Du sagst, du magst mich
Ich dich auch
Ich bau mir eine Welt
In der wir lieben könnten
Du baust dir deine Welt
In der wir lieben könnten
Und so verfehlen wir uns
Wieder mal um Welten

Ich freu mich auf dich, sagst du
Und ich, ich kann dich kaum erwarten
Mein  Raum ist aller Welt
Wegen Umbau nun geschlossen
Drin sitz ich, wartend, mit Geduld
Auf dich, die nur in Freilufthallen tanzt
Du tanzt und suchst, und findest mich
Schon zu lange im Saft meiner Erwartungen schmorend

Du kamst nicht eher, werfe ich dir vor
Bewirf dich mit Beweisen
Du weichst mir aus, gehst auf Distanz
Wer bin ich, dich zu richten?
Ich sprech dir von Verlässlichkeit
und meine doch: Ich habe Angst
Nicht wichtig dir zu sein
Ein Blatt im Wind
Nicht wert dir
Dran zu denken

Doch weil ich dies nicht sagen kann
Bewehr ich mich mit Gründen
Warum berechtigt meine Wut
Berechtigt mein Empfinden
Du sagst mir, sorry, tut mir Leid
Und schaust mich überfordert an
Ich wollt dich nicht verletzen
Und schon ist es passiert

Dann geh ich, irgendwann, enttäuscht
Verletzt, verschwiegen, aufgerieben
Verlass den Raum der Möglichkeiten
Zieh mich zurück in Einsamkeit
Ich wollt, ich hätt dir folgen können
In deine tiefsten Schluchten
Blockiert durch meinen eignen Schmerz
Hab ich Kontakt verloren

Und dann, aus unerwartet Quelle
Kommt guter Rat: nun akzeptier
Du bist verliebt, komm, sieh es ein
Dein Gegner scheint nur sie zu sein
Ist doch in Wahrheit alter Schmerz
Der quält und schließt hier zu dein Herz
Willst du nicht öffnen dich der Liebe
Was kämpfst du Stellvertreter-Kriege?

Du sagst, du magst mich; Ich dich auch
Ich hasse diese Wortwahl
Die der Liebe größter Feind, die Angst
Mit Gusto mir diktiert
Dann projizier ich meine Wut darüber
Auf die, die Liebe lässt mich fühlen
Red‘ große Worte in Ermangelung von Taten
Und schweig, wo Schweigen Narben hinterlässt

Ich liebe dich, jetzt hab ich mich getraut
Kann sein, du wirst noch länger brauchen
Hab meine Brücke dir gebaut
Bei deinem Namen dich gerufen
Sei mir willkommen, auf Besuch
In neuen Freiluft-Hallen
Tanz mir den Tanz der in dir tanzt
Er hat mir so gefallen

Und wenn du dann bereit dich fühlst
Dann öffnen wir die Dämme
In uns, um uns, tränken unsere Welten
Ach, wenn es doch gelänge!
Die Dämme warn mal notwendig
Wir konnten noch nicht schwimmen
Haben wir uns nun genug geübt
Der Angst zu entrinnen?

Lass uns hoffen, dass es reicht
Komm, wir gehen schwimmen

Wohin mit dieser Wahrheit
Die dem Widerspruch entsprungen
Die im Kampfe hart errungen
Und den Sieger isoliert
Wohin mit diesem Streben dann
Auch von dem Preis zu geben
An Augen, Ohren, bebend Herz
Bereit zu stellen sich dem Schmerz?

Wohin mit dieser Wahrheit
Wenn die Orte sich verweben
Rote Fäden sich ergeben
Während Konsens sich verliert

Wohin mit dieser Wahrheit
Deren Macht sich Reiche beugen
Oft verschlungen ihre Zeugen
Macht nur aufzeigt, niemals gibt

Wohin mit diesem Streben
Ganz in Wahrheit aufzugehen
Wenn im Widerhall der Sprache
Lärm aus Worten Laute formt
Bis selbst auf Lauten folgt nur Stille
Jedes Streben sich entwinde
Endlich auch Wille gibt sich auf
Ein letzter, erster Schrei – horch auf!
Erschüttert wird der Welten Lauf
Wo Angesicht zu Angesicht
Endlich von Wahrheit leuchtend spricht
Welch fröhlich Ton im Beisein schwingt
Wenn Schmerz, die Angst vor Todgeburt
Erst glücklich überwunden
Wo wahre Worte Frieden künden

Wohin mit dieser Wahrheit, fragst du
Müde des Ertragens Pflicht
Sie stoße, dränge, forme dich
Denn wenn erst sie gut Platz gefunden
Und feierlich entbunden
Den Träger des Ertragens Pflicht
Trotz aller Qualen der Geburt
Wird dir nicht fehlen ihr Gewicht
Zu stützen und zu leiten dich

So sei sie dir manch guter Freund
Solange sie dich bürde
Wohlan nun, Krieger, ohne Scheu
Verfechte sie mit Würde

Und gegen Ende zu
Da pflegt man sich zu fragen
Ob nicht der Rucksack gar zu schwer
Ihn voller Hast zu tragen

Dann bleibt am Rande Schritt für Schritt
Was einst noch schien so wichtig
Und statt es vollen Rucksack’s Ziel
Wird Ziel nun was ist richtig

Beginnt die Zeit der Ernte doch
Was immer man gesät
An Freude, Hass und and’ren Tand
Reich Früchte nun es trägt

So wünsch ich, Wanderer auf Zeit
Dir Kunst, Geschmack und Seele
Und wenn manch Frucht auch bitter schmeckt
Dass du dich nicht dran quälest

Mensch wandert manchen finstr’en Ort
Auch du hast’s nicht vermieden
Schau nur getrost dein Leben’s Werk
Ich hoff, du bist zufrieden

Farben segeln um uns nieder
Das Leben gibt und nimmt rasch wieder
Was gestern war, wird morgen sein
Der Halt am Jetzt gebiert die Pein
Erfreu dich an der Farben Pracht
Das Ende naht, es naht mit Macht
Ein Anfang bricht in deinen Raum

Weiße fällt, wirbelt uns nieder
Wir sammeln uns, wir singen Lieder
Dunkel wird‘s, die Flammen brechen
Nun möge sich der Sommer rächen
Beizeiten sind wir hoch geflogen
In alle Winde wir zerstoben
Sieh!, nun schwindet letzter Halt

Neckisch Kitzeln, sanftes Regen
Es streckt sich, weitet sich das Leben
Unter Decken, unterm Grund
Wächst die Sehnsucht nach dem Und
Nach dem Mehr hinter den Zeilen
Forsch und ungezwungen eilen
Federn über leeres Blatt

Nun komm‘n wir an, nach alter Weise
Der Sonne  Wärme trägt uns leise
Ins Schattenspiel, naiv wir sind
Glaub‘n, wir wär‘n für immer Kind!
Und die Schatten würd’n schwinden
Wenn wir nur die Augen binden
Wenn wir warten nur auf Morgen
Wird Kummer fern sein, fort die Sorgen
Ein‘ Sommer lang! Soll es nur halten
So viel Müh, nun lass verwalten
Halten, greifen sie, bewahren
Und wenn es auch nur Schatten waren

Rhythmen ziehen ihre Kreise
Bald schon wird es wieder leise
Freude, Schmerz, vergeblich Ringen
Entfernt noch in Erinn’rung klingen
Vom Streben bleibt nur Schall und Rauch
Lass ziehen, Kind, lass ziehen!
Den Schmerz, den jedes Ende braucht
Wenn Anfang bricht in deinen Raum

Wie schnell es manchmal gehen mag
Die Fragen falsch zu stellen
Was hell ist, zu ergrellen
Bis blind wir alle sind
Die Namen sind gerufen
Sie fühlen sich berufen
Und geben ihren Rat

Wie schnell es manchmal gehen mag
Die Liebe wirft schon Schatten
Kalt, kälter wird der Atem
Wir bauen Kathedralen
Herrlich auszumalen
Kommen feierlich, zu beten
Geh‘n leise, schuldig, und betreten
Wir wohnen  nicht mehr hier.

Wie schnell es manchmal gehen mag
Sich völlig zu verlieren
In zweien, dreien, vieren
Bis einsam wir uns wiederfinden
Erinnern uns der Lieder
Doch die Herzen schweigen wieder
Hat wohl nicht sollen sein

Wie schnell es manchmal gehen mag
Sich Zukunft auszumalen
Mit Worten, Geist und Zahlen
Sich in Zukunft zu verlieren
Nur Vergangenheit zu spüren
Hör die Gegenwart, sie spricht:

Halt ein, du Wanderer auf Zeit
Lass hinter dir der Zukunft Eitelkeit!
Hör, was mein Moment dir spricht
Getrau dich, schau mein Angesicht!
Ich bin die Wahl, die du gern fliehst
Bin Potential, das du nicht siehst
Der Mensch – ein Läufer – läuft geschwind
Was kümmert’s ihn, wohin er ging?
Nun, wenn er will, so soll er leiden
Wer bin ich, Mensch, ihn dir zu neiden
Den Augenblick, den ich dir schenke
Nütz ihn, lass ihn, fühle, denke –
Schenke, teile, liebe, gebe
Ruhe, schlafe, müh dich, strebe
Am Ende: alles einerlei
Irgendwann bin ich vorbei

Wie schnell es manchmal gehen mag
Für einen Augenblick zu spüren
Was für Leben wir so führen
Welche Opfer wir erbringen
Welch‘ Gefühle wir bezwingen
Weil wir glauben, dass wir sollten
Vielleicht auch glauben, dass wir wollten
Hab‘n wir uns doch “längst entschieden”
Und so geschickt den Augenblick vermieden

Wie schnell es manchmal gehen mag
Die Fragen neu zu stellen
Und bangend Herzen zu erhellen
Das Licht zieht Motten an
Sie fühlen sich berufen
Solch Liebe zu verfluchen
Und geben ihren Rat
Doch Liebe ist und bleibt
Ein Akt der wiederkehrend Tat

Ich habe deine Meinung angehört.
Ich habe deine Bücher gelesen.
Dann habe ich darüber nachgedacht.

Ich habe mich an neuen Erkenntnissen erfreut.
Ich habe über alte Wahrheiten gelächelt.
Dann habe ich Ehrfurcht erfahren
Vor der Anmut und Unendlichkeit des Lebens.

Doch deinen Glauben anzunehmen
Dafür erschien es mir noch zu früh
Ich hoffe, du verzeihst –
Wir leben noch.

 

Ich habe deinen Körper berührt.
Ich habe die Süße deiner Lippen gekostet
Dann war ich voller Glück.

Ich habe deine Formen nachvollzogen.
Ich habe deinen Splitter des Immerwährenden erkannt.
Meine Seele dehnte sich, bis sie auf die deine traf
Und für einen Moment waren wir zuhause

Doch deine Angst und Heilmittel anzunehmen
Ward mir in meiner Seele verboten
Ich hoffe, du verzeihst –
Wir leben noch

 

Ich bin stundenlang durchs nasse Gras gelaufen.
Ich habe zwei Tage im Bett verbracht.
Dann habe ich mich wieder gespürt.

Ich habe mich an deinem Lächeln erfreut
Ich habe das Glück der Welt in Händen gehalten
Es umgedreht, und sodann, beschwert vom Unglück
War für einen Moment ein stabiler Mittelpunkt zu finden

Doch zu verweilen an jenem Punkt der Stille
Mehr als einen Augenblick…
Ich hoffe, du verzeihst –
Wir leben noch.

 

Ich habe Jahre nach dir gesucht.
Ich habe dich jahrelang gefunden
Bis ich dich endlich erkennen konnte.

Ich habe mir so lange die Seele aus dem Leib gesungen
In der schallgeschützten Kammer meines Körpers
Du hast ihm die wahrhaftigen Töne entlockt
Und sie mit den deinen veredelt.

Froh locken, laden wir nun also die Welt zum Fest der tanzenden Seelen.
Verängstigt droht sie uns mit dem Unglück, das man gegen uns führen könnte.

Doch so sehr sie sich mühen, die Hüllen zu verletzen
Das Wahre kommt nur umso rascher ans Licht
Wir hoffen, sie können verzeihen –
Wir leben noch

 

Und wenn der Tag kommen wird
An dem die Endlichkeit in mein Leben tritt
Werde ich ihr gegenübertreten können.

Sie wird mit mir sprechen wollen.
Sagen, Aus! Nun ist es zu Ende!
Fragen, Hast du denn wahrhaftig gelebt?

Dann werden wir ihr sagen können: Ja!
Wir haben das Unverzeihliche gewagt:
Wir haben wahrhaftig gelebt.

Mal wieder ein kleines Gedicht zur Abwechslung, nachdem ich die letzten Tage vergeblich versucht habe, eine Geschichte zusammenzubringen, die meinen Ansprüchen genügt hat. Es ist gut, die (freiwillige) Verpflichtung eingegangen zu sein, wöchentlich zu veröffentlichen, sonst hätte ich mich diese Woche wohl gerne davor gedrückt. Dämlicher Perfektionismus, der zu Schreibblockaden führt! Viel Freude mit dem Gedicht!

An Alphabeten:
Eure Lettern vergehn!
An die Besser-Wisser
Die ihr glaubt, zu verstehen:
An die, die Freude finden, Alphas anzubeten
Omegas zu zertreten, die ihr erwartet Propheten
Um sie zu fragen: „Was tun?“
Nun, lebt! Liebt! Leidet! Verzeiht!
Es ist an der Zeit, es ist eure Zeit!
Die vergeht, die verrinnt, ob ihr weint oder lacht –
Die einzige, die euch verbleibt.

Hört auf, euer Leben in Büchern zu suchen
Die andere für euch geschrieben
Hört auf!, euch zu beneiden
Leben ist Lieben– Leben ist Leiden.
Leben ist Lernen, sinn-erfassend lesen.
Sucht den Sinn! Oder seid sinnlos gewesen.
Welch fester Anker, wenn der Sturmwind weht
Sinn: letzte Antwort auf jedes Gebet
Das sonst da nur fraget: Wann?
Wann wird er kommen, mich zu freien
Der Mann in Schwarz, mich zu befreien?
Wann wird er bringen süßes Glück
Und was nur: Was? Was bleibt einst zurück?

Du fragst nur: Wann?, und betest flehend,
Liest Bücher und Welten, und doch nicht verstehend,
Dass die Welt aus Zwei bestehend,
Die am Ende scheinen gleich, und -gültig,
Bis ein neuer Anfang eilt herbei,
Aus dem Einen wieder Zwei,
Dann Drei und die Zehntausend werden,
Doch selbst Zehntausend müssen sterben,
Werdn’s Einer, Zwei, Zehntausend erben?

Ein Lied ertönt nun, liebestrunken
Und ruft das Reich, das einst versunken.
„Atlantis!“, rufst du, reich belesen
In was noch komme, was gewesen
Und irrst doch! Tragisch irrt dein Wesen
Wie recht du hast! Geschrieben steht
Was einst wird kommen, früh vergeht
Doch irrt der Narr, der glaubt, versteht
Zur Zukunft brauchts zukünftig Alphabet.

Oh Mensch, bedenke, wo du stehst
Woher du kommst, wohin du gehst
Drehst dich immerfort im Kreise
Und wirst doch niemals wirklich weise.
Ein Narr!, wer glaubt einst zu verstehn:
Wir sind und bleiben Analphabet
Wie alles ist, das noch erbebt
Sind Bücher mit noch leeren Stellen
Hab’n Tinte auch, um sie zu füllen.
Bevor wir sie dann dereinst schließen
Gibt’s noch so viel zu genießen
Nur schreibend lernen wir zu lesen
Geschichte eines Lebens:
Das wäre sie gewesen.
Sterbend erst –
Werden wir sie lesen.

Diese Woche gibt’s als Weihnachts-Special mal einen etwas längeren Text – und zwar ausnahmsweise mal in Gedichtform. Ich wünsch euch allen ein paar gemütliche und geruhsame Tage und möchte die Gelegenheit nutzen, mich bei meinen fleißigen Lesern für ihre Treue zu bedanken 🙂

Von draust, vom Walde, komm ich her
Und würd euch gern sagen, es weihnachtet sehr
Doch nicht viel verspür ich von der Weihe
Nicht viel erblick ich von der Nacht
Wohl seh ich nur was gut gedeihe
Was jener Nacht nicht angedacht
Zur Wein-Nacht flattern plötzlich Briefe
Zu lesen gibt’s, dass alles liefe
Wenn wir nur geben klein Betrag
Damit ein Kind auch sehen mag
Viel sieht das Kind dann, nur kein Brot
Sieht Hunger, Elend, sieht die Not
Was nützt mir schönstes Augenlicht
Wenn mir dafür die Hoffnung erlischt?
Wenn sehen kann ich Zukunft keine
Wohl seh ich Zukunft, nur nicht meine
Wenn andere mich nur sehn zum Feste
Nur dann sich ‘rinnern meiner Rechte
Nun hunger’ ich, doch sehend Auges
Und wieder bleibt mir nur der Glaube
Die Armen sind’s, die wacker beten
Und schaudernd noch die Kirch’ betreten
Die Reichen beten an das Golde
Wie kostbar wirkt es doch, das Holde!
Wie es schimmert, wie es lacht
Gott ist tot!, es leb die Macht!

Und wäre Gott, wärn wir wohl Sünder
Und wär Gott nicht, wärn wir‘s nicht minder
Schuldig an den jungen Seelen
Die wir Toren endlos quälen
Die Kinderaugen sollen lachen,
Über all die neuen Sachen
Mit Tränen müssen sie bezahlen
Jene, die in ständig Qualen
Schuften, fliehen, kämpfen, morden
Gegen übermächt’ge Horden
Geg’n Interessen, Zahlen, Konten
Wir noch kein’ Arznei gefunden
Füllt Säcke voll mit schönen Sachen
Die arme Leut’ noch ärmer machen

Von drausd, vom Walde, kam ich her
Und muss euch sagen, der Wald ist nicht mehr
Was war, ist vergangen und was ist wird vergehn
Ihr Menschen, ihr Menschen, wann wollt ihr verstehn
Dass Macht ist nicht Freibrief und Freibrief nicht Macht
Dass Macht missverstanden keine Freude euch macht
Ich kam aus dem Nichts und bracht Gaben euch mit
B’reit Liebe, Hoffnung, Demut dem Tisch
Doch ihr wolltet nur spielen, und jedes Jahr weiter
Man möchte meinen, das Leben macht g‘scheiter
Und doch sind sie Toren, belieben zu prassen
Mit Geld, mit Sachen, die Kinder zu b’spassen

Wär‘s Frieden!, wär Frieden wohl mehr als ein Wort
Es trüg auf Schwingen mich alsbald hinfort
Doch scheint es wohl nichts als ferner Traum
Es findet die Zeit nicht, findt keinen Raum
Und so komm und geh‘ ich, stets verkündend
Was sich doch am End‘ nie findet
Des Heilands Ankunft, Heil auf Erden
Müsste doch ein jeder werden
Müsst ein jeder doch erwägen
Was es heißt, sich zu ergeben
Jenem solch erhabnem Geiste
Der einst etwas Großes leiste
Der dem Frieden schenke Schwingen
Und das Gute lässt gelingen

Jenen Geist, den ich einst brachte
Der die Menschen glücklich machte
Diesen spüre ich noch wieder
Wenn ich höre Kinderlieder
Wenn Kinderaugen, voll Vertrauen
In all dem Tand den Geist noch schauen
Wenn sie lieben, herzen, lachen
Alsbald tanzen, Luftsprüng‘ machen
Und selbst die Alten sich erinnern
Wie es einst war, als sie noch jünger
Als die großen Kinderaugen
Einst den großen Geist noch schauten

Und wenn ‘ne Träne dann sich bildet
Sie rasch alsbald verschwindet
Wenn die Erinn‘rung wird zur Pein
Zur guten Feier – schenkt den Wein
Damit, zum Morgen, wir vergessen
Was schmerzt, war doch nur zu viel Essen
Und niemals wolln wir uns erinnern
An das, was – wissen wir – viel schlimmer
Den Geist der Weihnacht, der geboren
Hab’n wir wohl alle längst verloren
Er kam, er ging, wer hats bemerkt?
Vorüberging’s, das große Werk

Von drausd, vom Walde, kam ich her
Und hab‘ euch nichts zu sagen mehr
Der Wald ist weg, der Geist vertrieben
Ich wünscht, ich könnt noch jemand lieben
Doch komm ich aus zu fernen Landen
Als dass sie mich wohl würdig fanden
Woher ich kam, dort kehr ich wieder
So singt nur eure alten Lieder
Erinnert euch, was einst geschah
Haltet doch nur dies für wahr
Erinnert dem, was einst geschrieben
Vergesst, verleugnet, was vermieden
Und doch verlangt von jedermann
Auf dass der Fried’ uns finden kann

Von drausd, vom Walde, kam ich her
Und trag an meiner Wahrheit schwer
Dass Frieden sei so leicht errungen
Wenn wir nur verzeihn die Wunden
Die geschlagen wir in Ohnmacht
Das Leid ist dort wohl rasch vervielfacht
Wo Böses glauben wir zu wittern
Anstatt zu staunen, statt zu zittern
In stummer Anbetracht von Leben
Das so reichlich uns gegeben
Es schenkt uns Freude, schenkt uns Leiden
Keines lässt sich leicht vermeiden
Es schenkt uns Zeit, damit wir lernen
Uns voneinander nicht zu ‘ntfernen
Vielleicht wir lernen, uns zu lieben
anstatt uns täglich zu betrügen
Dass der Mensch sei bös im Kern
Dann ist der Frieden nicht mehr fern
Der Mensch, der an den Menschen glaubt
Dem seien große Wunder erlaubt
Das Wunder gar, Liebe zu geben
Und Liebe selbst noch zu erleben

Nun hab’ ich doch noch viel gesprochen
Und hab‘ doch dabei nichts verbrochen
Was ich erzähl seit Tausend Jahr
Das bleibt auch nächstes Jahr noch wahr.
Und mit den Jahren, die vergehn
Vielleicht wird Mensch sich selbst verstehn.

Niklas

Diese Geschichte hatte ich einst für eine Schulstunde über Muttertagsgedichte in der Schulpraxis geschrieben. Die Kinder liebten sie, und auch einige meienr Kollegen haben sie bereits mit grossem Erflg verwendet. Vorgetragen habe ich sie mit Hilfe kleiner Figuren. Die jeweiligen Gedichte sind nach Belieben austauschbar, habe sie aber zum besseren Verständnis wie im Original belassen. Ihr findet sie alle im Internet.

Das große Schaf ist die Mama vom kleinen Schaf. Zusammen gehen sie immer auf die Weide und fressen gemeinsam Gras. Manchmal spielen sie auch Schaf-verstecken. Das ist ganz ähnlich wie das Verstecken-Spiel, das die Menschen-Kinder oft spielen. Aber wenn sich ein Schaf in einer ganzen Herde Schafe versteckt, dann ist es gar nicht so leicht zu finden. Aber das große Schaf ist die Mama vom kleinen Schaf, und es hat das kleine Schaf sehr lieb. Auch wenn das kleine Schaf noch so gut versteckt ist, findet es das große Schaf immer. Mama-Schafe spüren nämlich, wo ihre kleinen Schafe sind, weil sie sie so gerne haben. Und spätestens, wenn die Sonne langsam untergeht und es dunkel wird, kommt das kleine Schaf von selbst ganz müde herangetapst und kuschelt sich in die weiche Wolle vom großen Schaf. Dann schläft es ganz beruhigt ein, weil es beim Mama-Schaf so gemütlich ist.

Jetzt hat das kleine Schaf neulich gehört, dass bald ein besonderer Tag für das große Schaf ist: Schaf-Mama-Tag. Da sind alle kleinen Schafe besonders nett zu den Mama-Schafen und bringen meistens sogar etwas mit, zum Beispiel ein besonders saftiges Stück Gras. Aber die anderen kleinen Schafe haben schon die ganze Weide abgegrast und es kann, weil es noch ein ganz kleines Schaf ist, noch nicht so weit laufen, dass es noch ein besonderes Gras findet.

Aber dann hat es eine Idee: es wird ein Gedicht lernen und dem Mama-Schaf sagen. Dann wird sich das Mama-Schaf besonders freuen! Aber wer kennt ein Gedicht?
Das kleine Schaf macht sich auf den Weg, um ein Gedicht zu suchen. Es trifft einen kleinen Jungen am Zaunrand. Der erzählt ihm ein Gedicht:

Von allen Müttern auf der Welt
ist keine, die mir so gefällt
wie meine Mutter, wenn sie lacht
und wenn sie mir die Tür aufmacht.
Auch wenn sie aus dem Fenster winkt
und mit mir radelt, mit mir singt,
wenn sie auf meinem Bettrand sitzt,
solang es donnert oder blitzt,
und wenn sie sich mit mir versöhnt,
bei einer Krankheit mich verwöhnt –
ja, was sie überhaupt auch tut,
ich mag sie immer, bin ihr gut.
Und hin und wieder wundert’s mich,
dass wir uns fanden – sie und ich.

Außerdem erklärt er dem Schaf auch, dass es beim Vortragen auf einige Dinge achten sollte (Betonung, Deutlichkeit, Geschwindigkeit, Pausen). Aber das Gedicht ist sehr lang und das Schaf ist noch sehr klein, es ist schwer zu merken. Also sucht das Schaf weiter.

Es trifft eine Henne. Die Henne erzählt ihm auch ein Gedicht:

Meine liebe Mutti du,
ich will dir etwas schenken.
Was ich dir sagen will dazu,
das kannst du dir schon denken:
Ich wünsch dir Glück
und Fröhlichkeit,
die Sonne soll dir lachen!
So gut ich kann und allezeit
will ich dir Freude machen.

Das ist ein schönes Gedicht! Aber das kleine Schaf ist noch nicht zufrieden und sucht noch weiter.

Die Sonne scheint sehr heiß. Da kommt dem Schaf eine Idee: die Sonne scheint sicher oft, wenn andere Schafkinder ihren Schaf-Mamas Gedichte erzählen, vielleicht hat ja die Sonne von einem schönen Gedicht gehört? Die Sonne sagt ihm auch ein Gedicht:

Jeder Strahl hat eine Sonne,
jede Sonne einen Strahl,
und wir wünschen unserer Mutti
Sonnenstrahlen ohne Zahl.

Jeder Stern hat einen Himmel,
jeder Himmel einen Stern,
und wir haben unsre Mutti
über alle Sterne gern.

Jede Katze hat ein Kätzchen,
und das Kätzchen sagt “Miau”!
meine Mutti ist die Beste,
und das weiß ich ganz genau!”

Es ist schön, aber das Schaf kann es sich auch nicht so richtig merken.

Dann trifft es einen kleine Kuh, die ganz stolz ist, weil es schon ein Kuh-Mama-Tags-Gedicht auswendig kann. Ganz stolz trägt sie es vor:

Bring Blumen getragen,
kann noch nicht viel sagen,
lieb´ Mütterchen mein,
du weißt´s ja allein.
Doch küss ich dich,
herzlich und froh,
nicht wahr:
du verstehst mich auch so!

Aber das arme kleine Schaf hat sich keines der Gedichte ganz merken können! Da trifft es einen Hasen und bittet ihn um Rat. Der hat auch noch ein Gedicht für unser Schaf.

Weil Du die beste Mutter bist,
schenk’ ich Dir Schokolade.
Und wenn Du sie alleine isst,
dann finde ich es schade!

Hmm, das ist mal ein kurzes Gedicht! Aber das große Schaf mag Schokolade gar nicht so gerne.

Das kleine Schaf überlegt lange, dann hat es einen Einfall: es wird dem großen Schaf einfach sagen, wie lieb es das große Mama-Schaf hat! Das ist das schönste Gedicht!, denkt sich das kleine Schaf und läuft schnell zum großen Mama-Schaf.

Was soll ich dir sagen?
Ein langes Gedicht?
ICH HAB DICH LIEB!
Mehr weiß ich nicht!

Das große Mama-Schaf freut sich sehr über dieses schöne Gedicht und das kleine Schaf freut sich, dass sich das große Schaf freut. Sie spielen noch ein wenig miteinander und dann kuschelt sich das kleine Schaf in die weiche Wolle vom großen Schaf. „Ich hab dich auch lieb!“, sagt das große Schaf zum kleinen Schaf. Aber das kleine Schaf hört es schon gar nicht mehr. Es ist schon längst eingeschlafen und träumt einen wunderschönen Schaf-Traum.