möchte. Ich schaffe es offensichtlich nicht, bei einem Thema zu bleiben. In meinem Denken sind Themen durch die vielen Assoziationen offensichtlich völlig anders abgegrenzt als in der restlichen Welt, und die Sprünge, die ich von aussen betrachtet vollziehe, sind für mein Denken oft gar keine bewussten Sprünge, weil in meinem Denken die einzelnen Themen in einem einzigen Miteinander existieren, das nur wenige, vielleicht gar keine Grenzen mehr kennt.

Für ein besseres Verständnis

Ich war ehrlich überrascht, als mir meine Betreuerinnen heute eröffneten, sie könnten meinen Gedankensprüngen kaum oder nur mit sehr viel Fantasie folgen, obwohl ich gedacht hatte, dieses Mal gerade eben ohne diese Sprünge ausgekommen zu sein. Es war eine sehr wertvolle Rückmeldung für mich, weil dies bedeutet, dass viele andere vermutlich ebenso Schwierigkeiten damit haben, meinen Gedankengängen zu folgen, zum Beispiel auch auf diesem Blog. Natürlich hätte ich gerne gehört, dass sich für mich alles erledigt hat und ich endlich abschliessen kann. Aber nach der fast unvermeidbaren Enttäuschung folgt dann doch für mich meist die Frage, wie ich eine Enttäuschung in eine für mich sinnvolle Erfahrung umwandeln kann. Und zu lernen, nachvollziehbarer zu schreiben, klingt nach einem sinnvollen Lernziel für jemanden, der gerne schreibt und auch gelesen werden möchte.

Ich möchte an dieser Stelle wieder einmal denjenigen von euch danken, die hier regelmässig vorbeischauen, weil es wohl wenig gibt, was mehr zum Schreiben motiviert, als eine Statistik, die mir anzeigt, dass es echt Menschen gibt, die auch lesen, was ich schreibe. Ich möchte euch aber auch bitten, mir eventuelle Vorschläge, (An-)Fragen und Kritik zukommen zu lassen. Wenn sich jemand die Zeit nimmt, einen Kommentar zu verfassen oder mir zu schreiben, freue ich mich gleich doppelt.

Niklas

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