So hat man zu lieben. Wenn, dann richtig. Sonst ist es keine Liebe. Nur.. Machtspiel. Oder vielleicht auch Lust. Nein, Liebe, richtige Liebe, ist bedingungslos.

Und so hatte er geliebt, mit all seiner Macht, mit all seiner Hoffnung, mit all seinem Glauben. Hatte Erwiderung gefunden. Den einen anderen Menschen, von dem die in Unzahl verschlungenen Geschichten sprachen. Hatte sich ein paar Jahre an das vorgeschriebene Skript gehalten, bis der innere Widerspruch ihn doch unausweichlich mit der komplexeren Wahrheit konfrontierte: dass es da mehr gab als den beschriebenen einen anderen Menschen.

Solche Geschichten zu aufzufinden war schwieriger, umso mehr Geschichten von Menschen, die sich dieser Wahrheit gestellt und damit auch glücklich geworden waren. Es überwogen die Tragödien und Dramen, die Eifersuchts-Szenen bis hin zu Morden im Affekt. Warum sich all dem aussetzen? Warum nicht lieber die Geschichten seiner Kindheit nachspielen, die im Gegensatz dazu meist gut endeten? Was bedeutete ein kleines Opfer an Wahrheit schon im Gegenzug für ein „glücklich bis ans Ende ihrer Tage“?

An dem Tag, an dem er die Realität hinter den Geschichten nicht nur in Andeutungen spürte, sondern mit ihr unmissverständlich konfrontiert wurde, hatte er seine Antwort. Es war bequemer, sich an das Skript zu halten, sich in die endlosen Reihen der Schauspieler vor ihm einzureihen. Nicht mehr alleine, sondern Teil einer kollektiven Geschichte zu sein, und wenn es auch bedeutete, den widerspenstigeren Teil der eigenen Wahrheit, des eigenen Seins, mit fröhlichen Masken zu überdecken. Man muss lernen, sich anzupassen, meinte eine Freundin zu ihm. Man muss. Sonst wirst du auf Dauer nicht glücklich werden. Sie war nicht die einzige, die ihm derart zu helfen suchte.

Am Ende waren es dann diese nie ganz ausgelöschte Spuren von Traurigkeit, von Verlust, die sich in den Zügen jener „Glücklichen“ abzeichneten. Die Bruchteile von Augenblicken, die tiefere Einblicke gewährten, in jene, die ordnungsgemäß gelernt hatten, sich anzupassen. Da war dieser Moment der Reue, kaum wahrnehmbar, und doch den Schmerz verratend: akzeptiert worden zu sein, aber nie ganz, nie in der ganzen Komplexität, der ganzen Tiefe. Es waren gangbare Wege, akzeptable Wege, Wege aus der Einsamkeit, aber ihnen zu folgen schien doch in Sackgassen zu führen. Man war Teil eines Ganzen geworden, aber stets nur als Anteil, in innerer Rest-Spannung mit jenem Teil des Selbst, der als Gegenleistung dafür in die Untiefen des Unterbewusstseins verbannt werden musste.

Nun aufmerksamer auf die Zeichen, fand er sich inmitten wiedergekäuter Geschichten wieder, die sich in den Bewegungen, vor allem aber in den Augen seiner Mitmenschen abzeichneten. Man muss lernen, sich anzupassen, kam ihm die Aussage der Freundin wieder in den Sinn. Aber wenn das stimmte, wie waren dann all diese Geschichten, aus denen man wählen durfte, ursprünglich entstanden? War nicht am Anfang jeder dieser Geschichten jemand gewesen, der durch sein Handeln Geschichte schrieb? Woraus hatte dieser die Berechtigung bezogen, sich eben nicht für eine der bestehenden Geschichten zu entscheiden, sondern Subjekt seiner eigenen, individuellen zu sein? Und wer war überhaupt befugt, solche Berechtigungen zu erteilen oder zu verweigern?

Die Erkenntnis ließ ihn erschaudern: Ich. Und so hatte er von neuem begonnen, mit einem unbeschriebenen Blatt. Nur von der Liebe wollte er sich leiten lassen, von der höchsten, edelsten Liebe, bedingungslos, ehrlich und frei. Und so liebte er die Menschen, die seine Liebe erwiderten, und liebte jene, die dies nicht vermochten. Sah mit einem freundlichen Zwinkern auf diejenigen, die seine Liebe für sich allein beanspruchen wollten, ihn einschränken, ihn an sich binden wollten. „Nehmt!“, schien er ihnen zu sagen, „Es ist genug für alle da!“. Und lange, über viele Jahre, schien er damit auch Recht zu behalten.

Bis er sich irgendwann eingestehen musste, dass seine Liebe am Ende doch auch natürliche Grenzen aufwies, dass sie komplexer war. Nicht in ihrem Fühlen, sondern im Lebendig werden lassen in einer in sich begrenzten Welt. Liebe, das war gleichzeitig ewige, unabänderliche Essenz, und unbeständige, gewissermaßen pulsierende Form. War Vertrauen, Hoffnung auf diese Essenz hinter den Formen, war Anziehung, war Loslassen, war Wiederkehren, war… vergänglich und ewig zugleich, war Sterben lassen der Formen mit dem Glauben an die Wiedergeburt, war… keine Auswahl an Geschichten mit vordefiniertem Ausgang mehr, aus denen zu wählen war, sondern ergebnisoffen. War Risiko, nicht einmalig, sondern stets aufs Neue.

Hilfreiche Bilder fand er, wie so oft, in den Elementen: Wasser. Wasser veränderte seine Konsistenz, war nicht immer gleich greifbar, konnte Leben spenden, aber auch verletzen und töten. Bedingungslose Liebe in ihrer Essenz allein war wie Wasser in seiner natürlich vorkommenden Form. Nun hatte der Mensch über Jahrtausende gelernt, Wasserläufe ein Stück weit zu beeinflussen, ihnen zweckdienliche Formen zu verleihen. Doch dort, wo Wasser in Verkennung seiner Essenz zu kontrollieren versucht wurde, verlor es seinen lebensspendenden Wert: Wasser musste fließen können. Und doch war es auch möglich, es in Anerkennung seiner ursprünglichen Form umzuleiten, ohne es in seiner Lebendigkeit zu beeinträchtigen. War das etwa, neben der Fähigkeit, unabhängig der gerade sichtbaren Formen an die immerwährende Essenz hinter den Formen zu glauben, die wahre Kunst der Liebe?

Und so suchte er nach Wegen, seine Liebe und die jener, die für ihn Liebe empfanden, in lebendige Bahnen zu leiten, die dem gemeinsamen Wachstum förderlich sein würden. Liebte bedingungslos, und doch stets bemüht, im Ausdruck dieser Liebe die Bahnen zu achten, die die Bedürftigkeit des Einzelnen vorschrieben. Versuchte, ganz zu lieben, unverdrängt, und damit auch anderen den Raum zu eröffnen, sich ebenso ganz, nackt zu zeigen. So ineinander zu fließen, dass die gegenseitig gefühlte Liebe Leben und Lebendigkeit spendete.

Es war ein schwieriger Weg, sich hinter die Kulissen zu begeben, hinter die Masken der öffentlichen Identität, hinter die Formen, die die Menschen vor dem ganzen Mensch zu beschützen vorgaben, hinter die Wörter, die die Identität des Einzelnen davor schützten, zu einer individuellen, einzigartigen zu werden. Und doch… fand er sich bestätigt, wenn er sich mit Menschen in diesem unbestimmten Raum wiederfand, und in ihren Augen und Herzen dieselbe Nervosität und Freude spürte, die auch ihn stets erfasste, wenn er hierher zurückkehrte. Hier war… Mögliches zu finden.

Hier, das war ein Raum reinen Potentials, gewissermaßen Wasser in seiner ursprünglichsten Essenz. Es war der Ort, an dem sich Menschen einander ganz zu zeigen vermochten, an dem sichtbar werden durfte, was der jeweils andere brauchte. An dem es wertfrei als gegeben akzeptiert werden konnte, dass auch erwachsene Menschen überhaupt brauchen durften. An dem man gemeinsam nach kreativen Lösungen suchen durfte, diese realen Bedürfnisse der Betroffenen auch erfüllt zu sehen. Und wie die in ihrer Essenz vorhandene Liebe zueinander so ausgedrückt werden konnte, dass sie auch immer wieder das das Geschenk empfunden werden konnte, das sie darstellte.

Vor Jahren hatte er begonnen, diesem Weg zu folgen, der streng genommen erst Weg wurde, indem man ihn gegangen war. Immer wieder hatte er sich mit anderen Menschen an jenem Ort reinen Potentials wiedergefunden. Oft hatte er lange nicht mehr dorthin zurĂĽckgefunden, oder ohne die Menschen, fĂĽr die er Liebe empfand, wieder dort anzutreffen, weil auch diese sich bisweilen in der Welt verlaufen hatten. Oft hatte er gelitten, oft war er versucht gewesen, doch den Rat der Freundin anzunehmen. Man muss, hatte sie gesagt.

Doch trotz aller Erfahrungen, die ihn bisweilen an seinen Entscheidungen zweifeln ließen, trotz aller Narben, die er an seiner Seele davongetragen hatte, verlieh ihm doch eines Mut: er konnte sich eingehend im Spiegel betrachten, und fand doch sehr oft ein Lächeln in diesem vertrauten Gesicht. Konnte tief in diesen Augen schürfen, und fand doch, obwohl sich neben Freude bisweilen auch Traurigkeit darin finden mochte, keine Reue.

Man muss nicht, dachte er. Man kann. Man kann aber auch nicht, wenn man nicht will, und es sich nicht richtig anfühlt. Vielleicht liegt darin ja das ganze Geheimnis. Dass man aus viel mehr als ein paar vorgefertigten Geschichten wählen kann. Solange man sich dabei noch im Spiegel betrachten und zufrieden sein kann mit dem, der einem da entgegenlacht. Dann kann man auch mal falsch liegen. Und manchmal richtig.

Und so, aus dieser einen ursprĂĽnglich Entscheidung, durch eigenes Handeln einen eigenen, stimmigen Weg zu gehen, eine Geschichte schreiben, die es auch wert ist, gelesen zu werden.


P.S.: Ein wenig Werbung in eigener Sache:
In den nächsten zwei Wochen gibts von mir im FreiRaumWels jeweils Dienstag, 19:00 einen Vortrag anzuhören:

  • 29.5., 19:00 – Der universelle Entwicklungskreislauf (was hat die Arbeitsweise von Psychotherapeuten, Schamanen, Heilern, Lehrern, … gemeinsam? Welche Rolle spielen Drogen und SĂĽchte darin? Was können wir daraus fĂĽr den Alltag lernen?)
  • 5.6., 19:00 – FĂĽhren zur Selbstverantwortung (Wie fĂĽhrt man andere so, dass sie eigenständig und in Eigen-Initiative lernen/arbeiten, bzw. wie gestalte ich Soziale Systeme wie z.B. eine Schulklasse so, dass sie die Eigen-Initiative und Selbstverantwortung unterstĂĽtzen statt wie sonst oft eher blockieren?)

Mehr Informationen dazu gibts unter Vorträge/Workshops – ich freu mich auf euer kommen 🙂

 

Fern von hier lebt eine junge Frau in einem etwas seltsam anmutenden Haus. Es ist irgendwie nicht so ganz gerade geworden, das Haus, man könnte sagen: windschief, und die meisten Menschen, die daran vorbeigehen, können vor Neugier gar nicht anders, als stehenzubleiben und hineinzusehen. Manchmal haben sie dann Glück, und die junge Frau führt sie durch das Wunder, in dem sie viele ihrer Tage verbringt. Nein, gebaut hat sie es nicht, dieses Haus. Und trotzdem scheint sie es beinahe zu atmen.

Wenn sie dann diesen seltsamen Ort wieder verlassen, fühlen die Besucher oftmals noch eine Art „Nachklingen“, nur ohne einen dazugehörigen Ursprungston gehört zu haben.. Als würde etwas von diesem Haus, von dieser Umgebung, sich an ihnen festgehaftet haben.. Ein Gedanke, eine Idee… vielleicht auch eine Möglichkeit? Aber mit der Zeit verblasst ihnen dieses Gefühl, und sie kehren zurück in die so wohlbekannte Welt ihres Alltags, vergessen diesen Ort und seine so sonderbare Bewohnerin.

Denn sonderbar, so wirkt sie wohl, jene junge Frau. Als wäre sie die rechtmäßige Erbin dieses Hauses, obwohl erdacht von einem anderen Geist, in anderen Zeiten, für andere Zwecke. Als würde sie sich diesen Ort angeeignet, Teil von ihm geworden sein. Verwurzelt.

Vielleicht ist es diese Art von Verbundenheit, die dem zufälligen Besucher als erstes auffällig wird, dieses so sonderbare Fehlen von Distanz zwischen der jungen Frau und jenem Ort, diese Art von Hingabe, von Eins-Werdung. Wie liebevoll sie mit der Pflanze spricht, die sie gerade gießt, mit dem Habicht, der über dem Tal seine Schwingen ausbreitet, sogar mit dem Raum selbst – beinahe möchte man glauben, sie würde tatsächlich Antworten erwarten, würde tatsächlich mit allem um sie herum kommunizieren, seien es Tiere, Pflanzen, Räume, Orte. Wenn sie lapidar erzählt, sie hätte vor einigen Tagen eine kiloschwere Schiefer-Platte aus dem nahegelegenen Fluss den ganzen Weg hierhergeschleppt, weil sie sich von ihr.. angesprochen gefühlt habe.. und der Besucher dieselbe Schieferplatte nun am Küchentisch in für das Auge kaum ertragbarer Schönheit als Fundament einer Art von Gesamtkunstwerk wiedererkennt.. man möchte beinahe glauben.. ebenso sehen..

Aber natürlich siegt am Ende doch meist die Vernunft, die eine rote Linie an der Grenze zum  Unbelebten zieht. Mit Tieren, mit Pflanzen sprechen, nun, das mag noch angehen, was weiß die Wissenschaft schon auszuschließen, dass nicht auch Tiere und Pflanzen kommunizieren und jemand nicht mit viel Geduld ihre Sprache erlernen kann? Aber mit Steinen, Räumen, Orten? Das geht dann doch zu weit. Diese Grenze zu überschreiten hieße, der eigenen Verrücktheit Tür und Tor zu öffnen.. und wo käme man denn da noch hin, diese inneren wie äußeren Pforten aufzustoßen?

Die junge Frau aber sieht den verwirrten, an Verzweiflung grenzenden Blick des Besuchers und erkennt mit einem Hauch von Heiterkeit wie wehmĂĽtiger Erinnerung ihr frĂĽheres Ich in jenen Augen. Bietet dem jungen Mann Tee an, bereits wissend, dass er ablehnen und diesen Ort so rasch er kann kopfschĂĽttelnd verlassen wird. Vielleicht wird es ihm möglich sein, niemals wiederzukehren. Ihr war dieser einfache Ausweg nicht vergönnt gewesen. Als sie zum ersten Mal den „Geist“ eines Raumes wahrgenommen, seine BedĂĽrftigkeit nach höherer Ordnung, ja beinahe nach Liebe gespĂĽrt hatte, zum ersten Mal be-geistert gewesen war von einem Ort, der Andeutung eines GegenĂĽbers, nur dunkel erahnend, dass sie – noch fast blind – einer Quelle nachspĂĽrte, die von Menschen ĂĽber den ganzen Erdball und alle Menschenalter gesucht worden war, hatte sie noch nicht so recht gewusst, was sie erwarten wĂĽrde, wusste es bis heute nicht – folgte im Grunde nur stets aufs Neue in lichteren Momenten dieser leisen Ahnung, dass sie sich auf einem richtigen Wege befand.

Manchmal, selten, erfĂĽllen sie dann doch Zweifel. Wer bin ich denn, was bin ich wert im Spiegel der Welt? Und dann fragt sie sich, wie sie sich und der Welt wohl beweisen könne, dass sie auch wirklich begeistert sei, von Geist erfĂĽllt, und weiĂź doch – als ungeborene Gewissheit, noch ohne es sich und anderen eingestehen zu können – dass diese Art von Geist und Intuition sich eben gerade nicht beweisen, vorfĂĽhren, in Formen pressen und verkaufen lässt. Dann quält sie sich, der Illusion der Notwendigkeit folgend, jemand anderes zu sein, ein Spiegel fĂĽr die Welt des Normalen, um die Menschen im AuĂźen nicht verwundern zu mĂĽssen, ihnen nicht Wunder zu sein. Will untergehen in einem Meer der Gleichartigkeit und GleichgĂĽltigkeit.

Denn sie praktiziert eine sterbende Kunsttradition, und weiĂź es.

Und doch ist es gerade diese Seltenheit, diese Besonderheit ihres Erlebens, der ihr neben all dem Schmerz der Vereinzelung auch eine Verantwortung aufbürdet, die Aufgabe, eben nicht aufzugeben. Es gibt nur noch so wenige von uns, dass die Entscheidung eines jeden einzelnen zählt.

Die Kunst der Begeisterung ist eine lebensspendende Kunst. Ohne sie stirbt uns unsere Umgebung aus dem Bewusstsein hinfort. Andere mögen abbilden, sichtbar machen, die Begeisterung jedoch stellt den Ursprung, den ersten Riss in der Mauer zwischen uns und der Welt dar. Sie erschafft das Leben nicht, aber macht es uns erst lebendig erfahrbar.

Was also ist sie wert im Spiegel der Welt, diese sonderbare junge Frau? Viel, sagen diejenigen, die sie im Ansatz ihrer Tiefe kennengelernt haben. Wenig bis nichts, eine Nummer in einer Statistik, sagt eine Gesellschaft, die es im Angefühl der Sättigung versäumt hat für jene zu sorgen, die sie mit Lebendigkeit versorgen. Aber Menschen machen auch nur einen verschwindend geringen Anteil all derer aus, mit denen sie tagtäglich zu tun hat.

„Ich liebe es, dich zu wärmen“, erzählt ihr morgens die Sonne.
„Ich liebe es, dich mit meinem Gesang zu wecken“, der Vogel, der unter dem Dachbalken wohnt.
„Ich liebe es, in deinem wallenden Haar zu spielen“, der Wind.
„Ich liebe es, deine Seele zu tragen“, singt der Waldboden ihr sein Lied.

Und wieder verklingen all die anklagenden Stimmen, sie solle doch endlich erwachsen werden, sich einen Job suchen, im steten Strom der Gezeiten, und eine heitere, wohlige Gelassenheit erfasst sie.

Wenn ihr nur wüsstet…

Ja, wenn all jene nur wüssten, sehen, spüren könnten.. wenn man nun auch andere begeistern könnte? Das, so fühlt sie nun, das wäre nun wirklich große Kunst.. Eine Lebensaufgabe.. vielleicht, so beginnt sie nun zu ahnen, ist es nicht die meine, mir noch quälend einen Job zu suchen, wo doch tagtäglich mich findet, was zu tun bereit und notwendig sich anfühlt, um die Lebendigkeit zu erhalten.

Natürlich hat sie den Gedanken nicht bis zur letzten Konsequenz zu Ende geführt. Sie mag etwas Besonderes sein, an ein Wunder grenzen, ist aber doch einem allzu menschlichen Sein entwachsen und in all den Zweifeln und Achtlosigkeiten verwurzelt wie andere Menschen ebenso. Und doch.. ist sie eine sehr außergewöhnliche junge Frau. Vielleicht wird der Tag noch kommen, an dem sie ihre Geschichte umzuschreiben bereit ist und statt nur ein „Wenn ihr nur wüsstet..“ zu denken mit sicherer Stimme sprechen kann: „Sehet!“

Möge jener Tag nicht mehr fern sein.

„Möge es dich begleiten“, hatte der Freund gemeint, und ihm das Amulett in die Hand gedrückt, „ich habe es dir aus Nepal mitgebracht“. Es war nicht irgendein Mann gewesen, sondern derjenige, dessen Geschichten ihn stets beeindruckt hatten. Geschichten von fernen Ländern, von sozialen Projekten. Es war der Mann gewesen, der „Ingenieure ohne Grenzen“ ins Leben rufen wollte, eine Schwesterorganisation der bekannten Ärzte ohne Grenzen, die freiwillige Ingenieure der ganzen Nation um sich versammelte, um in ärmeren Ländern für eine flächendeckende Versorgung mit Wasser, Strom und weiterer Infrastruktur zu sorgen. Alle paar Monate jedoch würde er zurückkehren, zu jenem Ort, an dem sich ihre Wege immer wieder aufs Neue zu kreuzen pflegten. Nun würde er wieder für einige Monate abreisen, und den Jüngeren träumend zurücklassen, träumend, selbst ebenso eines Tages die Welt zu verändern.

Jeden Morgen, wenn er aufwachte, würde er es nun um seinen Hals fühlen, das Amulett des Älteren, und von einer Zukunft träumen, in der er selbst einer jener Männer sein würde. Sein Geist begleitete ihn durch den Tag, leitete ihn durch schwierige Entscheidungen, war da für ihn wie ein gütiger Vater. Lange hörte er nichts von dem Anderen, und doch fühlte er sich nicht allein gelassen, fühlte sich beschützt, begünstigt, beinahe auserwählt. Hatte nicht er jenes Amulett erhalten, war es nicht seine Bestimmung, dem Älteren nachzufolgen, Großes zu leisten?

Und so hatte er dann auch seine Ängste überwunden, war in die Ferne gereist, um das Leid mit eigenen Augen zu sehen, von dem der Freund so oft gesprochen hatte. Es war nicht genug, sich über etwas zu beschweren. Nein, er würde handeln, würde helfen, würde heilen und gesund machen. Also bereiste er ferne Länder, gab den Armen und suchte ihre Nähe, suchte, einer von ihnen zu werden, auf dass er sie aufrichten, dass er ihnen Hoffnung schenken konnte. Das Amulett war immer bei ihm, schenkte ihm Kraft, wo der Wille schwach zu werden drohte. Was war sein Leid gegen das Leiden der mittellosen Massen, was war seine selbstgewählte Marter gegen die Machtlosigkeit der Trostlosen? Er war so schwach, so lächerlich schwach angesichts des Leids, das ihm entgegenschwappte! Sein Wille musste eisern sein, durfte die Hoffnung nicht aufgeben, musste den Massen ein Leuchtfeuer der Hoffnung im Dunkel ihrer Armut sein. Und so lernte er mit der Zeit, das Leiden auszuhalten, ihm zu widerstehen und den Massen zu helfen, sich und ihnen geistige Freiräume in ihrer Not zu schaffen, von denen aus sie ihr Schicksal in die Hand nehmen konnten. In einem umgebauten Bus fuhr er in die Favelas, um den Armen Träume zu schenken.

Als er Jahre später wieder zu jenem Ort, an dem er einst das Amulett erhalten hatte, zurückkehrte, wirkte er gezeichnet von seinen Erfahrungen in der Fremde, doch die Jahre hatten ihm auch tiefe Lachgrübchen geschenkt, und sein Schritt, nun etwas gefestigter, war von kraftvoller Federung. Kaum jemand erkannte in ihm noch den Jüngling von einst mit der unsicheren Stimme und den verträumten Augen. Das Lederband, mit dem er das Amulett einst um seinen Hals befestigt hatte, war gerissen, das Amulett verloren, doch der Geist des Idols noch lebendig wie am ersten Tag.

Und so war es für ihn ein Schock, den Anderen so an jenem Ort wiederzutreffen, an dem er vor so vielen Jahren einst das Amulett erhalten, das ihn auf seinen Weg gebracht hatte. Der alte Freund, der ihm den Weg gewiesen, wirkte verstört, sein Blick war gehetzt und der untere Teil seines Gesichtes auf seltsame Art und Weise nach vorne verschoben. Er hatte genügend Zeit in den Untiefen der Favelas verbracht, um zu wissen, was geschehen war. Irgendwann auf seiner Reise musste der Ältere den gefährlichen Lockungen erlegen sein, die ihm von Entspannung und Frieden flüsterten. Opium vielleicht. Oder Heroin. Seine Hand umklammerte das kleine Halsband in der Tasche, das er von dem Artensano in Bolivien für den Freund erstanden hatte und dass er dem großen Vorbild als Zeichen seiner Dankbarkeit schenken hatte wollen.

Als er es dem Alten umlegte, klärten sich die Wolken in seinen Augen für kurze Zeit. Ein Lächeln zog sich über sein Gesicht, als er die Lachgrübchen des Jüngeren ausmachte.
„Danke, dass du mich wieder zu lachen gelehrt hast“, sagte der Ältere.
„Danke, dass du mich einst zu leiden gelehrt hast“, erwiderte der Jüngere.
Und zusammen staunten sie über die unergründlichen Kreisläufe des Lebens, die sie beide, das Leiden und das Lachen, immer wieder zusammenzuführen pflegte.

#42 Das Amulett als .pdf downloaden

Als ich letztens mit meinem GroĂźvater zusammensaĂź und wir ĂĽber wirtschaftliche Entwicklungen sprachen, kam das Thema darauf, welche Arten von Arbeit wohl auch in Zukunft noch das Potential hatten, den Arbeitenden ein vertretbares Einkommen zu sichern. Mein GroĂźvater hatte selbst einst ein mittelgroĂźes Unternehmen im Gastronomiebereich aufgebaut, und er sorgte sich um die Gastronomen und anderen Dienstleister der Branche, die sich einem knallharten Konkurrenzkampf ausgeliefert sahen, indem zunehmend alle verlieren wĂĽrden.

Natürlich handelt es sich bei all diesen Dingen um hochkomplexe Probleme, die sich kaum isoliert und heruntergebrochen betrachten lassen, ohne wichtige Komponenten auszublenden. Trotzdem glaube ich, dass einige der Überlegungen, die unser Gespräch begleiteten, auch für (angehende) Pädagogen interessant sein könnten. Immerhin geht es dabei unter anderem um die Frage, für welche Wirtschaftssituation wir unsere Schüler vorbereiten, und ob die derzeitige Sicht der Dinge auch in einigen Jahren noch zeitgemäß sein wird oder auch nur könnte.

Die Kosten, oh die Kosten…

Mein Großvater sprach also von dem enormen Kostendruck, der heutzutage auf Gastronomen, aber auch andere Dienstleister der Branche laste, verstärkt noch durch die Großen Ketten verwandter Branchen, die sich aufgrund ihrer schieren Größe oft gewisse Tricks erlauben konnten, die einem kleinen Bäcker oder Gastronom schlicht nicht zur Verfügung standen, etwa wenn ein Hofer-Supermarkt sein Brot bewusst unter dem Bäckerpreis verkauft, weil er weiß, dass die Kunden den geringen Brotpreis langfristig dadurch ausgleichen, dass sie andere Produkte gleich mitkaufen.

Dies zwingt den Bäcker dazu, entweder darauf zu vertrauen, dass seine Qualität (die von den Supermarktketten oft – oder zumindest beinahe – eingeholt werden) oder die Tradition seine Kunden an ihn bindet, oder günstiger zu produzieren. Günstiger produzieren kann beispielsweise ein Bäcker, indem er an der Qualität seiner Zutaten spart (was schlecht für die Qualität der Endprodukte ist, ein Teufelskreis). Alternativ könnte er versuchen, seine Prozesse innerhalb des Unternehmens zu optimieren, was oftmals darauf hinauslaufen wird, erfahrene (und damit teurere) Mitarbeiter abzubauen und durch Maschinen oder ungelernte Kräfte zu ersetzen – um damit wiederum eine Möglichkeit zu verlieren, sich von der Konkurrenz abzuheben.

Ăśberforderung aller als Konsequenz des Vertrauensverlustes

Als ich meinen Großvater dann fragte, was denn eine Lösung für eben jene kleinere Betriebe sein könnte, sich gegen diese oft bedenklichen Entwicklungen zu wehren, meinte er, sich auf Dienstleistungen zu konzentrieren. Auch mit dem Aufkommen des Internets sei es heutzutage für die meisten Menschen, die sich damit ein wenig auskennen, möglich, sich ihre Produkte direkt bei den Produzenten zu bestellen, was fast zwangsläufig günstiger als die Geschäftsvariante ist, die ja Mitarbeiter und Lagerkosten bezahlen muss.

Um sich dabei jedoch auch das richtige Produkt zu bestellen, muss sich der Kunde fast zwangsläufig gut mit den zur Verfügung stehenden Produkten auskennen. Wer sich also ein neues Handy kaufen möchte und dies über das Internet tun will, wird sich die entsprechenden technischen Details und Preise ansehen müssen und Zeit aufwenden müssen, sich zu informieren – oder einfach irgendetwas kaufen, was ihn möglicherweise nicht so recht zufriedenstellt. Weitergedacht würde dies dazu führen, dass wir alle in Zukunft ein enormes Expertenwissen in den verschiedensten Bereichen aufbauen müssten, um die jeweiligen Produkte für unsere jeweiligen Bedürfnisse richtig auswählen zu können. Und genau hier, so mein Großvater, liegt eine Chance verborgen.

Denn ebenso, wie unsere Gesellschaft in der Produktion auf der Arbeitsteilung basiert, wird sie auch im Bereich der Erfahrung sinnvollerweise auch auf der Arbeitsteilung basieren. Unsere Leben sind schlichtweg zu kurz, um über alle Lebensbereiche ausreichend informiert zu sein oder ausreichende praktische Erfahrung zu sammeln, um überall gute Entscheidungen zu treffen. Menschen mit theoretischer und praktischer Erfahrung können hier den einzelnen erheblich entlasten, und diese Art von Dienstleistung, jene guter Beratung, wird wohl auch zumindest in naher Zukunft nicht von Computern übernommen werden können, weil sie auch ein Stück weit Intuition und Einfühlungsvermögen voraussetzen. Ebenso dürften laut ihm auch praktische Dienstleistungen wie beispielsweise Haare schneiden oder Massieren auch langfristig kaum von Maschinen verdrängt werden.

Urvertrauen

Was dazu zwischen dem Kunden und dem Dienstleister vonnöten ist, ist ein gewisses Maß an Vertrauen. Ein Grund, warum viele Menschen in meinem Umfeld überhaupt angefangen haben, sich im Internet über Preise und Produkte zu informieren, ist ja jener, dass sie den Geschäften nicht mehr vertrauten, ihnen die beste Beratung mit den besten Preisen und Produkten zukommen wollen zu lassen – oder dass die Mitarbeiter in den Geschäften schlicht nicht mehr die Erfahrung hatten, dies zu bewerkstelligen, weil es ungelernte und damit austauschbare Kräfte waren. Wenn jedoch ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen mir und einem Dienstleister besteht, so kann ich ihm vertrauensvoll mein Problem übergeben und mich von ihm zu einer Lösung führen lassen. Womit wir in der Pädagogik angekommen sind.

Vor allem in freien Schulen scheint es oft eine starke Kluft zwischen jenen Pädagogen zu geben, die den Kindern gerne völlige Freiheiten lassen würden, da sie ein starkes Vertrauen haben, dass die Kinder das schon alleine schaffen würden, und jenen, die zumindest ein dumpfes Gefühl verspüren, dass es auch wichtig sei, Kindern manche Dinge aufzutragen und Dinge von ihnen zu erwarten. In vielen Schulen wird sich, wenn die Zusammensetzung der Pädagogen stimmt, ein mehr oder weniger gesundes Mittelmaß zwischen den beiden Extremen absolute Freiheit lassen und befehlen einpendeln. Demgegenüber möchte ich das Führen setzen, und zwar im obigen Sinn.

Führen bedingt für mich ein Vertrauensverhältnis zwischen Führer und Geführtem, und ist für mich notwendigerweise ein freiwilliger Vorgang, dem sowohl Führer als auch Geführter zugestimmt haben. Er hebt sich davon vom Befehl ab der ja keineswegs auf Freiwilligkeit basiert, aber auch vom Lassen absoluter Freiwilligkeit, weil der Geführte sozusagen einen Teil seiner Freiheit freiwillig (!) und für eine bestimmte Zeit (!) aufgibt, um sie in die Hände des Führenden zu legen, im Vertrauen auf gute Führung hin zu seinem eigenen (!) Ziel. Auch wenn ich gesinnungsmäßig ursprünglich sicherlich eher vom Pol der absoluten Freiheit ausgegangen bin, halte ich es heute für absurd, Kindern die Möglichkeit nehmen zu wollen, sich Führung zu suchen, wo sie es selbst für sinnvoll halten. Einem Erwachsenen, der sich in einer fremden Stadt nicht zurechtfindet, verbieten wir ja ebenso wenig, andere um Hilfe zu bitten, warum sollten wir es bei Kindern anders halten?

Wenn sich Pädagogen nun bereit erklären, jenen Kindern Führung zu geben, die sie erbitten, so können sie ihnen auch gleichzeitig ein direktes Vorbild dafür sein, selbst einst andere zu führen – als Friseure, als Verkaufsmitarbeiter, Manager, Visionäre, was auch immer sie einst tun werden. Je nachdem, wie vorbildhaft sich die Pädagogen dabei verhalten (eben beispielsweise dabei zu bleiben, den tatsächlichen Führungsgesuchen zu entsprechen, anstatt Reden zu halten oder andere Lebensbereiche als die erbetenen ebenso dominieren zu wollen), können sie ein leuchtendes Vorbild im Führen von anderen sein.

Gute FĂĽhrung

Realistischerweise wird auch der beste Pädagoge nicht in allen Lebensbereichen über das Wissen und die Erfahrung verfügen, andere gut zu führen. Schlechte, illegitime oder auch gar keine Führung führt nicht gerade zu einem Mehr an Vertrauen in das Gegenüber. Ich habe zwar auf diese Weise gelernt, sehr selbstständig zu denken und zu handeln, doch die Kehrseite war ein großes Misstrauen gegenüber Autoritätspersonen, selbst jenen, die es sicherlich nicht verdient hätten (falls einer von euch das liest: es tut mir heute ziemlich Leid, es war nicht böse gemeint).

Ich möchte meinen Kindern (und Schulkindern) gerne ermöglichen, Autoritäten (und damit auch mir) zu vertrauen, und ich glaube, dass manche Situationen, die ihnen zu viel werden, Führung notwendig machen, ebenso, wie es manchmal ein Lassen oder in Ausnahmefällen gar ein Befehlen sein wird. Die Grundvoraussetzung von all dem jedoch ist eine vertrauensvolle Beziehung, die wohl davon abhängt, ob in der jeweiligen Situation die richtige Wahl zwischen jenen drei Möglichkeiten getroffen wurde. Ich wünsche meinen (Schul-)Kindern ein gut entwickeltes Selbst-Vertrauen, aber auch, dass sie sich, wenn sie sich überfordert fühlen, vertrauensvoll an andere wenden können, sie sicher durch die Schwierigkeiten hindurchzuführen.

Niklas

Gestern Abend brachte ein Mitglied des „Pädagogischen Quartetts“ im Rahmen der langen Nacht der Forschung eine Idee auf, die es wert ist, hier aufgegriffen zu werden: Wir sollten uns von der Vorstellung verabschieden, wir wüssten, wer der Andere ist oder was dieser Andere braucht. Nur, wenn wir annehmen, dass wir möglicherweise nicht wissen, was der Andere braucht, kann Dialog entstehen. Und bereits vor knapp 50 Jahren schrieb ein Brasilianer namens Paulo Freire über die Wichtigkeit des Dialoges in der Pädagogik. Dass dies in einer Militärdiktatur nicht sonderlich gern gesehen wurde und er jahrelang nach Chile ins Exil geschickt wurde, unterstreicht nur das demokratische Potential der dialogbasierten Pädagogik.

Das Recht, eine Meinung zu haben, die sich von deiner Meinung unterscheidet

Um mit einem Kind einen Dialog führen zu können, muss ich nicht nur annehmen, nicht alles über dieses Kind zu wissen. Ich muss ihm auch ein Recht auf eine eigene Meinung gewährleisten, weil ansonsten zwar ein Gespräch zwischen zwei Menschen stattfindet, diese zwei Menschen sich jedoch nicht sonderlich viel zu sagen haben werden.

Das Recht auf eine eigene Meinung bedeutet jedoch nicht gleichzeitig das Recht, die eigene Meinung auch bedingungslos durchsetzen zu können. In dem Moment, in dem sich mehr als ein Mensch in einem Raum befindet, begeben wir uns auf eine politische Ebene. Nicht im Sinne von institutionellen Strukturen und Wahlrechten, sondern im Sinne von kollektiven Entscheidungsfindungs- und Umsetzungsprozessen. Innerhalb einer gut funktionierenden staatlichen Demokratie ist es möglich, demokratisch, diktatorisch, totalitär oder sonstwie kreativ organisierte Räume zu schaffen, und eine Schulklasse oder Schule ist in seiner Struktur ein Raum mit einem solchen Potential, wie an der teils sehr unterschiedlichen Atmosphäre von Schulklassen beobachtbar ist.

Der politische Lehrer

Ein Lehrer, (hoffentlich) Vorbild seiner Schüler, muss sich selbst als politisches Individuum wahrnehmen, wenn er dieses politische Bewusstsein über die eigenen Selbstwirksamkeit auch bei seinen Schülern erwecken will. Dies bedeutet, dass er die von außen auferlegten Einschränkungen und den von außen erzeugten Druck zwar wahrnimmt, ihm jedoch nicht unkritisch erliegt. Dem Druck und den Anforderungen von außen stur zu folgen, würde ihn zum Manager degradieren. Doch ein guter Lehrer ist neben einem Manager und Organisator immer auch ein Politiker in dem Sinne, dass er Visionen hat, die er umzusetzen gedenkt.

Als Politiker, der den kleinen Raum, den seine Schule darstellt, (mit-)gestaltet, wird der Lehrer früher oder später gezwungen sein, Netzwerke aufzubauen, um auch auf den von außen kommenden Druck nicht nur managend, sondern auch gestaltend wirken zu können. So wird er sich vielleicht mit den Eltern seiner Schüler zusammensetzen und mit ihnen gemeinsam Lösungen herausarbeiten, oder mit seinen Kollegen gemeinsam überflüssigen Arbeitsaufwand reduzieren, indem die Zusammenarbeit verbessert wird. Möglicherweise entsteht sogar eine Informations-Kampagne zu den an der Schule erfolgreich angewandten Methoden, um die öffentliche Akzeptanz und Wahrnehmung zu verbessern.

Politischen Vorbilder?

Wie sollen Kinder und Jugendliche politische Mitbestimmung lernen, wenn sie nur von gestressten Eltern und Lehrern umgeben sind, die dem Druck der Wirtschaft hilflos erliegen? Dem Druck, über den wir uns dann von den Stammtischen bis hin zur sogenannten Elite beschweren, dass er immer größer werde, gegen den dann doch nur so wenige das einzig mögliche Mittel einsetzen wollen: die Entscheidung, etwas anders zu machen, zu gestalten anstatt nur immer knapper werdende Ressourcen zu verwalten. Da wird sich dann aufgeregt über die „Unfähigkeit der Politiker“, anstatt zu realisieren, dass Politik im Grunde nichts anderes ist als gemeinschaftliche Gestaltung dieser Welt und wir keine hochdotierten Gehälter dafür brauchen, diese Welt mitzugestalten. Wir alle sind politische Individuen, sowie wir Menschen sind. Wenn wir all diese politische Macht zur Mitbestimmung auslagern wollen, sollten wir uns nicht sonderlich aufregen oder wundern, dass diese Macht oft kontraproduktiv eingesetzt wird.

Lehrer und Lehrerinnen wird von der Gesellschaft die Verantwortung für eine eigene „kleine Welt“ in Form einer Schulklasse überlassen. Wir sind verantwortlich für diese kleine Welt, und der Druck von außen ist da keine zulässige Ausrede, nur Auftrag an den Diplomaten in uns, dort Abhilfe zu schaffen, wo es unsere Schüler-/innen aufgrund ihrer nachteiligen Situation in der Gesellschaft noch nicht selbst schaffen können.

Kinder als ein selbstständige politische Individuen anzunehmen, setzt voraus, auch uns selbst als selbstständiges politisches Individuum annehmen zu können. Sind wir bereit, Verantwortung zu übernehmen? Sind wir bereit, zu gestalten, anstatt stets nur zu verwalten und darauf zu achten, dass alles funktioniert? Dazu braucht es eine gehörige Portion Mut und Durchhaltevermögen. Diese Welt braucht auch eure Vision von einer anderen Welt. Also lasst euch nicht unterkriegen. Sprecht darüber und gestaltet sie gemeinsam.

In all den bunten Farben und Formen.

Niklas

Es gibt in der Informatik zwei sich polar gegenüberstehende Entwicklungsmethoden, wenn es darum geht, Programme zu entwickeln, die bestimmte Probleme lösen sollen. Im V-Modell wird zuerst ein möglichst exakter Plan entwickelt, dem Auftraggeber vorgelegt, von ihm abgesegnet und dann ohne grosse weitere Abweichungen nach diesem Plan entwickelt. Die Vorteile sind eine gute, genaue Planung und vor allem auch, dass auf dem Weg auftretende Probleme nicht mehr in der Verantwortung des Entwicklers liegen.

Dem gegenüber existiert das Modell des Extreme Programming, in der die einfachste lauffähige Lösung für ein Problem (Hack) zusammengeschustert wird, dies dem Kunden vorgelegt wird und darauf aufbauend ständige Verbesserungen nach Kundenwünschen umgesetzt werden, bis eine lauffähige und nutzbare Endversion entstanden ist. Dadurch, dass weniger langfristig geplant wird, kann es passieren, dass bei neuen Wünschen der Kunden das bisherige Programm unbrauchbar wird und grosse Teile völlig neu konzipiert werden müssen. Gut hingegen ist, dass ständig ein (zumindest eingeschränkt) nutzbares Programm zur Verfügung steht und dieses ständig an die Bedürfnisse des Kunden angepasst werden kann. Vor allem, wenn sich diese Bedürfnisse im Laufe der (oft mehrjährigen) Entwicklung ändern sollten, ist es im Extreme Programming oft einfacher, auf diese Veränderungen einzugehen.

Eine lernende Schule

Ín den letzten Wochen habe sehr stark in Anlehnung an das zweite Paradigma gearbeitet. Ein bestehendes System wurde unter die Lupe genommen und dort verändert, wo es Verbesserungen näher an die Wünsche der „Kunden“, also in dem Fall jene der Kinder, Eltern, Organisatoren, der öffentlichen Hand und auch uns Pädagogen bringen würden. Dies bedeutete, dass es „Verbesserungen“ gab, die sich im Nachhinein nicht als solche herausstellten und wieder zurückgenommen oder weiter adaptiert wurden, aber auch jene, die sich bewährt hatten und ein sehr nach dem V-Modell der exakten Vorplanung entstandenes System näher an die tatsächliche Wirklichkeit anpassen konnten.

Es handelt sich hier um einen ständigen Prozess, eine ständig weiterlernende und sich weiter entwickelnde Schule, könnte man sagen, einen Prozess, der kein vorbestimmtes Ende hat, an dem dann alles reibungslos funktioniert. Tatsächlich gibt es immer wieder Reibungen und Diskussionen über die Sinnhaftigkeit bestimmter Regeln und Abmachungen. Ich halte diese Diskussionen jedoch für einen Ausdruck erwachender geistiger Mündigkeit, wo sie über den Hintersinn von Regeln geführt werden und nicht mehr über persönliche Präferenzen des Momentes. Ich sehe diese Schul-Entwicklung, die zu einem nicht kleinen Teil mittlerweile auch von den Kindern aktiv mitgestaltet wird, sehr positiv, weil sie eine zutiefst demokratische ist.

Durch diesen ständigen Prozess wird es, glaube ich, auch möglich sein, den sich weiterentwickelnden Bedürfnissen sich weiterentwickelnder Menschen besser zu entsprechen als durch die Schaffung eines perfekten, starren und damit toten Schulsystems nach dem V-Modell. Um diese Entwicklung auch an Beispielen deutlich zu machen, hier einige auf diesem Wege erwirkten Veränderungen:

Harmonischeres Zusammenleben

Die 10:00-Jausenpause wurde harmonisiert, in dem die alte Regel, dass alle gemeinsam mit dem Essen anzufangen haben und auch gemeinsam wieder in die Klasse zurückzugehen haben, dadurch ersetzt wird, dass diejenigen, die bereits fertig sind und ihre Dinge weggeräumt haben, bereits in die Klasse dürfen, wo sie sich den Rest ihrer Pause weitgehend selbst gestalten (z.B. auch Lego spielen) dürfen. Dadurch wurde erreicht, dass diejenigen, die noch weiter essen und ein vernünftiges Gespräch führen wollen, dies auch ohne Störungen der sonst zu Langeweile verurteilten tun können. Zusätzlich haben wir damit auch erreicht, dass das reine Spielen sich nun weitgehend auf die Pause konzentriert, während in den anderen Zeiten nun mehr konstruktiver Arbeit nachgegangen wird.

Vorgaben des Schulsystems

Wir haben nun eine alte Idee von mir aufgegriffen, alle Lernziele der jeweiligen Klassen (testweise für VS-Mathematik) in kleine Bereiche unterteilt auf ein Plakat zu schreiben. Für jeden Bereich existiert ein Probe-Test mit Lösungen und eine gleich aufgebaute Meisterschaft. Wer glaubt, den Probe-Test bereits ohne Hilfe absolvieren zu können (durch die Lösungen ist es möglich, sich selbst zu kontrollieren), kann zur Meisterschaft übergehen, wer auch diese fehlerfrei schafft, hat diesen Bereich abgehakt und kann seinen Anfangsbuchstaben neben den entsprechenden Lernbereich kleben. Wer alle Bereiche seines Jahrganges erledigt hat, hat sein Muss-Pensum für dieses Jahr in diesem Fach erledigt (das ist wichtig für das Öffentlichkeitsrecht), kann aber natürlich auch mit höheren Klassen weitermachen. Durch die Buchstaben kann ein jeder einsehen, wer ihm bei der Vorbereitung auf eine Meisterschaft ausser den Pädagogen noch behilflich sein kann.

Wenn auch anfangs eher zu leichte Lernbereiche gewählt wurden, arbeiten nun die meisten Schüler bereits an den Bereichen ihres Jahrganges oder sogar darüber. Innerhalb weniger Wochen wurden zumindest für Mathematik (und den meisten Kindern) die Lernplanziele eines Jahres erledigt, und dies in dem Tempo, das für die Kinder passend erscheint. Was ohnehin leicht ist, kann schnell erledigt werden, für schwerere Brocken ist entsprechend mehr Zeit zur Verfügung, und die Abhängigkeit von den Pädagogen sinkt, während eigene, flexiblere Lernnetze aufgebaut werden.

Eine Universität

Die Projekte der Schüler, eine grundsätzlich gute Idee, aber durch ein V-Modell-Denken meiner Meinung nach zu verplant und von aussen vorgegeben, wurden für eine Weile eingefroren. Nun werden wir sie nach und nach als eine Art Universität zurückbringen, auf freiwilliger Basis angebotene Vorlesungen, die auf ebenso freiwilliger Basis besucht werden können. Damit fällt der Stress weg, ständig an Projekten arbeiten zu müssen, über den sich viele Kinder schon beklagt haben, und die Projekte, die gestartet werden, werden in Zukunft vermutlich eher den wahren Interessen der Kinder entsprechen und nicht aus der Not, ständig ein neues Projektthema parat zu haben, entstehen.

Als wir heute dann eine kurze Fragerunde veranstalteten, wer denn nun der Projektpräsentation einer Schülerin beiwohnen wollte, meldeten sich nur wenige Schüler. Die Präsentation selbst war eher unmotiviert und krampfhaft an der damals verlangten Vorgabe des grossen Plakates orientiert, was bei drei Zuhörern kaum sinnvoll war. Ein Zuhörer wollte bald wieder gehen. Ein Fiasko, könnte man sagen, aber die Vortragende störte es nicht weiter, sie schien auch gar kein grosses Interesse an ihrem Thema gehabt zu haben. Dadurch, dass diese Projekte in Zukunft freiwillig angeboten werden, können wir solche Fälle in Zukunft hoffentlich etwas vermindern. Wer Präsentationen machen möchte, soll in Zukunft seine zukünftige Zielgruppe auch fragen, was diese interessiert, damit die „Vorlesung“ für sie nicht langweilig wird, weil sie ohnehin bereits alles wissen.

In dieses Uni-System können dann auch wir Pädagogen Angebote schaffen, für die wir uns gesondert vorbereiten. Vor einigen Wochen erzählte ich jenen, die Interesse hatten, beispielsweise so einiges, was ich über den zweiten Weltkrieg gelesen und gehört hatte, was drei, später noch zwei Schüler erfreut nutzten. Diese Tage hatte ich einiges über die Uhr vorbereitet, was jedoch dann doch keiner mehr hören wollte. Wenn auch wir Pädagogen Teil des Uni-Systems werden und nach den gleichen (durch Vorschläge aller optimierbaren) Regeln unsere Vorträge und Seminare halten können, haben die Kinder damit die Möglichkeit, uns und unsere Arbeitsweise in der Wissensvermittlung am Modell zu erleben, anstatt sich wie bisher rein mit abstrakten Vorgaben und Formularen herumschlagen zu müssen.

Gelebte Demokratie

Bei aller Experimentierfreude möchte ich hier doch anführen, was auch Myles Horton in einem Gespräch mit Paulo Freire anführte: bevor experimentiert wird, müssen so weit als möglich alle möglichen Folgen bedacht werden. Und es ist moralisch verwerflich, an Menschen zu experimentieren, aber durchaus sinnvoll, mit Menschen zu experimentieren. Sie sind Teil, und zwar ein aktiver, mitgestaltender Teil des Prozesses. In diesem Sinne unterscheidet sich meine Arbeit als Lehrer nur wenig von der Arbeit eines wahrhaft demokratisch eingestellten Politikers. Paulo Freire schrieb einst, es gäbe keine unpolitischen Pädagogen, wer dies behaupte, oder dass er politisch neutral unterrichte, verschleiere damit nur, dass er gedenke, das bestehende System zu unterstützen.

Nun, mein politischer, gestaltender Anspruch heute liegt euch offen: Freiräume der konstruktiven Mitgestaltung aller zu schaffen, einen kleinen (und damit möglichen) Schritt nach dem anderen.

Niklas

Gestern hatte ich ein faszinierendes Gespräch mit einem Menschen, den ich über die Jahre kennen und lieben lernen durfte, bei dem es darum ging, dass besagter Mensch sich hoffnungslos fühlte, was die Zukunft betraf, weil er sich seiner früher im Übermass vorhandenen Kräfte nicht mehr sicher sein konnte, weil er sich „beschädigt“ fühlte. Weil ich mich (wie sehr oft) gerade wieder sehr intensiv mit dem Tod beschäftige, bat ich diesen Menschen, sich vorzustellen, er hätte nur noch begrenzt Zeit in seinem Leben. Faszinierenderweise waren die Prioritäten in dieser Vorstellung jenen der so für diesen Menschen so krisenhaften Situation diametral gegenübergestellt. Das Problem kam überhaupt nicht mehr vor.

Die letzten Monate

Im Zuge dieses Gesprächs dachte ich auch darüber nach, was ich selbst tun würde, hätte ich nur noch bis zu meinem Geburtstag (im März) zu leben. Ich würde noch einige Wochen in der Schule, in der ich gerade arbeite, mitarbeiten, erstens, weil ich das Gefühl habe, dass meine Arbeit hier zutiefst sinnvoll ist, dass Ich selbst hier zutiefst sinnvoll bin, und zweitens, weil ich für mich herausfinden möchte, ob all das, was ich mir in teils praktischer Erfahrung, teils theoretischer Aneignung, erarbeitet habe, tatsächlich der Wirklichkeit entspricht, und sollten diese meine Erfahrungen sich als wertvoll erweisen, würde ich sie in irgendeiner Form (diesem Blog, einem Buch, Videos, etc.) der Nachwelt hinterlassen wollen.

Ich würde einigen Menschen Mut machen wollen, den von ihnen eingeschlagenen Weg weiterzugehen, weil ich stolz auf sie bin und mich ihr Weg und Weiterkommen mit Freude erfüllt. Ich würde all meine Texte und Lieder, die ich gerne singe und für die ich auch bereits viel positives Feedback bekommen habe, in einem Tonstudio aufnehmen und frei verfügbar machen, mitsamt Tabulaturen und sonstigen Werkzeugen, die denjenigen nutzen können, die einen Wert in diesen Liedern erkennen und sie selbst spielen möchten.

Ich würde noch sehr oft mein Lieblingslokal besuchen, um einfach nur zu tanzen. Weil es mich erfüllt und ich merke, dass es auch andere erfüllen kann, wenn ich tanze. Vielleicht würde ich auch in der Schule den Tanz als eine Art „Freiveranstaltung“ anbieten wollen.

Einige Wochen oder Monate, bevor es dann wirklich mit mir zu Ende geht, würde ich eine gute Freundin von mir bitten, mit mir zu kommen, und ob sie dann mit fährt oder nicht, mit unserem Verschwindibus so lange in Richtung Südafrika fahren, bis ich eines Tages einfach tot bin.

Der Tod ist ein sanfter FĂĽhrer

Das Faszinierende an unserem Gespräch war jedoch weniger die exakte Ausprägung der Wünsche, „falls ich bald sterben würde“, sondern die Überraschung, dass ich all das, was ich gerne noch tun würde, tue. Ich arbeite in einer sehr neuen Schule, was der Schulgründung, die ich mir immer gewünscht habe, ähnlich kommt, ich tanze und habe mir vorgenommen, die Möglichkeit dieser Tanz-Veranstaltungen an der Schule zumindest zu recherchieren, ich musiziere und singe oft und gerne mit anderen Menschen und ich schreibe regelmässig an diesem Blog. Im Sommer ist für mich klar, dass ich mit dem Bus Richtung Afrika fahren werde.

Wirklich spannend wird es jedoch erst dann, wenn man den Todeszeitpunkt beispielsweise an den nächsten Tag verlegt, wo sich die Möglichkeiten, sein Leben doch noch in die Hand zu nehmen, dann doch sehr reduzieren. Ich hätte kein grösseres Problem damit, morgen zu sterben, wenn es sein muss. Ich habe es nicht vor, und ich wünsche mir noch Zeit, um beispielsweise die Bus-Reise zu schaffen (weil es einfach im Sommer sinnvoller ist), aber wenn ich sie nicht mehr erleben würde, wäre es ebenso in Ordnung für mich.

Und nun nähern wir uns einem faszinierenden Punkt: möglicherweise ist die Angst vor dem Tod nur Ausdruck der Angst, etwas im nächsten Moment vielleicht nicht mehr tun zu können, was man in diesem Moment auf die Zukunft verschoben hat. Der Mann, der immer den Traunstein besteigen wollte, nur um dann kurz davor querschnittsgelähmt zu werden. Die Frau, die immer auf einen Bauernhof ziehen wollte, um dem einfachen Landleben zu frönen, dann aber mit 70 inmitten der Grossstadt verstirbt.

Der Tod (wie das Alter, das an ihn erinnert) wird in unserer Gesellschaft ganz gerne ausgeblendet: Schönheits-OPs, Altenheime, Pallitativ-Stationen usw. helfen, sich nicht allzu viel mit ihm beschäftigen zu müssen. Die Beschäftigung mit der eigenen Endlichkeit würde wohl bei vielen zu überraschenden Erkenntnissen führen (und kann ich einem jeden daher nur ans Herz legen).

Das, was wir halten, bindet uns die Hände

Ein spannendes Element ist beispielsweise jenes, dass angeblich „unmöglich“ aufzulösende Situationen sich plötzlich entwirren können, dass die angebliche Unmöglichkeit der Lösungsfindung für einen Situation oft auch auf die Weigerung des vor dem Problem stehenden zurückzuführen ist, sich von bestimmten Dingen oder auch verhärteten Einstellungen zu lösen. Wir können nichts mitnehmen, wir können einzig etwas hinterlassen, und Geld oder Besitz, den wir hinterlassen, sind keine zuverlässigen Zeugen unserer Existenz.

Wenn die Angst vor dem Tod besiegt wird, in dem wir eine bleibende Erinnerung an uns in die Welt bringen, so ist die effektivste Möglichkeit, diese Erinnerung in die Welt zu bringen, diejenige, ein unverwechselbares Leben zu führen. Wie es Viktor Frankl beschreibt, ein Werk zu vollbringen, dass nur ich vollbringen konnte, eine Liebe zu fühlen, die nur dieses Ich nur mit diesem Du fühlen kann oder ein edles Leiden zu erleiden, dass wahre Grösse wachsen und gedeihen lässt. Die Erinnerung an einen Menschen wird dort verbleiben, wo Menschen ihr Innerstes der Welt offenbaren, ob in der Liebe oder in der mutigen Veröffentlichung der innersten Gedanken und Gefühle. Ich glaube, es gibt keine innerlich oberflächlichen Menschen und stille Wasser sind tatsächlich tief, wie es heisst. Aber was hat die Welt davon, wenn diese Tiefe nie an die Oberfläche kommt? Oberflächlichkeit ist Austauschbarkeit, und Austauschbarkeit bedeutet das rasche Vergessen, vor dem wir uns mehr fürchten als den Tod selbst.

Was macht Dich einzigartig?
Und wie gibst du der Welt die Gelegenheit, diese Einzigartigkeit zu schauen, zu kosten?

In den Antworten zu diesen Fragen liegt der SchlĂĽssel zur Unsterblichkeit verborgen.

Niklas

Es gibt einen Satz, den ich (in all seinen verschiedenen Formen) langsam nicht mehr hören kann: Ich würde, wenn ich könnte. Ich würde meinen Freund ja verlassen, aber er würde dann unglücklich sein. Ich würde mich ja gerne selbstständig machen, wenn ich könnte, aber damit würde ich ein Risiko eingehen, dass mir nicht geheuer wäre. Ich würde ja gern glücklich sein, wenn ich nur könnte. Ich würde ja gerne… nein, würdest du nicht. Du wirst Situationen aus dem Weg gehen, die aus deinem könnte ein Kann zu machen vermögen, und selbst wenn dieses Kann eintritt, wirst du einen Rückzieher machen, weil du Angst hast. Angst vor deiner eigenen Macht, die du dir so zu wünschen scheinst, vor allem aber vor ihrer Kehrseite: der damit einhergehenden Verantwortung.

Viel schrieb ich hier über die Freiheit, die, dem Lernenden im Gegenspiel mit seinen individuellen Fähigkeiten gelassen, ihm wahre Freudensprünge des Lernens ermöglichen könne. Aber all diese Freiheit nützt ihm nichts ohne dem Bewusstsein seines eigenen Wertes und seines beinahe unendlichen Potentials. Ohne diesem Bewusstsein wird er sich überfordert fühlen, wird er sich selbst klein halten, seine Flügel, nun ungestutzt, doch nicht ausbreiten, den Flug nicht antreten. Sein Kopf sagt ihm immer noch, dass es ja nicht funktionieren kann, es sei ja rational recht unwahrscheinlich und warum für diese dämliche Idee des Fliegens den Kopf riskieren?

Bleiben

Einer der traurigsten Anblicke, die diese Welt uns bietet, ist neben all der materiellen Armut wohl eine Armut der Hoffnung, der Hoffnung, aus eigener Kraft über uns selbst hinauszuwachsen. Wir würden ja alle, wenn wir nur könnten, nur seltsamerweise kann es augenscheinlich kaum jemand. Seltsamerweise scheinen die Möglichkeiten, der günstige Wind, stets an uns vorüberzuhuschen, uns beinahe auszulachen. Ohnmächtig, machtlos stehen wir vor unserem Schicksal, beobachten, wie unsere Träume in uns blühen, um zu verwelken, ohne jemals Früchte zu tragen. Es ist schade, aber kann man nichts machen. Wir würden ja, natürlich, wenn wir nur könnten.

Der Mensch als Spielball des Schicksals wirkt mir wie eine recht klägliche Karikatur des menschlichen Potentials, dessen Erblühen ich in einigen Menschen bereits beobachten durfte. Das Könnte ein Schutzmechanismus, der uns vor Verantwortung schützt, das Würde die Verlagerung eines Traumes in unerreichbare Ferne, gerade nahe genug, uns am Leben zu erhalten, aber weit genug, nie erreicht zu werden. Ich würde ja gerne, aber ich kann nicht, ehe ich in Pension gehe. Um dann zu gebrechlich zu sein, um mir den alten Traum vom Reisen noch zu erfüllen. Schicksal oder doch eine unbewusst herbeigeführte, vorhersehbare Enttäuschung?

Werden

Verantwortung für sein Werden zu übernehmen, bedeutet, neben der gern übernommenen Verantwortung für positive Erlebnisse auch die Verantwortung für „Fehler“, für alternative, manchmal als Umwege erscheinende Wege zu übernehmen. Bedeutet, nicht darauf zu warten, dass eine fremde Macht zufällig günstig gestimmt ist und uns von sich aus zu Hilfe eilt, geschweige denn überhaupt weiss, was wir brauchen. Bedeutet, es diesen fremden Mächten, unseren Mitbewohnern dieser Welt, einfach zu machen, uns zu helfen, sie direkt um Hilfe bei der Erfüllung unserer Bedürfnisse zu bitten, und ebenso zu erkennen, dass wir kein wie auch immer verdientes Recht auf diese Hilfe haben sondern diese Hilfe aus ihrem freien Willen entspringen muss.

Verantwortung für sein Werden zu übernehmen, bedeutet, den Satz ich würde, wenn ich könnte, in ein ich tue, was ich kann und bitte um Hilfe bei dem, was ich noch nicht kann umzuwandeln. Ich entwickle zunehmend eine Abneigung gegen die Feststellung, dass jemand etwas eben nicht kann (ein Bruder des ich würde, wenn ich könnte), weil dieses Nicht-Können einen Zustand darstellt, kein Schicksal. Natürlich werden die wenigsten, die sich zum ersten Mal vor ein Klavier setzen, sofort einen Beethofen spielen können. Aber die meisten Menschen haben das Potential, wenn sie den Willen dazu haben, ihr Klavierspiel mit der Zeit zu verbessern.

Es ist der Wille zum Werden, der Lernen überhaupt ermöglicht, und der Wille zum Bleiben, der Lernen verhindert, und beide mögen ihre Berechtigung, ihre Zeit haben. Aber lasst euer würde-ja mal zuhause, liebe Freunde, und steht zu euren Entscheidungen. Wer zufrieden mit seinem Leben ist, der rede nicht von Könnte und Würde, denn alles, was euch zu einem Kann fehlt, ist der Wille zur Veränderung. Und wollt ihr Veränderung, so vergesst eure schönen Entschuldigungen und schreitet zur Tat.

Klingt einfach.
Ist es auch.

Niklas

Gestern Abend besuchte ich nach etwa einem Jahr erstmals wieder einen Ort, der mindestens so viel mit meinem Werdegang als Mensch zu tun hat als all die Bücher, die ich gelesen habe: das C. Das C, für die überwiegende Mehrheit von euch, die es nicht kennen werden, ist eine relativ abgetakelte Bar in einem Keller in Eberstalzell, nahe Sattledt hier in Oberösterreich.

Als mich mein Bruder im zarten Alter von 17 Jahren erstmals dorthin mitschleppte, hatte ich nach einigen Erfahrungen mit meinen Schulkollegen in Linzer Lokalen, die meist in allgemeinen Saufgelagen endeten und mir als Nicht-Trinker keine rechte Freude bereitet hatten, zudem ich die Musik dort auf Dauer kaum aushielt, das Fortgehen bereits fast aufgegeben gehabt. Es war ein FrĂĽhling, Tag der Zeitumstellung, und ich verfluchte das Datum, weil ich nicht heim wollte. Es war eine Offenbarung.

WerdeMann

Einer meiner Hauptmotivationen, einige Monate später den Führerschein abzuschliessen, war es, selbst in dieses ohne Auto kaum erreichbare Lokal zu kommen, und fortan besuchte ich diesen für mich beinahe heiligen Ort fast jedes Wochenende, mit Freunden oder auch alleine. Ich entdeckte eine immense Lust, mich im Tanz zu einer Musik, die mich ausfüllte, auszudrücken, entdeckte, dass es möglich war, mit Frauen völlig ungezwungen in ein Gespräch zu kommen, entdeckte, dass ich ein Mensch mit eigenem Wert sein konnte, entdeckte, dass sich Menschen ernsthaft über meine Anwesenheit freuten, dass es einen Unterschied machte, ob ich existierte, hier an diesem heiligen Ort.

Einige Monate nach meinem ersten Besuch ereignete sich eine weitere Begebenheit, die mir wohl immer in Erinnerung bleiben wird: Mein Bruder, der mich erstmals mitgenommen hatte, war mit mir dort gewesen, wir waren bereits zuhause, putzten gerade die Zähne, als er mir sinngemäss sagte, er sei stolz auf den Menschen, zu dem ich mich entwickelt hatte. Mein grosser Bruder, zu dem ich mein Leben lang, wohl oft ohne dass er es bemerkte, aufgeschaut hatte, hatte mich an diesem Morgen – Zahnbürste noch im Mund – als seinesgleichen, als Mann akzeptiert.

Gotteskeller

Eines Nachts war eine Frau in der Bar in erheblich betrunkenem Zustand auf meine Schulter gefallen und lallte, dass dieser Ort etwas religiöses hatte, einer der wenigen Orte in dieser Welt, der es einem jeden ermöglichte, sich selbst zu erfahren und zu sein, und in ihrem Delirium hatte sie wohl eine tiefe Wahrheit berührt. Dieser Ort war meine Kirche, war der Ort, an dem ich inmitten der lautesten Musik still werden konnte, meine nackten, manchmal durch Glasscherben verunstaltenden, aber umso mehr fühlenden Füsse der Erde, dem Ursprung, einer Art von Erleuchtung so nahe waren wie nur in wenigen Momenten.

Wenn ich mich inmitten der tanzenden Massen wiederfand, völlig verausgabt vom vollkommenen Ausdruck der Seele der Musik, der mir in diesen Mauern so einfach fiel, würden die Mauern fallen, die uns im Alltag oft zu trennen vermögen, und Simone, meine Lieblingskellnerin, würde mir ein Glas Wasser reichen. Der Schweiss, der Qualm der Zigaretten, die Anstrengungen und Sorgen des Alltags würden dieser tiefen Verbindung weichen, die stets nur in Augenblicken möglich ist. Wir hörten auf, uns anzuschauen, und sahen uns. Und als wir uns sahen, sahen wir den Gott im Anderen. Wir spürten uns, wenn wir uns im Kreis wiederfanden, spürten uns, wenn wir uns gegenüberstanden und unsere Bewegungen wie von einer geheimnisvollen Macht geleitet synchron wurden, wurden eins und doch zwei, viele, wurden der Ursprung und das Ende, durchstiessen die Illusion ihrer Trennung im gleissenden Licht unserer wissenden Augen, bevor der Alltag uns wieder zurückwerfen konnte in das trübe Gewässer der Trostlosigkeit.

Das CC ist meine Heimat in einer Art und Weise, wie es keine Wohnung, kein Haus, jemals sein können wird, denn es ist eine Art von spiritueller Heimat für mich, ein Ort der spirituellen Zusammenkunft, eine Zeit des Gebets in Form eines Tanzes, ein Ritual ohne Form. Der Ort, an dem ich mich selber immer wieder zu finden vermag und damit die Welt: Eins ist alles, alles ist eins.

Ich bin nicht naiv genug zu glauben, das C könnte diese Funktion für alle oder auch nur viele Menschen erfüllen. Vielleicht bin ich sogar der einzige, dem es so geht. Aber ich möchte an dieser Stelle betonen, wie wichtig das Finden dieses für mich auf seine Art heiligen Ortes für mich war und bis zum heutigen Tage ist: es ist mein spiritueller Anker, der es mir erst ermöglicht, meine spirituellen Reisen zu unternehmen. Ich wünsche einem jeden von euch, dass auch ihr euren Anker, euren Ort und eure Zeit bereits gefunden habt oder noch finden werdet.

Wir sehen uns dann auf hoher See.

Niklas

Ein Leser postete gestern ein Video als Kommentar zu meinem Beitrag, auf das ich heute eingehen möchte. Kurz zusammengefasst geht es um die Aussichtslosigkeit, über das Wählen oder Gründen einer Partei oder die Nutzung eines anderen Instruments unserer politischen Landschaft wirkliche Veränderungen zu erzielen. Im Video wird argumentiert, dass ein jedes Spiel (ein Vergleich mit einem Casino wird gezogen) darauf ausgelegt ist, das System zu erhalten, wird argumentiert, man müsse bei sich selbst anfangen, falsche mit richtigen Ideen zu ersetzen (wie es die Wissenschaft mit der Religion getan habe), um dann mit der Zeit das Interesse der anderen auf sich zu erziehen, dann könnte man etwas bewirken. Im Folgenden einige Anmerkungen dazu:

Religion als falsche Idee

Ich würde nicht so weit gehen, Religion als falsche, durch die Naturwissenschaften überholte Idee abzutun. Bei allen Missständen, die in vielen, vielleicht sogar allen Religionen bis heute vorherrschen, haben sie doch in allen Zeiten einige wichtige Funktionen erfüllt, haben in unzähligen Fällen Menschen Führung in ungewissen Gefilden gegeben, in denen die Wissenschaft nicht reichen kann und vielleicht nie können wird. Das Problem sehe ich weniger in der Religion oder Spiritualitätt selbst sondern in der Idee, dass es am Ende des Tages eine Wahrheit zu geben habe (die übrigens auch die Wissenschaft vertritt).

Religion, Spiritualität und Wissenschaft stellen für mich keinen Widerspruch dar, weil sie alle in bestimmten Situationen ihren Zweck haben. Wenn ich die Äderchen eines Blattes betrachte, mag ich manchmal interessiert an ihrem Aufbau sein, wie es dazu gekommen ist und wie alles zusammenspielt, ein anderes Mal möchte ich vielleicht einfach nur staunen und ehrfürchtig sein gegenüber dieser Schönheit und Komplexität. Im Video wurde erzählt, die Religion wurde durch die Rationalität besiegt, aber in meiner Erfahrung sind wir mehr als rationale Wesen, sind auch fühlende, wütende, traurige, liebende Menschen, und diesen Anteil wegzurationalisieren halte ich für sehr schade.

Das alte Lied vom falschen Ton

Im Weiteren halte ich es auch für gefährlich, Ideen in richtige und falsche einzuteilen – es bedeutet in der Folge, dass ich Recht haben kann und der jeweils andere Unrecht, oder umgekehrt. Wenn es das Ziel sein soll, diese unrechten Ideen durch die richtigen zu ersetzen, wer richtet dann darüber, was richtig und was falsch sein sollte? Was geschieht, wenn wir auf jemanden treffen, der unsere rechten Ideen als unrichtig ansieht – wollen wir ihn zwingen, unsere Ansicht zu teilen? Darauf warten, bis er die Richtigkeit unser Perspektive einsieht?

Ja, auch ich glaube schon lange nicht mehr a Parteien, unsere Welt zum Positiven zu verändern, glaube auch nicht an gewaltvolle Lösungen wie Revolutionen oder eine von aussen verordnete Bildung mit den richtigen Ideen oder daran, dass ich oder irgendjemand da draussen die ganze Wahrheit gepachtet, die ganze Wahrheit vorleben kann, weil diese ganze Wahrheit eine sehr subjektive Sache ist. Es ist nicht die Wahrheit, es ist meine Wahrheit und deine Wahrheit, die sich in einigen Punkten überschneiden mag, aber nicht ident sein wird.

Es mag mir vergönnt sein, dem anderen einen Teil meiner Wahrheit zu offenbaren, durch gute Gespräche, durch mein Handeln, vielleicht auch durch diesen Blog, und es ist eine schöne Sache, wenn der Andere diese meine Wahrheit als Möglichkeit in seine Wahrheit integrieren kann und will, aber dies bedeutet nicht, dass er danach so handeln wird wie ich. Es wäre auch schade, ein so einzigartiges Menschenleben als Kopie zu verbringen wenn wir die Möglichkeit haben, ein Original zu sein.

Multiversen

Dieses Öffnen gegenüber der Innenwelt, der Wahrheit des Anderen und der Versuch, sie zu verstehen, als Möglichkeit in das eigene Innenwelt zu integrieren, entspricht vermutlich in etwa dem, was wir Empathie nennen. Spannenderweise beobachte ich immer wieder, wie Menschen von anderen Menschen verlangen, dass sie ihre guten Ideen schon zu verstehen haben und jetzt gefälligst danach leben sollen. Als wären sie Träger und Verkörperung der absoluten Wahrheit, als würde, wenn nur alle nach ihren Ideen und Prinzipien leben, diese Welt ein besserer Ort sein. Diese Menschen sind leider sehr selten bereit, auch die Innenwelten, die Wahrheiten ihrer zu überzeugenden Gesprächspartner in ihre Wahrheit zu integrieren, halten sich für allwissend, für fertig und dadurch naturgemäss mit der Aufgabe bedacht, dieses Allwissen nun an willige (oft auch unfreiwillige) Schüler weiterzugeben.

Es ist dies vermutlich die höchste Aufgabe eines Meisters, seine Innenwelt den anderen zu offenbaren und deren Innenwelten in sich aufzunehmen, um ihnen dadurch zu ermöglichen, auch ihre eigene Innenwelt den farbenfrohen Welten des Meisters und später, mit erwachtem Mut und lodernder Abenteuerlust, auch der Welt. Es sind die grossen Meister gewesen, die es uns vorgelebt hatten, sei es ein Buddha, ein Jesus, ein Ghandi oder Martin Luther King Jr. Sie waren unfertig, sie sie blieben unfertig, schwach in einer Welt voller Gewalt – doch gerade in ihrer Kindlichkeit, ihrer Unfertigkeit und Schutzlosigkeit lag wohl ihre grösste Macht.

Diese mächtigen Seelen, so viele Welten in sich, auf sich nehmend, tragend, liebend, lassen sich schwerlich mit einem Politiker heute vergleichen. Sie agierten ausserhalb der herkömmlichen Machtstrukturen, ausserhalb der herkömmlichen Logik und Rationalität der Macht, in dem sie die Macht, die ihnen gegeben wurde, hundertfach an ihre Anhänger zurückstrahlten. Nicht jeder hat die Chance, Politiker zu werden, aber ich glaube, in jedem von uns steckt das Potential, eine einzigartige Variante einer dieser grossen Führer zu werden. Sie sind Splitter der grossen Hoffnung auf einen Messias, die erkannt haben, dass dieser göttliche Funke in einem jeden von uns darauf wartet, zu einer Flamme der Hoffnung entfacht zu werden. Wir alle sind diese Führer, diese Meister, sobald wir aufhören, die Augen vor der Wahrheit zu verschliessen:

Und mit offenen Augen träumen.

Niklas