In einem empfehlenswerten TED-Talk spricht Simon Sinek darüber, zuerst das Warum einer Aktivität zu definieren, dann das Wie, und dann das Was. Das Warum sei einer der Hauptgründe, Menschen zu motivieren, etwas zu tun (etwa ein Produkt zu kaufen).

Er erklärt nicht wirklich, warum dies so ist – aber ich denke, die Lösung ist einfach gefunden: ein Warum gibt eine Antwort auf die Sinnfrage, die ein Was und ein Wie allein nicht beantworten können. Und diese Sinnfrage ist es auch, die ein Wieder-Erkennen im Anderen, im auf den ersten Blick womöglich fremd wirkendem Handeln und Denken ermöglicht: Worauf willst du hinaus? Verfolgen wir, glauben wir an das selbe Ziel?

Ist die Antwort ja, so kann trotz aller Unterschiedlichkeit im Denken, Handeln und Sein ein Gemeinschaftsgefühl entstehen. Ich kaufe dann nicht nur ein Produkt oder nehme eine Dienstleistung in Anspruch, ich unterstütze durch mein Handeln (etwa meinen Kauf) ein Anliegen, das auch mein Anliegen ist, und verhelfe ihm damit zum endgültigen Sieg.

Das Risiko, sich zu einem Warum zu bekennen

Sich öffentlich zu einem bestimmten Warum zu bekennen, stellt auch ein Risiko dar, weil eine solche Handlung naturgemäß polarisiert. Einerseits erzeugt ein mutiges Eingestehen für mein persönlich relevantes Warum das Potential für Solidarität, andererseits auch das Potential für Widerstand durch Menschen, die entgegengesetzte Ziele verfolgen. Die nun, da ich mich offen dazu bekannt habe, ihren jeweiligen Zielen zuwider zu handeln, zielgerichteter gegen meine Bemühungen vorgehen können.

Es mag Menschen geben, die damit zurechtkommen, sich ihr Leben lang nie die Sinnfrage zu stellen. Meine Intuition führt mich seit vielen Jahren derart offensichtlich abseits ausgetretener Pfade, dass ich auch ohne es öffentlich zu bekennen warum ich dies tue auf genügend Widerstand stoße. In meinem speziellen Fall werde ich durch das öffentliche Bekenntnis meiner Antworten auf die Sinnfrage also nicht mehr allzu viele neue “Widersacher” hinzugewinnen, aber möglicherweise den einen oder anderen zusätzlichen Unterstützer. Nun denn, hier meine Antwort:

Mein persönliches Warum

In den letzten zehn Jahren habe ich – erst sehr unbewusst, später immer bewusster – gelernt, meinem “inneren Kompass” zu vertrauen, um mit meinen Mitmenschen in eine Art von Verbindung zu kommen, die ich mittlerweile “stimmigen Kontakt” getauft habe.

Ich habe erlebt, wie schwierig es sein kann, trotz aller gesellschaftlicher Konditionierungen, trotz aller Missverständnisse und schmerzvollen Erlebnisse, auf diesen inneren Kompass zu vertrauen – aber auch, wie erfüllend es sein kann, wenn stimmiger Kontakt gelingt. Was möglich wird, wenn Kindern wie Erwachsenen diese Art des Miteinanders eröffnet wird, aber auch, welche Repressionsmaßnahmen einen erwarten können, wenn man trotz aller Warnungen den wahnwitzigen Mut aufbringt, seinem inneren Kompass bedingungslos zu folgen – und dies vielleicht sogar noch in der offiziellen Rolle als Lehrer…?

Irgendwann musste ich einsehen, dass die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im jeweiligen Moment nur Stückwerk, nur Vertiefung der Verletzung durch den Kontrast bleiben musste, wenn diese Menschen, die mit mir stimmigen Kontakt erleben durften, ihn in der späteren Arbeitswelt kaum jemals wiederfinden würden. Es war unsinnig, allein an einem Schulsystem etwas nachhaltig ändern zu wollen, das auf die Bedürfnisse einer Wirtschaft abgestimmt war, ohne die Gegebenheiten dieser Wirtschaft mit zu verändern.

“Schön und gut, aber da müsste man ja das ganze Wirtschafts-System hinterfragen!”, meinte eine Vertreterin einer Partei zu mir, als ich darüber sprach, ohne den Satz mit dem “Und wie bitte willst du denn das machen?” zu beenden, der ihren Glauben an die Unmöglichkeit des Unterfangens unterstrichen hätte.

Aber nachdem ich mir in Vorbereitung auf meine geplante Unternehmensgründung 14 Bücher über das Verkaufen bestellt und diese gelesen hatte, fiel mir eine merkwürdige Gemeinsamkeit auf, die sich durch all diese Bücher zog: sie ähnelten sehr der Art und Weise, wie ich laut der pädagogischen Hochschule zu lehren hatte: es war eine Form der mehr oder weniger subtilen Manipulation, der Kontrolle/Steuerung des Handelns des Anderen. Eine Art Wettkampf in der Kunst gegenseitiger Anwendung jener Manipulationsmethoden, den jeweils anderen der eigenen Macht-Sphäre zu unterwerfenn – im Idealfall ohne dass es dem anderen auffiel.

Doch ich hatte als Lehrer stets auf eine völlig andere Methodik gesetzt, die die mir anvertrauten Kinder zu mehr Selbstverantwortung und Eigeninitiative führte. Was, wenn dieser Ansatz sich auch auf den Verkauf, auf Marketing umlegen ließ? War es möglich, das Prinzip des stimmigen Kontaktes nach den durch die Massenfertigung geschlagenen Wunden in die Wirtschaft zurückzubringen, die Arbeitswelt wieder zu vermenschlichen, die Umwelt aus ihrer Objektivierung zu befreien, sie wieder zu subjektivieren, zu be-geistern, ihr ihren Zauber zurückzugeben?

Vielleicht war es gar nicht notwendig, nicht einmal sinnvoll, “die Wirtschaft” als Ganzes zu verändern. Die Massenproduktion mit dem Drang zu immer geringeren Produktionskosten zur Bereitstellung möglichst verfügbarer Grundbausteine des menschlichen Daseins hatte bei allen daraus entstehenden Problematiken durchaus ihre Daseinsberechtigung. Vielleicht reichte es, eine kleine, zusätzliche Nische zu besetzen, in der stimmiger Kontakt und nachhaltiges Wirtschaften vorherrschte.

Und der Schlüssel dazu war die Art der Kommunikation zwischen einzelnen Handelspartnern.

Dies beginnt schon in der Art und Weise der Selbst-Präsentation: wird “Professionalität” gleichgesetzt mit der Entfernung jeglicher Ecken und Kanten, mit gewissermaßen “geschliffener” Kommunikation? Kann ich mich mit der Vorstellung anfreunden, weniger potentielle Kunden zu erreichen, dafür aber mit mehr von ihnen stimmige Beziehungen aufzubauen? Wie viele Kunden brauche ich, um entspannt von einer Zusammenarbeit mit ihnen leben zu können? Mit welchen Kunden macht es mir Freude, zusammenzuarbeiten, und wie baue ich zu diesen stimmige und nachhaltige Beziehungen auf?

Nun weiß ich endlich, warum ich die zugegebenermaßen seltsame Kombination aus Programmierer, Soziologe und Lehrer in mir vereine: sie erlauben mir, das Handwerk der Programmierung zu nutzen, um Unternehmen zu helfen, über einen alternativen und nachhaltigeren Führungs-Stil mit potentiellen Kunden in stimmigen Kontakt zu kommen, mit denen es eine Freude ist, zusammenzuarbeiten. Und nebenbei auch noch den Traum eines alternativen Wirtschaftsmodelles zu verwirklichen.

Was heißt dies konkret?

  • Ehrlichkeit, Authentizität, Verlässlichkeit und Respekt im Umgang miteinander
  • Vertrauen durch natürliche Autorität statt Manipulation
  • Authentische Einschätzung und Kommunikation der eigenen Ressourcen und Möglichkeiten
  • Nachhaltige Preisgestaltung für alle Betroffenen
  • Kooperation
    • direkt, wo Win-Win-Situation möglich
    • indirekt, indem gemeinsam für Bedingungen eingetreten wird, die diese Werte fördern

Naja, Niklas, das klingt ja alles schön und gut. Aber wie bitte soll das denn bitte funktionieren?

Mein lieber Besucher, ich habe den Glauben noch nicht aufgegeben, dass es funktionieren kann. Und vielleicht, nur vielleicht, funktioniert es ja auf diese Art.