Es war doch immer wieder erstaunlich. Eine Stunde mit einer Freundin telefoniert. Versucht, der Suchenden guten Rat zu geben. Nur um nach dem Auflegen verblüfft festzustellen, dass man – wieder einmal – im Grunde mit sich selbst gesprochen hatte.

„Eigentlich ist es doch total unsinnig, was man da macht“, hatte er zu ihr gemeint. „Also dass man sich einredet, erst dann wieder miteinander in Kontakt zu treten zu dürfen, wenn man seine Schwierigkeiten überwunden hat. Dabei wär es doch viel logischer andersrum. Dann in Kontakt zu treten, wenn man Unterstützung braucht. Wenn man sich das mal angewöhnt hat, und die Unterstützung dann auch bekommt, dann kann einen ja eigentlich kaum mehr etwas wirklich umwerfen. Weil man dann umso mehr gehalten wird, je fester der Gegenwind weht.“
Das klang so dermaßen einleuchtend, dass es seltsam schien, dass er es selbst ebenso selten lebte wie jene Freundin, der er gerade zu helfen versucht hatte. Warum nur?

Lange saß er nach jenem denkwürdigen Telefonat noch in der Hängematte, schaukelte still vor sich hin, wiegte sich selbst, in sich versunken. Dann klingelte sein Handy erneut. Eine andere alte Freundin war dran. Er kannte sie nun beinahe schon zehn Jahre lang, und sie hatten immer schon ein etwas.. zwiespältiges Verhältnis gehabt. So eine merkwürdige Mischung aus gegenseitiger Zuneigung und sich gegenseitig kaum auf Dauer aushalten. Und so hatten sie sich eben mit der Zeit daran gewöhnt, dass sich zwischen ihnen immer wieder aufs Neue innige Momente mit Momenten gegenseitiger Abstoßung abwechselten. Auf seltsame Art und Weise.. liebten sie sich auch, hatten sich immer geliebt und würden sich wohl immer lieben. Nur nie eine auch alltagstaugliche Form für diese Liebe gefunden, die auch ohne jene sich wiederholenden Muster von Anziehung/Abstoßung auskam.

Und nun sprachen sie über den jüngsten Vorfall, der ihn wieder einmal dazu gebracht hatte, für ein paar Tage auf Distanz zu ihr zu gehen. Sie war zu Besuch gewesen, sie hatten sich gut verstanden. Bis sich wieder einmal jener „Rucksacktourist“, wie er es für sich nannte, in ihre Kommunikation eingeschlichen hatte. Mittlerweile hatte sich das Muster oft genug wiederholt, dass er es nicht mehr über Gebühr fürchtete. Trotzdem war es jedes Mal aufs Neue im Moment des Auftretens verwirrend. Sie waren gemütlich auf der Terrasse gesessen, hatten ungezwungen geplaudert. Sie hatte ihm eine Frage gestellt, unverfänglich an der Oberfläche betrachtet. Und doch hatte er sofort gespürt, dass der Rucksacktourist sich wieder einmal bemerkbar machte.

Der Schlingel war schwer wahrzunehmen, aber mit den Jahren hatte er ein feines Gespür für jene Momente entwickelt. Es war der Moment, in dem sie – an der Oberfläche betrachtet – eine ergebnisoffene Frage stellte, aber nur eine Antwort zu akzeptieren bereit war. Früher, noch ungeübter, hatte er sich bisweilen überrumpeln lassen. Hatte jene eine Antwort gegeben, um den Konflikt zu vermeiden. War damit oftmals Verpflichtungen eingegangen, die er später bereute. Nur um früher oder später festzustellen, dass sie ihn – ohne es selbst zu merken – in jenem Fall ohnehin immer tiefer an und schließlich über seine Grenzen führen würde. Bis er wieder einmal jene Grenzen übergangen, ihr schlicht aus Überforderung nicht mehr die Antwort zu geben vermochte, die sie davor schützte, den Rucksacktouristen selbst wahrnehmen zu müssen.

Nun, aufmerksamer auf die Infiltration des Gesprächs durch den Rucksacktouristen, vertraute er mehr seiner instinktiven Reaktion, die dem Druck, die eine richtige Antwort zu geben, widerstand. An ihren Reaktionen war zu erkennen, dass er sie durch seine Weigerung, dem Druck des Rucksacktouristen nachzugeben, mit einem schwer zu greifenden Trauma zu konfrontieren drohte. Meist endete es jedoch damit, dass sie ihn mehr oder weniger wüst beschimpfte, was wohl als Vorstufe einer direkten Konfrontation mit dem in ihr wohnenden Rucksacktouristen zu deuten war. Besser Distanz herstellen zu demjenigen, der es wagte, den Spiegel zu stellen, in dessen Spiegelbild sie ihren Rucksacktouristen voll wahrnehmen könnte.

All das war in ihm als inneres Bild schon seit längerer Zeit herangewachsen, hatte er als gegeben akzeptiert gehabt. So war sie eben. War zwar bisweilen nervig, aber er liebte sie ja trotzdem irgendwie, und so oft kam es dann auch wieder nicht vor.

Aber nun war er mit einer unangenehmen Fragestellung konfrontiert: War wohl auch in ihm ein solcher Rucksacktourist zu finden, der ihn auf notwendige Entwicklungsprozesse hindeuten wollte, dem er aber ebenso über die Schaffung von Distanz aus dem Weg ging wie jene Freundin? War nicht dieses – objektiv betrachtet – absurde Grundmuster, in der eigenen Herausforderung auf Distanz zu Menschen zu gehen, die ihm hilfreich hätten sein können, ein verdächtig ähnliches? Was würde wohl geschehen, wenn er das Grundmuster umkehrte? Sich ohne Scham Unterstützung holte, wenn er sie auch brauchte?

In den letzten Monaten hatte er erste Ansätze dieser „Kontinentalverschiebung“ seiner Herangehensweise umsetzen können. Zumindest da, wo er rechtzeitig reagiert hatte, und noch nicht im Sumpf seiner Überforderung versunken war. Und dabei Erfahrungen gemacht, die gleichzeitig verstörend wie Hoffnung weckend waren: viele Menschen fühlten sich geehrt, wirkten froh, helfen zu können. Interpretierten es nicht als Belastung, wie er allzu oft angenommen, sondern als Ausdruck von Liebe und Vertrauen zueinander.

Ein Stück weit war es die letzten Jahre über zu einer Art von Alleinstellungsmerkmal von ihm geworden, dass tendenziell er es war, der anderen half, und nur dann um Unterstützung bat, wenn es um Alltägliches ging. War er wirklich betroffen, vom Leben niedergeworfen worden, so hatte er sich üblicherweise zurückgezogen. Bis er – gestärkt und bewehrt mit einer erzählenswerten Geschichte – sich wieder „annehmbar“ genug für Kontakt fühlte. Wie passend das Wort “Alleinstellungsmerkmal” doch aus dieser Betrachtungsweise schien – fabrizierte er ja im Grunde seine eigene Einsamkeit und seine eigene Überforderung dadurch mit.

Nachdem er aufgelegt hatte, hatte er seinen Mantel genommen, die Haustür hinter sich geschlossen und war Tanzen gegangen. Immer noch erfahrungsgemäß eine der besten Möglichkeiten, ins Tun, ins Verändern zu kommen. Hatte eine Freundin dort getroffen, die sich neben ihn setzte, ihn umarmte, lange einfach nur neben ihm saß. Irgendwann hatte er dann ihre Hand genommen, mit einem hoffnungsvollen „I brauch des heute irgendwie“, und sie hatte ihn freundlich angelächelt, seine Hand gehalten, ihn gehalten, ihm Halt gegeben. Erstaunlich, wie einfach das war, wenn man endlich mal den Mut fand, einfach darum zu bitten. Sich zumindest für Momente mal von der Vorgabe verabschiedete, man müsse makellos sein, um geliebt, um gehalten werden zu können. Und wie logisch eigentlich: war es denn nicht viel einfacher, Halt zu finden und zu geben, wenn man sich auch an der Oberfläche, dort, wo andere es sehen mochten, Makel, eine gewissermaßen “rauere Oberfläche” erlaubte?

Und im Grunde hatte er sie ziemlich satt. All die Makellosigkeiten, all die Alleinstellungsmerkmale, die die Menschen voneinander trennten. Warum sich nicht zur Abwechslung mal unmittelbar begegnen, und nicht nur dann, wenn man peinlich genau darauf geachtet hatte, dass nur die „guten“ Emotionen und Geschichten ausgetauscht werden würden, weil der Rest tief genug in dunklen Hinterzimmern des Herzens vergraben war? Auch mal ganz offiziell verdammt verzweifelt sein dürfen, wenn man sich ja ohnehin schon so fühlte. Warum also nicht anderen die Chance geben, hilfreich sein zu können und so Beziehungen zu vertiefen? Die Alleinstellungsmerkmale, die das Leben oft so unglaublich schwer zu bewältigen machten, aufzugeben, um zu einem Wir zu finden, das sich aus der Anerkennung und Wertschätzung des jeweils Besonderen und des daraus denkbaren Potentials speiste.

Aus abnormal und abnormal mochte kein normal werden, das den Ansprüchen einer Perfektion erwartenden Gesellschaft genügte. Aber ein „wunderbar“ war womöglich durchaus in Reichweite für denjenigen, der den Mut aufbrachte, der Welt auch mal ohne Scham eine gerade leere Hand zu reichen, um die Fülle zu empfangen, die diese Welt gerne zu schenken bereit war.

Aber offen darum zu bitten, sich zu trauen, die eigene Unzulänglichkeit auch sichtbar zu tragen..
Eines Tages. Vielleicht.

So, zum 75er-Jubiläum der Barfuß-Geschichten mal ein Versuch, eine Erotik-Geschichte zu schreiben. Ist ganz schön schwierig irgendwie.

Als er an der Bar eintraf, fand er sie nicht sofort. Das Gelände war größer, als er erwartet hatte. Aber nach der langen Fahrt kam es ihm auch nicht ungelegen, einen Moment der Besinnung für sich zu haben. Bestellte sich ein Bier, was er selten tat, und sah sich im Raum um. Es dürfte sich um eine jener Bars handeln, in der sich Studenten beider Geschlechter gerne trafen, um neben Gedanken später auch Körperflüssigkeiten auszutauschen. An Alkohol wurde nicht gespart, und die Bass-lastige Musik sowie das schummrige Licht mit den vielen Möglichkeiten, sich zurückzuziehen, sorgten für den Rest. Es würde nicht einfach sein, sie hier zu finden.

Langsam, sein Bier in der Hand, schritt er durch das Lokal, die anderen Gäste beobachtend. Einige junge Frauen schenkten ihm verschüchterte Blicke, und er erwiderte ihr Lächeln, ließ sich aber nicht auf ein Gespräch ein. Die Atmosphäre des Ortes verlieh seinem Verlangen, sie wiederzusehen, sie wieder zu berühren, eine Intensität, die ihn erregte. Anja… Er schloss die Augen, sah seine Hände vor seinem inneren Auge sanft ihren warmen Körper liebkosen, sah, wie ihr Körper unter seiner zärtlichen Berührung zusammenzucken würde – und spürte mit einem Mal, wo er sie finden würde. Mit freudiger Erregung beschleunigte er seine Schritte und erkannte sie tatsächlich in einem der dunkleren Winkel der Bar sitzend, offenbar mit einer anderen Frau ins Gespräch vertieft. Er hielt inne, als er an ihren Gesichtszügen sah, dass es sich keineswegs nur um ein Gespräch handelte.

Sie zuckte erschrocken zurück, als sie ihn bemerkte, doch er lächelte sie mit einer Mischung aus Verlegenheit und Erregung an. „Ich will euch eigentlich nicht stören.“, sagte er. In einem Anflug von Übermut nahm er die Hand der Frau und legte sie zurück an die Brust seiner Freundin. „Und kommt gar nicht auf die Idee, euch jetzt für irgendetwas zu schämen, oder aufzuhören mit dem, was euch Freude bereitet, nur weil ich da bin.“ Mit einem Grinsen, das wohl ziemlich dämlich aussehen musste, setzte er hinzu: „Vor allem nicht jetzt, wo ich da bin.“
Seine Freundin setzte sich zu ihm und flüsterte ihm ins Ohr: „Ich will mit dir schlafen. Jetzt.“
„Hier? Und was ist mit deiner Bekannten hier? Willst du die Arme einfach alleine lassen?“
„Camilla? Du meinst -? Wie stellst du dir das vor?“
Sein Grinsen dürfte an Dämlichkeit wohl kaum zu überbieten gewesen sein. Zum Glück war es dunkel.
„Ich hole das Auto. In zehn Minuten kommst du raus, ich hol dich ab und wir fahren irgendwo raus aus der Stadt. Kannst ja deine Bekannte fragen, ob sie mitmöchte.“
Bevor sie etwas erwidern konnte, war er schon aufgesprungen, um das Auto zu holen. Seine Erektion musste meilenweit zu sehen sein. Er dankte dem Besitzer der Bar im Stillen für diese Dunkelheit hier.

Sie waren tatsächlich zu zweit gekommen.
Nach einigen Hundert Metern fasste sie seine Erektion an und begann, ihn mit den Augen zu vernaschen. Zeit, anzuhalten. Zeit, die aufgestaute Spannung fließen zu lassen. Nein. Noch nicht ganz. Er liebte diese Spannung. „Geh schon mal vor!“, raunte er Anja zu, und küsste sie zärtlich ins Ohr.

Camilla erzitterte, als Anja zu ihr zurück kletterte und sie leidenschaftlich küsste. „Komm!“, rief Anja ihn, doch er blieb am Fahrersitz sitzen, beobachtete ihr Treiben im sanften Mondlicht durch den Rückspiegel. „Komm!“, bat sie ihn erneut, doch nun forderte Camilla ihre Aufmerksamkeit und ihren Körper. Wellen der Lust durchströmten ihn, während er den beiden zusah. Sie ließen sich Zeit, wissend, dass sie die ganze Nacht haben würden. Hier im Nirgendwo, im Schutz der Dunkelheit, war es nicht notwendig, sich zurückzuhalten, eine Fassade zu wahren. Immer schwerer hörte er sie atmen, und mit der Zeit wurde aus dem Atmen ein Keuchen, immer wieder unterbrochen von einem Kichern, dessen logischen Ursprung er nicht ausmachen konnte. Und dann, plötzlich Stille. Der Mond war hinter einigen dichten Wolken verschwunden, und er konnte kaum mehr etwas sehen, aber das Bewusstsein, hier nur eine Armlänge von zwei Frauen zu sitzen, die sich in seinem Auto gegenseitig berührten, erregte ihn maßlos. „Mach die Augen zu“, raunte ihm Anja plötzlich aus kurzer Entfernung in sein linkes Ohr, und er, überrascht von ihrer unerwarteten Nähe, wollte etwas erwidern, doch als ihre sanft saugenden Lippen eine feuchte Wärme an seinen Nacken ausbreiteten, zerflossen alle rationalen Gedanken, die er noch gehabt haben mochte, in einer Welle wohliger Lust. Als er jedoch wenig später auch noch an seiner rechten Seite die feuchte Wärme sanfter Lippen spürte, stockte ihm der Atem. Er musste wohl ziemlich seltsame Geräusche fabriziert haben, denn die beiden kicherten erneut. Doch er hatte nur den Bruchteil einer Sekunde Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, denn nun öffneten die beiden Knopf für Knopf sein Hemd und arbeiteten sich tiefer vor.

Anja musste wohl über den Sitz geklettert sein, denn plötzlich war sie neben ihm, unter ihm, und küsste seinen Penis durch die gespannte Hose hindurch. Er war so erregt, dass es schmerzte. Mit einer raschen Bewegung öffnete er den Gürtel seiner Hose. Frei! Der Schmerz ließ rasch nach, aber das Pochen blieb. War er jemals in seinem Leben so erregt gewesen? Und dann küsste sie seinen Schaft, arbeitete sich in sanftem Wechsel von Saugen und Blasen hoch zur Eichel, nahm ihn ganz in sich auf. Nun keuchte auch sie wieder, sich von seiner Erregung anstecken lassend. Wo war Camilla abgeblieben?

Die Fahrertür öffnete sich, und Camilla begann ebenfalls, seinen Penis zu küssen. Die Lippen, die Zungen der beiden Frauen fanden sich am Ort seiner Lust. Ihn immer wieder neckend ansehend, gaben sich die beiden Frauen ihrer Lust hin, entfernten auch noch die letzten verbliebenen Kleidungsstücke, um sich besser fühlen zu können, um sich noch näher zu sein. Camilla’s Fuß rutschte ab, und sie fiel lachend rücklings ins warme, nasse Gras. Anja folgte ihr, bedeckte ihren Körper mit Küssen, befühlte ihren Körper mit ihrer Lust. Sah zu ihm zurück. Nimm mich, schien ihr Blick zu bedeuten, nimm uns. Und er wollte sie, Gott wusste, er wollte sie. Doch er ließ sich Zeit, wohl wissend, dass die beiden in ihrem Verlangen mittlerweile beinahe wahnsinnig werden mussten.

Camilla öffnete sich ihm wie im Rausch, schien in einer Art Trance versunken zu sein, zuckte unkontrolliert, wenn Anja ihrem Körper weitere Quellen der Lust öffnete. Er bewegte sich kaum in ihr, genoss das Gefühl, in ihr zu schweben, und jenes, mit Anja auf eine Weise verbunden zu sein, die jener Verbundenheit am Ende überlegen war, wohl immer überlegen sein musste. Es waren am Ende doch nur Körper… Als Camilla kam, kam sie still, fast unmerklich. Ihr Körper war zu lange aufs Höchste erregt gewesen, um noch eine merkliche Steigerung zu erreichen. Als er seinen Penis aus ihr herauszog, zuckte sie noch einige Momente weiter, keuchend. Anja lächelte ihn an, wissend, dass er sich das Beste für sie aufgehoben hatte. Sanft liebkoste sie mit ihren Lippen Camilla’s Brüste, die ihrerseits mit ihren Händen die ihren knetete. Mit jeder Bewegung der anderen Frau und jeder Zuckung krümmte sich ihr Becken weiter nach oben, ihm entgegen. Ihn erwartend. Einen Moment lang hielt sie inne, sah ihn über die Schulter hinweg an, lächelte. Ich liebe dich, stand in ihrem Gesicht geschrieben, und er wusste, dass er auch er sie liebte wie kaum etwas auf dieser Welt.

Es war warm in ihr, und feucht, und begehrend, aber da war mehr zu finden in der Tiefe dieses Menschen. Da war Heimat. Da war ein Sich-Gehen-Lassen, eine Möglichkeit, voll und ganz einfach nur zu sein. Waren Momente vergangen? Minuten? Plötzlich zuckte ihr Körper, und sein Körper, oder der ihre, oder etwas noch weit Tieferes, bewegte sich erneut. Für einen Moment fühlte er, wie alle Konzepte von ihm, ihr, der immer noch regungslosen Frau neben ihnen und allem anderen zu verwischen begannen, um eins zu werden, untrennbar verbunden. Doch nur für einen Moment. Dann fühlte er sich wieder in seinen Körper zurückversetzt, fühlte den ihren, der ihn nun unaufhaltsam auf den Höhepunkt zutrieb, ihn umfassend, alles an ihm umfassend. Immer noch entfernt mit der ganzen Welt verbunden, fühlte er ihr Erzittern wie ein Erdbeben, sein Kommen wie die Eruption eines Vulkans. Dann erschlafften ihre Körper, und sie fielen erschöpft nebeneinander ins feuchte Gras. Unser Körper ist nicht dafür geschaffen, so etwas auf Dauer zu fühlen, dachte er mit einer gewissen Traurigkeit. Aber immer wieder, schien ihr verklärter Blick ihm sagen zu wollen. Aber immer wieder. Und er wusste, dass sie Recht hatte.

Er sah zärtlich zu Camilla, die vor Erschöpfung wohl bereits eingeschlafen war und leise schnarchte, und dann zu Anja, die sich erschöpft in seinen Arm geschmiegt hatte: „Bringen wir sie nach Hause. Und dann uns.“

„Ich bin schon zuhause“, flüsterte sie, mit einem Ernst in der Stimme, der ihn tiefer berührte als alles, was ihre Körper gerade vollbracht und erschaffen hatten.