Stimmiger Kontakt BildStimmiger Kontakt ist die Praxis, mit seinem ganzen Selbst eine lebendige, authentische Beziehung mit einem Gegenüber herzustellen. Aus dieser Beziehung das abzuleiten, was sich im jeweiligen Moment stimmig/richtig anfühlt. Und dieser Intuition, dem – wie ich es für mich gerne bezeichne – “inneren Kompass” mehr und mehr vertrauen zu lernen.

Wer sich auf diesen Weg einlässt, wird sich früher oder später mit äußeren sowie den eigenen inneren Blockaden konfrontiert sehen, die verhindern, dass aus dem, was sich stimmig anfühlt, entsprechende Gedanken, Worte und Handlungen werden.

In der zunehmenden Überwindung und Auflösung jener Blockaden entsteht mit der Zeit ein immer größerer “Bewegungsspielraum”, innerhalb dessen die Vorstellung vom eigenen Sein beweglicher wird, um dem, was sich stimmig anfühlt, immer authentischer Ausdruck verleihen zu können.

1. Aber macht Offenheit für die Welt nicht auch verletzlich?

Offenheit und Authentizität ist immer auch verbunden mit Verletzlichkeit. Wir alle, die wir älter als ein paar Monate sind, sind im Laufe der Jahre verletzt worden: bisweilen durch aktives Tun anderer, öfter wohl noch durch deren Unterlassen und Unachtsamkeit.

Die meisten von uns haben sich mit der Zeit angewöhnt, eventuelle zukünftige Verletzungen von vornherein zu vermeiden, indem sie entsprechende Vorsichtsmaßnahmen im Kontakt mit ihrer Umwelt ergreifen. Doch der Preis, den wir für diese Vorsichtsmaßnahmen zahlen, ist hoch.

Die Alternative, so furchterregend sie auf den ersten Blick erscheinen mag, ist sich dem Schmerz zu stellen, und offen zu bleiben für das, was kommt (#83 Du darfst hoffen). Denn mit der Offenheit für die Welt (und unsere eigenen Reaktionen darauf!) laden wir nicht nur den Schmerz, sondern auch Freude, Liebe und mögliche Heilung ein, wieder in unser Leben zu treten, ebenso wie wir jene ansonsten mit dem Schmerz ausschließen. Und wenn wir den Krieger in uns akzeptieren und integrieren lernen (#103 Die Rückkehr des Kriegers), verliert die Offenheit für die Welt auch ohnehin viel von ihrem Schrecken.

2. Was braucht es, um stimmigen Kontakt zu praktizieren?

Dazu braucht es neben Mut auch eine besondere Art von Vertrauen: Nämlich nicht darin, dass alles gut gehen wird (es wird immer wieder auch einiges schief gehen, das gehört zur Natur des grundsätzlich ergebnisoffenen Experiments, das wir „Leben“ nennen, dazu). Sondern darin, dass auch üblicherweise als „negativ“ betrachtete Konsequenzen unserer Entscheidungen zu etwas Positivem führen können, sobald wir sie akzeptieren: lehrreiche Geschichten. Oder zumindest erzählenswerte Geschichten (#92 Die Geschichten, die wir uns erzählen).

Sobald wir akzeptieren können, dass wir frei sind, über „gut“ hinauszugehen, solange wir die Konsequenzen unserer Entscheidungen verantworten, in radikale Selbstverantwortung gehen, wie ich es gerne nenne, können wir eine Freiheit entdecken, die noch viel tiefer geht, als wir uns gemeinhin vorzustellen wagen: Wir können ganz werden.

Und wenn wir zunehmend ganz werden, wird es auch immer leichter, in stimmigen Kontakt mit unserer Umwelt festzustellen, dass wir uns weder vor ihr fürchten noch sie manipulieren müssen, sondern mit ihr arbeiten können, in Achtung auch ihrer Bedürfnisse – solange unser Glaube stark genug ist, das Wachstum jener zarten Pflänzchen möglicher Zukunft erwarten zu können.

3. Was ist der Preis?

Die Entwicklungsprozesse, die auf dem Weg dorthin durchlaufen werden, sind nicht immer kompatibel mit unseren gesellschaftlichen Vorstellungen von Normalität oder einem “guten Leben”. Stimmigen Kontakt zu praktizieren führt nicht zu immerwährendem Glück.

Wohl aber in eine immer größere Tiefe des Miteinanders, einer Art von Weltvertrauen, die über das Vertrauen in Einzelpersonen weit hinausgeht. Und tendenziell zu einer Art der Lebensführung, die uns am Ende mit Ehrlichkeit behaupten lässt:

Und wenn der Tag kommen wird
An dem die Endlichkeit in mein Leben tritt
Werde ich ihr gegenübertreten können.

Sie wird mit mir sprechen wollen.
Sagen: Aus! Nun ist es zu Ende!
Fragen: Hast du denn wahrhaftig gelebt?

Dann werden wir ihr sagen können: Ja!
Wir haben das Unverzeihliche gewagt:
Wir haben wahrhaftig gelebt.

4. Wie kannst du mir auf diesem Weg weiterhelfen?

Auch wenn ich erst im Frühjahr 2018 über einen Tai Chi-Kurs für mich auf den Begriff “stimmigen Kontakt” gekommen bin, praktiziere ich die dahinterliegenden Grundprinzipien doch schon seit vielen Jahren.

Vor allem in den letzten 5+ Jahren habe ich auch viel darüber geschrieben und veröffentlicht – einerseits in Form von eher sachlicheren Artikeln, andererseits in Form meiner Barfuß-Geschichten, die sich hier unter Eingabe einer Nummer in die Suchfunktion links finden lassen (z.B. #71 eingeben, um zu #71 Krone der Schöpfung zu finden).

Eine etwas übersichtlicher aufbereitete und von Grund auf überarbeitete Variante davon findest du in meinem Mitte November 2018 erscheinenden Buch Barfuß führt dein Weg dich weiter, das ein hilfreicher Begleiter auf dem Weg zu mehr Authentizität, zu Stimmigen Kontakt für dich sein kann.

In der Zwischenzeit hier noch eine unvollständige Liste an weiteren Sach-Artikeln zum Thema, die ich in den letzten Jahren verfasst habe. Eine sinnvollere Anordnung/Filterung folgt noch:

5. Artikel zum Thema

5.1 Über Normalität hinausgehen

5.2 Selbstbestimmung & Grenzen

5.3 Entwicklungsprozesse

5.4 Voraussetzungen für Entwicklungsprozesse schaffen