Es war noch fr├╝hmorgens, vielleicht kurz vor sieben, als er den Bahnhof betrat. Die Reise ging nach Wien, eine Strecke auf mehrere Stunden, und so hatte er sich entsprechend langwierige Lekt├╝re eingepackt. Nach einer kulinarischen St├Ąrkung packte er jene aus und setzte sich gem├╝tlich im Schneidersitz auf den Bahnsteig, um zu lesen.
Vertieft in das Buch, f├╝hlte er sich nicht angesprochen, als eine Stimme ihn anrief. Erst als diese dr├Ąngender zu werden schien, sah er auf und fand sich einem der Security-Mitarbeiter des Bahnhofes gegen├╝ber.
ÔÇ×Sie sitzen hier auf dem BodenÔÇť, meinte dieser.
Da er nicht wusste, was er sinnvollerweise auf diese Feststellung des Offensichtlichen antworten h├Ątten sollen, schwieg er in Erwartung weiterer Erkl├Ąrungen.
ÔÇ×Dort dr├╝ben auf den B├Ąnken sind noch Sitzpl├Ątze freiÔÇť, fuhr der Beamte fort.
Die Richtigkeit der Behauptung anerkennend, wartete er weiter darauf, was nun kommen w├╝rde.
ÔÇ×Bitte setzen Sie sich auf eine der Sitzb├Ąnke!ÔÇť, meinte der Mitarbeiter nun.
Als er einwenden wollte, dass er schlicht gern auf dem Boden sa├č, weil er es f├╝r gem├╝tlicher hielt, n├Ąherte sich der Security-Mitarbeiter, bis er in Fl├╝ster-Reichweite war.
ÔÇ×Manche der G├Ąste hier f├╝hlen sich dadurch gest├Ârt, wenn Sie hier am Boden sitzen.ÔÇť
ÔÇ×Warum das denn?ÔÇť, gab er verwirrt zur├╝ck.
ÔÇ×Nun, man k├Ânnte meinen, Sie w├Ąren.. man k├Ânnte Sie f├╝r einen.. Menschen ohne festen Wohnsitz halten.ÔÇť
ÔÇ×Weil ich mich nicht auf eine der Sitzb├Ąnke setze?ÔÇť
ÔÇ×Weil Sie sich nicht auf eine der Sitzb├Ąnke setzen.ÔÇť
Noch zu m├╝de, sich auf eine l├Ąngere Diskussion einzulassen, stand er eben auf und setzte sich auf eine der metallenen Sitzb├Ąnke, die sich auch tats├Ąchlich als so ungem├╝tlich herausstellten, wie sie ausgesehen hatten. Erst versuchte er, sich von dem kurzen Gepl├Ąnkel nicht irritieren zu lassen und einfach weiterzulesen, aber ein Gedanke lie├č ihn nicht mehr los, wurde zu einer Serie, einer Flut von Gedanken.
So weit sind wir also bereits gekommen, dachte er. Ich kann verstehen, wenn sich Menschen von offensichtlich betrunkenen, p├Âbelnden Menschen gest├Ârt f├╝hlen, die sich entsprechend asozial verhalten, und dass es Aufgabe der Beamten sein kann, andere vor diesen zu sch├╝tzen. Aber auf welche Weise kann ich jemanden st├Âren, wenn ich auf dem Boden sitze und mein Buch lese? Weder sitze ich jemandem im Weg, noch zeige ich sonst eine Verhaltensweise, die andere aktiv st├Âren k├Ânnte. Was bedeutet, dass ich gerade durch meine blo├če Anwesenheit, durch meine blo├če Existenz an diesem Bahnhof, einem ├Âffentlichen Ort, zum St├Ârfaktor geworden bin. Weil jemand aus meinem Verhalten geschlossen hat, dass ich einer bestimmten Gruppe von Menschen angeh├Âren k├Ânnte.
Er sah von seinem Buch auf, sah sich um an diesem Bahnhof, diesem ├Âffentlichen Ort. Sah sich die Menschen, die sich an diesem ├Âffentlichen Ort bewegen, aufmerksamer an als bisher. Tats├Ąchlich funktionierte die Normierung des erw├╝nschten Verhaltens hier offenbar ganz vorz├╝glich. Obdachlose waren hier keine zu finden, und nun fiel ihm erst auf, wie offensichtlich es zu sein schien, dass niemand der hier Anwesenden Obdachlosen oder einer der anderen ÔÇ×unerw├╝nschtenÔÇť Randgruppen zuzuordnen war. Etwas.. fehlte hier, und nach einer Weile fiel es ihm auch wie Schuppen von den Augen, was dieses Etwas war: Graustufen. Es gab hier kaum mehr Zwischenr├Ąume, kaum mehr Raum f├╝r legale und damit geduldete Andersartigkeit.
Der Zug traf ein. P├╝nktlich auf die Minute. F├╝r einen Moment spielte er mit dem Gedanken, auf dem Bahnsteig zu bleiben, den Zug fahren zu lassen, und auf den n├Ąchsten zu warten. Einfach, um den Sicherheits-Beamten zu verunsichern. Es h├Ątte bedeutet, seinen Termin in Wien zu verpassen, deswegen entschied er sich schlussendlich doch dagegen. Und doch.. f├╝hlte er es nun wieder, das Potential der Zwischenr├Ąume, das sich aus den winzigen Entscheidungen des Alltages speiste, den winzigen Freir├Ąumen, die, wohl genutzt, zu einem Fluss, einer unb├Ąndigen Flut der Freiheit werden konnte. Genau dort, an den Rinnsalen, den urspr├╝nglichsten Zufl├╝ssen, war die Gefahr am gr├Â├čten, die Macht der individuellen Entscheidung zu verlieren ÔÇô schienen diese Entscheidungen f├╝r sich doch so klein und irrelevantÔÇŽ
So f├Ąngt es an, aufzuh├Âren, dachte er, im Kleinen. Und so beginnt es von neuem, wenn wir den Mut dazu haben, uns die Zwischenr├Ąume zu erschaffen, die vorher nicht sichtbar waren. Indem wir den bekannten Raum ausdehnen und den so geschaffenen, noch nicht definierten Raum einnehmen.
Zwischen R├Ąumen verdankt sich unsere Freiheit.
Das erste, was er im Zug tat, war, sich seiner Schuhe zu entledigen. Weil es gem├╝tlicher war. Aber auch als ganz bewusstes, gewisserma├čen politisches Statement.

Ich m├Âchte mich an dieser Stelle f├╝r die lange Pause seit der letzten Ver├Âffentlichung entschuldigen, denn eigentlich versuche ich ca. 1x/Woche eine Geschichte zu ver├Âffentlichen. Es kommt immer wieder einmal vor, dass ich mich in der Illusion verliere, ich m├╝sste vorher etwas abarbeiten/erledigen, bevor ich mich ans Schreiben setzen sollte, obwohl die Erfahrung doch wiederholt gezeigt hat, dass das Schreiben selbst oft der effektivste L├Âsungsansatz f├╝r mich ist. Ich hoffe, in den n├Ąchsten Wochen und Monaten trotz vieler noch ungel├Âster Fragen wieder zu einem regelm├Ą├čigeren Schreibrhythmus zu finden. In der Zwischenzeit w├╝nsche ich viel Freude mit dem folgenden Text:

Ein Blick auf den Arbeitsmarkt, ein Blick auf Freunde, Bekannte, Fremde, ein Blick in ihre Gesichter, w├Ąhrend sie fr├╝hmorgens zur Arbeit trotteten, um sp├Ątabends unter dem nebeligen Licht der Stra├čenlaternen heimzukehren. Wie sie sich ausbrannten in der tr├╝gerischen Flamme ihrer jugendlichen Kraft, zu hoch gesch├╝rt, zu rasch verzehrt, um lange zu durchzuhalten. Die ausgemergelten ├ťberreste der Glut vergangener Tr├Ąume in den Augen der Alten. Ein Blick in den Spiegel. Noch ist Zeit. Aber die Jahre, sie verinnen, vergehen, entfliehen! Investieren. Jetzt l├Ąnger arbeiten, sp├Ąter die Fr├╝chte ernten. Sich frei f├╝hlen. Vielleicht auf Reisen gehen. Irgendwann. Sich etwas erarbeiten.

Ein Blick auf sein Konto: kl├Ągliche Leere. Zeit seines Lebens war es seine Devise gewesen zu geben, sich einzusetzen f├╝r ein gr├Â├čeres Ganzes. Geblieben waren Ber├╝hrungen, Momente, Erkenntnisse. Eine seltsames Gef├╝hl von Verlust, der keiner war, w├Ąhrend sich die Anzahl der Ziffern einer Zahl weiter verringerte, der alle Welt gr├Â├čte Bedeutung zuzumessen schien. Nichts war wirklich gewonnen, nichts verloren, und doch war mit dem Veringern der Zahlen sonderbarerweise ein dr├Ąngendes Gef├╝hl des Verrinnens von Zeit verbunden. Ich muss etwas tun, f├╝hlte er es in sich aufwallen, und wusste doch nicht so recht, welcherart von Handlung denn nun angebracht sein w├╝rde. Nur eines f├╝hlte er deutlich in sich: es war noch nicht genug. Es war noch nicht m├Âglich, sich um Dinge zu k├╝mmern, die ihn im Moment wirklich interessierten. Zuerst die Arbeit, dann das Vergn├╝gen.

Um seinen rebellierenden Geist zu besch├Ąftigen, f├╝tterte er ihn mit einigen Artikeln ├╝ber Selbstst├Ąndigkeit, der ihm das Gef├╝hl vermittelte, etwas verwertbares zu tun, w├Ąhrend er versuchte, in sich hineinzusp├╝ren. Pl├Âtzlich f├╝hlte er in sich eine fast nicht auszuhaltende Anspannung, f├╝hlte, wie verkrampft zahlreiche Muskeln, selbst seine Organe in seinem K├Ârper waren. Kein Wunder, dass er sich oft kr├Ąnklich f├╝hlte. Bewegung.

Er schaltete den die letzten Tage beinahe st├Ąndig ben├╝tzten Laptop aus und f├╝hlte ein Gef├╝hl der Erleichterung in sich hochschwemmen. Stemmte sich gegen automatisch in ihm aufflammenden Impulse, doch zumindest noch die Emails zu checken oder die Nachrichten zu lesen, nahm die Schl├╝ssel und verlie├č die Wohnung. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er seit zwei Tagen nicht mehr in die ├ľffentlichkeit der Stra├če getreten war. Einen Moment musste er ├╝ber die Absurdit├Ąt des Gedankens ÔÇ×Darf ich das?ÔÇť lachen, bis ihm schmerzlich bewusst wurde, dass er hierbei nur kl├Ąglich tats├Ąchliche Unsicherheit mit Humor zu ├╝berspielen versuchte. Die Frage war f├╝r ihn durchaus real, war essentiell: durfte er das? War es denn nicht seine Aufgabe, zuerst wieder Arbeit, zu einer Produktivit├Ąt zur├╝ckzufinden? Sollte er sich nicht sch├Ąmen, immer noch arbeitslos zu sein?

Durch die n├Ąchtlichen Stra├čen wandelnd, f├╝hlte er, dass er seiner Verpflichtung zur Scham durchaus nachkam. Senkte den Blick vor Passanten, f├╝hlte, er habe nichts zu erz├Ąhlen. Und, was machst du so beruflich? war ihm eine Fangfrage, machte ihm Angst. Was hatte er denn zu erz├Ąhlen? Wo war denn nun noch sein Wert? Besser jeglichem Kontakt aus dem Weg gehen.

Schlie├člich gelangte er an das Ufer des gro├čen Stromes, der die Stadt durchzog, lehnte sich an einen gegen jegliche Vernunft mitten in den Strom gewachsenen Baum. F├╝hlte seine M├╝digkeit, eine M├╝digkeit in ihrer Intensit├Ąt weit ├╝ber jener M├╝digkeit nach einem langen Tag vollbrachter Arbeit. Sank kraftlos gegen den Stamm des irregeleiteten Baumes, schmiegte seinen R├╝cken an diesen Riesen, der wohl Zeit seines Baumlebens gegen widrige Str├Âmungen angek├Ąmpft haben mochte ÔÇô und doch war er da, ragte in seiner einsamen Sch├Ânheit ├╝ber das Wasser. Jemand hatte eine Schaukel an einem Nebenast besch├Ąftigt, und er konnte vor seinem geistigen Auge lachende Kinder unter dem Baum spielen sehen. Wie oft wohl hatte jener Baum ├╝ber seinen eigenen Wert nachgedacht, sich gefragt, ob es ihm erlaubt sei, hier zu wachsen? Hatte er seinen eigenen Wert anhand einer Tabelle internationaler Holzpreise festgestellt und sich abgem├╝ht, sein Wachstum an edleren Normen zu orientieren? Waren in diesem riesigen Universum tats├Ąchlich nur die Menschen so derma├čen kompliziert?

Mit den Fingern die raue Oberfl├Ąche der Rinde nachzeichnend, f├╝hlte sich pl├Âtzlich verbunden mit diesem uralten Giganten. Nun war er also ohne geregelter Arbeit, war ihr durch eine F├╝gung des Schicksals entwachsen wie dieser Baum seinen Br├╝dern und Schwestern. Was sollte er seine Zeit darauf vergeuden, den Weg zur├╝ck zu finden, wo ihm doch das Licht der Sonne andere Wege wies? Weil es bequemer ist, schoss es ihm aus den Tiefen seiner Pr├Ągungen, aber nicht einmal der Wahrheitsgehalt dieser Aussage erschien ihm noch wahrscheinlich. Wir lassen uns verarschen, ging es ihm auf, oder wir verarschen andere, nutzen sie aus und f├╝hlen uns unglaublich intelligent dabei. Aber so oder so entkommen wir der Angst nicht.

Nun konnte er den Gedanken endlich greifen und aufrechterhalten. Ja, verdammt, wir haben alle eine tierisch gro├če Angst. Da liegt der wahre Wert einer geregelten Arbeit. Sie lenkt ab vor der wirklichen Arbeit, die uns erwarten w├╝rde. Arbeitslos, keine Arbeit, keine Entschuldigungen mehr, sich dieser inneren Arbeit nicht zu stellen. Wir h├Ątten dann zu viel von jener freien Zeit, die sich Arbeitende vermeintlich immer w├╝nschen. Er sah ab von dem alten Giganten und wandte sich den anderen B├Ąumen am Ufer zu. F├╝r einen Moment dachte ich, der Baum ├╝ber den Fluss sei euch ├╝berlegen, aber auch das stimmt nicht. Ihr seid auf eure Weise gewachsen und er auf der seinen. Ihr bearbeitet eure Aufgaben und ich die meinen.

Es war sp├Ąt geworden, doch erst jetzt fiel ihm auf, dass er wohl der einzige Nachtwandler im ganzen Stadtteil sein mochte. Ein leichter Nieselregen zeigte sich im Schein der Stra├čenlaternen entlang der Uferpromenade. Das Rauschen des Flusses ├╝bert├Ânte auch noch die letzten Reste der ├╝blichen akustischen Hintergrundkulisse der Stadt. Seine Einsamkeit in ihrer Tiefe ersp├╝rend, traf er unerwartet auf festen Grund, ihn und die Begrenztheit seiner Gedanken und ├ängste ersch├╝tternd, ├Âffnend, einatmend die Welt um ihn herum, und f├╝r einen kurzen Moment l├Âsten sich die Schleier von seinen Augen, er f├╝hlte sich eins mit dieser ihm so fremden Welt, durchschaute die Illusion ihrer Unterschiede, dann jedoch ausatmend, Trennung, Isolation wiedererfahrend. Staunend l├Âste er seine Hand vom Stamm des alten Baumes, sich erinnernd an die Weisheiten, von denen ihn seine ├ängste abzuhalten pflegten. Die Angst, die Hast, das Gef├╝hl der Dringlichkeit, sie w├╝rden wiederkehren wie sie es immer zu tun pflegten, doch f├╝r einen beinahe heiligen Moment hatte er sich un-bestimmt, frei gef├╝hlt, und auch wenn der Alltag jene Momente rasch mit dem Zauber des Vergessens zu bedecken pflegte, w├╝rde er ihn in sich aufbewahrt wissen, von ihm zehren k├Ânnen in den dunklen Stunden der Ungewissheit und der Nebel, die vor ihm lagen, nun da er die ausgetretenen Pfade seiner Mitmenschen auch offiziell verlassen hatte.

ÔÇ×Wissen Sie, ich gehe tats├Ąchlich keiner geregelten Arbeit nachÔÇť, sagte er gedankenverloren, doch da war niemand, der ihn h├Ątte h├Âren k├Ânnen, und nach einer kurzen Nachdenkpause f├╝gte er hinzu: ÔÇ×Aber wer will das schon?ÔÇť
Die Nacht schwieg in Zustimmung.

ÔÇ×Hast a Kleingeld f├╝r mi?ÔÇť

Der Mann sah sie mit ruhigen Augen an. Sie wollte ihn schon abwimmeln, wie sie es sonst auch immer tat. Was w├╝rde der Mann damit schon anfangen, au├čer sich Alkohol oder sonstigen Drogen daf├╝r zu kaufen? Doch dann kam ihr zu Bewusstsein, dass es nicht sonderlich konsequent war, erst eine Stunde am Taubenmarkt Umarmungen an Fremde zu verteilen und dann diesen Mann zu ignorieren.

Nat├╝rlich hatte sie ein wenig Kleingeld in der Tasche. Sie kam gerade aus der Billa-Filiale und hatte sich Ein Leberk├Ąseweckerl gekauft. ÔÇ×Ich hab kein GeldÔÇť w├Ąre eine L├╝ge gewesen. Aber sie wollte dem Mann kein Geld geben, wenn er sich damit nur irgendwelche Drogen kaufen w├╝rde. Sie merkte, dass sie bereits zu lange stehengeblieben war, um jetzt einfach weiterzugehen. Sie sah dem Mann in die Augen. ÔÇ×Geld will ich dir keines geben, aber m├Âchtest du eine Umarmung?ÔÇť

Der Mann schien ├╝berrascht von diesem Angebot, doch nicht abgeneigt. Er stand auf, und wirkte pl├Âtzlich nicht mehr so heruntergekommen. Seine Haare und sein Bart waren immer noch zerzaust, und er schien ein wenig schwach auf den Beinen zu sein, doch er erwiderte die Umarmung herzlich. Als sie sich nach einigen Sekunden trennten, leuchtete ihr aus den Augen des Mannes Dankbarkeit entgegen. Etwas hatte sich ver├Ąndert.

Doch auch sie f├╝hlte sich ver├Ąndert, kraftvoller, verbundener mit der Welt. Als h├Ątte diese eine Umarmung etwas von der Isolation der Menschen untereinander aufgehoben, und f├╝r eine Moment sp├╝rte sie die Wahrheit der ├Âstlichen Weisheiten, dass alles verbunden war. Verbunden, und doch so fern voneinander, dachte sie, w├Ąhrend sie in der Stra├čenbahn sa├č und die vielen Bettler an der Landstra├če und die vielen Menschen, die achtlos an ihnen vorbeigingen, beobachtete. Wer seid ihr, ihr Schatten am Stra├čenrand?

Noch als sie zuhause war, sp├╝rte sie die Nachwirkungen der denkw├╝rdigen Umarmung mit dem Bettler. Sie hatte an diesem Tag sehr viele Menschen umarmt, Menschen wie sie selbst, mit guter Ausbildung, einem Dach ├╝ber den Kopf, mit Perspektiven im Leben. Es hatte ihr Freude bereitet, die verbl├╝fften Gesichter der Passanten zu beobachten, zu zeigen, dass sie bereit war, Fremde zu umarmen. Sie hatte sich ├╝berlegen gef├╝hlt. Doch waren es Fremde gewesen?

Denn die Fremde begann wohl dort, wo es sie ├ťberwindung kostete, den anderen zu umarmen, wo sie nicht wusste, ob sie dem anderen vertrauen konnte. Dort begann die Fremde, und dort fand sich auch die Grenze, an der aus einer aus der Langeweile geborenen Aktion wie dem Verteilen von Umarmungen an Unbekannte etwas werden konnte, dass diese Trennung ├╝berwinden half. Das Br├╝cken baute, so dass auf diesen Br├╝cken eines Tages eine Heimat f├╝r alle erbaut werden konnte. Und sie beschloss, den Grundstein zu legen.

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