Über bunterrichten

Bunterrichten ist mein Gegenentwurf zum unter-richten, das eine einseitige Herstellung einer Macht-Beziehung schon im Wortstamm trägt.

Diese Webseite begann als Blog, um über meine pädagogischen Erfahrungen und Experimente als Lehrer zu berichten. Rasch jedoch entstanden auch Artikel über Themen, die weit über die Pädagogik im klassischen Sinne hinausgingen – etwa über Psychologie, Gesellschaft, Beziehungen, (Freie) Liebe, Philosophie etc. Dann kamen die Barfuß-Geschichten dazu, die im November 2018 zur ersten Buch-Veröffentlichung “Barfuß führt dein Weg dich weiter” führten.

Mit den Jahren entwickelt sich die bunterrichten-Webseite dann auch zu einer Plattform, um die bunterrichten-Tage, eine Serie von Lehrer-Fortbildungen, unterstützt durch die Grünen PädagogInnen, anzukündigen.

Der neueste Neu-Zugang geht ebenso in die Erwachsenen-Bildung: die Online-LernWerkStatt, bei der man Webseiten programmieren lernen kann. Bist du eine Frau und wohnst in der Nähe von Steyr oder Kirchdorf, interessiert dich vielleicht der Frauen-Programmier-Treff. Und wo es passt, programmiere ich auch Webseiten für dich.

Was bedeutet “bunterrichten”?

Das Wort “bunterrichten” ist meine eigene Wortschöpfung, die aus der genaueren Betrachtung des Wortes “unterrichten” entstanden ist.

Ist es mein vorrangiges Ziel als Lehrer, jemanden zu unter-richten, also eine Hierarchie herzustellen, indem ich den jeweils anderen unter mich stelle. Zudem ist unterrichten ein Verb, in dem ich selbst das Subjekt bin und der Schüler das Objekt.

Die Wortschöpfung bunterrichten ist auf zwei Arten zu lesen und zu verstehen:

  • bunter-richten: Die Welt einer Schülerin bunter, interessanter, reicher zu machen, in dem ich ihr helfe, mehr Möglichkeiten zu entdecken
  • bunt-errichten: Wir errichten etwas Buntes, und das Tun wir gemeinsam, in einem Prozess in dem viele Subjekte im Rahmen ihrer Möglichkeiten zusammenkommen, um etwas Wunderbares zu erschaffen

Das Wort “bunterrichten” erfand ich im Jahr 2013, um ein Wort für eine Art von Ahnung zu haben, etwas wie eine intuitive “Vorschau” von dem, womit sich dieses Wort mit den Jahren füllen würde. Seitdem habe ich über mittlerweile mehrere Tausend A4-Seiten an Artikeln und Geschichten versucht herauszuarbeiten, was “bunterrichten” denn im Kern eigentlich ist.

Es begann als pädagogischer Zugang zum Lehren und Lernen, aber mit der Zeit und zunehmender praktischer Erfahrung in der Anwendung wurde immer mehr daraus, beinahe eine Lebens-Philosophie, aber eine lebendige, sich stets weiter-entwickelnde, die sich aus unzähligen Quellen speist und – so hoffe ich – nie in die Falle der Form stolpert, einen endgültigen Abschluss anzustreben.

Worauf basiert bunterrichten?

Der Zugang lässt sich grob mit dem aus dem Taoismus/Tao Te King und der verwandten chinesischen Kampfkunst Tai Chi entlehnten Begriff des “Wu Wei” beschreiben: Tun, ohne zu tun, bzw. anstrengungsloses Tun. Anstatt mit Hilfe eigener Kraftanstrengung jemand anderen “motivieren” (= von außen bewegen) zu wollen, wird stattdessen angestrebt, in Stimmigen Kontakt mit dem jeweils Anderen zu treten. Darüber dann das herzuleiten, was in jeden Moment das jeweils richtige (“stimmige”) ist – und die Eigen-Initiative des Anderen zur Erreichung des gemeinsamen Ziels zu nutzen statt zu bekämpfen.

Tai Chi Rene de Kort

Angewandtes Wu Wei-Prinzip: Mein Tai-Chi-Lehrer René wirbelt mich hier gerade gemütlich und mit sichtbarer Freude durch die Welt.

In den letzten 5+ Jahren habe ich in verschiedenen Rollen, u.A. als Lehrer an (auch Freien) Schulen und als Standort-Leiter, die Prinzipien auch praktisch umgesetzt, und in unregelmäßigen Abständen hier darüber geschrieben. Auch wenn der Großteil der hier beschriebenen Erfahrungen im pädagogischen Kontext entstanden sind, lassen sich viele davon beinahe 1:1 auch auf jede andere Führungs-/Gruppen-Situation, psychologische und emotionale Entwicklungsprozesse, aber auch Beziehungen oder Marketing umlegen.

Im Gegensatz zum unterrichtenden Lehrer, der auf Wunsch auch in seiner Rolle verbleiben kann, ist derjenige, der sich an die Praxis des bunterrichten wagt, stark mit seinem ganzen Selbst im Geschehen involviert. Daraus ergeben sich einerseits unglaubliche Möglichkeiten, aber auch mögliche Stolpersteine bzw. die Notwendigkeit, sich dadurch ausgelösten inneren Entwicklungsprozessen auch zu stellen.

Das ist nicht jedermanns Sache. Aber wer sich darauf einlässt, kann darin auch so etwas wie Erfüllung in seinem jeweiligen Bereich finden.

Maria Montessori und andere Bunterrichter

Eine Maria Montessori beispielsweise hat meiner Ansicht nach sich auf Stimmigen Kontakt mit den ihr Anvertrauten eingelassen, auch wenn sie es nicht so benannt hat. Die “Montessori-Methode”, die entsprechenden Zugänge und Materialien, sind für mich die Konsequenzen der Entscheidung, in Stimmigen Kontakt zu gehen. Kein Zufall. Keine guten Gene oder ein toller Uni-Abschluss. Was sie von anderen ihrer Zeit unterschied, war ihre Fähigkeit und ihre Entscheidung zum Stimmigen Kontakt. Optionen, die einem jeden von uns offenstehen.

Was mich teilweise ärgert/verwundert: in Montessori-Ausbildungen wird oft (laut Aussagen von Praktizierenden) eher der Umgang mit den von ihr entwickelten Materialien etc. unterrichtet als der Zugang des Stimmigen Kontaktes, mit Hilfe dessen sich ein jeder einen eigenen für sich und die ihm Anvertrauten stimmigen pädagogischen Zugang erarbeiten könnte. Dann erzählen mir ausgebildete Montessori-Pädagogen, sie “würden ja gerne nach Montessori unterrichten, aber unsere Schule kann sich die Materialien nicht leisten”. Würden sie stattdessen den Mut aufbringen, Stimmigen Kontakt zu praktizieren, wäre die Abhängigkeit vom – entsprechend teuren – Material kein Thema mehr.

Alle “Großen” der Menschheitsgeschichte, die nicht durch Ausübung von Gewalt zu jener Größe gelangt sind, unabhängig von ihrem jeweiligen Wirkungsfeld, sind für mich Praktizierende von Stimmigen Kontakt gewesen, sei das jetzt eine Montessori, ein Paulo Freire (der mich ursprünglich zur Pädagogik gebracht hat), ein Einstein, ein Mozart, ein Ghandi, wer auch immer.

Das Prinzip ist immer das Gleiche: In authentische Beziehung mit einem Gegenüber treten das man als Subjekt anerkennt, und der eigenen Intuition vertrauen lernen.

Wie kann ich mich in Stimmigem Kontakt/bunterrichten üben?

Bunterrichten und das Prinzip des Stimmigen Kontaktes sind untrennbar miteinander verbunden: wer bunterrichten praktiziert, wird automatisch öfter in Stimmigen Kontakt mit sich und anderen treten, und wer Stimmigen Kontakt praktiziert, wird früher oder später mit großer Wahrscheinlichkeit eine eigene Form der Führung/des Miteinanders für sich entwickeln, die dem bunterrichten-Zugang nicht unähnlich sein wird.

Ein weiteres sehr interessantes Anwendungsgebiet neben Pädagogik und der Führung von Menschen im Allgemeinen ist der Bereich des Marketing, den man ja auch als “Führungs-Situation” betrachten kann.

In der Folge/Zwischenzeit eine grobe Auflistung an möglicherweise relevanten Beiträgen, die ich in den letzten Jahren zum Über-Thema bunterrichten verfasst habe. Eine bessere Durchsortierung folgt irgendwann, oder ein eigenes Buch darüber – aber bei >1000 A4-Seiten an Ressourcen dauert das seine Zeit 🙂

Wer zu spezifischen Unterthemen (z.B. Mobbing) Unterstützung sucht: irgendwo in all den Artikeln ist fast sicher was dazu zu finden. Daher entweder die Suchfunktion benutzen oder mich einfach anschreiben. Meist finde ich dann entweder einen alten Artikel der weiterhelfen kann – oder wir finden auch so eine stimmige Lösung.

Artikel zum Thema

4.1 Führen, ohne zu führen

4.2 Entwicklungsprozesse

4.3 Umgang mit Konflikten/Sozialpsychologie

4.4 Schule: Erfahrungen mit Systemen basierend auf bunterrichten-Prinzipien

4.5 Schule und Gesellschaft

Portrait Niklas Baumgärtler

Niklas Baumgärtler

Niklas Baumgärtler interessiert sich für die Kunst der Begeisterung und macht gerne Wechsel- und Hebelwirkungen in Sozialen Systemen sicht- und erlebbar. Mehr über Niklas Baumgärtler...

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Über bunterrichten

bunterrichten ist ein Gegenkonzept zum sonst üblichen Unter-richten, das auf Anpassung und Unterordnung basiert. Stattdessen geht es darum Menschen zur Entfaltung zu verhelfen - eben "Menschen helfen aufzublühen". Mehr über bunterrichten...

Niklas Baumgärtler ist ehemaliger Volksschul-Lehrer und Lehrer an Freien Schulen. Heute ist er in der Erwachsenen-Fortbildung tätig, wie z.B. in der Lehrer-Fortbildungs-Reihe über der bunterrichten-Tage. Man kann sich von ihm Webseiten programmieren lassen, oder es hier einfach selbst lernen - entweder in der Online-LernWerkStatt oder auch über die Frauen-Programmier-Treffs.