Nun war es also soweit.
Nach all den Jahren, in denen sie sich doch mit einer gewissen Regelmäßigkeit getroffen hatten, war es immer schwieriger geworden, noch Zeit füreinander zu finden. Man war umgezogen, hatte geheiratet, war Vater oder Mutter geworden, und auch im Allgemeinen ein anderer Mensch. Noch war ein Rest lebendig von jener wunderbaren Anziehungskraft, die sie alle einst vereint hatte, von der Wurzel der liebgewonnen Traditionen. Doch mehr und mehr wurde fühlbar, dass irgendetwas seltsam hohl geworden war, die realen Erfahrungen den freudigen Erwartungen an die Zusammenkünfte nicht mehr genügten.
Endlich wieder ein Spieleabend. Und am Ende dann doch nicht, ein müder Abklatsch alter Traditionen. Spiele waren genügend vorhanden, auch die Menschen hatten sich versammelt, doch gespielt wurde immer weniger.

Und dann hatte er zufällig den anderen alten Freund wiedergetroffen, an den er Tage zuvor oft mit Wehmut gedacht hatte. Auch mit ihm verband ihn die Erinnerung an andere Zeiten, als sie noch zu dritt beinahe jeden Tag miteinander verbracht hatten. Spielend, erforschend die Welt mit lockeren Lachmuskeln und dem Gefühl, die Welt stände jenen offen, die sich an und in sie wagten. Auch heute noch kamen sie hin und wieder zusammen, aßen gemeinsam und erzählten sich von früher, als alles noch anders war. Doch die Frequenz ihrer Zusammenkünfte hatte sich verändert. Anstatt beinahe täglich trafen sie sich nun nur noch etwa alle 2-3 Monate. Und ohne große Überraschung stellte er fest, dass es nicht daran lag, dass sie alle zu viel zu tun hatten. Sondern daran, dass sie sich anders als früher kaum mehr etwas zu sagen hatten.

War dies also der natürliche Verlauf menschlicher Beziehungen? Man lernte sich kennen, erfreute sich eine Zeit lang aneinander, bis man sich auseinanderlebte? Die Erfahrung schien die These zu bestätigen, und doch wehrte sich ein Teil von ihm dagegen, dies als absolute Wahrheit zu akzeptieren. Denn er hatte auch Ausnahmen von der Regel erlebt, und erlebte sie auch heute noch immer wieder. Was unterschied jene Ausnahmen also, und war es möglich, aus den Ausnahmen die Regel zu machen?

Eine alte Bekannte durchbrach seine Gedankenspiele mit einem Lächeln, setzte sich zu ihm. Immer schon hatte er eine Verbindung zu dieser Frau gefühlt, wann immer er sie erblickt hatte, aber nie war es zu mehr als kurzen Gesprächsfetzen gekommen, begleitet von einem losen Gespür für das Potential einer tieferen Verbindung. Doch dieses Mal war es anders. Rasch war die Musik des Lokals in den Hintergrund getreten, und Stunden später fand er sich in tiefem Austausch von Seelen wieder, der ihm eine Antwort auf die Frage schenkte, die ihn so beschäftigt hatte:

Der Spieleabend, das war eine nützliche Form gewesen, die sich mit der Zeit herausgebildet hatte, um dem lebendigen und wertvollen Kontakt, der ihm vorausgegangen war, auch im Alltag zu stützen. Über lange Zeit hatte er seine Funktion erfüllt, aber nun, beinahe 10 Jahre später, waren sie der Form entwachsen wie Kinder ihrer Kleidung. Vielleicht war es an der Zeit, ihn als nicht mehr passende Form aufzugeben, und eine neue, passendere Form zu finden. Denn die Essenz ihrer Verbindung, die Vorfreude auf ein Wiedersehen, eine Erneuerung des Kontaktes, war noch immer spürbar.

Ja, nun war es also soweit, das Alte sterben zu lassen, um neue Formen zu gebären.
Zeit, sich wieder mehr von dem inneren Ja leiten zu lassen, das doch die Urmutter jenes Kontaktes gewesen war.

Es ist lange her, dass ich zuletzt geschrieben habe. Zu lange. Ich habe dich vermisst, Gegenüber aus Papier, so formvollendet weil formlos, so voller Potential und doch so leer. Ich habe von dir gelassen, weil ich „etwas aufbauen“ wollte, wenn-dann-richtig-schreiben, mit Sinn, mit Fokus auf eine möglichst gewisse Zukunft. Habe verdrängt, dass Geschichten Wort für Wort errungen werden. Dass das Erleben flüchtig ist und nur die Rückschau bleibt. Die Zukunft aber ist stets ein unbeschriebenes Blatt.

Es tut bisweilen gut, sie sich auszumalen, sie zu konzeptualisieren, solange noch Platz übrig ist sich zu entfalten, an letzten Schräubchen zu drehen, wenn der Moment heranbricht. Nicht nur noch „abzuleben“, was längst definiert und mehrseitig abgesegnet wurde. Immerhin war es ja mal gut, wie kann es da misslingen? Ha!

Und dann habe ich dich getroffen, und du bist in mein Leben geflossen. Sanft, auf Umwegen, irgendwie oft meilenweit entfernt, und doch immer dabei. Ich habe dich geliebt, und ich wollte, konnte dich nicht gehen lassen, selbst dann, als es notwendig erschien. Ich wollte die Kraft aufbringen, dich lieben zu können, auch wenn es meine Grenzen sprengte. Du hast mich nie darum gebeten, dies zu tun, und ja, es ist unfair, dir vorzuwerfen, was doch meine Entscheidung war. Ich hätte auch gehen können, vielleicht auch sollen. Wäre das „authentischer“ gewesen, wie du das gerne zu nennen pflegst? Manchmal ist zu gehen schwieriger als zu bleiben.

Es ist nur dann auch schön, nicht einsperrend, wenn eine solche Verbindung als Geschenk gemeint ist, hast du gesagt. Wahrscheinlich meinst du damit sinngemäß „bedingungslos“. Das war es, immer. Irgendwann jedoch überstieg die Überforderung meine Kräfte. Ich wollte dich nicht hängen lassen, blieb für dich da, so gut ich es vermochte. Und mit dem Schwinden meiner Kräfte erwachte plötzlich ein neues Bedürfnis in mir: gesehen werden. Gewertschätzt für das, was ich aus Liebe versucht habe zu leisten, was ich war und geworden bin. Nicht als Bedingung meiner Liebe, nein! Als unabhängiges Bedürfnis, im Außen als wertvoll erlebt zu werden, und auch mich selbst lieben zu lernen.

Leider fehlt mir darin die Übung. Ich habe in meinem Leben viele komplizierte Mechanismen entwickelt, um mich dem tiefsten Kern nicht stellen zu müssen. Um dorthin vorzudringen, muss ich vorher erst die ganzen Schutzvorrichtungen darüber abbauen. Wer werde ich danach noch sein? Werde ich am Ende dieses Weges noch ein Dach über dem Kopf haben, noch erkannt werden von Freunden und mir selbst im Spiegel? Wer hätte noch Respekt vor mir als Landstreicher, als Sonderling, als der, der sich womöglich zeigen mag?

Ach, würde ich mein Leben leben ohne Hemmungen, so würde ich schreiben, schreiben, schreiben, nicht nur in den Pausen, die die Hülle meines äußeren Lebens mir lässt. Ich würde die Welt so richtig auflaufen lassen an mir, mit all ihren projizierten Bedürfnissen und Formen. Die größte Angst, so wird mir immer mehr bewusst, ist die, uns am Ende allein zu finden. Was, wenn wir irgendwann so ungefiltert wir selbst sind, dass wir uns gegenseitig nicht mehr ertragen können? Können wir dann die alten Masken wieder aufsetzen? Tun, als wäre nichts gewesen, als hätten wir uns nicht längst bereits geschaut?

Deshalb der Spagat von Jetzt-Welt und Verlangen. Deshalb die Worte, die ich nur schreiben kann, niemals aber sprechen. Auf Papier machen sie mich ganz, ausgesprochen bergen sie zu großes Risiko. Ich denke, ich wär vielleicht sogar eine schöne Zumutung. Allein, mir fehlt noch der Mut.

Warum existiert Mobbing? Was verbindet den Faschismus im Kern mit dem Kommunismus – und mit der Mafia? Warum hat die FPÖ in den letzten Jahren mehr und mehr Zulauf in Österreich? Und warum wiederholt sich – wie viele nun erneut befürchten – eigentlich die Geschichte so gerne und oft? Eine Betrachtung anhand zweier interessanter Muster in sozialen Systemen.

Die Antwort auf die letzte Frage ist meiner Meinung nach am einfachsten zu geben: weil wir uns soziales Geschehen traditionell sehr mechanisch erklären. Ein Akteur oder mehrere wenige treiben den Lauf der Geschichte voran, der Rest reagiert darauf, etwa: „Adolf Hitler war der Grund für den Faschismus“. In meiner Schulzeit wurde mir das sinngemäß so erklärt. Oder umgekehrt: hätte es ihn nicht gegeben, wäre es nie zu all dem gekommen.

Ja, ich wars! Ganz alleine habe ich die Welt überwunden! Muahaha!
(kurze Zusammenfassung des an Schulen vermittelten Geschichtsbildes)

Wäre es tatsächlich so, wäre alles, was nötig ist, eine Wiederholung zu verhindern, Ausschau nach sich ähnlich verhaltenden Menschen zu halten und diesen tunlichst keine Bühne zu geben. Ich glaube jedoch, dass es damit nicht getan ist. Auch wenn viele möglicherweise den Kopf schütteln mögen ob dieser Aussage: ich glaube, Adolf Hitler war in gewisser Hinsicht Symptomträger eines bestimmten sozialen Musters. Er war mit Sicherheit ein besonderer Mann mit besonderen Eigenschaften, die ihn zu seiner Zeit zu dem werden ließen, der er später wurde, und ich möchte ihn nicht von seiner persönlichen Verantwortung freisprechen. Aber ohne die ganz bestimmte Umgebung, mit der er in Wechselwirkung stand, wäre ihm nicht möglich gewesen, was ihm möglich war.

Wenn wir also verhindern wollen, dass sich die Geschichte wiederholt, müssen wir neben ihm als Symptomträger auch die Umstände und sozialen Muster betrachten, die in Wechselwirkung mit seiner individuellen Person hervorgebracht haben, was wir zu verhindern suchen. Mir ist klar, dass die Sichtweise, wir wären alle Opfer gewesen, in der Nachkriegszeit vor allem für Österreich einen enormen Wert hatte, weil sie zu einer besseren Behandlung durch die Siegermächte führte. Aber sie verstellt nun, Jahrzehnte nach dem Geschehen, den klaren Blick auf die Anfänge, und bereitet damit den Nährboden für einen Neuanfang mit.

Was aber hat nun ein Adolf Hitler und der Nationalsozialismus mit Mobbing zu tun? Um dies zu verstehen, müssen wir eine grundlegende Unterscheidung zwischen zwei Arten sozialer Systeme verstehen: Familien-Systeme und Rechts-Systeme.

Was ist ein Familien-System?

“Den Charakter und Wert des Menschen erkennt man, wie jeder weiß, unfehlbar an der Form seines Kopfes.”

Ein Familien-System schreibt seinen Mitgliedern implizit vor, wie sie sich zu verhalten haben. Das Wir-Gefühl wird durch Gleichheit im Sein und Verhalten angestrebt. Verhält sich jemand anders als erwartet, ist die Konsequenz unklar, und meist je nachdem um wen es sich handelt unterschiedlich. Entweder wird Druck auf denjenigen ausgeübt, sich wieder den anderen anzupassen, oder Druck ausgeübt, die Gruppe zu verlassen. Es gibt häufig interne Machtkämpfe darüber, wer die Gruppen-Normen definiert.

Familien-Systeme haben den Vorteil, dass sie Menschen, die sich ohnehin ähnlich sind, gut zusammenschweißen und zu gemeinsamen Leistungen anspornen können. Weil Abweichungen von der Norm nicht geduldet werden, sind Familien-Systeme jedoch nicht gut geeignet, um Innovation hervorzubringen.

Familien-Systeme entstehen überall dort automatisch, wo nicht bewusst Rechts-Systeme eingeführt werden, und auch dort, wo Rechts-Systeme zusammenbrechen.

Beispiele kennen die meisten aus dem persönlichen Umfeld, etwa in Teams oder einer Schulklasse. Ein weiteres sehr bekanntes und plakatives Beispiel ist z.B. die Mafia, die sich ja auch selbst den passenden Spitznamen „Familie“ gibt.

Was ist ein Rechts-System?

“Nicht töten, nicht verletzen, nicht stehlen, … ok, dann bin ich eben freundlich, das darf ich ja!”

Während im Familien-System implizit vorgeschrieben ist, wie man sich zu verhalten hat, ist in einem Rechts-System explizit festgelegt, wie man sich nicht zu verhalten hat. Im Staatswesen etwa bilden Gesetze einen Rahmen, innerhalb dessen man sich verhalten kann wie man es selbst für richtig hält – damit entsteht ein Spielraum möglichen Verhaltens und Raum für Diversität/Innovation. Bricht jemand diese Regeln, so ist klar definiert, was daraufhin passiert. Hat der Täter seine Konsequenz auf sich genommen, so ist seine Schuld getilgt, und ihm steht (zumindest in der Theorie) ein Neuanfang zu.

Ein Rechts-System funktioniert nur dann, wenn es ein Gewalt-Monopol gibt, und dieses auch gerecht und konsequent ausgeübt wird. Kommt es zu Ungleichbehandlung, oder schwindet das Vertrauen, dass Übertretungen geahndet werden, wird das Gewalt-Monopol in Frage gestellt. Es kommt zu Machtwechseln oder sogar zum Zusammenbrechen des Rechts-Systems selbst und zur Rückkehr zum Familien-System.

Beispiele sind Staaten wie Österreich, aber Rechts-Systeme können auch im Kleinen, etwa in Teams oder in Schulklassen errichtet werden, wie ich es mehrmals intuitiv an Schulen – ohne noch in diesen Begriffen zu denken – getan habe.

Ein weiterer interessanter Faktor: Familien-Systeme können innerhalb von Rechts-Systemen existieren, umgekehrt funktioniert dies jedoch – nach meiner Erfahrung mit dem Schulsystem – auf Dauer nicht so gut. Ein Rechts-System eröffnet einen Spielraum für Anders-Artigkeit, den ein übergeordnetes Familien-System nicht dulden kann.

Was hat das alles mit Mobbing zu tun?

“Da hält sich wohl jemand für etwas Besseres?!”

Sehr viel! Ich bin mittlerweile überzeugt davon, dass Mobbing als Phänomen eine mögliche natürliche Folge eines Familien-Systems ist. Ist eine Gruppe in einem Familien-System sich sehr ähnlich, so wird sie sich eher gegenüber einem anderen Familien-System im Außen abgrenzen (Fußball-Fanclubs sind ein gutes Beispiel dafür, oder auch “völkisch” geprägte Staaten). Ist sie jedoch sehr heterogen, ist die Konsequenz entweder ein mehr oder weniger offener Machtkampf um die Definitionsmacht der Normen – oder eben Mobbing: „Pass dich an oder verschwinde, damit wir alle gleich sein können“.

Wer dann jeweils tatsächlich Mobbing-Täter oder Opfer wird oder ob es stattdessen zum offenen Machtkampf zwischen Gruppen kommt, hängt wiederum viel mit individuellen Aspekten der handelnden Menschen zusammen. Aber in einem Familien-System, in dem Mobbing existiert, ist der Mobbing-Täter im Grunde meist nur Symptomträger einer tieferen Problematik. Wird der Täter dann zum Beispiel gekündigt, ohne ein funktionierendes Rechts-System aufzubauen oder die Gruppen so neu einzuteilen, dass sie tatsächlich homogen werden und relativ friedlich nebeneinander existieren können, wird es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit früher oder später wieder zu Mobbing kommen.

Mobbing und offene Machtkämpfe sind also dort an der Tagesordnung, wo eine unterschiedliche Gruppe von Menschen zusammenkommt und kein Rechts-System existiert. Und hat dort ein Ende, wo Führungskräfte ein solches etablieren und verteidigen.

Zurück zum Faschismus

Der Faschismus im letzten Jahrhundert war für mich, sehr vereinfacht ausgedrückt, die Folge des Niedergangs eines Rechts-Systems, das vielen verschiedenen Menschen und Kulturen unter einer Herrschaft ein Miteinander ermöglicht hatte. Die alten Monarchien fielen, den Menschen ging es schlecht, das Vertrauen in eine bessere Zukunft und eine politische Elite, die die Massen dorthin führen würde, schwand. Das Gewalt-Monopol wurde immer mehr unterhöhlt. Menschen ahnten, dass irgendetwas gehörig schief lief. Aber es war zu komplex, als dass jemand tatsächlich erklären konnte was und warum, und die Hoffnungslosigkeit stieg mit der Inflation tagtäglich.

“Also ich hätte da so eine Idee…”

Und dann plötzlich der Lichtblick: jemand hatte eine einfache Erklärung, die eine Rückkehr zur eigenen Handlungsfähigkeit versprach. Alles mag zusammenbrechen, aber ich kann etwas dagegen tun. Die Kommunisten entdeckten „die Reichen“ als den Grund aller Probleme, die Faschisten „die Juden“, und beide entdeckten, dass sie eine Masse und damit überlegen waren, wenn sie nur mobil wurden. Das Gewaltmonopol war bereits zum Teil unterhöhlt, und das „Mobbing“ der erklärten Zielgruppe begann. Wer andere verachtet und sich von ihnen abgrenzt, gewinnt dadurch praktischerweise noch an eigenem Identitätsgefühl hinzu, was zu diesen Zeiten zusätzlich ein Bonus war.

Und nachdem man erst einmal begonnen hatte und feststellte, dass das Gewaltmonopol des Staates keinen Widerstand mehr bot, stand der Massenvernichtung der „Anderen“ nicht mehr viel im Wege. Es ist bezeichnend, dass es ein gewissermaßen schleichender Prozess war, wie es auch in Gruppen in denen Mobbing existiert häufig ist.

Wenn wir an unserem mechanischen Weltbild festhalten, werden wir – wie es auch in der Medizin vorkommt – immer wieder Symptomträger eines Phänomens mit den tatsächlichen Ursachen verwechseln. Deswegen halte ich es für so wichtig, eine Sprache, ein Vokabular zu entwickeln, mit der wir diese tatsächlichen Ursachen auch beschreiben und verstehen können. Wir haben zwar zahlreiche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Psychologie, Soziologie, Systemtheorie etc., aber eine Verknüpfung dieser Erkenntnisse zu einer universalen sozialen Theorie, die auch für einen Laien ohne Supercomputer hilfreich sein kann, steht noch aus.

Die große Leistung eines Adolf Hitler war es, eine Erklärung für die Misere der Massen anzubieten und sie zum Handeln zu mobilisieren, während andere sich vor der Komplexität der Situation fürchteten und keine Alternative anboten. Wer verzweifelt genug ist, und er sieht nur eine einzige Handlungsalternative, der wählt diese, egal was die Konsequenz ist.

Wer eine „Wiederholung der Geschichte“ vermeiden will, sollte also meiner Ansicht nach lernen, komplexe soziale Systeme und ihre Zusammenhänge zu verstehen, um dort, wo „einfache Lösungen“ populär werden, eine Vertrauen erweckende Alternative parat zu haben, die nicht zur Katastrophe führt.

Zur „Lage der Nation“ in Österreich

“Ich bin für mehr direkte Demokratie!”
(solange wir mehr sind als die)

Warum hat die FPÖ in Österreich (und viele ähnliche „extremere“ Ausprägungen des politischen Spektrums weltweit) in Wahlen deutlich zugelegt? Ich glaube, das liegt daran, dass sie sich in ihren Grundzügen und ihrer offiziellen Zielsetzung  sehr stark an einem Familien-System orientiert. Andere Parteien, etwa die Grünen, bekennen sich zu mehr Diversität und Integration und anderen klassischen Vorteilen eines Rechts-Systems. Ein steigendes Misstrauen in ein Rechts-System führt zu einem Umschwung im Wahlverhalten hin zu Parteien, die eher Familien-System-Themen aufwerfen und ansprechen. Wobei zu beachten ist, dass rein strukturell jede Partei in einer Demokratie unabhängig von ihrer ideologischen Ausrichtung bereits Aspekte eines Familien-Systems aufweist.

Nun befinden wir uns weltweit in einer sehr unübersichtlichen Entwicklung, was sich in den letzten Jahren unter Anderem anhand der Asyl-Thematik gezeigt hat. Massen von Menschen haben sich zwischen Staaten bewegt, und im Grunde war in vielen Fällen unklar, ob dies nun mit rechten Dingen zugegangen war oder nicht. Vermutlich wäre ich (und auch sonst jeder) in der verantwortlichen Position genauso überfordert gewesen, ich will hier niemandem etwas vorwerfen.

Wiederum befinden wir uns jedoch nun in einer Situation, die zu komplex erscheint, um sie in ihrer Gesamtheit deuten zu können, in der aber eine gewisse latente Angst und Unzufriedenheit in vielen Menschen brodelt. Unabhängig von der tatsächlichen Stärke des Rechts-Systems in Österreich ist es heute einfacher denn je, Falschinformationen darüber zu verbreiten, um das Vertrauen in die so wichtige Legitimation des Gewaltmonopols des Staates zu untergraben. Konstruktive Erklärungen und Handlungsalternativen zur Lösung der tatsächlichen Ursachen erscheinen rar bis nicht vorhanden, was Raum eröffnet für neue „einfache Lösungen“ im Sinne von Familien-Systemen.

FPÖ-Plakat

“Den Charakter und Wert eines Menschen erkennt man, wie jeder weiß, unfehlbar am Ort seiner Geburt.”

Müssen wir uns Sorgen machen?

Wenn wir den Unterschied zwischen Familien- und Rechts-Systemen als Muster akzeptieren können, dann glaube ich, dass wir zumindest aufhören sollten, unsere Energien in Nebenschauplätzen zu vergeuden. Ich bin überzeugt davon, dass sich in allen Parteien Menschen finden, die es auf ihre Weise gut meinen mit uns (sowie den einen oder anderen Betrüger). Ein Kommentar eines FPÖ-Politikers ist nicht per se besser oder schlechter als der einer anderen Partei, und alle FPÖ-Anhänger gewohnheitsmäßig als Nazis zu beschimpfen (wie ich es schon öfter erlebt habe) hilft uns nicht dabei, konstruktive Lösungen zu finden.

Die relevante Frage ist für mich, der ich eine gesunde und bereichernde Vielfalt schätze, vielmehr: stärken wir die Grundfesten eines Rechts-Systems mit dem was wir tun, oder schwächen wir sie, und geben damit Familien-Systemen mehr Raum? Tatsächlich dürfte es das Vertrauen in ein Rechts-System nicht gerade stärken, wenn zigtausende Menschen unkoordiniert und mit unklarem Rechts-Status ins Land einreisen. Der Grund dafür ist aber nicht, dass es sich ausnahmslos um schlechte Menschen handelt, sondern dass um eine solche Situation bewältigen zu können wir auch entsprechende Kapazitäten haben oder entwickeln müssen, damit im Rahmen eines Rechts-Systems umzugehen.

Es ist – wie weiter oben bereits erwähnt – durchaus zulässig und mag zuweilen auch sehr sinnvoll sein, Familien-Systeme aufrechtzuerhalten, weil diese innerhalb eines Rechts-Systems funktionieren und auch wertvoll sein können. Bedrohlich wird es dort, wo das Familien-System das Gewalt-Monopol des übergeordneten Rechts-Systems unterwandert und bedroht. Sind wir schon so weit gekommen? Es ist für mich schwierig, dies zu überblicken, was an sich bereits ein Alarm-Signal sein dürfte.

Die Unterscheidung zwischen Familien-Systemen und Rechts-Systemen trägt hoffentlich ein Stück weit dazu bei, eine Art „Framework“ zu haben, mit dessen Hilfe sich die Situation in einem Staat, einem Team oder auch einer Schulklasse besser beurteilen lässt. Die Geschichte wiederholt sich erfahrungsgemäß nie exakt gleich, aber ähnlich wie in der Medizin wiederholt sich das Auftreten einer “Krankheit” in verschiedenster Formen meist zumindest so lange, bis wir zu unterscheiden lernen zwischen einer oberflächlichen Symptombehandlung und der Bekämpfung der tieferliegenden Ursachen. Vielleicht sind wir diesen mit der Unterscheidung zwischen Familien-Systemen und Rechts-Systemen einen Schritt näher gekommen. Zu hoffen wäre es.

Niklas

Zur Abwechslung wieder mal ein Gedicht, inspiriert von einer lieben Freundin, die mittlerweile seit 6 Jahren wieder in ihrer Heimat, der Türkei, lebt, und mich nach langer Zeit wieder mal kontaktiert hat..

Freund! Manch Jahr ists her
Seit wir zuletzt uns trafen
Gib Nachricht drum mir, rasch, erzähl!
Wie ists dir wohl ergangen?
Warn wir doch einst so unerzogen
Lachend spielten wir dies Spiel
Das doch mit Ernst so deprimiert
Leben! Wie es uns gefiel!

Wolln wir uns nicht wieder treffen?
Gar zu weit bist du nun fort
Alter Freund, du gingst, zu Tanzen
Bringst Kunde mir nun von dem Lied?
Wie kommt es, dass dein lächelnd Auge
Trüber wirkt nun als es schien
Wie kommt es, dass dein Gang so heiter
Kaum beherzt mehr scheint zu sein?
Erkennst du mich denn gar nicht wieder?
Wurde ich gar falsch verbunden?

Ach! Ich würde doch so gerne
Verbringen mit dir schöne Stunden
Doch da sind Eltern, alt geworden
Familie, Arbeit, Sicherheit
Warum aufgeben, noch einmal
Drehen fest am Rad des Lebens?
Dann lieber bleiben, fest ertragen
Lernen all die kleinen Wunden
Sie sind ja doch nicht allzu tief

Ich kenn sie schon, die kleinen Wunden
Die mich selbst beinah bezwungen
Die mich schwächten nur durch Zahl
Ein Tropfen nur vom Blut des Mutes
Tagein, tagaus verliert das Herz
Bis es aufhört ganz zu schlagen
Und nur noch halbherzig man lebt

Das Alter fällt den Abenteurer
Tückisch lockt des Zögerns Bann
Nie fällt es an auf graden Wegen
Umschleicht dich, sucht sich willig Ziel

Nimmt dir erst diesen, dann den andern
Und macht dir alte Freunde so
Schritt für Schritt zur Last
Du kämpfst mit ihm, befreist den einen
Siehst alsbald den anderen fallen
Bis du übrig bleibst allein

Angreifbar, gebeugten Rückens
Stimmst schlussendlich doch du ein
Fügst dich ein mit grimmig Nicken
In die allgemeine Pein

Sieh! Rettung liegt nicht im Bekannten
Nicht in der Rückschau liegt die Kraft
Sie liegt in dem Noch-nicht-vorhanden
Dem Alter trotzt nur neuer Saft

Drum frag‘ ich dich heut‘, alter Freund
Was kann dich noch bewegen?
Was lockt dein Herz, was lenkt den Schritt
Was kann das Alter stunden?
Denn findest du nur Gestern vor
So bist du falsch verbunden

Ach! Wärs noch gestern dünkt mir nun
Erinnernd einst verbrachter Stunden
Da liefen wir, als ob von Sinnen
Von Dächern zu bekunden
Der Freundschaft ewig schworen wir
Sie jetzt und einst zu halten
Wie konnt ich glauben, Augenblick nur
Sie könne je erkalten

So nimm dies Wort, mein treuer Freund
Obwohl wir uns entfernten
Als Zeichen neu entflammter Glut
Wie einst entzücktem Herzen
Die Furcht du hast genommen mir
Das Alter hilfst du stunden
Und mögen wir manch Fehler haben
Und mags ein Gott bekunden
Die Freundschaft zu dir ist mir lieb
Wir sind nicht falsch verbunden

Ich arbeite als innere Geburtshelferin. Meine Aufgabe ist es, eine förderliche Umgebung für  innere Entwicklungen zu schaffen. Ich muss sagen, es ist ein sehr interessanter Beruf, weil ich durch meine Arbeit viel mit den Absurditäten des Menschlichen zu tun habe.

­­­Da wurde den Menschen ein gigantisches Spektrum an möglichen Gefühlszuständen mitgegeben, da ist in allem was sie beobachten können klar aufgezeigt, dass Veränderung einen gewissen sich wiederholenden Ablauf dieser Gefühlszustände voraussetzt – fast als wäre es ein Schummelzettel, um kontrollieren zu können, dass man auf dem richtigen Weg ist – und was machen die Menschen? Sie teilen das Spektrum in „gut“ und „schlecht“ auf und weigern sich, die Gefühlszustände der zweiten Kategorie zu erleben. Weigern sich! Einfach so! Und behaupten dann gleichzeitig ernsthaft vor anderen Menschen, sie würden sich doch „sooo sehr“ eine Veränderung wünschen.

Das Aufkommen meiner Profession war die notwendige Antwort auf das Dilemma, das daraus entstand. Ich und meine KollegInnen, wir halfen den Menschen, die bereit dafür waren, sich den notwendigen Entwicklungsprozessen zu öffnen. Was dann passierte, war umso skurriler: mit der Zeit teilte sich die Menschheit auf in jene, die dafür offen waren, und jenen, die es sich der eigenen Ansicht nach nicht leisten konnten. Mehr oder weniger zufällig wurden ein Teil der ersten Gruppe mit großartigen Ehrungen versehen, während der Rest dieser Gruppe für absonderlich oder gar krank gehalten wurde. Das war nun doch ein sehr seltsames Phänomen: diejenigen, die am meisten litten (ohne es zu fühlen, weil sie schlicht „steckengeblieben“ waren), schauten herab auf die „Kranken“, von denen sie sich abgrenzen wollten. Aber beteten jene an, die die „Krankheit“ bereits durchschritten hatten, wollten sein wie sie, ohne selbst den notwendigen Weg zu gehen. Wollten-

Nun habe ich mich in historischen Anekdoten verrannt! Bitte entschuldigen Sie meine Zerstreutheit, ich bin noch ein wenig verärgert über meinen letzten Klienten. Verstehen Sie mich nicht falsch, der Klient selbst war für einen Menschen der sogenannten „modernen“ Generation erstaunlich aufgeschlossen für meine Arbeit. Er war bereit und freute sich darauf, seine inneren Räumlichkeiten, die für sein zukünftiges Sein zu eng geworden waren, aufzugeben und umzugestalten. Wir hatten bereits eine ansprechende Farbwahl getroffen und den Grundriss gezeichnet, nun war alles was uns noch zu tun blieb die Zeit und Energie aufzuwenden, um der Veränderung auch Raum zu geben.

Leider war mein Klient in einem Umfeld aufgewachsen, das kein sehr ausgeprägtes Verständnis für tiefe Veränderungsprozesse hatte. Als mein Klient sich nun gemeinsam mit mir in seine inneren Räumlichkeiten zurückziehen wollte um diese nach seinen zukünftigen Bedürfnissen neu zu gestalten, fing seine  Umwelt an ihn aufrütteln, ihn aus seiner „Lethargie“ reißen zu wollen. Weil er seine Aufmerksamkeit auf sein Inneres richtete, wurde er im Außen vermisst, und nun standen zahlreiche seiner Freunde bereit, ihn vor mir zu „erretten“. Anfangs ignorierten wir diese „Erdbeben“ noch recht erfolgreich, aber irgendwann wurden ihm die äußeren Anstöße zu viel, und mein Klient fing an, sich mit ihren Klagen zu beschäftigen. Er fing an, mir zu misstrauen, glaubte seinen alten Freunden, er wäre „depressiv“ geworden, und dies dürfe natürlich nicht sein!

Ich arbeite professionell, ich dränge mich nicht auf, wo ich nicht mehr willkommen bin – also ging ich. Er fand – mit Unterstützung seiner Außenwelt – langsam wieder zurück in sein vorheriges Leben. Manchmal, wenn ich die Zeit finde, beobachte ich ihn. Er sieht nicht unbedingt unglücklich aus, aber dort, wo er Glück fühlt, wirkt er ebenso gehemmt, ist in ihm zu wenig Platz dafür. Wohl weil er sich am Ende doch gegen den Schmerz entschieden hat, der auch den Raum für die Freude erweitert.

Wäre ich ein Mensch und fähig, menschliche Gefühle zu fühlen, so würde ich mich wohl unverstanden fühlen. Ich bin nicht der Schmerz, nicht die Apathie, nicht die Auswegslosigkeit, diese sind Fakten dieser Welt, an denen auch ich nicht rütteln kann. Ich bin Geburtshelferin, bin diejenige, die Menschen unterstützt, das notwendige Spektrum an Gefühlszuständen zu durchlaufen, um Raum in sich für die Freude die sie sich wünschen zu schaffen. Ich bin gefürchtet, obwohl ich doch die Lösung bin. Skurrile Welt! Aber wo bleiben meine Manieren? Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt!
Ich bin die Depression, Geburtshelferin innerer Entwicklungsprozesse.
Kennen wir uns schon?

Wohin mit dieser Wahrheit
Die dem Widerspruch entsprungen
Die im Kampfe hart errungen
Und den Sieger isoliert
Wohin mit diesem Streben dann
Auch von dem Preis zu geben
An Augen, Ohren, bebend Herz
Bereit zu stellen sich dem Schmerz?

Wohin mit dieser Wahrheit
Wenn die Orte sich verweben
Rote Fäden sich ergeben
Während Konsens sich verliert

Wohin mit dieser Wahrheit
Deren Macht sich Reiche beugen
Oft verschlungen ihre Zeugen
Macht nur aufzeigt, niemals gibt

Wohin mit diesem Streben
Ganz in Wahrheit aufzugehen
Wenn im Widerhall der Sprache
Lärm aus Worten Laute formt
Bis selbst auf Lauten folgt nur Stille
Jedes Streben sich entwinde
Endlich auch Wille gibt sich auf
Ein letzter, erster Schrei – horch auf!
Erschüttert wird der Welten Lauf
Wo Angesicht zu Angesicht
Endlich von Wahrheit leuchtend spricht
Welch fröhlich Ton im Beisein schwingt
Wenn Schmerz, die Angst vor Todgeburt
Erst glücklich überwunden
Wo wahre Worte Frieden künden

Wohin mit dieser Wahrheit, fragst du
Müde des Ertragens Pflicht
Sie stoße, dränge, forme dich
Denn wenn erst sie gut Platz gefunden
Und feierlich entbunden
Den Träger des Ertragens Pflicht
Trotz aller Qualen der Geburt
Wird dir nicht fehlen ihr Gewicht
Zu stützen und zu leiten dich

So sei sie dir manch guter Freund
Solange sie dich bürde
Wohlan nun, Krieger, ohne Scheu
Verfechte sie mit Würde

„Warst du jetzt eigentlich schon bei einem Psychologen?“
Als wäre es gegebene Sache, dass etwas nicht mit ihm stimmte. Dass an seinem Erleben etwas nicht ganz oder auch überhaupt nicht richtig war. „Es gibt heutzutage schon gute Medikamente“ hatten die beiden ihm gesagt, hatten ihm in ihrer Fürsorge angeboten zu helfen. Wollten ja nur, dass es ihm gut gehe. Es sei alles nicht weiter schlimm. Er mochte ein wenig angeknackst sein, aber das könne man reparieren. Einrenken. Geradebiegen. Dann würde es ihm besser gehen.

Nein, er war noch nicht bei einem Psychologen gewesen.
Ja, er fühlte sich manchmal müde und erschöpft, wenn er sich intensiv mit Emotionen befasste, seien es seine eigenen oder jene anderer, die sich ihm anvertraut hatten. Nicht immer glich sein Energielevel den ruhigen Wassern eines Sees an einem windstillen Tag, konstant, verlässlich, abgewogen und angepasst an die Notwendigkeiten des jeweiligen Tages vorportioniert. Sein Leben und Erleben war ein stürmischeres, ein ungeschützteres, war.. gewissermaßen näher dran an der eigenen Natur. Er litt stärker unter der Kälte der Winter, und er freute sich mehr über das sanfte Kitzeln der Sonnenstrahlen. Verließ sich in vielen Fällen auf die oft beinahe unheimliche Weisheit seiner Intuition, ihn durch die Höhen und Tiefen seines Lebens zu leiten, dorthin, wo rationaler Verstand allein versagte. Mochte Narben davontragen, mochte – im Außen wie im Innen – berührt, verändert, gestaltet werden in seinem Tun, mochte oftmals weniger über den Dingen stehen denn mitten unter ihnen. Aber was war daran denn so dermaßen falsch?

Er war durchaus bereit zu glauben, man könne ihn mit den richtigen Medikamenten gut „einstellen“, die Anstrengungen seiner emotionalen Betroffenheit, die er in sich und mit der Welt oftmals spürte, reduzieren, um ihm seinen Alltag zu erleichtern. Ihn bereiter zu machen für jene andere Welt, in die er zuweilen nur mit Mühe zu passen schien, jene Welt des „Das ist nun einmal so“, die ihm, seinem Erleben und seiner Erfahrung so fremd war. Es mochte möglich sein, ihn mit Hilfe der richtigen Medikamente und Therapien zu „heilen“, aber heilen wovon eigentlich? Wer profitierte denn davon? Er selbst, indem er die Tiefe seines bisherigen Erlebens zugunsten eines reduzierteren, funktionaleren Lebens aufgab, obwohl ihm doch gerade jene Tiefe bei aller damit verbundenen Anstrengung im Grunde die schönsten Momente seines Lebens geschenkt hatte?

Verstanden hätte er es, wenn er sich in seiner Besonderheit als unfähig erwiesen hätte, selbstständig zu leben. Wenn er – wie so manche seiner Bekannten – etwa jahrelang den Verwandten und Freunden finanziell oder emotional „auf der Tasche liegen“ musste. Tatsächlich war es jedoch eher umgekehrt – er war finanziell seit Jahren unabhängig und kümmerte sich auch emotional mehr um andere, als dass jene sich um ihn zu kümmern hatten. Natürlich, er gab weniger aus als die meisten seiner Mitmenschen, war achtsamer im Umgang mit seinen Ressourcen, brauchte daher auch kaum ein Einkommen – aber war denn dies allein ein Verbrechen? Wenn er selbst also kein Problem mit seinem besonderen Erleben hatte und als Folge dieses Erlebens auch niemanden belästigte, warum also der so „fürsorgliche“ Rat, sich doch behandeln zu lassen, um eine angeblich „positive“ Veränderung zu bewirken?

Die einzig logische Antwort, die ihm nach längerem Nachdenken einfiel, so verwegen sie ihm auch klang, war eine riesige Angst vor dem Neuen, dem Fremden. Er war wohl so manchem Freund, manchen Familienmitglied über die Jahre fremd geworden, indem er Wege beschritten hatte, auf die der jeweils andere ihm nicht mehr zu folgen vermochte oder folgen wollte. War unabhängig geworden in einer Weise, die alte Strukturen in Frage stellte. Strukturen, die ohne ihn als haltende Stütze plötzlich brüchig zu werden drohten. Hatte Zusammenhänge gesehen, die es ihm nun verbaten, weiterzumachen wie bisher. Konnte nicht stagnieren, verharren. Es war ihm notwendig, Schritte zu setzen, in Bewegung zu kommen, auch wenn sein Geist noch nicht fähig war, das oder überhaupt ein Ziel zu benennen, auch wenn jeder Schritt schmerzen mochte: er vertraute seiner Intuition. Und anders als viele seiner Mitmenschen kam er trotz aller Hindernisse trotzdem früher oder später dann auch tatsächlich in Bewegung.

Was für eine Hexenjagd, dachte er plötzlich, und mit dem Wort erlangte er die Klarheit, nach der er wochenlang gesucht hatte, nachdem man ihm zum ersten Mal die Frage nach dem Psychologen gestellt hatte. Denn warum sonst hatte man die angeblich so bösartigen „Hexen“ Jahrhunderte lang verfolgt, denn aus Angst vor ihren tieferen Einsichten, der Freiheit und damit der Macht über sich selbst, die sie angeblich daraus zu ziehen vermochten? Hatte argumentative Wege gefunden, das Rechtsprinzip der Unschuldsvermutung zu verkehren. „Warst du jetzt eigentlich schon bei einem Psychologen?“, mehrmals nun gehört, war ja wenig mehr als eine höflichere Form von: Hast du jetzt eigentlich schon an deiner Normalität gezweifelt? Und die unterschwellige Annahme, dass eine Abweichung von einer angenommenen „Normalität“ alleine bereits ein zu lösendes Problem darstellte.

Wo war denn nun eigentlich die Grenze zu ziehen zwischen der „Normalität“ und dem Außen, und wovon oder von wem wurde sie gezogen? Waren die Grenzen der „Normalität“ nicht auch ein Produkt der Art der Strukturierung einer Gesellschaft, und damit auch eine Frage der Machtverteilung? Was, würden all die „Hexen“ nicht zum Psychologen gehen um geheilt zu werden, sondern zu anderen, erfahreneren „Hexen“, um zu lernen, ihre Einzigartigkeit konstruktiv nutzen zu können anstatt sie wegwünschen weg-therapieren zu müssen?

Aber wo waren sie nun zu finden, all die anderen „Hexen“? Verteilt auf die Irrenhäuser der Welt, in den Ausspeisungen der karikativen Einrichtungen, in den Zeitungsmeldungen über die jährliche Selbstmordstatistik? Ängstlich und oft scheiternd versuchend, ihr Sein zu verleugnen, sich einzufügen in eine Welt, in der kein Platz für sie zu finden war? Die Methoden waren durchaus verfeinert worden in den letzten paar Jahrhunderten, und eine medikamentöse Behandlung zur Ausrottung gewisser Besonderheiten konnte man mit gutem Willen als humaner ansehen als die Ausrottung eines ganzen Menschen, und doch erkannte er nicht ohne gewissem Schauder altbekannte Muster.

„Warst du jetzt eigentlich schon bei einem Psychologen?“, erneut. Lauernd.
Nein, und an sich sah er auch keinen Grund, einen zu besuchen. Wohl aber, gut auf sich zu achten und auch seine ihm eigenen Besonderheiten wertzuschätzen und zu lernen, sie konstruktiv einzusetzen. Denn was waren sie am Ende anderes als beeindruckende Fähigkeiten, fast jenem gleichkommend, was gemeinhin und unverstandenerweise als Magie bezeichnet wurde? Es konnte ganz schön verstörend sein, als „Hexe“, als „Abnormal“ angesehen zu werden, aber in gewisser Weise hatte ihn die Jagd erst dazu gebracht, seinen besonderen Wert und seine Fähigkeiten klarer wahrzunehmen. Warum das Spiel nicht umdrehen?

Und in einem ihm typischen Anflug der Erkenntnis der Absurdität der ihn umgebenden Ordnungen, dem Rausch der Freiheit, die ihm seine Erkenntnis wie so oft ermöglichte, erkannte er als den Grund warum er bekämpft, reduziert werden sollte, verblüfft seine eigene Überlegenheit in diesem Spiel. Doch er kannte das Terrain besser, war tiefer eingedrungen in die Höhen und Abgründe der menschlichen Existenz als seine Häscher.

„Warst du jetzt endlich mal bei einem Psychologen?“
„Nein, danke, mir geht’s gut soweit. Und dir?“
“Gut, gut. Wie immer halt”
“Das klingt aber gar nicht gut. Vielleicht solltest du mal einen aufsuchen…”

Und gegen Ende zu
Da pflegt man sich zu fragen
Ob nicht der Rucksack gar zu schwer
Ihn voller Hast zu tragen

Dann bleibt am Rande Schritt für Schritt
Was einst noch schien so wichtig
Und statt es vollen Rucksack’s Ziel
Wird Ziel nun was ist richtig

Beginnt die Zeit der Ernte doch
Was immer man gesät
An Freude, Hass und and’ren Tand
Reich Früchte nun es trägt

So wünsch ich, Wanderer auf Zeit
Dir Kunst, Geschmack und Seele
Und wenn manch Frucht auch bitter schmeckt
Dass du dich nicht dran quälest

Mensch wandert manchen finstr’en Ort
Auch du hast’s nicht vermieden
Schau nur getrost dein Leben’s Werk
Ich hoff, du bist zufrieden

„Das ist total übergriffig, was du da machst“, stand in der Nachricht zu lesen, die ihn aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Was hatte er angeblich gemacht? „Energien gelenkt“? Gar auf „rücksichtslose“ Art und Weise? Er war sich gar nicht sicher gewesen, ob es so etwas wie unsichtbare Energien überhaupt gab, und nun sollte er auf diesem ungewissen Feld gar zum Bösewicht, zum Täter geworden sein?

Und doch, in den letzten Monaten und Jahren hatte er immer wieder festgestellt, dass es etwas zu geben schien, dass ihn zuweilen zu lenken vermochte, das seine Schritte, seine Aufmerksamkeit anzog, ansog in bestimmte Richtungen, bestimmte Bachläufe, Ströme des Seins. Es war eine Art von.. Sicherheit gewesen, ein unerklärliches Wissen der eigenen Unüberwindbarkeit im Verfolgen jener Wege. Der Fluss des Wassers mochte versickern, gestaut werden, Umwege verfolgen, doch die Schwerkraft ließ ihn mit der Zeit alles überwinden, jeden Widerstand wegwaschen, solange der Kontakt zur Quelle stetig neue Wasser brachte. Es war immer richtig gewesen, jenen Ahnungen zu folgen. Und nun dieser Vorwurf, der seine bisherigen Erfahrungen so dermaßen in Frage stellte.

Er war sich so sicher gewesen, in ihren Augen, ihren Bewegungen, ihrem ganzen Sein dieses Verlangen nach seinen Wassern spüren zu können, zarte Pflänzchen, Vorboten wunderbaren Wachstums. War er damals, an jenem verhängnisvollen Tag, etwa übergeschwappt aus den förderlichen Bahnen? Hatte er es an Geduld fehlen lassen, den oft so quälend langsamen Prozess abzuwarten, hatte er die zarten ersten Triebe ersäuft, weggeschwemmt mit seiner Ungeduld? War es ihm wirklich vorzuwerfen, noch kein erfahrener Gärtner der Seele zu sein, zudem er sich in einem für das Auge unsichtbarem Feld bewegte?

In seiner Verzweiflung war es ein leichtes gewesen, sich selbst von jeder Schuld freizusprechen. Was bildete sie sich überhaupt ein, ihn für ein Verbrechen auf einem Feld verurteilen zu wollen, das möglicherweise nicht einmal real existierte? Wollte er sich wirklich in Gefilde begeben, die ihm so völlig unbekannt und unkontrollierbar erschienen, dass er nicht mehr sicher war, seinen eigenen Urteilen vertrauen zu können? Warum die Episode nicht einfach als Fehler, als Irrung abschreiben, als verbrannte Erde? Sein Leben würde weitergehen. Ihr Leben würde weitergehen. Mit anderen Augen betrachtet war ja im Grunde auch gar nichts zwischen ihnen passiert. Kein Gericht der Welt würde ihn für „stümperhafte Energiearbeit“ verurteilen. Man konnte ja auch darüber lachen.

Und doch war da noch die schwer zu verstummende Stimme des Gewissens, und diese noch schwieriger zu ignorierende, stimmlose Intuition. Die ihn hinterfragen ließ, was er an jenem Abend tatsächlich angestellt haben könnte. Und die Antwort war schmerzhaft real: er hatte für einen Moment den Glauben an seine Intuition, an die Quelle seines inneren Stromes verloren und damit die Gelassenheit und Geduld, die ihr gesundes Wachstum von ihm abverlangte. Für einen Moment hatte er wohl Angst verspürt, ihre inneren Blockaden niemals überwinden zu können, und aus eigener Kraft versucht, den Prozess zu beschleunigen. Kein Wunder, dass sie sich zurückgezogen hatte. Sein Strom war versiegt, sobald er versucht hatte, zu kontrollieren und zu lenken, was ihn zu leiten bestimmt war.

Es war ein furchterregender, unsicherer Weg, der sich ihm da aufzeigte, ein Tasten im Dunkeln, ein Weg, der Vertrauen, der Glauben von ihm forderte. Ein schmerzhafter, schwer planbarer, oft so fürchterlich einsamer Weg des Wachsens, Lernens und Entwickelns. Ja, es gab die sicheren Varianten er erprobten und vielmals begangenen Wege, die Möglichkeit der Nachfolge, und wie sehr wünschte er sich oftmals, dass dieser Weg ihm offenstände. Doch sein Weg war ein anderer. Immerhin so viel hatte er mittlerweile verstanden.

Auch sie würde wachsen, würde ihrer Intuition folgen, würde wieder vertrauen, wieder glauben können an die Reinheit seiner Wasser, sobald er ihren Schmerz, ihre Verletzung, seine Grenzüberschreitung als solche bekannt, anerkannt hatte. Ihre Reaktion war extrem gewesen, im Nachhinein betrachtet auch übertrieben vielleicht, aber im Moment notwendig. Die Zeit würde das Übrige tun, ihren Glauben aneinander erneut zu stärken. Gelassenheit. Geduld. Vertrauen. Die Seele war ein Raum der unsichtbaren Entwicklung, ein Raum des Glaubens, der Hoffnung.

Tage-, Wochenlang war nichts geschehen, und er hatte die Hoffnung beinahe aufgegeben. Doch nun endlich sprießten die ersten kleinen Tomatenpflänzchen auf seinem Fensterbrett, und er freute sich täglich aufs Neue über ihre ungestüme Lebensfreude.

Er mochte nicht als Gärtner geboren oder geschult worden sein. Aber er würde lernen.

„Funktioniert der noch?“, fragte der erste Fahrgast, auf den Anker deutend, „Mir scheint, es fehlt ihm ein wenig an Halt!“
Der Kapitän lächelte schweigend. Durch viele Stürme hatte ihn jener Anker sicher geführt, hatte ihn gehalten, wenn die Wellenberge drohend auf das Schiff zurasten.
„Tatsächlich!“, meinte nun ein weiterer Fahrgast, „Kapitän! Da haben sich Algen angesetzt. Oder Seetang! Grünes Zeug eben! Igitt! So glitschig, wie das ist, rutscht der doch sicher ab!“
Er seufzte. „Nun lassen Sie die Beschaffenheit meines Ankers doch bitte meine Sorge sein.“
„Natürlich, Kapitän. Wir wollten uns nur nützlich machen.“

Schweigend steuerte er das Boot durch die ruhige See, in Gedanken versunken. Was wussten diese Menschen schon von dem Singen, das die Luft erfüllte, wenn er an der alten Kurbel hantierte? Von den Geschichten, die in jenem ‚grünen Zeugs‘ zu entdecken waren? Einen Moment lang spielte er mit dem Gedanken, seinen Gästen vorzuführen, was sie verkannt hatten, beinahe drängte es ihn – doch im Grunde wusste er, dass sie unfähig sein würden, das Wunder wahrzunehmen. Der Anker sang nicht auf Befehl, und die Wunder, die er aus den Tiefen des Ozeans an die Oberfläche brachte, waren nicht allen als solche ersichtlich. Seine Magie war nur mit Geduld wahrzunehmen. Es war schade. Gerne hätte er ihnen den Zauber vorgeführt.

Weiter drangen sie in ihn, doch am nächsten Hafen anzuhalten und sich einen funktionierenden Ersatz zu besorgen, und je mehr sie in ihn drangen, je mehr sie ihm ihre Argumente auseinandersetzten, desto verunsicherter wurde er. Was, wenn sie nun doch Recht hatten? Schließlich ließ er sich doch hinreißen und versuchte, an der Kurbel zu drehen, doch der erhoffte Gesang blieb aus. Mit ohrenbetäubendem Quietschen sank der Anker in die Tiefe, schien aber keinen Grund zu finden, denn das Boot stieß weiter ungehindert durchs Wasser.
„Was haben wir gesagt?“, meinte der erste Fahrgast überlegen.
„Es ist doch nur zu Ihrem Besten, Kapitän. Wir machen einen kleinen Zwischenstopp an Land, tauschen das alte Teil für ein Funktionierendes, und sind sofort wieder in See. Das tut niemandem weh und hilft allen.“
Was, wenn sie Recht haben, dachte der Kapitän verunsichert. Was, wenn ich uns alle in Gefahr bringe mit meiner Sturheit? Es war schon seltsam. Noch nie hatte er sich auf See gefürchtet, seit er den neuen Anker montiert hatte, und nun…

Er fixierte das Steuerruder; für die nächsten zwei Stunden konnte er Aufmerksamkeit erübrigen, nichts lag vor dem Boot als offene, glatte See. Während die Fahrgäste weiter aufgebracht über die richtige Funktionsweise eines guten Ankers diskutierten, ging er zurück, um mit dem bisher so verlässlichen Stück alleine zu sein. Warum muss ich mich von dir trennen?, fragte er sich traurig, und Tränen stiegen ihm ins wettergegerbte Gesicht. Er liebte diesen Anker, der ihm Halt schenkte, wo Halt notwendig war, und Bewegungsfreiheit, wo er Maneuvrierfähigkeit brauchte. Der ihm sang, wenn er sich einsam fühlte auf hoher See, sang von den tiefsten Tiefen der Ozeane, die er mit seinem Boot durchkreuzte, der ihm bisweilen Souveniers aus jenen Tiefen an die Oberfläche brachte.

Plötzlich drängte sich ihm ein mentales Bild auf, durch all seine Sorgen und Ängste hindurch: einer der Fahrgäste, wie er den‘ Seetang‘, mit dem er sich beim Berühren des Ankers ‚befleckt‘ hatte, angeekelt an der Reling abzuwischen versuchte. Sie sind nicht wie wir, überwältigte ihn heiß die Erkenntnis, sie wollen nur sicher über den Ozean kommen. Sie wollen nicht sehen, was unter der Oberfläche zu finden ist, sie wollen nicht hören, wovon du singst. Aber ich will es, muss es! Und wenn du keinen Grund mehr findest, an den du uns binden kannst, weil du in Tiefen vorstößt, die niemand vor dir errungen hat – bleib bei mir! Die wichtigste Verbindung ist mir nicht die an einen sicheren Grund, sondern jene zwischen uns! Bleib! Wir werden sie sicher in den Hafen bringen, unsere Gäste, wo sie ihren Freunden Karten schreiben von ihren ‘Abenteuern’ auf See. Dann werde ich dich auswerfen, und du wirst für mich singen, von all dem, was kaum ein Menschen Auge wagt zu erblicken, und ich werde an dir festhalten, auf dass du furchtlos tiefer vorstoßen kannst, wissend um meinen Halt wie ich um den deinen. Wir werden uns halten, durch Stürme wie durch ruhige See, und unsere Fahrgäste werden schimpfen und lachen über uns, aber das wird uns egal sein, denn sie sind nicht wie wir, sie können nicht verstehen, oder vielleicht wollen sie, trauen sie sich auch nicht. Mein Anker, mein zauberhafter Anker, ich bleibe dir verbunden!

Und mit einem Male ertönte ein leises Summen, beinahe ein Ton, wie aus den tiefsten Tiefen der Ozeane, entfernt. Seine Fahrgäste schienen nichts gehört zu haben, sie fachsimpelten eifrig weiter über Funktionsweisen verschiedenster Teile eines Bootes. Sich erinnernd an frühere Fahrten begann er zu pfeifen, zu singen, zu frohlocken, und der Ton aus der Tiefe begleitete ihn, ließ ihn nicht mehr los. Wie schön, dich wieder um mich zu haben, dachte er beglückt, und all die Angst und die Zweifel fielen von ihm fort, wie sie es immer getan hatten und wohl auch immer tun würden.