Der erste Satz war die Antwort eines Nachhilfeschülers auf meine Frage, was er, würde er die Macht dazu haben, an einer Schule ändern würde. Der zweite die Reaktion auf meine Antwort darauf, wie er es begründen würde. Aber nicht alle Antworten sind derart inpraktikabel, und einige möchte ich an dieser Stelle mit euch teilen. Die entsprechenden Schüler haben eingewilligt, wollten jedoch nicht mit Namen erwähnt werden. An dieser Stelle ein Danke für euer Bemühen, meine Fragen zu beantworten.

Essen und Trinken

Gleich zwei Schüler merkten unabhängig voneinander an, dass es sie stört, wenn sie nur zu festen Zeiten essen und (vor allem) trinken können. Vor allem an heissen Tagen wäre Letzteres nicht sehr leistungsfördernd. Ich denke ebenso, dass zumindest ein freier Zugang zu Trinkwasser auch unter den Einheiten eine sinnvolle Sache ist, falls Essgeräusche ein Problem darstellen sollten. In meinen NAchhilfestunden war auch das Esen nie ein Problem, es wirkte im Gegenteil eher förderlich für das Gruppenklima, wenn geteilt wurde.

Tests und Schularbeiten

Ebenso zweifach kam die Beschwerde über Schularbeiten, „weil wir sehr viel Stoff bekommen“, während Tests als akzeptabel angesehen wurden. Das Abprüfen von kleineren „Portionen“ scheint ihnen mehr entgegenzukommen als das bei Schularbeiten übliche vierteljährliche „Sammelprüfen“. Eine Aufsplittung dieser in kleinere Teilprüfungen, die bis zu gewissen Zeitpunkten (ein Schüler schlug halbjährlich vor) zu vervollständigen sind, erscheint hier sinnvoll. Weitergedacht würde dies einen möglichen Wegfall von Noten für einzelne Tests zugunsten einer Art ToDo-Liste ermöglichen.

PISA-Studie

Überraschend für mich war die Antwort, dass sie die PISA-Studie abschaffen würden, und vor allem die Argumentation, dann nicht mehr (ich zitiere) „mit den Koreanern verglichen zu werden“. Zumindest an manchen Schulen scheint der Druck, der mit Hilfe dieser Studie auf Schulen und Lehrer ausgeübt wird, auch bei den Schülern anzukommen.

Laptop

Ein jeder sollte sich einen Laptop besorgen, meinte ein Schüler, wer kein Geld dafür hat, bekommt von der Schule nach Nachweis der Armut einen zur Verfügung gestellt. Auch wenn ich grundsätzlich eine Bildung an und in der realen Welt einer virtuellen Bildung über die Welt vorziehe, lässt es sich schlecht ignorieren, dass Computer und vor allem das Internet dem geneigten Lerner eine Fülle von Möglichkeiten bieten können, mit der ein einzelner Mensch, ob Lehrer oder nicht, kaum zu konkurrieren vermag und vermutlich auch nicht sollte. Der Ruf nach einem Laptop für jeden (oder alternativ genug vernünftiger Möglichkeiten, das Internet und seine Macht zu nutzen) zeigt für mich, dass Schüler sich in dieser Art des Lernens-über zunehmend für andere Quellen entscheiden als eine traditionelle Schule sie anbietet. Eine Schule hat für mich darauf zu reagieren, indem sie diese moderne Technik auch zulässt und sich auf die Bereiche konzentriert, die die beste Technik nie ganz ersetzen können wird – das Lernen von und mit anderen.

Moodle

Lehrer sollen Unterrichtsmaterialien mitbringen und nicht einzeln on jedem ausdrucken lassen. Selbst aus meiner eigenen Schulzeit in der HTL weiss ich noch, wie begeistert einige unserer Lehrer von moodle waren, mit dem sie alle möglichen Übungen und Dateien allen zugänglich machen konnten, wie wenig begeistert wir Schüler waren, weil wir nun ständig die Plattform besuchen mussten, um vor der nächsten Einheit ja alles dabei zu haben, und wie selten dies wirklich funktionierte. Ich finde es grossartig, alle Materialien auch online zu haben. Aber es ist einfach ineffizient, wenn 25 Leute jeweils 1x ein Dokument ausdrucken, dass auch einer 25x ausdrucken und mitnehmen kann.

Freigegenstands-Stunden

Einige Stunden in der Woche sind eine Art von Freigegenstands-Stunden, in denen die Schüler ihren eigenen Interessen nachgehen können, etwa das Steuern von ferngesteuerten Fahrzeugen, Karate oder sonstiges, auf jeden Fall eine grosse Auswahl ermöglichen. Meine befragten Schüler träumten wohl nicht sehr grosse Träume der Freiheit, aber doch waren es Träume der Wahlfreiheit.

Mehr Zeit für wichtigere Gegenstände

Eine weitere interessante Idee war es, den „wichtigen“ Gegenständen wie in M, D, E mehr Zeit, etwa 60-Minuten-Blöcke, einzuräumen, und den anderen, unwichtigeren Gegenständen entsprechend weniger („auf keinen Fall die Schulzeit noch mehr verlängern!“). Auf meine Gegenfrage, wer bestimme, welche Gegenstände wichtig oder unwichtig seien und ob dies nicht für jeden etwas verschieden sei, wusste er keine wirkliche Lösung für dieses Problem, aber es ist ein interessanter Gedanke, wie ich finde.

Lehrer abwählen

Hier habe ich zugegebenermassen die Frage gestellt, was sie davon halten würden, ich weiss nicht, ob sie von selbst überhaupt darauf gekommen wären. Die Reaktionen waren ein klares „Ja“ für die Möglichkeit, unfähige (oder für die Schüler aus anderen Gründen unpassende) Lehrer abwählen zu können. Ich habe in meiner kurzen Laufbahn noch niemanden kennen gelernt, der nicht einige seiner Lehrer für sehr gut befunden hat, aber auch noch nie jemanden, der mit allen seinen Lehrern zufrieden war. Die Möglichkeit einer Absetzung von Lehrern durch die Stimmen von genügen Eltern oder Schülern wäre eine interessante Idee. Es würde auch nicht zwingend bedeuten, dass ein Lehrer unfähig ist, sondern ihm möglicherwiese helfen, mit Schülern zusammenzuarbeiten, die seine individuelle Art schätzen und brauchen können.

Am Platz sitzen müssen nervt

Schlussendlich meinten meine Schüler noch, dass es unglaublich nervig für sie ist, ständig so lange sitzen zu müssen. Auf den Tag gerechnet verbringt ein durchschnittlicher Schüler tatsächlich so einige Stunden in erzwungener sitzender Haltung, diktiert durch starre 50-Minuten-Einheiten.

Wahrheit oder Pflicht

Schlussendlich wird die Absurdität der Situation der Bildung in Österreich wieder einmal deutlich, wenn unsere liebenswürdigen Bildungsexperten mit ihren Doktortiteln über die Bedürfnisse der Schüler schwafeln, eine Gewerkschaft sich über die Politiker beschwert, dass Lehrer überfordert sind und quantitative Verbesserungen fordert, aber die qualitative Komponente, die Organisation des Schulalltags im täglichen Leben, unverändert belassen wird. Im Thalia stolperte ich dieser Tage über ein Buch um knapp über 10 Euro, in dem Schüler befragt wurden, welche Tipps sie Junglehrern geben würden. Schön, dass sie auch mal gefragt werden, aber ich denke, sie würden es uns danken, wenn wir diese Praxis zu unserem Alltag machen, von und mit ihnen lernen anstatt über sie, eben wie sie von und mit der Welt, die sie umgibt, zu lernen lernen.

Anstatt die Anzahl der Feuerlöscher zu erhöhen, finden wir so vielleicht auch heraus, wo es überhaupt am meisten brennt.

Niklas

P.S.: Was würdet ihr an der österreichischen Bilddungslandschaft verändern, wenn ihr könntet? Was denkt ihr über Bildungsthemen? Mich interessieren eure Gedanken…: bunterrichten@gmail.com

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