Zerbrochener Felsbrocken

Er war seit Monaten nur noch selten in jener Wohnung gewesen, seit er begonnen hatte, an ihrer Seite Wurzeln zu schlagen, Raum einzunehmen. Nun, da er im Zuge des Umzugs Stück für Stück seiner Vorgeschichte, verewigt in all jene Objekte die das alte Zimmer ausfüllten, ausgeräumt und auf seine zukünftige Nützlichkeit überprüft hatte, war er dem Moment zunehmend näher gekommen, wo er sich mit dem Felsbrocken beschäftigen würde müssen.

Der Felsbrocken war das Symbol gewesen, dass auch der Vater bereit sei, seinen Teil der Verantwortung zu tragen. In einem Moment der Verbundenheit hatten sie ihn aus dem Fluss geholt und gemeinsam nach Hause gebracht, sichtbares Zeichen einer neuen, gesünderen Ordnung zwischen ihnen.

Nun, einige Monate später, während das Zimmer rundherum sich mehr und mehr leerte, wurde ihm die Absurdität des Ganzen mehr und mehr sichtbar: Der Felsbrocken, die Schwere, die Verantwortung für die er stand, war wieder einmal nur bei ihm liegen geblieben, trotz aller hoffnungsvollen Worte und Versprechungen, dass von nun an alles anders werden würde. Der Kontakt zu jenem anderen war mittlerweile vollends abgebrochen. Die Schwere, der große Brocken, war ihm geblieben.

Auf ihr Anraten hatte er den Felsbrocken von seinem Platz entfernt, ihn mitgenommen, auch wenn dieser fast zu schwer war, ihn alleine weiter als einige Meter zu schleppen. Ins Auto damit. Dorthin, wo er hingehört. Zu ihm. Einfach in den Garten legen. Oder vor seine Einfahrt. Dann musste jener zumindest einmal auch diese Schwere ertragen, wenn er mit dem Auto rauskommen wollte. Aber durfte man so etwas überhaupt? Vielleicht übersah der Andere ja den Felsen einfach und fuhr ungebremst dagegen…? Schadenersatzforderungen waren in diesem Fall wohl gar nicht so abwegig.
„Der bleibt nicht in deinem Auto. Oder hier bei uns. Das ist nicht gut für dich und uns“, hatte seine Gefährtin gemeint, und natürlich Recht damit gehabt. Also doch einfach zu seinem Vater bringen?

Doch da war da noch ein Nachflimmern einiger Sätze, die dieser ihm irgendwann gesagt hatte. Davon, dass seine Mutter sich einst durch ihre Krankheit und ihren Tod aus der Verantwortung gestohlen hätte, und dass er doch eigentlich auch auf sie wütend sein müsse. Aber durfte man das? Was konnte sie für ihre Krankheit, ihren Tod? Und doch.. war da ein Funken Wahrheit zu finden. Womöglich  nicht so, wie der Vater es meinte. Aber trotzdem hatte auch seine Mutter einen Teil des Felsbrockens verdient. Auf die ihre Art.

Einige Tage später fuhr er mit seiner Gefährtin zu dem nahe gelegenen Fluss. Eine kleine Brücke führte darüber, womöglich ein geeigneter Ort für ihr Vorhaben, den Felsen endlich aufzubrechen. Er war derart massiv, dass es wie ein absurdes Unterfangen wirkte. Konnte es tatsächlich gelingen? Und doch… aus genügend großer Höhe womöglich…?

Der Anblick des fallenden Felsbrockens, sein Zerbersten und das donnernde Geräusch dabei brannten sich in seine Erinnerung ein als ein glorreicher Moment der Befreiung.
„Welchen Teil gehört für dich denn zu deinem Vater?“, fragte sie ihn. „Welcher zu deiner Mutter?“
Den zu seiner Mutter konnte er sofort ausmachen. Der würde gut zu ihrem Grabstein passen. Der größere Rest des Felsbrockens erschien ihm jedoch unfair groß im Vergleich, wurde seinem Vater nicht gerecht. Die noch kleineren Splitter schienen dagegen zu klein.
Der Große muss noch einmal brechen, wurde ihm klar.

Wieder auf die andere Seite der Brücke, barfuß durch den Fluss gewatet, den verbliebenen größeren Teil des Felsbrockens holend, wieder auf die Brücke, und er ließ den Brocken nochmals fallen. Zahlreiche Splitter sprengten sich nochmals ab.
„Und jetzt?“, fragte sie ihn.

Da wurde ihm mit einem Mal klar, dass er niemals fertig werden würde, einem jeden seinen gerechten Teil zukommen zu lassen. Er selbst hatte wohl seinen Teil verdient, sein Vater, seine Mutter, aber ebenso ihre Eltern und die Eltern ihrer Eltern und immer so weiter, gar nicht zu sprechen von allen möglichen weiteren Menschen die einen im Laufe eines Lebens so beeinflussten. Und selbst würde ihm diese Aufgabe gelingen – was hätte er damit erreicht? Machte es wirklich freier wenn man wusste warum man unfrei war, sich Begründungen dafür aus einer Vergangenheit logisch herleiten konnte?

Der Felsen bleibt hier“, meinte er zu ihr, fühlend, wie die Schwere des Felsbrockens, der Schuld, des Schmerzes von seinen Schultern genommen worden war, wenn er ihn nur loszulassen vermochte. Warum irgendjemanden anderen weiter damit belasten? Er brauchte nichts mehr von ihnen.

Kurz fand er in sich den Impuls, sich ein Andenken an jenen denkwürdigen Moment mitzunehmen, ein kleines Stück des einst so schwerwiegend erscheinenden Brockens. Aber das hätte eine Erfahrung entehrt, die da ganz war, nicht nur eine stückweise Erleichterung, von viel zu schwer zu weniger schwer.

Was, wenn man tatsächlich einfach aufhörte, irgendwelche Felsbrocken an irgendjemanden verteilen zu wollen, weil man glaubte es sei ja so unfair dass man ihn selber tragen müsse und der andere nicht? Denn die unbequeme Wahrheit war am Ende doch jene: er selbst hatte den Felsbrocken damals mit nach Hause geschleppt. Es war seine eigene Idee gewesen, ihn gemeinsam aus dem Fluss zu holen, und er hatte ihn sich behalten wollen. Nun war auch er es, der ihn gehen lassen musste. Diese Verantwortung konnte ihm niemand abnehmen.

Denn sonst, so fühlte er es mittlerweile recht deutlich, wäre man ja wie jemand, der einen Roman liest der ihm nicht gefällt, wissend dass er auch nicht besser wird, trotzdem weiterliest und sich dann beschwert dass das Buch schlecht war. Man konnte auch einfach das Buch weglegen und ein anderes lesen. Oder selbst eins schreiben, mit überraschenden Wendungen und viel mehr Freude drin. Oder sogar ganz wagemutig sein, all die Bücher hinter sich lassen, die Tür aufmachen und mal rausfinden wie das Leben so ist wenn man sich mal wieder ungefiltert drauf einlässt.

Vermutlich war das dann gar nicht mehr so schwer.

So, nun hat es doch um einiges länger gedauert, bevor ich wieder dazu komme, den nächsten Newsletter auszuschicken. So einiges ist passiert, und auch die (nahe) Zukunft sieht mittlerweile sehr ansprechend aus. Aber der Reihe nach 🙂

Buch-Verkäufe/Rückmeldungen bisher sehr gut

  • Ich habe überrascht festgestellt, dass ich offensichtlich eine Funktion bei Amazon aktiviert habe, die es einem jeden ermöglicht, die eBook-Version unbegrenzt kostenlos zu lesen. Je nach Anzahl der gelesenen Seiten bekomme ich dann aus einer Art Fond anteilig Tantiemen ausbezahlt. Also die Info gerne auch weiterleiten! Man kann kostenlos das ganze Buch lesen, auch wenn man keinen Kindle besitzt! Es gibt dazu eine Art Browser-Kindle-Reader, den man über Amazon nützen kann.Wobei natürlich die Taschenbuch-Variante um einiges lässiger ist, und mit 15€ ist die ja auch durchaus leistbar.
  • 99 Menschen haben die 5 Tage-kostenlos-downloaden-eBook-Aktion im November genutzt. Auch wenn damit mein Ziel von 100 verfehlt wurde, darf man wohl durchaus zufrieden sein 🙂
  • Seit Verkaufsstart habe ich >60 Exemplare des Buches verkauft, zum größten Teil direkt. Zumindest derzeit kommt es auch weiterhin alle paar Tage vor, dass jemand ein weiteres Exemplar haben will. Damit sind meine Druckkosten schon nach 2 Monaten zum Großteil abgedeckt.
  • Die Rückmeldungen zum Buch sind durch die Bank sehr positiv, und es wird offensichtlich auch weiterempfohlen.
  • Was leider noch nicht so klappt, ist das Hinterlassen von Amazon-Rezensionen, obwohl ziemlich viele gemeint habe sie machen das gerne. Wobei mir auch rückgemeldet worden ist, dass einige das Buch wie einen guten Wein genießen – in kleinen “Schlucken”, um jede Geschichte auch gut “einwirken” zu lassen. Möglicherweise sind die meisten auch schlicht noch nicht “durch” mit dem Buch. Wobei ich diese z.B. schon ziemlich genial fand (Auszug hier):Eine Schatzkiste voller Erfahrungen und Erlebnissen, zumeist aus einer fast neutralen Erzählperspektive geschildert, gibt dem Leser genau deshalb umso mehr Raum, SICH selbst einzuschwingen, hinein zu versetzen, sich wieder zu finden… in all die kleinen, oftmals unauffälligen, leisen Geschichten, die das Leben eben so schreibt.Das Erstlingswerk des jungen Autors hat bei mir daheim einen fixen Platz auf meinem Nachtkästchen gefunden. Da darf es nun liegen und wirken. Ich lese – mit Bedacht – nur ab und an eine der vielen Geschichten. Ärgere mich manchmal über gewisse „Enden“…weine vor Freude, mich verstanden zu sehen…spüre Traurigkeit und Schmerz…lache laut auf, weil Menschen ja wirklich manchmal so extrem komisch und seltsam handeln, denken, fühlen.Niklas Baumgärtlers Sprache empfinde ich persönlich als einzigartige Mischung aus märchenhaft blumig und knallhart analytisch.

    Meine 18jährige Tochter hat auch schon darin geschmökert und vor allem die Story „Ein kleines grünes Pony“ bot uns beiden die Gelegenheit, generationsübergreifend über Frauenthemen zu diskutieren…abendfüllend und schön.

    Deshalb meine ich, dass das Buch geeignet ist für Leser im Alter von 18 bis 105. Zirka.
    Habt Freude daran, ich lege es euch wärmstens ans Herz!”

     

  • Nach einigen Lesungen, die auch gut angekommen sind, spiele ich gerade mit dem Gedanken, mittelfristig einige der Geschichten “vorzulesen” und in der Form auf YouTube zu stellen. Falls da jemand Lust hat, sich stimmlich zu beteiligen: sehr gerne! Einfach melden 🙂

Tai Chi Kurs im FreiRaumWels wird gut angenommen

  • Der Tai Chi-Kurs, den ich im FreiRaumWels kostenlos anbiete, wird gut angenommen, auch wenn aufgrund der Feiertage bisher nur 2 Termine stattgefunden haben. Der nächste Termin ist der Montag, 21.1. um 18:30. Wenn alle kommen, die bisher schonmal da waren oder sich vorangemeldet haben, sind wir mit mir dann schon zu 7.
  • Nächste Woche startet dann auch der Kurs für Mitarbeiter einer Bank. Wer für seine Mitarbeiter auch einen buchen will – einfach kontaktieren.

Aufnahme von 13 eigenen Songs

  • Diese Woche war meine Schwester für zwei Tage zu Besuch und wir haben ziemlich nonstop 13 unserer selbst geschriebenen Songs aufgenommen. Einige erste Rückmeldungen von Freunden/Bekannten denen ich die Aufnahmen zukommen habe lassen sind sehr positiv.
  • Deswegen werde ich im Laufe der nächsten Wochen/Monate wohl die Aufnahmen über YouTube zur Verfügung stellen. Ihr findet die entsprechenden Links dann auf der Bunterrichten-FB-Seite. Kann aber noch ein wenig dauern, ich mach grad ziemlich viel gleichzeitig, und das hat gerade nicht oberste Priorität.

Neue Artikel/Geschichten

Zwei weitere Leseproben aus dem Buch

Heute mal zwei sehr Mut-Macher-Geschichten, auch weil sie thematisch meine letzten paar Wochen schön wiederspiegeln. Und nochmal der Link zum Buch, wo man es kaufen bzw. auch einfach online lesen kann:

#16 Verbindungsprobleme

#16 Verbindungsprobleme

Es begann harmlos in der Straßenbahn. Eine junge Frau, ganz ins Gespräch mit einer Freundin vertieft, war beim Aussteigen in die sich bereits schließende Schiebetür geraten. Doch anstatt sich zu ärgern, lachte sie darüber und brachte ihn damit selbst zum Schmunzeln. Für den kurzen Moment, indem sie sich nun so gegenseitig anlächelten, bevor die Menge an missmutigen Menschen hinter ihr sie aus seiner Sicht schob, fühlte er ein Gefühl von Verbundenheit mit dieser jungen Frau. Für den Bruchteil einer Sekunde waren sie Vertraute, fühlten sich weniger allein im Strudel der Zivilisation.

Noch den ganzen Tag über fühlte er die Nachwirkungen dieses kurzen Zusammentreffens. Erst am nächsten Tag erkannte er an dem Fehlen des Gefühls der Geborgenheit, wie einsam er sich tagtäglich eigentlich inmitten all dieser Menschen fühlte.

Doch die Begegnung mit dieser jungen Frau, die er möglicherweise nie wieder sehen würde, hatte ihn tiefer berührt, als ihm anfangs bewusst war. Seine Schritte wurden sicherer, sein Gang aufrechter, und er fand plötzlich, inspiriert von dieser Begegnung, auch in sich den Mut, den Passanten in die Augen zu sehen. Viele wichen seinem Blick verschämt aus. Andere jedoch nahmen die Einladung an, und ihre Gesichter hellten mit dem seinen auf. Je öfter er Menschen ein Lächeln schenkte, desto wohler wurde ihm ums Herz, desto verbundener fühlte er sich mit der Welt, die ihn umgab.

Es war fast, als wäre der Schleier der Zivilisation von der Welt gefallen, um das wahre Antlitz der Menschen, die sich in ihr tummelten, zu enthüllen. Das Lächeln, das er aussandte, kam in vielen Nuancen zu ihm zurück. So manches Mal war es ein Ausdruck reinster Freude, manchmal melancholisch, und manchmal erzählten ihm die Augen der Lächelnden Geschichten von höchster Not und Verzweiflung. Und doch war ein jedes Lächeln ihm lieb, ihm kostbar, weil es eine Verbindung schuf, die Freude verdoppelte und Leid leichter ertragen ließ. Es war ein beinahe göttliches Geschenk, und er ein Prophet, der es verkündete und unter die Menschen brachte.

Einst, als er aus seinem kleinen Dorf, in dem jeder jeden kannte, ausgezogen war, um in die Stadt zu ziehen, hatte er lernen müssen, dass die Städter irritiert reagierten, wenn er sie grüßte und anlächelte. Hatte gelernt, sich an die unnahbare Masse anzupassen. Nun, innerlich gefestigt durch die Verbundenheit, die er durch die Masken der Passanten erspürt hatte, hatte sich etwas in ihm verändert.

Und ausgehend von diesem jungen Mann, der tagein, tagaus durch die Straßen der Stadt zog, entstand bald eine regelrechte Lawine. Langsam, fast unmerklich, einer nach dem anderen, legten die Städter ihren schweren Panzer ab und begannen, fast schüchtern, Kontakt mit ihren Mitmenschen aufzunehmen. Die Gespräche in den öffentlichen Verkehrsmitteln wurden häufiger, die Hilfsbereitschaft nahm zu, und die Menschen wirkten glücklicher.

Die junge Frau hatte er nie wieder gesehen. Doch ihr Lächeln, Geschenk eines Augenblicks, verließ ihn nie mehr. Und mit einem jeden Augenpaar, das sich mit dem seinen traf, verstand er besser. Dass er nicht der einzige war, der den inneren Ruf vernommen hatte. Dass es wohl in einem jeden Menschen eine leise Stimme gab, die ihn die Liebe zu seinen Mitmenschen fühlen ließ.

Und obwohl es ebenso in einem jeden Menschen die Stimme der Angst gab, die ihn davor zurückschrecken ließ, seine Mitmenschen, seinen Nächsten, wirklich zu lieben: Ein jedes Lächeln hatte die Macht, die feine Balance zwischen Liebe und Angst zugunsten der Liebe zu verändern. Hatte die Macht, die Angst zu überwinden, die die Menschen voneinander trennte, um zwischen ihnen Brücken der Begegnung zu erbauen.

Und damit die Macht, in vielen kleinen Augenblicken die Welt zu verändern.

#95 Inseln im Alltag

Gegen sechs Uhr zogen die beiden los. Der eine hatte sich zurechtgemacht, Jeans, Sakko, schön gestriegelt, gepflegt. Hatte sich eine schwarze Kiste umgeschnallt, die er nun abwechselnd laut lachend und vorsichtig auftretend – sichtlich nervös – über die Brücke trug. Der andere, im Kontrast, mit weit hinabhängenden Hosen, gemütlichem Pullover und der charakteristischen Halskette aus geschliffenem Holz. Sorgfältig auftretend, das Gewicht des Rucksacks und der länglichen schwarzen Tasche tänzelnd mit seinen nackten Füßen ausbalancierend, scherzte auch er mit dem Freund. Sie hatten sich erst vor einigen Wochen zum ersten Mal getroffen und auf Anhieb verstanden. Nun war die Zeit reif, sich auch kennenzulernen.

Während der Freund sich neben eine ältere Dame auf eine der zahlreich vorhandenen Bänke setzte, durchsuchte er seinen Rucksack. Natürlich hatte er in seiner Vorfreude wieder einmal nicht daran gedacht, Papier mitzunehmen, auf dem genug Platz war. Glücklicherweise fand er einen Klebestreifen und fertigte kurzerhand selbst eine Lösung. Ein paar alte Farbstifte waren alles, was zusätzlich noch notwendig war. Am Ende nutzte er den übrig gebliebenen Platz auf dem mit Hilfe des Klebestreifens kunstvoll vergrößertem Papier, um noch einen lachenden Smiley hinzuzufügen. Die ältere Dame blickte dem Treiben interessiert zu und ließ sich den Plan erklären. Sie könne zwar nur ein bisschen Englisch, aber „Hugs“ sei definitiv nicht richtig, das würde niemand verstehen, meinte sie. Und ob der junge Mann mit seinem improvisierten Free-Hugs-Plakat denn schwul sei, dass er bereit war, wildfremde Männer einfach so zu umarmen?

Etwa zwei Minuten später kamen ein älterer Herr und eine Frau auf ihn zu und umarmten ihn überschwänglich. Ein kurzes Gespräch später hatte er eine Visitenkarte des Mannes und eine Einladung zu einem Symposium in seiner Tasche verstaut. Eine Frau stoppte ihr Rad, umarmte ihn und erzählte, sie hätte so einen langen Tag gehabt, das wäre das Beste, was ihr heute noch hätte passieren können. Eine Gruppe für den Durchschnittseuropäer schwer dem korrekten Lande zuordbarer Asiaten passierte ihn in höflichem Sicherheitsabstand. Blieb dann einige Meter entfernt stehen, zückte kollektiv diverse Handys und Tablets und schickte diejenige junge Frau, die sich am wenigsten dagegen wehrte, für eine Umarmung zu ihm, während der Rest der Gruppe die Begegnung johlend filmte. Immer wieder kamen junge Frauen und Männer aus dem nahen McDonalds-Restaurant gerannt und wollten ihn ebenso umarmen.

Die ältere Dame war mittlerweile verschwunden (wohl auch, da ihre Argumente, niemand würde „Hugs“ verstehen und man müsse schwul sein, das zu machen, nicht mehr haltbar schienen) und der Freund mittlerweile aufgestanden. „Komm, trau dich, so unentschlossen herumstehend siehst du noch viel dämlicher aus!“, meinte er lachend zu dem gestriegelten Freund. Zwei Minuten später waren es nun zwei junge Männer, die in den nächsten Stunden Momente der Innigkeit, des Innehaltens mit Fremden wechselten. Manche der Umarmten suchten danach rasch das Weite, fast beschämt über ihren Mut, andere blieben eine Weile und ließen sich auf ein Gespräch ein.

Zwei junge Mädchen und ein Junge blieben am längsten, und als er meinte, es würde langsam dunkel und niemand könne die Plakate mehr lesen, waren sie begeistert, als aus den schwarzen Taschen Musikinstrumente zum Vorschein kamen. Über eine Stunde spielten sie noch gemeinsam Lied über Lied, bis es spät geworden war und ein aus vollen Kehlen gebrülltes „I wü ham noch Fürstenföd!“ das Ende ankündigte. Herzlich verabschiedete man sich voneinander, tauschte Kontaktdaten aus, freute sich auf ein mögliches baldiges Wiedersehen. Erst jetzt erkannten sie, dass sie bislang voneinander nicht einmal die Namen gewusst hatten.

Aber auf den Inseln im Alltag herrschten eben andere Gesetze.

 

Ich hoffe ihr hattet auch einige schönen Wochen bisher – meine waren trotz einer etwas hartnäckigen Erkältung großteils super 🙂
Bis zum nächsten Mal!

Niklas

(Vergessen dazuzuschreiben: wer dies übers Handy liest, muss für den Newsletter etc. oben auf den Kompass klicken, um ihn zu sehen!!!)

Schönen Sonntag!

Weil dieser Newsletter auch als Mail an allerhand ebenso übermotivierte Selbstständige aus den UGP-Seminaren rausgeht, dieses Mal eine besondes an Selbstständige gerichtete Version.

So habe ich nicht nur 2 Geschichten aus meinem Buch ausgewählt, die mit dem Thema Selbstständigkeit zu tun haben. Sondern auch noch mein ursprüngliches Angebot basierend auf diversen Rückmeldungen etwas verfeinert, um zusätzliche Bedürfnisse/Gegebenheiten vor allem auch neuer Selbstständiger mit einzubeziehen.

Die Idee ist entstanden, in Wels eine Art Unternehmer-Stammtisch ins Leben zu rufen. Einige haben bereits gemeint, es wäre ihnen recht, zur Abwechslung mal Vormittags-Termine anzubieten. Jetzt geht es darum, passende Termine zu finden. Zusätzlich noch die Idee eines  “Online-Stammtisches”.

Außerdem vor allem für Unternehmer interessant, die sich in einem Feld bewegen, in dem Authentizität eine große Rolle spielt, etwa Coaching, Therapie, …: die Option, mein Buch “Barfuß führt dein Weg dich weiter” als Zwischenhändler mit 20% Provision weiterzuverkaufen.

Wer Interesse daran hat und wessen Unternehmen auch thematisch so halbwegs dazu passt: Ich würde gerne Verlinkungs-Kooperationen mit anderen feinen Menschen eingehen: eine gegenseitige Verlinkung unserer Webseiten. Das hilft beiden, weil Suchmaschinen beide Seiten für relevanter halten und entsprechend weiter nach oben reihen. Wer da Interesse hat, bitte ebenso Kontakt aufnehmen, wir klären dann Details.

Hier eine kleine Übersicht über diesen Beitrag/Newsletter (man kann auf die Punkte klicken, um direkt zum jeweiligen Bereich zu gelangen)

1. Zusätzliche Angebote zu nachhaltigem/authentischem Marketing

Unter anderem biete ich jetzt nach einigen Anfragen auch die “Verdichtung” von noch schwammigen Konzepten auf marketing-taugliche Texte/Bilder an, die Erstellung einer günstigeren Anfänger-Webseiten-Variante sowie für Selber-Macher einen Crashkurs über alles, was man wissen sollte, bevor man eine Webseite selber aufsetzt. Mehr dazu hier.

Zudem möchte ich auch nochmal auf meine kleine Serie zur Erstellung einer Webseite mit dem CMS WordPress hinweisen, da kann man den ungefähren Prozess anhand meiner eigenen Webseite nachvollziehen.

2. Unternehmer-Stammtisch in Wels: Rückmeldungen zu Terminen erbeten!

Es haben sich nun bereits einige interessiert an meiner Idee gezeigt, in Wels einen regelmäßigen (Jung-)Unternehmer-Stammtisch aufzubauen. Mit dem FreiRaumWels ist dafür auch ein geeigneter Raum vorhanden, der kostenlos genutzt werden kann und den ich bereits (mit positiver Rückmeldung) angefragt habe.

Nach bisherigen Rückmeldungen besteht – vor allem auch bei Alleinerziehenden, die an den sonst oft angebotenen Abend-Terminen selten können – Interesse daran, ein alternatives Angebot an Vormittagen aufzubauen.

Nun brauche ich von euch (und anderen Interessierten, ihr könnt ja auch anderen davon erzählen) die Rückmeldung, welche Tage sich dafür für euch besonders eignen würden. Kontrolliert dafür bitte auch, ob der FreiRaumWels zu diesen Zeiträumen auch noch nicht belegt ist, das könnt ihr hier überprüfen. Rückmeldungen bitte per Mail oder sms, Kontaktdaten findet ihr auf meiner Webseite rechts oben unter dem Foto.

Kommen (mit mir) 3+ Interessierte zusammen, die sich auf einen ersten Termin einigen können, können wir loslegen. Ich glaube, dass es uns gut tun wird, uns auch außerhalb der ösb-Seminare gegenseitig zu unterstützen und weiterzuhelfen.

2.1 “Online-Stammtisch”/Austausch?

Weil ja nicht alle immer nach Wels (oder sonstwohin) kommen können: was haltet ihr davon, zusätzlich eine Art “Online-Stammtisch” für Unternehmer aufzubauen, wo man sich über Themen, die einen betreffen, austauschen kann?

Ich denke da einerseits durchaus auch an fachliche Fragestellungen. Aber vor allem auch an die “dunkle Seite” des Unternehmertums, also Ängste, Zweifel usw., über die man sich vielleicht in der Öffentlichkeit, wo man sich ja oft auch ein wenig präsentieren will, nicht so wirklich redet.

Vor allem wenn jemand beruflich/familiär zeitlich sehr “eingespannt” ist (alleinerziehend z.B.) kann diese Form der Kommunkation als zusätzliches Angebot möglicherweise sinnvoll sein. Außerdem wärs dann einfacher, mit all den feinen Menschen, die man in all den Seminaren so kennenlernt, in Kontakt zu bleiben.

Es ist gerade nicht sichtbar geschaltet, aber an sich existiert hier auf dieser Webseite ein Forum, das ich dafür bereit stellen könnte. Vor einiger Zeit habe ich eine Funktion programmiert, die Beiträge in einem bestimmten Unterforum anonymisiert. Das würde sich dann auch für die “dunklen Seiten” der Selbstständigkeit eignen.

Auch hier bitte ich bei Interesse um Rückmeldung, damit ich weiß, an welchen Bedürfnissen ich mich bei der Weiterentwicklung des Ganzen orientieren sollte. Danke!

3. Buch: Barfuß führt dein Weg dich weiter

Einige haben danach gefragt, andere haben zumindest den Testdruck schon gesehen, und einige auserwählte Testleser durften es auch schon ganz lesen: am 24.11. wird mein Buch “Barfuß führt dein Weg dich weiter” offiziell erscheinen.

Anfang nächster Woche werden die letzten Rückmeldungen der 3. Welle an Testlesern eingearbeitet, dann geht es rechtzeitig vor Weihnachten in Druck.

Die bisherigen Rückmeldungen waren durchgängig begeistert 🙂

3.1 Erscheinungs-Termin: 24.11.

Am Erscheinungs-Tag findet im FreiRaumWels eine 3-Jahres-Feier des Bestehens statt. Imzugedessen wird es eine Lesung meinerseits zum Buch, ein kleines Konzert (mit meiner Schwester) und diverse andere Angebote wie auch beispielsweise eine offene Jam-Session geben. Einige Instrumente bring ich mit, wer sich und mehr Instrumente/liebe Menschen mitbringen möchte, ist gerne willkommen 🙂

Nach derzeitigem Plan kann die Taschenbuch-Version um 15€/Exemplar erstanden werden – entweder über Amazon oder direkt bei mir. Im letzteren Fall verdiene ich erheblich mehr pro Buch, dafür zählt es nicht als “nachvollziehbarer Kauf” bei Amazon, was eine Rezension weniger wertvoll macht.

3.2 eBook für 5 Tage kostenlos

Ebenso ab Erscheinungs-Tag ist das Buch für 5 Tage ganz legal kostenlos auf Amazon als eBook downloadbar (Link folgt am 24.11.). Es ist mir ein Anliegen, dass möglichst viele Menschen dies mitbekommen, weswegen ich auf Menschen wie dich angewiesen bin, die diesen Beitrag an ihre sozialen Netzwerke teilen bzw. auch so mit Freunden/Bekannten darüber sprechen.

Auf Facebook beispielsweise könnt ihr ganz einfach diesen Link nutzen, um zum entsprechenden FB-Eintrag zu gelangen, den ihr dann mit einem Klick an eure FB-Kontakte teilen könnt.

Wenn du die eBook-Version innerhalb der 5 Tage über Amazon kostenlos “kaufst” und dann bei mir direkt die Taschenbuch-Version, dann zählt deine Bewertung, als hättest du das Taschenbuch über Amazon gekauft.

Egal wie sie zustande kommen: Ich brauche eure Hilfe, um möglichst viele Bewertungen auf Amazon zustandezubringen.

Praktischerweise dürfte das Buch nach den Rückmeldungen meiner Testleser aber ohnehin verdammt gut geworden sein. So sollte sich auf einfache Weise das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden lassen 🙂

3.3 Newsletter

Um den Zeitraum nicht zu verpassen, kannst du dich auch rechts (bzw. wenn du dies über dein Handy liest oben, wenn du auf den Kompass klickst) im Newsletter eintragen. Ich informier dann im Abstand von ca. 1-2 Wochen jeweils über Neuerungen zum Buch/was sonst interessant sein könnte. Die Mail-Adressen werden von mir nicht weitergegeben, und du kannst dich jederzeit und auf einfache Weise wieder abmelden.

Wichtig: Ich bin ich selbst kein großer Fan von Massen-Mails, weswegen ich all jene, die sich nicht “händisch” im Newsletter anmelden, nur genau 1x anschreiben werde, um sie von der Möglichkeit zu informieren. Dies ist auch deswegen sinnvoll, weil meine Benachrichtungen ansonsten womöglich in deinem Spam-Ordner landen. Bekommst du sie über mein Newsletter-System, sollten sie problemlos bei dir ankommen.

3.4 Vorbestellungen

Wer möchte, kann sich das Buch bei mir auch vorbestellen, dazu reicht eine Mail an mich mit Name + Anzahl der gewünschten Exemplare. Ich informier dann per Mail, sobald sie eingetroffen sind, was vermutlich schon vor dem 24.11. der Fall sein wird. Wir finden dann einen Weg, wie du zu deinen Büchern kommst.

3.5 Weiterverkauf auf Provision

Wer als Unternehmer z.B. in einem Bereich arbeitet, das mit dem Thema des Buches, Authentizität, zu tun hat (ich denke z.B. an Coaches, Energetiker, …) mag vielleicht beim Lesen feststellen, dass das Buch auch den eigenen Kunden gefallen/weiterhelfen könnte.

Du kannst nun sehr freundlich sein und die Interessierten einfach so auf mich und mein Buch aufmerksam machen – oder dabei auch mitprofitieren – wenn du davon ausgehst, dafür 10 oder mehr Interessenten zu finden.

Das funktioniert folgendermaßen:
  1. Nimm Kontakt mit mir auf und teile mir mit, wie viele Bücher du brauchst (ein Vielfaches von 10, also etwa 10, 20, 30, …).
  2. Du kannst die Bücher entweder selbst abholen oder von mir (innerhalb von OÖ) vorbeibringen lassen.
  3. Je 10 Bücher bezahlst du mir statt 150€ nur 120€, und bekommst eine entsprechende Rechnung.
  4. Ab wann es sich für dich rechnet:
    1. Mit jedem weiterverkauften Buch machst du 3€ Gewinn, das ist eine 20% Marge für dich.
    2. Anders ausgedrückt: Ab 8 weiterverkauften Büchern hast du deine Kosten voll abgedeckt. Die 30€ Verkaufspreis der zwei verbleibenden sind für dich Reingewinn.

Warum “verschenkst” du 20% deines Umsatzes?

Weil meine persönliche Reichweite in der Verteilung des Buches sehr beschränkt ist. Und du mit großer Wahrscheinlichkeit Menschen zu meinem Buch bringen kannst, die ohne dich nie davon hören würden.

Auch wenn mein Gewinnanteil/Buch dadurch sinkt, steigt langfristig trotzdem der Bekanntheitsgrad. Und weil ich als Autor Großbestellungen zu günstigeren Preisen drucken lassen kann, bleiben mir trotz der 20% für dich am Ende noch ein paar Euro/Buch.

Muss ich dazu ein Gewerbe anmelden?

Der Handel mit Büchern fällt – soweit ich das in der bundeseinheitlichen Liste der freien Gewerbe der WKO überblicke – unter das freie Gewerbe Handel. Da du bis zu 30% deines Umsatzes auch in “fremden” freien Gewerben machen darfst, sollten ein paar nebenbei verkaufte Bücher auch rechtlich abgedeckt sein.

Da du von mir eine Rechnung bekommst, kannst du den Einkauf auch als Kosten abschreiben (frag sicherheitshalber nochmal einen Steuerberater, aber müsste eigentlich gehen). Allerdings musst du natürlich auch den erzielten Umsatz versteuern.

3.6 Leseproben

Wie schon eingangs angedeutet, dieses Mal einige Leseproben ausgewählt zum Thema Selbstständigkeit (das Bild – und die anderen, die sich im Buch finden – hat Kordula, eine Freundin, gemalt):

3.4.1 #107 Schamlose erste Schritte

Ein Blick auf den Arbeitsmarkt, ein Blick auf Freunde, Bekannte, Fremde, ein Blick in ihre Gesichter, während sie frühmorgens zur Arbeit trotteten, um spätabends unter dem nebeligen Licht der Straßenlaternen heimzukehren. Wie sie sich ausbrannten in der trügerischen Flamme ihrer jugendlichen Kraft, zu hoch geschürt, zu rasch verzehrt, um lange durchzuhalten. Die ausgemergelten Überreste der Glut vergangener Träume in den Augen der Alten. Ein Blick in den Spiegel. Noch ist Zeit. Aber die Jahre, sie verrinnen, vergehen, entfliehen! Investieren. Jetzt länger arbeiten, später die Früchte ernten. Sich frei fühlen. Vielleicht auf Reisen gehen. Irgendwann. Sich etwas erarbeiten.

Ein Blick auf sein Konto: klägliche Leere. Zeit seines Lebens war es seine Devise gewesen zu geben, sich einzusetzen für ein größeres Ganzes. Geblieben waren Berührungen, Momente, Erkenntnisse. Ein seltsames Gefühl von Verlust, der keiner war, während sich die Anzahl der Ziffern einer Zahl weiter verringerte, der alle Welt größte Bedeutung zuzumessen schien. Nichts war wirklich gewonnen, nichts verloren, und doch war mit der Verringerung der Zahlen sonderbarerweise ein drängendes Gefühl des Verrinnens von Zeit verbunden. Ich muss etwas tun, fühlte er es in sich aufwallen, und wusste doch nicht so recht, welche Art von Handlung denn nun angebracht sein würde. Nur eines fühlte er deutlich in sich: es war noch nicht genug. Es war noch nicht möglich, sich um Dinge zu kümmern, die ihn im Moment wirklich interessierten. Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Um seinen rebellierenden Geist zu beschäftigen, fütterte er ihn mit einigen Artikeln über Selbstständigkeit, die ihm das Gefühl vermittelte, etwas Verwertbares zu tun, während er versuchte, in sich hineinzuspüren. Plötzlich fühlte er in sich eine fast nicht auszuhaltende Anspannung, fühlte, wie verkrampft zahlreiche Muskeln, selbst seine Organe in seinem Körper waren. Kein Wunder, dass er sich oft kränklich fühlte. Bewegung.

Er schaltete den die letzten Tage beinahe ständig benützten Laptop aus und fühlte ein Gefühl der Erleichterung in sich hochschwemmen. Stemmte sich gegen automatisch in ihm aufflammende Impulse, doch zumindest noch die Emails zu checken oder die Nachrichten zu lesen, nahm die Schlüssel und verließ die Wohnung. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er seit zwei Tagen nicht mehr in die Öffentlichkeit der Straße getreten war. Einen Moment musste er über die Absurdität des Gedankens „Darf ich das?“ lachen, bis ihm schmerzlich bewusst wurde, dass er hierbei nur kläglich tatsächliche Unsicherheit mit Humor zu überspielen versuchte. Die Frage war für ihn durchaus real, war essentiell: Durfte er das? War es denn nicht seine Aufgabe, zuerst wieder Arbeit, zu einer Produktivität zurückzufinden? Sollte er sich nicht schämen, immer noch arbeitslos zu sein?

Durch die nächtlichen Straßen wandelnd, fühlte er, dass er seiner Verpflichtung zur Scham durchaus nachkam. Senkte den Blick vor Passanten, fühlte, er habe nichts zu erzählen. Und, was machst du so beruflich? war ihm eine Fangfrage, machte ihm Angst. Was hatte er denn zu erzählen? Wo war denn nun noch sein Wert? Besser jeglichem Kontakt aus dem Weg gehen.

Schließlich gelangte er an das Ufer des großen Stromes, der die Stadt durchzog, lehnte sich an einen gegen jegliche Vernunft mitten in den Strom gewachsenen Baum. Fühlte seine Müdigkeit, in ihrer Intensität weit über jener Müdigkeit nach einem langen Tag vollbrachter Arbeit. Sank kraftlos gegen den Stamm des irregeleiteten Baumes, schmiegte seinen Rücken an diesen Riesen, der wohl Zeit seines Baumlebens gegen widrige Strömungen angekämpft haben mochte. Und doch war er da, ragte in seiner einsamen Schönheit über das Wasser. Jemand hatte eine Schaukel an einem Nebenast beschäftigt, und er konnte vor seinem geistigen Auge lachende Kinder unter dem Baum spielen sehen. Wie oft wohl hatte jener Baum über seinen eigenen Wert nachgedacht, sich gefragt, ob es ihm erlaubt sei, hier zu wachsen? Hatte er seinen eigenen Wert anhand einer Tabelle internationaler Holzpreise festgestellt und sich abgemüht, sein Wachstum an edleren Normen zu orientieren? Waren in diesem riesigen Universum tatsächlich nur die Menschen so dermaßen kompliziert?

Mit den Fingern die raue Oberfläche der Rinde nachzeichnend, fühlte sich plötzlich verbunden mit diesem uralten Giganten. Nun war er also ohne geregelte Arbeit, war ihr durch eine Fügung des Schicksals entwachsen wie dieser Baum seinen Brüdern und Schwestern. Was sollte er seine Zeit darauf vergeuden, den Weg zurück zu finden, wo ihm doch das Licht der Sonne andere Wege wies? Weil es bequemer ist, schoss es ihm aus den Tiefen seiner Prägungen, aber nicht einmal der Wahrheitsgehalt dieser Aussage erschien ihm noch wahrscheinlich. Wir lassen uns verarschen, ging es ihm auf, oder wir verarschen andere, nutzen sie aus und fühlen uns unglaublich intelligent dabei. Aber so oder so entkommen wir der Angst nicht.

Nun konnte er den Gedanken endlich greifen und aufrechterhalten. Ja, verdammt, wir haben alle eine tierisch große Angst. Da liegt der wahre Wert einer geregelten Arbeit. Sie lenkt ab vor der wirklichen Arbeit, die uns erwarten würde. Arbeitslos, keine Arbeit, keine Entschuldigungen mehr, sich dieser inneren Arbeit nicht zu stellen. Wir hätten dann zu viel von jener freien Zeit, die sich Arbeitende vermeintlich immer wünschen. Er sah ab von dem alten Giganten und wandte sich den anderen Bäumen am Ufer zu. Für einen Moment dachte ich, der Baum über dem Fluss sei euch überlegen, aber auch das stimmt nicht. Ihr seid auf eure Weise gewachsen, und er nach der seinen. Ihr bearbeitet eure Aufgaben, und ich die meinen.

Es war spät geworden, doch erst jetzt fiel ihm auf, dass er wohl der einzige Nachtwandler im ganzen Stadtteil sein mochte. Ein leichter Nieselregen zeigte sich im Schein der Straßenlaternen entlang der Uferpromenade. Das Rauschen des Flusses übertönte auch noch die letzten Reste der üblichen akustischen Hintergrundkulisse der Stadt. Seine Einsamkeit in ihrer Tiefe erspürend, traf er unerwartet auf festen Grund, ihn und die Begrenztheit seiner Gedanken und Ängste erschütternd, öffnend, einatmend die Welt um ihn herum, und für einen kurzen Moment lösten sich die Schleier von seinen Augen. Er fühlte sich eins mit dieser ihm so fremden Welt, durchschaute die Illusion ihrer Unterschiede, dann jedoch ausatmend, Trennung, Isolation wiedererfahrend. Staunend löste er seine Hand vom Stamm des alten Baumes, sich erinnernd der Weisheiten, von denen ihn seine Ängste abzuhalten pflegten.

Die Angst, die Hast, das Gefühl der Dringlichkeit, sie würden wiederkehren wie sie es immer zu tun pflegten, doch für einen beinahe heiligen Moment hatte er sich un-bestimmt, frei gefühlt. Und auch wenn der Alltag jene Momente rasch mit dem Zauber des Vergessens zu bedecken pflegte, würde er ihn in sich aufbewahrt wissen, von ihm zehren können in den dunklen Stunden der Ungewissheit und der Nebel, die vor ihm lagen – nun da er die ausgetretenen Pfade seiner Mitmenschen auch offiziell verlassen hatte.

„Wissen Sie, ich gehe tatsächlich keiner geregelten Arbeit nach“, sagte er gedankenverloren, doch da war niemand, der ihn hätte hören können. Und nach einer kurzen Nachdenkpause fügte er hinzu: „Aber wer will das schon?“
Die Nacht schwieg in Zustimmung.          

3.4.2 #86 Integrität

Es war seltsam, wie ihm dieses Wort nun immer häufiger in den Sinn kam, war es doch ein Wort, mit dem er sich ansonsten selten beschäftigt hatte, dessen tieferen Sinn er als ohnehin gegeben angenommen hatte. Doch nun, erschüttert von inneren Zweifeln, wie weit Integrität ihn bisher getragen, wie weit sie ihn wohl noch tragen würde, tauchte es immer wieder unvermittelt auf. Bisher, so erkannte er jetzt, war es noch immer irgendwie gutgegangen. Vielleicht hatte er einfach Glück gehabt, oder die Alternativen gar nicht in Erwägung gezogen. Hatte ihn ein nicht angreifbarer, weil impliziter naiver Glauben an das Gute im Menschen weitergetragen, vor den Konsequenzen weitreichender Entscheidungen beschützt.

Seit er 14 war, hatte er nicht mehr gelogen, aber es anderen im Zweifelsfall nachgesehen, wenn sie den Verlockungen ihrer „Notlügen“ erlagen. Sie hatten eben nicht das Glück gehabt, die Konsequenzen unwahren Handelns schon in jungen Jahren so intensiv erleben zu dürfen wie er, waren wohl noch am Weg. Aber nie hatte er in Zweifel gezogen, dass sie sich auf einem Weg befanden, und noch weniger die Richtung dieses Weges, die die Mehrheit der Menschen zu wählen pflegte. Doch nun, zum ersten Mal in seinem Leben, regte sich nagender Zweifel in ihm. Was, wenn er seine Entscheidungen, sein Handeln auf Illusionen baute?

„Das ist eben so“, hatte der Freund gesagt, und: „es ist sinnlos, da Energie zu verschwenden oder überhaupt darüber nachzudenken. Kein Wunder, dass du so oft krank bist. Das macht kein anderer Mensch. Schau, dass du deinen Job bekommst, und dann kannst du vielleicht irgendwas machen. Da muss man einfach durch.“

Doch wer war man noch, nachdem man „durch“ gegangen war, durch jene Maschine? Was hatte man noch zu geben, wenn man aufgab, woran man glaubte, um an jene Position zu gelangen, von der aus man glaubte, gestalten zu können?
„Du denkst zu viel nach“, hatte der Freund darauf nur gemeint, „das tut dir nicht gut, kostet nur unnütze Energie. Alle anderen machen es ja auch!“

Alle anderen? Nein, er kannte Menschen, die integer waren, die verlässlich waren, auf die man vertrauen konnte. Aber waren sie nur die Ausnahme der Regel gewesen, wie der Freund behauptet hatte? War es wirklich so irrational in dieser Welt, das Richtige zu tun, weil es einem im Grunde nur Nachteile brachte? War die Welt im Grunde schlecht, oder wurde sie, wie die älteren Mitglieder der Gesellschaft gerne zu behaupten pflegten, tatsächlich immer schlechter?

Es war, wie er nach einigen Tagen eines psychisch-seelischen Ausnahmezustandes feststellte, an ihm selbst, diese Frage für sich zu beantworten und mit den Konsequenzen zu leben. Ja, das System, in das er sich begeben würde, belohnte Unaufrichtigkeit mehr als Integrität. Aber keine bösartige Macht hatte es verbrochen, nur die Folge eines kraftlosen Glaubens, der sich aus der Realität ableitete, anstatt die Realität den Hoffnungen eines starken Glaubens anzunähern.

Glauben. Es war seltsam, dieses Wort in sich zu spüren, als gehöre es zu ihm. Hatte er doch seit vielen Jahren keine Kirche mehr freiwillig besucht, nachdem er als Kind erkannt hatte, wie unwahrscheinlich ihm die Geschichten über Gott erschienen. Aber den Glauben, wenn schon nicht an einen Gott, dann zumindest an die Menschen oder zumindest das Potential, das Göttliche im Menschen, den hatte er sich bewahren können. Gott als Projektion selbst war ihm irrelevant geworden. Aber die Idee, etwas zu dienen, das größer war als man selbst, die Bereitschaft, die sofortige eigene Befriedigung einem größeren Zusammenhang unterzuordnen, war für ihn die Grundlage dessen, was die Menschen „Hoffnung“ zu nennen pflegten.

Gab es nur ihn alleine, hatte er nur Verantwortung für sich alleine zu tragen, war er in Wahrheit allein in dieser Welt, so war es tatsächlich unsinnig, den eigenen Vorteil für das Wohl aller in Frage zu stellen, wie der Freund behauptet hatte. Aber so sehr ihn manchmal die Furcht übermannte, ihn prüfte, ihn in die dunkle Nacht des Glaubens warf, so wusste er auch, dass er niemals ganz alleine sein würde, solange er noch zu hoffen wagte, zu vertrauen wagte. Vertrauen, das hatte etwas mit trauen zu tun, mit Mut, aber auch mit Bindung, und er fühlte sich seinen Mitmenschen verbunden, auch wenn er oft Schwierigkeiten hatte, ihre Liebe anzunehmen. Doch darum ging es nur am Rande.

An erster Stelle ging es um die Erfüllung einer heiligen Pflicht, die ihm sein Glaube auferlegte: an den guten Willen der Menschen zu glauben, selbst wenn nichts in der Welt noch auf ihn hinweisen würde. Denn Glaube war mehr als nur Illusion, ein Glaube, der stark war und sich auf Integrität stützte, war fähig, die Realität der „Illusion“ anzunähern. Es gab keine Medaillen, keine Belohnungen für diese heilige Pflicht, nur die Gewissheit, seinem Gewissen zu folgen, das Gefühl, ganz zu bleiben, sich nicht aufteilen, zersplittern, verkaufen zu müssen.

Nein, Integrität war nicht mehr gegeben gewesen, war kein Fixum mehr, sondern eine tagtägliche Entscheidung, ein tagtäglicher Kampf geworden. Aber es war ein heiliger Kampf, ein wilder, zornig ausgetragener und doch heiliger Kampf, der ihn ängstigte, niederwarf, Schmerz fühlen und bluten ließ. Der ihn daran erinnerte, dass es noch etwas zu verlieren gab, dass es noch Werte in ihm gab, die sich zu verteidigen, für die es sich zu kämpfen lohnte, kostbarstes Gut aller Güter.

Nun, auftauchend aus dem Nebel der angeblichen Notwendigkeiten und Zwänge, sah er wieder klar: die Nacht war vorüber. Die ersten Sonnenstrahlen lockten, die ersten Knospen brachen durch das Eis, und eine wunderbare Lebendigkeit kam über ihn: der herrliche Duft des Frühlings wehte erneut in seinem Herzen.

 

… wenn dir diese Leseproben gefallen hat, findest du noch mehr in der Liste bisheriger Newsletter, in den Newslettern der nächsten Wochen (dazu einfach auf www.bunterrichten.com gehen und dich dafür anmelden) – oder eben im Buch selbst.

Einen farbenfrohen Sonntag wünscht dir
Niklas

Hallo liebe bunterrichten-Freunde,

es gibt so einiges zu erzählen – hier eine erste Übersicht:

Komplett-Überarbeitung der Webseite

So manchem wird wohl schon aufgefallen sein, dass sich die bunterrichten-Webseite im Laufe der letzten Wochen stark verändert hat. Das wird auch in Zukunft noch so weitergehen, aber der größte Brocken ist erstmal geschafft.

Wer den Verlauf nachvollziehen möchte, kann dies hier tun. Das ist der Link zum Anfang einer Artikel-Serie, innerhalb der ich einige Hintergrund-Informationen zum Prozess zusammengeschrieben habe. Mag ja den einen oder anderen interessieren.

Achtung: alle bisherigen Abonnenten werden in den nächsten Tagen in die Mail-Liste des neuen Newsletters übertragen, die alten Beitrags-Benachrichtigungen verfallen. Du bekommst damit nicht mehr sofort eine Mail, wenn ein neuer Beitrag einer bestimmten Kategorie erscheint, sondern stattdessen 1x alle 1-2 Wochen eine Art “Zusammenfassung” des Geschehens. Man kann sich wie bisher einfach über den Link in der Mail davon abmelden, wenn man keine Benachrichtigungen mehr erhalten möchte.

Mein erstes Buch: “Barfuß führt dein Weg dich weiter”

Die wichtigste Neuigkeit, oder zumindest die, auf die ich am meisten stolz bin: in gut 4 Wochen erscheint mein erstes Buch! Es trägt den stolzen Titel “Barfuß führt dein Weg dich weiter”, und wenn man den vielen Testlesern glauben darf, ist es “verdammt gut” geworden 🙂

Im Laufe der nächsten Wochen werde ich dann über diesen Newsletter jeweils 2 Geschichten aus dem Buch veröffentlichen, eine davon mit Illustration meiner lieben Freundin Kordula, die einige der Geschichten für das Buch illustriert hat.

Hier gleich mal die ersten zwei, zum Vorfreude wecken:

#Niemand hätte etwas tun können

#12 Niemand hätte etwas tun können

Er war ein Niemand der Straße. Einer der Gesichtslosen, die der unaufmerksame Passant sofort als Penner aus seiner Wahrnehmung verbannte. Der gedankenverloren Melodien aus besseren Tagen nachsann und sich selbst auf seiner alten, nicht mehr stimmbaren Gitarre begleitete.

Lange schon hatte er verstanden, dass es ohnehin niemanden interessierte, wie gut er spielte oder wie genau er einen Ton traf. Manche warfen ihm etwas in den Hut, andere gingen achtlos an ihm vorbei, aber was er tat, interessierte niemanden. Das Geld, das gerade eben zum Besänftigen des Hungers reichte, bekam er bedingungslos. Alles, was er darüber hinaus brauchte, etwa um die Miete für ein Zimmer zu bezahlen oder gar so etwas wie tatsächlich beachtet zu werden, war ihm seit zu vielen Jahren verwehrt geblieben, als dass er sich noch Hoffnungen darauf machte.

Umso mehr verwunderte es ihn nun, als er aufblickte und ein junges Mädchen mit vielleicht neunzehn Jahren vor sich stehen sah. Eine Weile lauschte sie still seiner Musik, und fast fühlte er so etwas wie eine Verbindung zwischen ihnen aufkommen.

Doch das war natürlich lächerlich. Das Mädchen war gut gekleidet, kam sichtlich aus einem völlig anderen Umfeld als er selbst. Vielleicht war sie eine Sozialarbeiterin, die ihm eine Freude machen wollte. Eigentlich war es ihm ja auch gleichgültig. Er spielte, sie hörte zu, und der Regen, der auf das Wellblech seines Unterstandes trommelte, lieferte den Rhythmus für seine Melodien.

Erst als sie bereits lange gegangen war, kam ihm ein Gedanke, für den sein sozial eingerostetes Empfinden zu lange gebraucht hatte, ihn zu formen, als dass er noch etwas unternehmen hätte können: Nur ein Mal in seinem Leben hatte er solch traurige Augen an solch einem Kind gesehen. Es war eine Traurigkeit gewesen, die ihn trotz all der Jahre der Lethargie nun in einer Weise zu überfluten drohte, wie es der nie zu enden scheinende Regen niemals vermocht hatte.

Es waren dieselben Augen wie damals gewesen. Damals, als er zu beschäftigt gewesen war, in diese Augen zu blicken, um das drohende Ende zu sehen. Er hätte sie retten können, damals. Hätte seine Frau retten können, und sich selbst mit ihr. Doch er war zu beschäftigt gewesen. Nun lag sie unter der Erde, und er war von einem Jemand zu einem Niemand geworden.

Ein Niemand, der gerade die Chance, den Fehler seines Lebens wiedergutzumachen, verstreichen lassen hatte, weil er die Kluft zwischen diesem Kind und sich selbst als zu weit gewähnt hatte. Es waren dieselben Augen gewesen. Augen, die still nach Hilfe schrien. Sie war zu ihm gekommen, weil sie sich in seinen Augen erkannte.

Überall glaubte er nun sie zu sehen, als Schatten im Nebel, entlang der Ufer des Flusses stehen, bereit, sich hineinzustürzen, oder auf den Schienen liegend. Er rief in die Dunkelheit, verfolgte Schatten, doch er wusste, dass er sie nicht finden würde.

In ein paar Tagen würde er in einer der Gratis-Zeitungen lesen, dass ein junges Mädchen tot aufgefunden worden war, aus gutem Hause, ohne ersichtlichen Grund, und Tage darauf würde die Welt sie vergessen haben. Doch ihn würden diese Augen verfolgen, wohin er auch wanderte.

Denn zum ersten Mal seit Jahren hätte Niemand etwas tun können.

Diese und mehr Geschichten findest du in meinem Buch “Barfuß führt dein Weg dich weiter”.

#42 Das Amulett

„Möge es dich begleiten“, hatte der Freund gemeint, und ihm das Amulett in die Hand gedrückt, „ich habe es dir aus Nepal mitgebracht“. Es war nicht irgendein Mann gewesen, sondern derjenige, dessen Geschichten ihn stets beeindruckt hatten. Geschichten von fernen Ländern, von sozialen Projekten.

Es war der Mann gewesen, der „Ingenieure ohne Grenzen“ ins Leben rufen wollte, eine Schwesterorganisation der bekannten Ärzte ohne Grenzen, die freiwillige Ingenieure aller Nationen um sich versammeln würde, um in ärmeren Ländern für eine flächendeckende Versorgung mit Wasser, Strom und weiterer Infrastruktur zu sorgen.

Alle paar Monate jedoch würde er zurückkehren, zu jenem Ort, an dem sich ihre Wege immer wieder aufs Neue zu kreuzen pflegten. Nun würde er wieder für einige Monate abreisen, und den Jüngeren träumend zurücklassen, selbst ebenso eines Tages die Welt zu verändern.

Jeden Morgen, wenn er aufwachte, würde er es nun um seinen Hals fühlen, das Amulett des Älteren, und von einer Zukunft träumen, in der er selbst einer jener Männer sein würde. Sein Geist begleitete ihn durch den Tag, leitete ihn durch schwierige Entscheidungen, war da für ihn wie ein gütiger Vater. Lange hörte er nichts von dem Anderen, und doch fühlte er sich nicht allein gelassen, fühlte sich beschützt, begünstigt, beinahe auserwählt. Hatte nicht er jenes Amulett erhalten, war es nicht seine Bestimmung, dem Älteren nachzufolgen, Großes zu leisten?

Und so hatte er dann auch seine Ängste überwunden, war in die Ferne gereist, um das Leid mit eigenen Augen zu sehen, von dem der Freund so oft gesprochen hatte. Es war nicht genug, sich über etwas zu beschweren. Nein, er würde handeln, würde helfen, würde heilen und gesund machen. Also bereiste er ferne Länder, gab den Armen und suchte ihre Nähe. Suchte, einer von ihnen zu werden, auf dass er sie aufrichten, dass er ihnen Hoffnung schenken konnte.

Das Amulett war immer bei ihm, schenkte ihm Kraft, wo der Wille schwach zu werden drohte. Was war sein Leid gegen das Leiden der mittellosen Massen, was war seine selbstgewählte Marter gegen die Machtlosigkeit der Trostlosen? Er war so schwach, so lächerlich schwach angesichts des Leids, das ihm entgegenschwappte! Sein Wille musste eisern sein, durfte die Hoffnung nicht aufgeben, musste den Massen ein Leuchtfeuer der Hoffnung im Dunkel ihrer Armut sein.

Und so lernte er mit der Zeit, das Leiden auszuhalten, ihm zu widerstehen und den Massen zu helfen. Sich und ihnen geistige Freiräume in ihrer Not zu schaffen, von denen aus sie ihr Schicksal in die Hand nehmen konnten. In einem umgebauten Bus fuhr er in die Favelas, um den Armen Träume zu schenken.

Als er Jahre später wieder zu jenem Ort, an dem er einst das Amulett erhalten hatte, zurückkehrte, wirkte er gezeichnet von seinen Erfahrungen in der Fremde. Doch die Jahre hatten ihm auch tiefe Lachgrübchen geschenkt, und sein Schritt, nun etwas gefestigter, war von kraftvoller Federung.

Kaum jemand erkannte in ihm noch den Jüngling von einst mit der unsicheren Stimme und den verträumten Augen. Das Lederband, mit dem er das Amulett einst um seinen Hals befestigt hatte, war gerissen, das Amulett verloren, doch der Geist des Älteren noch lebendig wie am ersten Tag.

Und so war es für ihn ein Schock, den Anderen so an jenem Ort wiederzutreffen, an dem er vor so vielen Jahren einst das Amulett erhalten, das ihn auf seinen Weg gebracht hatte. Der alte Freund, der ihm den Weg gewiesen, wirkte verstört, sein Blick war gehetzt und der untere Teil seines Gesichtes auf seltsame Art und Weise nach vorne verschoben.

Er hatte genügend Zeit in den Untiefen der Favelas verbracht, um zu erahnen, was geschehen war. Irgendwann auf seiner Reise musste der Ältere den gefährlichen Lockungen erlegen sein, die ihm von Entspannung und Frieden flüsterten. Opium vielleicht. Oder Heroin. Seine Hand umklammerte das kleine Halsband in der Tasche, das er von dem Artensano in Bolivien für den Freund erstanden hatte, und das er dem großen Vorbild als Zeichen seiner Dankbarkeit hatte schenken wollen.

Als er es dem Älteren umlegte, klärten sich die Wolken in dessen Augen für kurze Zeit. Ein Lächeln zog sich über sein Gesicht, als er die Lachgrübchen des Jüngeren ausmachte.
„Danke, dass du mich wieder zu lachen gelehrt hast“, sagte der Ältere.
„Danke, dass du mich einst zu leiden gelehrt hast“, erwiderte der Jüngere.

Und zusammen staunten sie über die unergründlichen Kreisläufe des Lebens, die sie beide, das Leiden und das Lachen, immer wieder zusammenzuführen pflegte.

Diese und mehr Geschichten findest du in meinem Buch “Barfuß führt dein Weg dich weiter”.

Ich brauche eure Hilfe – und was auch du davon hast

Ab Erscheinungsdatum ist das Buch für 5 Tage lang als eBook kostenlos auf Amazon downloadbar. Das sollten möglichst viele Menschen, die sich dafür interessieren könnten, im Vorfeld mitbekommen. Bitte erzähl daher Freunden & Bekannten davon, bzw. teile diesen Newsletter mit deinen sozialen Netzwerken. Du kannst dafür auch diesen Link benutzen, der führt direkt zum Facebook–Beitrag, den du dann mit einem Klick an dein Netzwerk teilen kann:

Jeder, der auf Amazon eine Bewertung zum Buch schreibt (was nach Download der kostenlosen eBook-Version möglich ist) und mir den Link zur Bewertung als Nachweis per Mail zukommen lässt, erhält von mir als Dankeschön einen Rabatt-Gutschein von 2€ auf die Taschenbuch-Version.

Ab 100+ so zustandegekommenen Bewertungen erhältst du von mir als Dankeschön stattdessen einen Rabatt-Gutschein von 4€ auf die Taschenbuch-Version. So haben wir alle was davon.

Ich werde – weil ich Spam-Mails ebensowenig mag wie andere auch – einen jeden meiner Freunde & Bekannten genau 1x direkt anschreiben. Wer weiter über das genaue Erscheinungsdatum informiert werden möchte: bitte entweder selbstständig hier vorbeischauen, was es Neues gibt, oder rechts den Newsletter abonnieren. Und auch gerne andere auf diese Möglichkeit aufmerksam machen. Wenn das zumindest jeder Zweite von euch macht, hat das Buch realistische Chancen, das Publikum zu erreichen, das es auch verdient hat.

Ich werde 250-300 Taschenbuch-Exemplare drucken lassen, daher man kann auch Exemplare bei mir direkt erwerben. Vorbestellungen (eine Mail mit Name + Anzahl der gewünschten Exemplare reicht) werden bevorzugt behandelt und kommen womöglich (je nachdem, wie lange der Druck dauert) sogar schon vor dem offiziellen Release-Termin an. In dem Fall erhalten alle Vorbesteller von mir entsprechend Nachricht.

So, das wars erstmal von mir. Bis bald!
Niklas

So hat man zu lieben. Wenn, dann richtig. Sonst ist es keine Liebe. Nur.. Machtspiel. Oder vielleicht auch Lust. Nein, Liebe, richtige Liebe, ist bedingungslos.

Und so hatte er geliebt, mit all seiner Macht, mit all seiner Hoffnung, mit all seinem Glauben. Hatte Erwiderung gefunden. Den einen anderen Menschen, von dem die in Unzahl verschlungenen Geschichten sprachen. Hatte sich ein paar Jahre an das vorgeschriebene Skript gehalten, bis der innere Widerspruch ihn doch unausweichlich mit der komplexeren Wahrheit konfrontierte: dass es da mehr gab als den beschriebenen einen anderen Menschen.

Solche Geschichten zu aufzufinden war schwieriger, umso mehr Geschichten von Menschen, die sich dieser Wahrheit gestellt und damit auch glücklich geworden waren. Es überwogen die Tragödien und Dramen, die Eifersuchts-Szenen bis hin zu Morden im Affekt. Warum sich all dem aussetzen? Warum nicht lieber die Geschichten seiner Kindheit nachspielen, die im Gegensatz dazu meist gut endeten? Was bedeutete ein kleines Opfer an Wahrheit schon im Gegenzug für ein „glücklich bis ans Ende ihrer Tage“?

An dem Tag, an dem er die Realität hinter den Geschichten nicht nur in Andeutungen spürte, sondern mit ihr unmissverständlich konfrontiert wurde, hatte er seine Antwort. Es war bequemer, sich an das Skript zu halten, sich in die endlosen Reihen der Schauspieler vor ihm einzureihen. Nicht mehr alleine, sondern Teil einer kollektiven Geschichte zu sein, und wenn es auch bedeutete, den widerspenstigeren Teil der eigenen Wahrheit, des eigenen Seins, mit fröhlichen Masken zu überdecken. Man muss lernen, sich anzupassen, meinte eine Freundin zu ihm. Man muss. Sonst wirst du auf Dauer nicht glücklich werden. Sie war nicht die einzige, die ihm derart zu helfen suchte.

Am Ende waren es dann diese nie ganz ausgelöschte Spuren von Traurigkeit, von Verlust, die sich in den Zügen jener „Glücklichen“ abzeichneten. Die Bruchteile von Augenblicken, die tiefere Einblicke gewährten, in jene, die ordnungsgemäß gelernt hatten, sich anzupassen. Da war dieser Moment der Reue, kaum wahrnehmbar, und doch den Schmerz verratend: akzeptiert worden zu sein, aber nie ganz, nie in der ganzen Komplexität, der ganzen Tiefe. Es waren gangbare Wege, akzeptable Wege, Wege aus der Einsamkeit, aber ihnen zu folgen schien doch in Sackgassen zu führen. Man war Teil eines Ganzen geworden, aber stets nur als Anteil, in innerer Rest-Spannung mit jenem Teil des Selbst, der als Gegenleistung dafür in die Untiefen des Unterbewusstseins verbannt werden musste.

Nun aufmerksamer auf die Zeichen, fand er sich inmitten wiedergekäuter Geschichten wieder, die sich in den Bewegungen, vor allem aber in den Augen seiner Mitmenschen abzeichneten. Man muss lernen, sich anzupassen, kam ihm die Aussage der Freundin wieder in den Sinn. Aber wenn das stimmte, wie waren dann all diese Geschichten, aus denen man wählen durfte, ursprünglich entstanden? War nicht am Anfang jeder dieser Geschichten jemand gewesen, der durch sein Handeln Geschichte schrieb? Woraus hatte dieser die Berechtigung bezogen, sich eben nicht für eine der bestehenden Geschichten zu entscheiden, sondern Subjekt seiner eigenen, individuellen zu sein? Und wer war überhaupt befugt, solche Berechtigungen zu erteilen oder zu verweigern?

Die Erkenntnis ließ ihn erschaudern: Ich. Und so hatte er von neuem begonnen, mit einem unbeschriebenen Blatt. Nur von der Liebe wollte er sich leiten lassen, von der höchsten, edelsten Liebe, bedingungslos, ehrlich und frei. Und so liebte er die Menschen, die seine Liebe erwiderten, und liebte jene, die dies nicht vermochten. Sah mit einem freundlichen Zwinkern auf diejenigen, die seine Liebe für sich allein beanspruchen wollten, ihn einschränken, ihn an sich binden wollten. „Nehmt!“, schien er ihnen zu sagen, „Es ist genug für alle da!“. Und lange, über viele Jahre, schien er damit auch Recht zu behalten.

Bis er sich irgendwann eingestehen musste, dass seine Liebe am Ende doch auch natürliche Grenzen aufwies, dass sie komplexer war. Nicht in ihrem Fühlen, sondern im Lebendig werden lassen in einer in sich begrenzten Welt. Liebe, das war gleichzeitig ewige, unabänderliche Essenz, und unbeständige, gewissermaßen pulsierende Form. War Vertrauen, Hoffnung auf diese Essenz hinter den Formen, war Anziehung, war Loslassen, war Wiederkehren, war… vergänglich und ewig zugleich, war Sterben lassen der Formen mit dem Glauben an die Wiedergeburt, war… keine Auswahl an Geschichten mit vordefiniertem Ausgang mehr, aus denen zu wählen war, sondern ergebnisoffen. War Risiko, nicht einmalig, sondern stets aufs Neue.

Hilfreiche Bilder fand er, wie so oft, in den Elementen: Wasser. Wasser veränderte seine Konsistenz, war nicht immer gleich greifbar, konnte Leben spenden, aber auch verletzen und töten. Bedingungslose Liebe in ihrer Essenz allein war wie Wasser in seiner natürlich vorkommenden Form. Nun hatte der Mensch über Jahrtausende gelernt, Wasserläufe ein Stück weit zu beeinflussen, ihnen zweckdienliche Formen zu verleihen. Doch dort, wo Wasser in Verkennung seiner Essenz zu kontrollieren versucht wurde, verlor es seinen lebensspendenden Wert: Wasser musste fließen können. Und doch war es auch möglich, es in Anerkennung seiner ursprünglichen Form umzuleiten, ohne es in seiner Lebendigkeit zu beeinträchtigen. War das etwa, neben der Fähigkeit, unabhängig der gerade sichtbaren Formen an die immerwährende Essenz hinter den Formen zu glauben, die wahre Kunst der Liebe?

Und so suchte er nach Wegen, seine Liebe und die jener, die für ihn Liebe empfanden, in lebendige Bahnen zu leiten, die dem gemeinsamen Wachstum förderlich sein würden. Liebte bedingungslos, und doch stets bemüht, im Ausdruck dieser Liebe die Bahnen zu achten, die die Bedürftigkeit des Einzelnen vorschrieben. Versuchte, ganz zu lieben, unverdrängt, und damit auch anderen den Raum zu eröffnen, sich ebenso ganz, nackt zu zeigen. So ineinander zu fließen, dass die gegenseitig gefühlte Liebe Leben und Lebendigkeit spendete.

Es war ein schwieriger Weg, sich hinter die Kulissen zu begeben, hinter die Masken der öffentlichen Identität, hinter die Formen, die die Menschen vor dem ganzen Mensch zu beschützen vorgaben, hinter die Wörter, die die Identität des Einzelnen davor schützten, zu einer individuellen, einzigartigen zu werden. Und doch… fand er sich bestätigt, wenn er sich mit Menschen in diesem unbestimmten Raum wiederfand, und in ihren Augen und Herzen dieselbe Nervosität und Freude spürte, die auch ihn stets erfasste, wenn er hierher zurückkehrte. Hier war… Mögliches zu finden.

Hier, das war ein Raum reinen Potentials, gewissermaßen Wasser in seiner ursprünglichsten Essenz. Es war der Ort, an dem sich Menschen einander ganz zu zeigen vermochten, an dem sichtbar werden durfte, was der jeweils andere brauchte. An dem es wertfrei als gegeben akzeptiert werden konnte, dass auch erwachsene Menschen überhaupt brauchen durften. An dem man gemeinsam nach kreativen Lösungen suchen durfte, diese realen Bedürfnisse der Betroffenen auch erfüllt zu sehen. Und wie die in ihrer Essenz vorhandene Liebe zueinander so ausgedrückt werden konnte, dass sie auch immer wieder das das Geschenk empfunden werden konnte, das sie darstellte.

Vor Jahren hatte er begonnen, diesem Weg zu folgen, der streng genommen erst Weg wurde, indem man ihn gegangen war. Immer wieder hatte er sich mit anderen Menschen an jenem Ort reinen Potentials wiedergefunden. Oft hatte er lange nicht mehr dorthin zurückgefunden, oder ohne die Menschen, für die er Liebe empfand, wieder dort anzutreffen, weil auch diese sich bisweilen in der Welt verlaufen hatten. Oft hatte er gelitten, oft war er versucht gewesen, doch den Rat der Freundin anzunehmen. Man muss, hatte sie gesagt.

Doch trotz aller Erfahrungen, die ihn bisweilen an seinen Entscheidungen zweifeln ließen, trotz aller Narben, die er an seiner Seele davongetragen hatte, verlieh ihm doch eines Mut: er konnte sich eingehend im Spiegel betrachten, und fand doch sehr oft ein Lächeln in diesem vertrauten Gesicht. Konnte tief in diesen Augen schürfen, und fand doch, obwohl sich neben Freude bisweilen auch Traurigkeit darin finden mochte, keine Reue.

Man muss nicht, dachte er. Man kann. Man kann aber auch nicht, wenn man nicht will, und es sich nicht richtig anfühlt. Vielleicht liegt darin ja das ganze Geheimnis. Dass man aus viel mehr als ein paar vorgefertigten Geschichten wählen kann. Solange man sich dabei noch im Spiegel betrachten und zufrieden sein kann mit dem, der einem da entgegenlacht. Dann kann man auch mal falsch liegen. Und manchmal richtig.

Und so, aus dieser einen ursprünglich Entscheidung, durch eigenes Handeln einen eigenen, stimmigen Weg zu gehen, eine Geschichte schreiben, die es auch wert ist, gelesen zu werden.


P.S.: Ein wenig Werbung in eigener Sache:
In den nächsten zwei Wochen gibts von mir im FreiRaumWels jeweils Dienstag, 19:00 einen Vortrag anzuhören:

  • 29.5., 19:00 – Der universelle Entwicklungskreislauf (was hat die Arbeitsweise von Psychotherapeuten, Schamanen, Heilern, Lehrern, … gemeinsam? Welche Rolle spielen Drogen und Süchte darin? Was können wir daraus für den Alltag lernen?)
  • 5.6., 19:00 – Führen zur Selbstverantwortung (Wie führt man andere so, dass sie eigenständig und in Eigen-Initiative lernen/arbeiten, bzw. wie gestalte ich Soziale Systeme wie z.B. eine Schulklasse so, dass sie die Eigen-Initiative und Selbstverantwortung unterstützen statt wie sonst oft eher blockieren?)

Mehr Informationen dazu gibts unter Vorträge/Workshops – ich freu mich auf euer kommen 🙂

 

Nun also war der letzte Tag angebrochen.
Bis hierher hatte er es ganz gut ausgehalten. Hatte sich beschäftigt. Schließlich gab es noch so viel zu tun. Einkaufen. Aufräumen. Abschließen, was knapp ein Jahr zuvor begonnen worden war. Ein Ende finden, das tragbar war, übertragbar, in ein neues Jahr, mit neuen Aufgaben und Herausforderungen. Das hier würde weitergehen. Er würde weitergehen. Nur die Wege, die würden sich trennen.

Als die anderen eintrafen, wurde viel gesprochen, wurde wenig gesagt. Rasch merkte er, dass er niemals fertig werden würde mit all dem, was er sich vorgenommen hatte. Einige der Kinder fingen von sich aus an, sich nützlich zu machen. Manche Eltern erschienen, bereits früher als erwartet. Die Räumlichkeiten, mit denen er ursprünglich geplant gehabt hatte ,standen nun spontan doch nicht zur Verfügung. Improvisieren. Sich beschäftigen. Nicht nachdenken. Bald war es vorbei.

Als der Junge die Gitarre aus der Hand gab, strahlte er, ein Lichtblick, verkannt im allgemeinen Trubel. Wochenlang hatte er auf diesen Moment hingeübt gehabt, hatte mit sich gerungen, ob er sich trauen sollte oder nicht. Hatte sich getraut. Glückwunsch! Auch die anderen kleinen Darbietungen der Kinder waren nun durch. Der Moment. Nun war es also soweit.

Eine Woche lang hatte er sich hingesetzt und sich jeden Tag vorgestellt, was er ihnen noch sagen würde. Eine kleine Rede hatte er sich vorgestellt. „Was ich euch noch sagen wollte“. Was blieb zu sagen, in den wenigen Minuten? Wie in Worte fassen, was ihn schier zerriss?

Als er ansetzte zu sprechen, wurde es stiller, und als die Versammelten erkannten, dass er nicht laut sprechen würde, völlig still. Es war schwierig zu sprechen, jedes Wort ein Kampf. Und plötzlich, in die Stille, das Klatschen einer der Jugendlichen. Er verlor irritiert den Faden, alles Zeitgefühl, und brachte seine Rede rascher zu Ende als geplant, weil er wähnte, bereits Stunden gesprochen zu haben.

Später entspannte sich die Stimmung etwas, und einige der Erwachsenen saßen recht gemütlich zusammen, während die Kinder nebenbei spielten. Er fühlte sich elend, freute sich darauf, dass alles vorbei sein würde, wollte es sich aber nicht anerkennen lassen.
„Ich bin heute ein wenig überfordert“, meinte er entschuldigend.
„Ja, warum hast du uns denn dann nicht um Hilfe gebeten?“, hatte eine ältere Dame geantwortet.

Ja, warum nicht? Die Frage kam ihm nun, Monate später, wieder in den Sinn, und die Antwort, die ihm in den Sinn kam, war irritierend: es war ihm schlicht gar nicht in den Sinn gekommen. Er hatte die unausgesprochene Überforderung aller mit der Situation gespürt, und offenbar ganz automatisch versucht, sie für alle anderen auszuhalten. Hatte anderen Sicherheit schenken wollen, wo er doch innerlich selbst derart zerrissen gewesen war.

Das war, rückblickend betrachtet, auch der wahre Grund gewesen, warum sich schlussendlich die Wege getrennt hatten. Er war nicht bereit oder fähig gewesen, seine eigenen Begrenzungen anzuerkennen, und entsprechend zu handeln. Er hätte früher für überschaubarere Verhältnisse sorgen müssen, aber er hatte sich davor gescheut. Oder um Hilfe bitten müssen, und auch das war ihm offensichtlich damals noch nicht gelungen. Wozu diese ohmächtigen Allmachts-Fantasien von Ich-komme-schon-zurecht?

Später hatte man ihm erzählt, der klatschende Jugendliche wäre ehrlich begeistert gewesen von seinen Worten. Gern hätte er dem Jungen nachträglich dafür gedankt.

Ein bisschen lächerlich fühlte er sich schon. Seit längerem hatte er sich gefragt, warum er eigentlich tatsächlich nie Alkohol trank, und war der Antwort bisher immer ganz gut aus dem Weg gegangen. Jedes Wochenende war es ein sich wiederholendes Phänomen, dass der am wenigsten Betrunkene die anderen nach Hause brachte, und über die letzten zehn Jahre war er des Öftern dieser am wenigsten Betrunkene gewesen. Immer wieder war er gefragt worden, warum er nichts trinke, und im Grunde war ihm kein sinnvoller Grund eingefallen, dafür aber die sich schlau anhörende Antwort „Warum sollte ich schon etwas trinken?“. Das brachte ihm meistens entweder Respekt ein oder ein zum Schweigen gebrachtes Gegenüber, das ihn fortan mit dieser Frage in Ruhe ließ und sich andere, willfährigere Gefährten für seine alkoholischen Genusserlebnisse suchte.

Fragen hatten die bedrohliche Eigenschaft, dass sie nach Antworten verlangten. Und weil er es geübt war, anderen Fragen zu stellen, die sie in der Tiefe aufwühlten und die Wahrheit ans Licht brachten, war der Versuch einer Verteidigung gegen die ihn nun mit sich selbst konfrontierenden Fragen im Grunde zwecklos. Fast drei Monate war er den Fragen nun recht erfolgreich ausgewichen, nun aber zerrten sie die Antwort gnadenlos in sein Bewusstsein: ja. Es mochte von außen kaum erkennbar sein, mochte als mentale Stärke, als überragende Selbstkontrolle interpretiert werden, aber im Grunde war er doch in seinem mangelnden Vertrauen auf sich selbst zurückgeworfen.

Doch einmal zugelassen, brachten die Fragen noch ganz andere unerwünschte Folgefragen in sein Bewusstsein. Er hatte sich mit verdächtig vielen Menschen umgeben, die ihn brauchten. Wenn er von anderen gebraucht wurde, so war es wohl selbstverständlich, für den anderen da zu sein. Er selbst brauchte niemanden. War der große Held, der zwar bisweilen ein wenig an seiner Überschätzung, an seiner Selbstaufopferung litt, aber er kam klar. Zwei Tage im Bett, alles wieder gut.

Entwicklungshilfeprojekte kam ihm in den Sinn, und dass diese häufig Abhängigkeits-Situationen kreierten, die dann – um als Projekt Spenden etc. lukrieren zu können und die Initiatoren zu ihrer Arbeit zu berechtigen – darauf angewiesen waren, dass es weiter Menschen gab, die sie auch brauchten. Die damit ein – oft unbewusstes – Eigeninteresse daran hatten, dass es den ihnen anvertrauten Menschen nie so gut ging, dass sie selbst überflüssig wurden. Hatte auch er Menschen, denen er angeblich „half“, durch seine eigene Notwendigkeit, „Helfer“ zu sein, geschadet?

Die Antwort tat weh, denn wenn er ehrlich zu sich selbst war, musste er auch diese Frage bejahen. Er hatte Menschen um sich gebraucht, die ihn brauchten, um sich der Frage zu entziehen, was er selbst brauchte. Er hatte diese Menschen gefunden, gewissermaßen an sich gebunden, um nie in die Situation zu kommen, nicht im Außen gebraucht zu werden. Ehrlichkeit tat weh, war schwer auszuhalten, aber nach all den Jahren spürte er auch, dass es nun kein Zurück mehr gab, dass er sich nun endlich dem stellen musste, was er all die Jahre erfolgreich vermieden hatte.

Sie hatte ihn sicher heimgebracht, hatte ihn etwas ausgelacht und gemeint: „Das nennst du ‚dich betrinken‘?“, aber darum war es nicht gegangen. Er hatte ihr vertraut. Sie hatte sein Vertrauen gerechtfertigt. Erstaunt wurde ihm bewusst, dass er nun gefühlt wieder freier atmen konnte, dass sich ihm eine Welt der Möglichkeiten eröffnete, die er vor vielen Jahren aus Unwissenheit und Verletztheit bereits abgeschrieben hatte. Liebe durchströmte ihn, Neugier auf diese Welt, die nur darauf wartete, entdeckt, erfühlt, erschmeckt, erlebt zu werden. Sie lächelte ihn im Dunkeln an.

Nun endlich, nach beinahe zehn Jahren, war er nun endlich nicht mehr in letzter Konsequenz allein.

Nun war es also soweit.
Nach all den Jahren, in denen sie sich doch mit einer gewissen Regelmäßigkeit getroffen hatten, war es immer schwieriger geworden, noch Zeit füreinander zu finden. Man war umgezogen, hatte geheiratet, war Vater oder Mutter geworden, und auch im Allgemeinen ein anderer Mensch. Noch war ein Rest lebendig von jener wunderbaren Anziehungskraft, die sie alle einst vereint hatte, von der Wurzel der liebgewonnen Traditionen. Doch mehr und mehr wurde fühlbar, dass irgendetwas seltsam hohl geworden war, die realen Erfahrungen den freudigen Erwartungen an die Zusammenkünfte nicht mehr genügten.
Endlich wieder ein Spieleabend. Und am Ende dann doch nicht, ein müder Abklatsch alter Traditionen. Spiele waren genügend vorhanden, auch die Menschen hatten sich versammelt, doch gespielt wurde immer weniger.

Und dann hatte er zufällig den anderen alten Freund wiedergetroffen, an den er Tage zuvor oft mit Wehmut gedacht hatte. Auch mit ihm verband ihn die Erinnerung an andere Zeiten, als sie noch zu dritt beinahe jeden Tag miteinander verbracht hatten. Spielend, erforschend die Welt mit lockeren Lachmuskeln und dem Gefühl, die Welt stände jenen offen, die sich an und in sie wagten. Auch heute noch kamen sie hin und wieder zusammen, aßen gemeinsam und erzählten sich von früher, als alles noch anders war. Doch die Frequenz ihrer Zusammenkünfte hatte sich verändert. Anstatt beinahe täglich trafen sie sich nun nur noch etwa alle 2-3 Monate. Und ohne große Überraschung stellte er fest, dass es nicht daran lag, dass sie alle zu viel zu tun hatten. Sondern daran, dass sie sich anders als früher kaum mehr etwas zu sagen hatten.

War dies also der natürliche Verlauf menschlicher Beziehungen? Man lernte sich kennen, erfreute sich eine Zeit lang aneinander, bis man sich auseinanderlebte? Die Erfahrung schien die These zu bestätigen, und doch wehrte sich ein Teil von ihm dagegen, dies als absolute Wahrheit zu akzeptieren. Denn er hatte auch Ausnahmen von der Regel erlebt, und erlebte sie auch heute noch immer wieder. Was unterschied jene Ausnahmen also, und war es möglich, aus den Ausnahmen die Regel zu machen?

Eine alte Bekannte durchbrach seine Gedankenspiele mit einem Lächeln, setzte sich zu ihm. Immer schon hatte er eine Verbindung zu dieser Frau gefühlt, wann immer er sie erblickt hatte, aber nie war es zu mehr als kurzen Gesprächsfetzen gekommen, begleitet von einem losen Gespür für das Potential einer tieferen Verbindung. Doch dieses Mal war es anders. Rasch war die Musik des Lokals in den Hintergrund getreten, und Stunden später fand er sich in tiefem Austausch von Seelen wieder, der ihm eine Antwort auf die Frage schenkte, die ihn so beschäftigt hatte:

Der Spieleabend, das war eine nützliche Form gewesen, die sich mit der Zeit herausgebildet hatte, um dem lebendigen und wertvollen Kontakt, der ihm vorausgegangen war, auch im Alltag zu stützen. Über lange Zeit hatte er seine Funktion erfüllt, aber nun, beinahe 10 Jahre später, waren sie der Form entwachsen wie Kinder ihrer Kleidung. Vielleicht war es an der Zeit, ihn als nicht mehr passende Form aufzugeben, und eine neue, passendere Form zu finden. Denn die Essenz ihrer Verbindung, die Vorfreude auf ein Wiedersehen, eine Erneuerung des Kontaktes, war noch immer spürbar.

Ja, nun war es also soweit, das Alte sterben zu lassen, um neue Formen zu gebären.
Zeit, sich wieder mehr von dem inneren Ja leiten zu lassen, das doch die Urmutter jenes Kontaktes gewesen war.

Es ist lange her, dass ich zuletzt geschrieben habe. Zu lange. Ich habe dich vermisst, Gegenüber aus Papier, so formvollendet weil formlos, so voller Potential und doch so leer. Ich habe von dir gelassen, weil ich „etwas aufbauen“ wollte, wenn-dann-richtig-schreiben, mit Sinn, mit Fokus auf eine möglichst gewisse Zukunft. Habe verdrängt, dass Geschichten Wort für Wort errungen werden. Dass das Erleben flüchtig ist und nur die Rückschau bleibt. Die Zukunft aber ist stets ein unbeschriebenes Blatt.

Es tut bisweilen gut, sie sich auszumalen, sie zu konzeptualisieren, solange noch Platz übrig ist sich zu entfalten, an letzten Schräubchen zu drehen, wenn der Moment heranbricht. Nicht nur noch „abzuleben“, was längst definiert und mehrseitig abgesegnet wurde. Immerhin war es ja mal gut, wie kann es da misslingen? Ha!

Und dann habe ich dich getroffen, und du bist in mein Leben geflossen. Sanft, auf Umwegen, irgendwie oft meilenweit entfernt, und doch immer dabei. Ich habe dich geliebt, und ich wollte, konnte dich nicht gehen lassen, selbst dann, als es notwendig erschien. Ich wollte die Kraft aufbringen, dich lieben zu können, auch wenn es meine Grenzen sprengte. Du hast mich nie darum gebeten, dies zu tun, und ja, es ist unfair, dir vorzuwerfen, was doch meine Entscheidung war. Ich hätte auch gehen können, vielleicht auch sollen. Wäre das „authentischer“ gewesen, wie du das gerne zu nennen pflegst? Manchmal ist zu gehen schwieriger als zu bleiben.

Es ist nur dann auch schön, nicht einsperrend, wenn eine solche Verbindung als Geschenk gemeint ist, hast du gesagt. Wahrscheinlich meinst du damit sinngemäß „bedingungslos“. Das war es, immer. Irgendwann jedoch überstieg die Überforderung meine Kräfte. Ich wollte dich nicht hängen lassen, blieb für dich da, so gut ich es vermochte. Und mit dem Schwinden meiner Kräfte erwachte plötzlich ein neues Bedürfnis in mir: gesehen werden. Gewertschätzt für das, was ich aus Liebe versucht habe zu leisten, was ich war und geworden bin. Nicht als Bedingung meiner Liebe, nein! Als unabhängiges Bedürfnis, im Außen als wertvoll erlebt zu werden, und auch mich selbst lieben zu lernen.

Leider fehlt mir darin die Übung. Ich habe in meinem Leben viele komplizierte Mechanismen entwickelt, um mich dem tiefsten Kern nicht stellen zu müssen. Um dorthin vorzudringen, muss ich vorher erst die ganzen Schutzvorrichtungen darüber abbauen. Wer werde ich danach noch sein? Werde ich am Ende dieses Weges noch ein Dach über dem Kopf haben, noch erkannt werden von Freunden und mir selbst im Spiegel? Wer hätte noch Respekt vor mir als Landstreicher, als Sonderling, als der, der sich womöglich zeigen mag?

Ach, würde ich mein Leben leben ohne Hemmungen, so würde ich schreiben, schreiben, schreiben, nicht nur in den Pausen, die die Hülle meines äußeren Lebens mir lässt. Ich würde die Welt so richtig auflaufen lassen an mir, mit all ihren projizierten Bedürfnissen und Formen. Die größte Angst, so wird mir immer mehr bewusst, ist die, uns am Ende allein zu finden. Was, wenn wir irgendwann so ungefiltert wir selbst sind, dass wir uns gegenseitig nicht mehr ertragen können? Können wir dann die alten Masken wieder aufsetzen? Tun, als wäre nichts gewesen, als hätten wir uns nicht längst bereits geschaut?

Deshalb der Spagat von Jetzt-Welt und Verlangen. Deshalb die Worte, die ich nur schreiben kann, niemals aber sprechen. Auf Papier machen sie mich ganz, ausgesprochen bergen sie zu großes Risiko. Ich denke, ich wär vielleicht sogar eine schöne Zumutung. Allein, mir fehlt noch der Mut.

Zur Abwechslung wieder mal ein Gedicht, inspiriert von einer lieben Freundin, die mittlerweile seit 6 Jahren wieder in ihrer Heimat, der Türkei, lebt, und mich nach langer Zeit wieder mal kontaktiert hat..

Freund! Manch Jahr ists her
Seit wir zuletzt uns trafen
Gib Nachricht drum mir, rasch, erzähl!
Wie ists dir wohl ergangen?
Warn wir doch einst so unerzogen
Lachend spielten wir dies Spiel
Das doch mit Ernst so deprimiert
Leben! Wie es uns gefiel!

Wolln wir uns nicht wieder treffen?
Gar zu weit bist du nun fort
Alter Freund, du gingst, zu Tanzen
Bringst Kunde mir nun von dem Lied?
Wie kommt es, dass dein lächelnd Auge
Trüber wirkt nun als es schien
Wie kommt es, dass dein Gang so heiter
Kaum beherzt mehr scheint zu sein?
Erkennst du mich denn gar nicht wieder?
Wurde ich gar falsch verbunden?

Ach! Ich würde doch so gerne
Verbringen mit dir schöne Stunden
Doch da sind Eltern, alt geworden
Familie, Arbeit, Sicherheit
Warum aufgeben, noch einmal
Drehen fest am Rad des Lebens?
Dann lieber bleiben, fest ertragen
Lernen all die kleinen Wunden
Sie sind ja doch nicht allzu tief

Ich kenn sie schon, die kleinen Wunden
Die mich selbst beinah bezwungen
Die mich schwächten nur durch Zahl
Ein Tropfen nur vom Blut des Mutes
Tagein, tagaus verliert das Herz
Bis es aufhört ganz zu schlagen
Und nur noch halbherzig man lebt

Das Alter fällt den Abenteurer
Tückisch lockt des Zögerns Bann
Nie fällt es an auf graden Wegen
Umschleicht dich, sucht sich willig Ziel

Nimmt dir erst diesen, dann den andern
Und macht dir alte Freunde so
Schritt für Schritt zur Last
Du kämpfst mit ihm, befreist den einen
Siehst alsbald den anderen fallen
Bis du übrig bleibst allein

Angreifbar, gebeugten Rückens
Stimmst schlussendlich doch du ein
Fügst dich ein mit grimmig Nicken
In die allgemeine Pein

Sieh! Rettung liegt nicht im Bekannten
Nicht in der Rückschau liegt die Kraft
Sie liegt in dem Noch-nicht-vorhanden
Dem Alter trotzt nur neuer Saft

Drum frag‘ ich dich heut‘, alter Freund
Was kann dich noch bewegen?
Was lockt dein Herz, was lenkt den Schritt
Was kann das Alter stunden?
Denn findest du nur Gestern vor
So bist du falsch verbunden

Ach! Wärs noch gestern dünkt mir nun
Erinnernd einst verbrachter Stunden
Da liefen wir, als ob von Sinnen
Von Dächern zu bekunden
Der Freundschaft ewig schworen wir
Sie jetzt und einst zu halten
Wie konnt ich glauben, Augenblick nur
Sie könne je erkalten

So nimm dies Wort, mein treuer Freund
Obwohl wir uns entfernten
Als Zeichen neu entflammter Glut
Wie einst entzücktem Herzen
Die Furcht du hast genommen mir
Das Alter hilfst du stunden
Und mögen wir manch Fehler haben
Und mags ein Gott bekunden
Die Freundschaft zu dir ist mir lieb
Wir sind nicht falsch verbunden