In diesem Artikel geht es um einige Erfahrungen zum Thema “Offene Beziehungen” und Liebe/Beziehungen im Allgemeinen. Viele solche Experimente scheitern nicht an den Formen, sondern an den Voraussetzungen und Erwartungen der Liebenden. Wer sich auf das Abenteuer offene Beziehung einlässt, wirklich einlässt, wird vor allem mit sich selbst konfrontiert. Das liegt nicht jedem.

Ă´ffeneBeziehungen

Ich beschäftige mich seit 10+ Jahren theoretisch mit der Thematik, und seit gut der Hälfte der Zeit auch praktisch. Es gibt dazu unzählige „Tipps“ im Internet zu finden. Den Großteil davon halte ich für nicht sonderlich hilfreich, weil sie nur eine vordefinierte Form durch eine andere ersetzen.

Hier möchte ich versuchen, einige Erfahrungen zu teilen, die unabhängig von der jeweilig gewählten Beziehungsform hilfreich sein können.

Vielleicht die wichtigste Frage vorweg beantwortet: Bin ich mit meinen Experimenten glĂĽcklich geworden?

Im GroĂźen und Ganzen: ja. Zumindest habe ich viel gelernt. Ăśber mich selbst. Ăśber den jeweils anderen. Die Welt im Allgemeinen. Und mit den Jahren bin ich dadurch wohl auch ein StĂĽck weit weiser geworden.

Hier zwecks besserer Ăśbersicht eine kleine Auflistung des Folgenden:

Die Verwirrung der Begrifflichkeiten

Bestimmte Wörter triggern bestimmte Vorerfahrungen oder Erwartungshaltungen beim jeweils Anderen, die oft schwer wieder auszulöschen sind.

Wenn ich von „offenen Beziehungen“ spreche, spreche ich von dem Ansatz, sich gemeinsam hinzusetzen und immer wieder herauszufinden, was jeder braucht, um sich miteinander (und mit sich selbst) wohlzufühlen, unabhängig von gesellschaftlichen Normvorstellungen. Andere verstehen darunter eher ein „Ich fick mich durch die Welt“, wieder andere ein „Mir ist alles egal. Du eingeschlossen.“ Viele haben damit auch bereits entsprechende (oft negative) Vorerfahrungen gemacht. Dies erschwert einen unvoreingenommenen Zugang zum Thema.

Ein einziger Begriff, unbedacht verwendet, kann – am besten noch in Kombination mit Hemmungen, über Befürchtungen offen zu sprechen – beinahe unüberwindliche Hindernisse aufbauen. Daher kann man nicht immer darauf vertrauen, dass der Andere Begriffe auch so versteht, wie man selber sie meint. Und ein Nicht-Nachfragen bedeutet nicht immer Einverständnis, sondern allzu oft eher ein „Ich habe Angst vor der Antwort, wenn ich eine Frage stellen würde, deswegen stelle ich sie lieber nicht“.

Liebe ist immer auch Selbst-Ăśberwindung. Wer sich dabei auch noch von etablierten Normen verabschiedet, betritt einen Raum, der Angst machen kann. Andere hören davon, raten ab davon, beeinflussen das Miteinander. Weil sie selbst schlechte Erfahrungen damit gemacht haben. Oder – ebenso häufig und nicht zu unterschätzen – es nicht aushalten wĂĽrden, dass man selbst damit glĂĽcklich wird. Weil es sie mit der realen Möglichkeit konfrontiert, ebenso etwas Anderes zu versuchen.

Mut, und Verlässlichkeit, die den Mut rechtfertigt, sind deine Freunde.

Das Erlernen der Selbstliebe

Quelle der Selbstliebe

In einem jeden von uns ist eine Quelle zu finden, aus der wir Liebe „ernten“ können. In manchen Menschen ist sie etwas versteckter als in anderen. Aber zu finden ist sie in einem jeden von uns, wenn man sich ernsthaft auf die Suche danach macht.

Weil es auf den ersten Blick einfacher erscheint, sich seine Liebe von außerhalb zu holen, wenden wir jedoch vielfach nicht die Zeit dafür auf. Es geht ja auch anders. Dass wir uns damit von diesem Außen erpressbar machen, fällt oft erst dann auf, wenn dieser Fall eintritt.

So akzeptieren wir aus Angst vor Liebesverlust Verhaltensweisen anderer, die weder uns noch ihnen gut tun. Der einzige nachhaltige Schutz gegen diese ungesunde Abhängigkeit ist es, die Quelle der Selbstliebe in uns selbst zu entdecken, und zu lernen, mit ihren Schwankungen umzugehen.

Nicht wenige Menschen verstehen unter „Offenen Beziehungen“ die Idee, das Risiko dieser Abhängigkeit vom Außen auf mehrere Menschen aufzuteilen. Fällt einer weg, fangen die anderen das Risiko auf. Darum haben diese Menschen auch tendenziell Angst, in die Situation zu kommen, „nur“ einen Partner zu haben.

Aber das verlagert das Problem nur, löst es nicht. Die einzig dauerhaft nachhaltige Lösung ist in einem selbst zu finden: im Finden und Nutzbarmachen der eigenen Quelle der Liebe und Aufmerksamkeit.

Die Ă–konomie der GroĂźzĂĽgigkeit

Wer in sich eine Quelle der (Eigen-)Liebe entdeckt hat, wird bald erkennen, dass er diese in sich „geerntete“ Liebe auch an andere weitergeben und damit Glück bringende Verbindungen schaffen kann.

Doch auch wenn diese Quelle in uns eine nachwachsende Ressource ist, bringt sie nicht immer gleiche Ernte. Zudem schwankt unser „Eigenverbrauch“ mit unseren Bedürfnissen und unseren Verbindungen zur Außenwelt mit.

Im Idealfall schaffen wir es, uns selbst aus eigener Quelle gut zu versorgen und den Überschuss an andere weiter zu schenken. Geben wir aus diesen Ressourcen mehr, als wir selbst „nach-ernten“ können, so deswegen, weil aus verlässlicher Quelle von außen genug nachkommt, um unseren eigenen Bedarf zu decken. Ich kenne kaum jemand, der diesen Idealfall lebt.

Erfahren wir hingegen einen Mangel an Liebe/Aufmerksamkeit (weil wir zu wenig in uns finden, zu viel gegeben haben oder zu wenig zurĂĽckbekommen haben), so wächst das BedĂĽrfnis nach Kontrolle unserer Beziehungen zum AuĂźen. Aus Beziehungen, die je nach Ressourcen ĂśberschĂĽsse miteinander teilen, werden „Handels-Beziehungen“ – mit entsprechenden (oft unausgesprochenen) „Verträgen“ oder zumindest Vorstellungen entsprechender Verpflichtungen und Hochrechnungen der jeweiligen “Leistungen” fĂĽreinander..

Eine der Voraussetzungen, um ökonomisch mit den eigenen Ressourcen wie Liebe und Aufmerksamkeit umgehen zu können, ist ein kontrollierter Umgang mit den eigenen Grenzen: den Durchfluss hin zum Anderen genau so weit zu öffnen, wie es allen Betroffenen (also auch mir!) gut tut.

Allzu oft werfen Menschen anderen vor, sie bewusst „ausgenutzt“ zu haben, wo sie doch nur selbst unfähig waren, den „Abfluss“ der eigenen Ressourcen entsprechend zu steuern.

Die gute Nachricht ist: diese Selbst-Kontrolle lässt sich erlernen.

Die Fähigkeit der Selbstbehauptung

Selbstbehauptung

Wenn wir uns durch die Welt bewegen, treffen wir auf andere Menschen, denen es an Liebe und Aufmerksamkeit fĂĽr sich selbst fehlt. Vor allem in den sensibleren von uns wird dadurch oft der Wunsch geweckt zu helfen. So manches Mal werden wir auch direkt um Hilfe gebeten, oder es wird versucht, diese (bis zur Anwendung von Gewalt) einzufordern.

Viele Menschen machen die Entscheidung, ob sie helfen wollen, von der Hilfsbedürftigkeit des Anderen abhängig. Dabei übersehen sie gerne, dass ihre eigenen Ressourcen und damit ihre Möglichkeiten zu Helfen beschränkt sind.

Viel hilfreicher für alle Beteiligten ist es im Regelfall, wenn der eigene „Haushalt“ an Ressourcen wie Liebe und Aufmerksamkeit der entscheidende Faktor ist: Bin ich gerade im Überfluss? Und wenn ja, wie viel kann ich geben, ohne selbst in einen Mangel zu geraten?

Wird diesem Aspekt zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, so kann es rasch zu VorwĂĽrfen dem Anderen gegenĂĽber kommen, wenn wir uns beim “Helfen” selbst ĂĽberfordern. Die Ursache der Ăśberforderung liegt jedoch nicht im leidenden Anderen verborgen, sondern in unserer Unfähigkeit der Abgrenzung, wo uns die Ressourcen fehlen, nachhaltig zu helfen.

Nun kann es auch passieren, dass jemand von uns Hilfe verlangt, etwa weil er uns vorher selbst geholfen hat, oder es als Pflicht innerhalb einer Freundschaft/Beziehung/… ansieht. Auch hier kann es hilfreich sein, dies stattdessen vom eigenen Ressourcen-Haushalt abhängig zu machen, selbst wenn es vorerst zu einem Konflikt führen mag.

Denn bin ich selbst „unterversorgt“, kann ich dem Anderen nur sehr eingeschränkt helfen. Ich tue ihm keinen Gefallen, wenn ich ihm meinen eigenen Mangel verschweige.

Vor allem wird durch solche Konflikte dann plötzlich sichtbar, wie oft wir uns eigentlich in „Handels-Beziehungen“ mit unseren Mitmenschen befinden, die nach „vorgefertigten Formen“ ablaufen („Ein echter Freund reagiert so“), anstatt uns an unseren Bedürfnissen und Möglichkeiten zu orientieren.

Manche Menschen drängen anderen Menschen ihre Liebe und Aufmerksamkeit auf, weil sie sich nicht mit sich selbst beschäftigen wollen. Oft wollen sie sich damit auch eine entsprechende „Gegenleistung“ in ihren eigenen schlechten Phasen „erkaufen“. Wer annimmt, was er nicht braucht, um einen Konflikt im Jetzt zu vermeiden, nimmt dafür im Regelfall einen späteren Konflikt in Kauf – bei dem er sich dann in der Defensive befindet, hat er doch vom anderen schon „profitiert“.

Bedingungslose Liebe

Die meisten von uns sind es gewohnt, die Bewertung unseres Tuns vom zu erwartenden Ergebnis abhängig zu machen. Wir “investieren” in einen Menschen, weil wir uns einen Nutzen daraus erwarten. Wenn es dann danach aussieht, als wĂĽrde sich der Nutzen womöglich nicht einstellen, hören wir damit auf.

Im Hinblick auf die Liebe: wir geben einer geliebten anderen Person Aufmerksamkeit, in der Hoffnung, sie würde es uns gleichtun und im Gegenzug uns Aufmerksamkeit schenken. Keimt in uns der Verdacht auf, dies würde nicht so sein, hören wir oft damit auf – und erzeugen damit womöglich erst die Situation, die wir fürchten. Denn die andere Person denkt sich nun: Bin ich ihm denn am Ende doch nicht so wichtig als ich glaubte? Und wird ebenso ihre „Investition herunterfahren“.

Der Schlüssel liegt auch hier wieder im Vertrauen auf die eigenen Ressourcen: sich selbst von der Reaktion der Umwelt unabhängig zu machen. Weil die notwendigen Ressourcen an Liebe und Aufmerksamkeit in ausreichender Menge in einem selbst zu finden sind, und der Überschuss bedingungslos weitergeschenkt werden kann.

Zu lieben. Einfach so. Sobald man genügend Liebe und Aufmerksamkeit in sich selbst „gewonnen“ hat, dass man den Überfluss aus freien Stücken verschenken kann, ohne auf einen Ausgleich angewiesen zu sein.

Meiner beschränkten Erfahrung nach ist hier die eigentliche Grenze “freier Liebe” zu finden. Ich kann bedingungslos lieben, aber dieser “Ăśberschuss” an Liebe und Aufmerksamkeit, den ich geben kann, ist trotz allem begrenzt.

Deswegen halte ich es aus heutiger Sicht fĂĽr sinnvoll, sich auf eine Person, eine Gefährtin zu beschränken, der man Priorität einräumt. Ist genĂĽgend “Ăśberschuss” vorhanden, um noch mehr Menschen etwas davon zukommen zu lassen: gut, warum nicht. Aber ich habe noch niemanden kennengelernt, der dies auch dauerhaft und gleichberechtigt mit mehreren Menschen auf eine Weise vollbracht hätte, die alle Betroffenen glĂĽcklich macht.

Die Kunst der lebendigen Formen

Ausgeglichenheit

Die meisten von uns betrachten die Liebe tendenziell als eine Sache von Entweder-Oder. Entweder du bist mit mir in einer Beziehung, dann opfere ich mich für dich auf (und erwarte dasselbe von dir). Oder wir sind es nicht, und was wir füreinander tun ist beschränkt durch bestimmte Formen.

Wehe, die Grenzen jener Formen verwischen sich – etwa wenn der One-Night-Stand plötzlich auf die Idee kommt, den anderen zu lieben. Oder die sexuelle Anziehung innerhalb einer Beziehung ihren Reiz verliert. Das war doch anders ausgemacht! Dann trennt man sich mehr oder weniger versöhnlich, um nicht in die schwierige Situation zu kommen, sich im unsicheren Terrain der Graustufen zu bewegen.

Wer die obigen Aspekte verinnerlicht hat, ist gut vorbereitet auf jenen weiteren mutigen Schritt: gemeinsam lebendige Formen zu kreieren. Wenn alle Beteiligten gut auf sich selbst achten, können sie auch gemeinsam eine Form des Miteinanders finden, die ihren jeweiligen Bedürfnissen entspricht. Und auch einen für sie stimmigen Veränderungsprozess jener Form, damit sie lebendig bleibt und sich verändernden Bedürfnissen anpasst. Denn alles ist vergänglich in dieser Welt.

Der Gefährte, der gerade in einer persönlich schwierigen Phase durchmacht, wird womöglich in jener Zeit mehr Nähe und Geborgenheit brauchen, als er es zu anderen Zeiten notwendig hat, wo er diese eher als „übertrieben“ oder gar „lästig“ empfindet. Und warum auch nicht?

Alles, was dazu notwendig ist, ist gute, ergebnisoffene Kommunikation. Nicht: Willst du X für mich sein oder Y? Sondern: Was brauchst du? Ich brauche dies und jenes. Eine gewisse Schamlosigkeit, die die notwendige Voraussetzung von Authentizität und Echtheit ist. In der man auch mal schwach, nicht perfekt sein darf, und dem Anderen das gleiche Recht zugesteht. Wie befreiend!

Die Akzeptanz einer imperfekten Welt

Die meisten von uns sehnen sich (aus Eigenerfahrung sowie Erfahrungen anderer, die sich mir anvertraut haben) einerseits nach einem Gefährten, dem Vertrauten, aber auch dem Neuen, oft in einer Art stetigem Wechselspiel des Ganzen. Und wollen am besten all das in einer Person vereint. Am besten noch ohne großen eigenen Aufwand, bis übermorgen geliefert bis an die Haustüre.

Nur: die Welt verändert sich ständig. Die Menschen um uns verändern sich, und auch wir selbst und unsere Bedürfnisse. Die Idee einer offenen Beziehung (im Sinne meiner Definition, gemeinsam ein Miteinander zu finden, das stimmig für alle Betroffenen ist) kommt dem entgegen. Weil sie vom Zwang erlöst, die perfekte Wahl zu treffen und auch selbst zu sein. Weil ich – wenn es mir wirklich wichtig ist – gemeinsam mit allen Betroffenen nach konstruktiven Lösungen suchen kann, ohne mich ständig für oder gegen Menschen entscheiden zu müssen.

Ich glaube nicht, dass es die „objektiv perfekte Form“ des Miteinanders gibt. Sondern dass die Kunst darin besteht, gut für sich selbst sorgen zu lernen und gemeinsam ein stimmiges Miteinander zu finden, das sich seine Lebendigkeit behält. Damit man sich aneinander erfreuen kann. Nicht notwendigerweise ständig, aber mit den Rhythmen von Sterben und Wiedergeburt der jeweils stimmigen Formen des Miteinanders immer wieder aufs Neue.

Erstaunlich oft ist mir das neben einigen schmerzvollen Erfahrungen auch gelungen. Ich wünsche euch ähnliche positive (oder zumindest lehrreiche) Erfahrungen.

Niklas

P.S.: In meinem Buch BarfuĂź fĂĽhrt dein Weg dich weiter sind auch dazu einige Texte enthalten. Und bis 29.11.2018 ist die eBook-Version meines Buches sogar noch kostenlos downloadbar. Mehr Infos dazu unter diesem Link.

So hat man zu lieben. Wenn, dann richtig. Sonst ist es keine Liebe. Nur.. Machtspiel. Oder vielleicht auch Lust. Nein, Liebe, richtige Liebe, ist bedingungslos.

Und so hatte er geliebt, mit all seiner Macht, mit all seiner Hoffnung, mit all seinem Glauben. Hatte Erwiderung gefunden. Den einen anderen Menschen, von dem die in Unzahl verschlungenen Geschichten sprachen. Hatte sich ein paar Jahre an das vorgeschriebene Skript gehalten, bis der innere Widerspruch ihn doch unausweichlich mit der komplexeren Wahrheit konfrontierte: dass es da mehr gab als den beschriebenen einen anderen Menschen.

Solche Geschichten zu aufzufinden war schwieriger, umso mehr Geschichten von Menschen, die sich dieser Wahrheit gestellt und damit auch glücklich geworden waren. Es überwogen die Tragödien und Dramen, die Eifersuchts-Szenen bis hin zu Morden im Affekt. Warum sich all dem aussetzen? Warum nicht lieber die Geschichten seiner Kindheit nachspielen, die im Gegensatz dazu meist gut endeten? Was bedeutete ein kleines Opfer an Wahrheit schon im Gegenzug für ein „glücklich bis ans Ende ihrer Tage“?

An dem Tag, an dem er die Realität hinter den Geschichten nicht nur in Andeutungen spürte, sondern mit ihr unmissverständlich konfrontiert wurde, hatte er seine Antwort. Es war bequemer, sich an das Skript zu halten, sich in die endlosen Reihen der Schauspieler vor ihm einzureihen. Nicht mehr alleine, sondern Teil einer kollektiven Geschichte zu sein, und wenn es auch bedeutete, den widerspenstigeren Teil der eigenen Wahrheit, des eigenen Seins, mit fröhlichen Masken zu überdecken. Man muss lernen, sich anzupassen, meinte eine Freundin zu ihm. Man muss. Sonst wirst du auf Dauer nicht glücklich werden. Sie war nicht die einzige, die ihm derart zu helfen suchte.

Am Ende waren es dann diese nie ganz ausgelöschte Spuren von Traurigkeit, von Verlust, die sich in den Zügen jener „Glücklichen“ abzeichneten. Die Bruchteile von Augenblicken, die tiefere Einblicke gewährten, in jene, die ordnungsgemäß gelernt hatten, sich anzupassen. Da war dieser Moment der Reue, kaum wahrnehmbar, und doch den Schmerz verratend: akzeptiert worden zu sein, aber nie ganz, nie in der ganzen Komplexität, der ganzen Tiefe. Es waren gangbare Wege, akzeptable Wege, Wege aus der Einsamkeit, aber ihnen zu folgen schien doch in Sackgassen zu führen. Man war Teil eines Ganzen geworden, aber stets nur als Anteil, in innerer Rest-Spannung mit jenem Teil des Selbst, der als Gegenleistung dafür in die Untiefen des Unterbewusstseins verbannt werden musste.

Nun aufmerksamer auf die Zeichen, fand er sich inmitten wiedergekäuter Geschichten wieder, die sich in den Bewegungen, vor allem aber in den Augen seiner Mitmenschen abzeichneten. Man muss lernen, sich anzupassen, kam ihm die Aussage der Freundin wieder in den Sinn. Aber wenn das stimmte, wie waren dann all diese Geschichten, aus denen man wählen durfte, ursprünglich entstanden? War nicht am Anfang jeder dieser Geschichten jemand gewesen, der durch sein Handeln Geschichte schrieb? Woraus hatte dieser die Berechtigung bezogen, sich eben nicht für eine der bestehenden Geschichten zu entscheiden, sondern Subjekt seiner eigenen, individuellen zu sein? Und wer war überhaupt befugt, solche Berechtigungen zu erteilen oder zu verweigern?

Die Erkenntnis ließ ihn erschaudern: Ich. Und so hatte er von neuem begonnen, mit einem unbeschriebenen Blatt. Nur von der Liebe wollte er sich leiten lassen, von der höchsten, edelsten Liebe, bedingungslos, ehrlich und frei. Und so liebte er die Menschen, die seine Liebe erwiderten, und liebte jene, die dies nicht vermochten. Sah mit einem freundlichen Zwinkern auf diejenigen, die seine Liebe für sich allein beanspruchen wollten, ihn einschränken, ihn an sich binden wollten. „Nehmt!“, schien er ihnen zu sagen, „Es ist genug für alle da!“. Und lange, über viele Jahre, schien er damit auch Recht zu behalten.

Bis er sich irgendwann eingestehen musste, dass seine Liebe am Ende doch auch natürliche Grenzen aufwies, dass sie komplexer war. Nicht in ihrem Fühlen, sondern im Lebendig werden lassen in einer in sich begrenzten Welt. Liebe, das war gleichzeitig ewige, unabänderliche Essenz, und unbeständige, gewissermaßen pulsierende Form. War Vertrauen, Hoffnung auf diese Essenz hinter den Formen, war Anziehung, war Loslassen, war Wiederkehren, war… vergänglich und ewig zugleich, war Sterben lassen der Formen mit dem Glauben an die Wiedergeburt, war… keine Auswahl an Geschichten mit vordefiniertem Ausgang mehr, aus denen zu wählen war, sondern ergebnisoffen. War Risiko, nicht einmalig, sondern stets aufs Neue.

Hilfreiche Bilder fand er, wie so oft, in den Elementen: Wasser. Wasser veränderte seine Konsistenz, war nicht immer gleich greifbar, konnte Leben spenden, aber auch verletzen und töten. Bedingungslose Liebe in ihrer Essenz allein war wie Wasser in seiner natürlich vorkommenden Form. Nun hatte der Mensch über Jahrtausende gelernt, Wasserläufe ein Stück weit zu beeinflussen, ihnen zweckdienliche Formen zu verleihen. Doch dort, wo Wasser in Verkennung seiner Essenz zu kontrollieren versucht wurde, verlor es seinen lebensspendenden Wert: Wasser musste fließen können. Und doch war es auch möglich, es in Anerkennung seiner ursprünglichen Form umzuleiten, ohne es in seiner Lebendigkeit zu beeinträchtigen. War das etwa, neben der Fähigkeit, unabhängig der gerade sichtbaren Formen an die immerwährende Essenz hinter den Formen zu glauben, die wahre Kunst der Liebe?

Und so suchte er nach Wegen, seine Liebe und die jener, die für ihn Liebe empfanden, in lebendige Bahnen zu leiten, die dem gemeinsamen Wachstum förderlich sein würden. Liebte bedingungslos, und doch stets bemüht, im Ausdruck dieser Liebe die Bahnen zu achten, die die Bedürftigkeit des Einzelnen vorschrieben. Versuchte, ganz zu lieben, unverdrängt, und damit auch anderen den Raum zu eröffnen, sich ebenso ganz, nackt zu zeigen. So ineinander zu fließen, dass die gegenseitig gefühlte Liebe Leben und Lebendigkeit spendete.

Es war ein schwieriger Weg, sich hinter die Kulissen zu begeben, hinter die Masken der öffentlichen Identität, hinter die Formen, die die Menschen vor dem ganzen Mensch zu beschützen vorgaben, hinter die Wörter, die die Identität des Einzelnen davor schützten, zu einer individuellen, einzigartigen zu werden. Und doch… fand er sich bestätigt, wenn er sich mit Menschen in diesem unbestimmten Raum wiederfand, und in ihren Augen und Herzen dieselbe Nervosität und Freude spürte, die auch ihn stets erfasste, wenn er hierher zurückkehrte. Hier war… Mögliches zu finden.

Hier, das war ein Raum reinen Potentials, gewissermaßen Wasser in seiner ursprünglichsten Essenz. Es war der Ort, an dem sich Menschen einander ganz zu zeigen vermochten, an dem sichtbar werden durfte, was der jeweils andere brauchte. An dem es wertfrei als gegeben akzeptiert werden konnte, dass auch erwachsene Menschen überhaupt brauchen durften. An dem man gemeinsam nach kreativen Lösungen suchen durfte, diese realen Bedürfnisse der Betroffenen auch erfüllt zu sehen. Und wie die in ihrer Essenz vorhandene Liebe zueinander so ausgedrückt werden konnte, dass sie auch immer wieder das das Geschenk empfunden werden konnte, das sie darstellte.

Vor Jahren hatte er begonnen, diesem Weg zu folgen, der streng genommen erst Weg wurde, indem man ihn gegangen war. Immer wieder hatte er sich mit anderen Menschen an jenem Ort reinen Potentials wiedergefunden. Oft hatte er lange nicht mehr dorthin zurĂĽckgefunden, oder ohne die Menschen, fĂĽr die er Liebe empfand, wieder dort anzutreffen, weil auch diese sich bisweilen in der Welt verlaufen hatten. Oft hatte er gelitten, oft war er versucht gewesen, doch den Rat der Freundin anzunehmen. Man muss, hatte sie gesagt.

Doch trotz aller Erfahrungen, die ihn bisweilen an seinen Entscheidungen zweifeln ließen, trotz aller Narben, die er an seiner Seele davongetragen hatte, verlieh ihm doch eines Mut: er konnte sich eingehend im Spiegel betrachten, und fand doch sehr oft ein Lächeln in diesem vertrauten Gesicht. Konnte tief in diesen Augen schürfen, und fand doch, obwohl sich neben Freude bisweilen auch Traurigkeit darin finden mochte, keine Reue.

Man muss nicht, dachte er. Man kann. Man kann aber auch nicht, wenn man nicht will, und es sich nicht richtig anfühlt. Vielleicht liegt darin ja das ganze Geheimnis. Dass man aus viel mehr als ein paar vorgefertigten Geschichten wählen kann. Solange man sich dabei noch im Spiegel betrachten und zufrieden sein kann mit dem, der einem da entgegenlacht. Dann kann man auch mal falsch liegen. Und manchmal richtig.

Und so, aus dieser einen ursprĂĽnglich Entscheidung, durch eigenes Handeln einen eigenen, stimmigen Weg zu gehen, eine Geschichte schreiben, die es auch wert ist, gelesen zu werden.


P.S.: Ein wenig Werbung in eigener Sache:
In den nächsten zwei Wochen gibts von mir im FreiRaumWels jeweils Dienstag, 19:00 einen Vortrag anzuhören:

  • 29.5., 19:00 – Der universelle Entwicklungskreislauf (was hat die Arbeitsweise von Psychotherapeuten, Schamanen, Heilern, Lehrern, … gemeinsam? Welche Rolle spielen Drogen und SĂĽchte darin? Was können wir daraus fĂĽr den Alltag lernen?)
  • 5.6., 19:00 – FĂĽhren zur Selbstverantwortung (Wie fĂĽhrt man andere so, dass sie eigenständig und in Eigen-Initiative lernen/arbeiten, bzw. wie gestalte ich Soziale Systeme wie z.B. eine Schulklasse so, dass sie die Eigen-Initiative und Selbstverantwortung unterstĂĽtzen statt wie sonst oft eher blockieren?)

Mehr Informationen dazu gibts unter Vorträge/Workshops – ich freu mich auf euer kommen 🙂

 

So, zum 75er-Jubiläum der Barfuß-Geschichten mal ein Versuch, eine Erotik-Geschichte zu schreiben. Ist ganz schön schwierig irgendwie.

Als er an der Bar eintraf, fand er sie nicht sofort. Das Gelände war größer, als er erwartet hatte. Aber nach der langen Fahrt kam es ihm auch nicht ungelegen, einen Moment der Besinnung für sich zu haben. Bestellte sich ein Bier, was er selten tat, und sah sich im Raum um. Es dürfte sich um eine jener Bars handeln, in der sich Studenten beider Geschlechter gerne trafen, um neben Gedanken später auch Körperflüssigkeiten auszutauschen. An Alkohol wurde nicht gespart, und die Bass-lastige Musik sowie das schummrige Licht mit den vielen Möglichkeiten, sich zurückzuziehen, sorgten für den Rest. Es würde nicht einfach sein, sie hier zu finden.

Langsam, sein Bier in der Hand, schritt er durch das Lokal, die anderen Gäste beobachtend. Einige junge Frauen schenkten ihm verschüchterte Blicke, und er erwiderte ihr Lächeln, ließ sich aber nicht auf ein Gespräch ein. Die Atmosphäre des Ortes verlieh seinem Verlangen, sie wiederzusehen, sie wieder zu berühren, eine Intensität, die ihn erregte. Anja… Er schloss die Augen, sah seine Hände vor seinem inneren Auge sanft ihren warmen Körper liebkosen, sah, wie ihr Körper unter seiner zärtlichen Berührung zusammenzucken würde – und spürte mit einem Mal, wo er sie finden würde. Mit freudiger Erregung beschleunigte er seine Schritte und erkannte sie tatsächlich in einem der dunkleren Winkel der Bar sitzend, offenbar mit einer anderen Frau ins Gespräch vertieft. Er hielt inne, als er an ihren Gesichtszügen sah, dass es sich keineswegs nur um ein Gespräch handelte.

Sie zuckte erschrocken zurück, als sie ihn bemerkte, doch er lächelte sie mit einer Mischung aus Verlegenheit und Erregung an. „Ich will euch eigentlich nicht stören.“, sagte er. In einem Anflug von Übermut nahm er die Hand der Frau und legte sie zurück an die Brust seiner Freundin. „Und kommt gar nicht auf die Idee, euch jetzt für irgendetwas zu schämen, oder aufzuhören mit dem, was euch Freude bereitet, nur weil ich da bin.“ Mit einem Grinsen, das wohl ziemlich dämlich aussehen musste, setzte er hinzu: „Vor allem nicht jetzt, wo ich da bin.“
Seine Freundin setzte sich zu ihm und flüsterte ihm ins Ohr: „Ich will mit dir schlafen. Jetzt.“
„Hier? Und was ist mit deiner Bekannten hier? Willst du die Arme einfach alleine lassen?“
„Camilla? Du meinst -? Wie stellst du dir das vor?“
Sein Grinsen dürfte an Dämlichkeit wohl kaum zu überbieten gewesen sein. Zum Glück war es dunkel.
„Ich hole das Auto. In zehn Minuten kommst du raus, ich hol dich ab und wir fahren irgendwo raus aus der Stadt. Kannst ja deine Bekannte fragen, ob sie mitmöchte.“
Bevor sie etwas erwidern konnte, war er schon aufgesprungen, um das Auto zu holen. Seine Erektion musste meilenweit zu sehen sein. Er dankte dem Besitzer der Bar im Stillen fĂĽr diese Dunkelheit hier.

Sie waren tatsächlich zu zweit gekommen.
Nach einigen Hundert Metern fasste sie seine Erektion an und begann, ihn mit den Augen zu vernaschen. Zeit, anzuhalten. Zeit, die aufgestaute Spannung fließen zu lassen. Nein. Noch nicht ganz. Er liebte diese Spannung. „Geh schon mal vor!“, raunte er Anja zu, und küsste sie zärtlich ins Ohr.

Camilla erzitterte, als Anja zu ihr zurück kletterte und sie leidenschaftlich küsste. „Komm!“, rief Anja ihn, doch er blieb am Fahrersitz sitzen, beobachtete ihr Treiben im sanften Mondlicht durch den Rückspiegel. „Komm!“, bat sie ihn erneut, doch nun forderte Camilla ihre Aufmerksamkeit und ihren Körper. Wellen der Lust durchströmten ihn, während er den beiden zusah. Sie ließen sich Zeit, wissend, dass sie die ganze Nacht haben würden. Hier im Nirgendwo, im Schutz der Dunkelheit, war es nicht notwendig, sich zurückzuhalten, eine Fassade zu wahren. Immer schwerer hörte er sie atmen, und mit der Zeit wurde aus dem Atmen ein Keuchen, immer wieder unterbrochen von einem Kichern, dessen logischen Ursprung er nicht ausmachen konnte. Und dann, plötzlich Stille. Der Mond war hinter einigen dichten Wolken verschwunden, und er konnte kaum mehr etwas sehen, aber das Bewusstsein, hier nur eine Armlänge von zwei Frauen zu sitzen, die sich in seinem Auto gegenseitig berührten, erregte ihn maßlos. „Mach die Augen zu“, raunte ihm Anja plötzlich aus kurzer Entfernung in sein linkes Ohr, und er, überrascht von ihrer unerwarteten Nähe, wollte etwas erwidern, doch als ihre sanft saugenden Lippen eine feuchte Wärme an seinen Nacken ausbreiteten, zerflossen alle rationalen Gedanken, die er noch gehabt haben mochte, in einer Welle wohliger Lust. Als er jedoch wenig später auch noch an seiner rechten Seite die feuchte Wärme sanfter Lippen spürte, stockte ihm der Atem. Er musste wohl ziemlich seltsame Geräusche fabriziert haben, denn die beiden kicherten erneut. Doch er hatte nur den Bruchteil einer Sekunde Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, denn nun öffneten die beiden Knopf für Knopf sein Hemd und arbeiteten sich tiefer vor.

Anja musste wohl über den Sitz geklettert sein, denn plötzlich war sie neben ihm, unter ihm, und küsste seinen Penis durch die gespannte Hose hindurch. Er war so erregt, dass es schmerzte. Mit einer raschen Bewegung öffnete er den Gürtel seiner Hose. Frei! Der Schmerz ließ rasch nach, aber das Pochen blieb. War er jemals in seinem Leben so erregt gewesen? Und dann küsste sie seinen Schaft, arbeitete sich in sanftem Wechsel von Saugen und Blasen hoch zur Eichel, nahm ihn ganz in sich auf. Nun keuchte auch sie wieder, sich von seiner Erregung anstecken lassend. Wo war Camilla abgeblieben?

Die Fahrertür öffnete sich, und Camilla begann ebenfalls, seinen Penis zu küssen. Die Lippen, die Zungen der beiden Frauen fanden sich am Ort seiner Lust. Ihn immer wieder neckend ansehend, gaben sich die beiden Frauen ihrer Lust hin, entfernten auch noch die letzten verbliebenen Kleidungsstücke, um sich besser fühlen zu können, um sich noch näher zu sein. Camilla’s Fuß rutschte ab, und sie fiel lachend rücklings ins warme, nasse Gras. Anja folgte ihr, bedeckte ihren Körper mit Küssen, befühlte ihren Körper mit ihrer Lust. Sah zu ihm zurück. Nimm mich, schien ihr Blick zu bedeuten, nimm uns. Und er wollte sie, Gott wusste, er wollte sie. Doch er ließ sich Zeit, wohl wissend, dass die beiden in ihrem Verlangen mittlerweile beinahe wahnsinnig werden mussten.

Camilla öffnete sich ihm wie im Rausch, schien in einer Art Trance versunken zu sein, zuckte unkontrolliert, wenn Anja ihrem Körper weitere Quellen der Lust öffnete. Er bewegte sich kaum in ihr, genoss das Gefühl, in ihr zu schweben, und jenes, mit Anja auf eine Weise verbunden zu sein, die jener Verbundenheit am Ende überlegen war, wohl immer überlegen sein musste. Es waren am Ende doch nur Körper… Als Camilla kam, kam sie still, fast unmerklich. Ihr Körper war zu lange aufs Höchste erregt gewesen, um noch eine merkliche Steigerung zu erreichen. Als er seinen Penis aus ihr herauszog, zuckte sie noch einige Momente weiter, keuchend. Anja lächelte ihn an, wissend, dass er sich das Beste für sie aufgehoben hatte. Sanft liebkoste sie mit ihren Lippen Camilla’s Brüste, die ihrerseits mit ihren Händen die ihren knetete. Mit jeder Bewegung der anderen Frau und jeder Zuckung krümmte sich ihr Becken weiter nach oben, ihm entgegen. Ihn erwartend. Einen Moment lang hielt sie inne, sah ihn über die Schulter hinweg an, lächelte. Ich liebe dich, stand in ihrem Gesicht geschrieben, und er wusste, dass er auch er sie liebte wie kaum etwas auf dieser Welt.

Es war warm in ihr, und feucht, und begehrend, aber da war mehr zu finden in der Tiefe dieses Menschen. Da war Heimat. Da war ein Sich-Gehen-Lassen, eine Möglichkeit, voll und ganz einfach nur zu sein. Waren Momente vergangen? Minuten? Plötzlich zuckte ihr Körper, und sein Körper, oder der ihre, oder etwas noch weit Tieferes, bewegte sich erneut. Für einen Moment fühlte er, wie alle Konzepte von ihm, ihr, der immer noch regungslosen Frau neben ihnen und allem anderen zu verwischen begannen, um eins zu werden, untrennbar verbunden. Doch nur für einen Moment. Dann fühlte er sich wieder in seinen Körper zurückversetzt, fühlte den ihren, der ihn nun unaufhaltsam auf den Höhepunkt zutrieb, ihn umfassend, alles an ihm umfassend. Immer noch entfernt mit der ganzen Welt verbunden, fühlte er ihr Erzittern wie ein Erdbeben, sein Kommen wie die Eruption eines Vulkans. Dann erschlafften ihre Körper, und sie fielen erschöpft nebeneinander ins feuchte Gras. Unser Körper ist nicht dafür geschaffen, so etwas auf Dauer zu fühlen, dachte er mit einer gewissen Traurigkeit. Aber immer wieder, schien ihr verklärter Blick ihm sagen zu wollen. Aber immer wieder. Und er wusste, dass sie Recht hatte.

Er sah zärtlich zu Camilla, die vor Erschöpfung wohl bereits eingeschlafen war und leise schnarchte, und dann zu Anja, die sich erschöpft in seinen Arm geschmiegt hatte: „Bringen wir sie nach Hause. Und dann uns.“

„Ich bin schon zuhause“, flüsterte sie, mit einem Ernst in der Stimme, der ihn tiefer berührte als alles, was ihre Körper gerade vollbracht und erschaffen hatten.