Der Mensch in der Welt ähnelt einem Samenkorn.
Etwas ist in ihm angelegt, aber er weiß (noch) nicht, was.
Er braucht eine Umgebung, die stimmig zu seinen Wachstumsbedürfnissen passt.
So erkennt er sich selbst – im Kontakt und im Werden.

Die Realität, die er in der Welt vorfindet, ist oft eine andere.
Es wird ihm erklärt, wie er bitte zu sein hat.
Seine Umgebung weiß schon, was er braucht.
Der innere Kompass wird leiser.

So müht er sich ab, eine Rose zu werden.
Doch nur der Dornen Schmerz entspringt seiner Tiefe.
Bald schon verblüht er, verbraucht mit der Blüte.
Er, dem doch Früchte zu tragen bestimmt…

Wir wachsen auf in einer Welt, die wissenschaftlich herausfinden möchte, was „der Mensch“ braucht, und in bester Absicht darauf hinarbeitet, uns allen genau das zu bieten. Selten jedoch ist das, was „der Mensch“ im Durchschnitt braucht, dasselbe wie das, was der jeweils einzigartige Mensch braucht, um seine inneren Anlagen zum Aufblühen zu bringen.

Die meisten von uns haben im Laufe unseres Lebens eine bestimmte Anzahl an vorgefertigten „Mustern“ erworben, aus denen wir je nach Situation unser Handeln ausrichten, und „springen“ je nach Situation zwischen mehr oder weniger passenden Mustern.

Wer sich stattdessen in „stimmigen Kontakt“ mit sich selbst und seiner Umwelt zu treten traut, beginnt zunehmend selbst zu spüren, wo sich „Unstimmigkeiten“ finden. Er erkennt, dass viele seiner Annahmen über sich selbst und seine Umwelt Vereinfachungen darstellen, die ihn gleichzeitig in seinen Möglichkeiten begrenzen und vor Komplexität schützen. Wird sich bewusst, dass er mitverantwortlich für die bisherigen Unstimmigkeiten war. Und dass er dort, wo er bisherige Annahmen zu hinterfragen beginnt, die Macht hat, sein Leben besser dem entsprechen zu lassen, was er in sich als Möglichkeit angelegt zu erspüren beginnt.

Was ist „stimmiger Kontakt“?

Es existiert eine seltene Kunstform des menschlichen Miteinanders, die ich für mich „stimmiger Kontakt“ getauft habe. Am anschaulichsten lässt sich diese anhand eines Gitarren-Stimmgeräts verdeutlichen. Diese dienen dazu, die variable Tonhöhe einer Saite im Vergleich zu einer statischen Referenz-Tonhöhe anzupassen. Wer darin noch nicht so geübt ist, wird sich der gewünschten genauen Übereinstimmung durch einige Versuche von zu-hoch und zu-tief annähern, bis das grüne Licht uns erlöst und anzeigt, dass unsere A-Seite nun exakt die Tonhöhe erzeugt, die sie soll.

Geschafft, wir sind gut eingestimmt!

Ein ähnliches Phänomen des sich aufeinander Einstimmens ist auch zwischen Menschen möglich, wenn auch sehr viel komplexer. Dies liegt daran, dass Menschen natürlich nicht nur über den einen Kanal „Tonhöhe“ verfügen, über den sie sich abstimmen müssten. Um in eine Überein-Stimmung zwischen zwei Menschen zu gelangen, gibt es im Grunde zwei Möglichkeiten:

  • Ein Mensch gibt eine statische Referenz-Grundlage vor, und die anderen versuchen, sich ihm anzupassen, ähnlich wie bei einem Stimmgerät.
  • Menschen stimmen sich dynamisch aufeinander ab. In unserem Stimmgerät-Beispiel würde uns das Stimmgerät also nach unserem Versuch eventuell entgegenkommen, indem es seine eigene Tonlage ebenso verändern kann.

Auch wenn streng genommen auch die erste Variante ein „stimmiger Kontakt“ sein kann, interessiere ich mich vorwiegend für die zweite Variante, in der sich Menschen dynamisch aufeinander abstimmen.

Dieser ist insofern sehr interessant, weil durch das Zustandekommen von stimmigem Kontakt sehr häufig Entwicklungsprozesse in den Beteiligten angeregt werden, die – um weiter in stimmigen Kontakt bleiben zu können – ein erneutes Einstimmen notwendig machen. Es entsteht dabei, wenn die Beteiligten den Mut mitbringen, sich darauf einzulassen, ein beinahe-kontinuierlicher Prozess, der sich nicht nur für alle Beteiligten stimmig anfühlt, sondern auch zu häufigen Entwicklungs-Fortschritten aller Beteiligten führt. Anders ausgedrückt: Menschen lernen voneinander.

Die Problematik am ersten Zugang ist jene, dass sie systemisch betrachtet Machtkämpfe erzeugt. Gibt es nur eine und statische „Referenz-Grundlage“, ist der einzige Weg, eine Umgebung, die mir entspricht, sicherzustellen, die Kontrolle über diese. Egal, wer sich durchsetzt, wird nun der „Sieger“ seine eigenen Bedürfnisse anderen „überstülpen“. Dies kann in Ordnung sein, wenn alle Betroffenen sich ohnehin sehr ähneln und dies auch so bleiben soll.

Wenn jedoch Vielfalt und Selbst-Initiative vorhanden oder/und auch weiterhin erwünscht sind, führt für mich jedoch kaum ein Weg am Erlernen von Führen durch stimmigen Kontakt vorbei.

Warum stimmiger Kontakt so selten gelingt

Stimmigen Kontakt zwischen zwei Menschen herzustellen ist schwieriger, weil nicht ein veränderlicher Ton gegen einen gleich bleibenden Referenzton gestimmt wird, sondern sich zwei veränderliche „Töne“ (=Menschen) aufeinander einstimmen müssen.

Was die Sache zusätzlich erschwert, ist, dass wir als Gesellschaft bestimmte Muster entwickelt und der jeweils nächsten Generation weitergegeben haben, wie wir uns die Mühe dieser „Einstimmung“ ersparen können: die allseits bekannten Formen und Floskeln, wie z.B. dem Händeschütteln. Dies mag sich bisweilen auch überhaupt nicht stimmig anfühlen, aber es ist verpönt, sich diesen Mustern zu verweigern, weswegen sie vergleichsweise „sicher“ sind. Diese Formen haben durchaus ihren Sinn. Aber sie können auch Hindernisse darstellen, die uns davon abhalten, in tieferen, unmittelbareren Kontakt zu treten.

Und schlussendlich entzieht sich das Phänomen des stimmigen Kontaktes auch noch der wissenschaftlichen Methode, auf die wir uns ansonsten so gerne verlassen – aus dem einfachen Grund, dass stimmiger Kontakt schlicht nicht planbar reproduzierbar ist. Stimmiger Kontakt als Ergebnis kommt zwar häufig vor, aber eine Wiederholung einmal zu stimmigen Kontakt geführten Handlungen führt nicht notwendigerweise wieder zu stimmigem Kontakt – weil stimmiger Kontakt durch sein Zustandekommen die Beteiligten verändert. Um danach wieder in stimmigen Kontakt zu kommen, müssen diese sich daher erneut aufeinander einstimmen.

Dies mag auch der Grund sein, warum in unserer sich sehr auf die wissenschaftliche Methode verlassenden Gesellschaft die Potentiale von stimmigem Kontakt so wenig genutzt werden.

Warum die Fähigkeit, stimmigen Kontakt herzustellen, so wertvoll ist

Einige Kampfkünste sind darauf ausgelegt, mit Hilfe der eigenen Kraft die Angriffe des Gegners zu neutralisieren und den Gegner zu überwinden. Andere wiederum (z.B. Tai Chi) sind hingegen darauf ausgelegt, die Energie des Gegners zu nutzen statt die eigene, weswegen Praktizierende der letzteren Kampfkünste ohne große eigene Anstrengungen große Wirkungen erzeugen können.


Mein Tai Chi-Lehrer und Freund René wirbelt mich gemütlich durch den Raum

Damit jemand die Energie des Gegenübers für sich nutzbar machen kann, muss er die Fähigkeit besitzen, mit seinem Gegenüber in stimmigen Kontakt zu gehen – in diesem speziellen Fall vorrangig mit dem Körper des Gegenübers. Mein Freund und Tai Chi-Lehrer René kann dies besser verdeutlichen und erspürbar machen als ich, deswegen würde ich einem jeden, der dies auch körperlich erfahren möchte, raten, seinen Kurs zu besuchen.

Selbst in unseren alltäglichen Bewegungen kosten uns innere Blockaden einen Teil der eingesetzten Energie, weil sie gewissermaßen für „Reibungsverluste“ sorgen. Diese über stimmigen Kontakt aufzulösen, sorgt dafür, dass mehr unserer aufgewendeten Energie auch dort ankommt, wo sie hinsoll. Dies gilt nicht nur für den Körper, sondern ebenso etwa für Psyche, Beziehungen, etc.

So können wir beispielsweise lernen, mit unserem inneren Kompass/unserer Seele/Gott/… in stimmigen Kontakt zu treten. Dies war und ist für mich „stimmiger“ als all die Vermittler-Angebote etablierter Religionen, die sich teilweise seit Jahrtausenden darüber streiten, wer nun die einzig und für alle richtige Wahrheit vertritt – womit wir wieder beim einen statischen Referenzton wären, den ich weiter oben als Bild erwähnt habe.

Weiters kann stimmiger Kontakt helfen, ein stimmigeres Miteinander mit anderen zu finden, weil dieses Miteinander auf den tatsächlichen Bedürfnissen der Betroffenen aufbaut, und nicht mehr die „erlaubten“ Wahrnehmungen, Handlungsweisen und gegenseitigen Erwartungen für Betroffene aus einem vorgegebenen System ableitet. Beispielsweise können Beziehungen zwischen Mann und Frau dann so gestaltet werden, dass sie besser den tatsächlichen Bedürfnissen der jeweils Betroffenen entsprechen.

Vor allem Lehrer und Führungskräfte können davon profitieren, über stimmigen Kontakt zu führen. Aus mittlerweile 10+ Jahren an praktischer Erfahrung – vor allem im pädagogischen Bereich – kann ich von fantastischen Erfolgen berichten. Die so Geführten waren motivierter, zufriedener und wesentlich effizienter in ihrem Lernen und ihrer Arbeit – und ich ebenso. Über stimmigen Kontakt zu führen, führt tatsächlich zu weniger Aufwand bei dramatisch besseren Resultaten. Eine sehr bekannte Vertreterin dieses Ansatzes (auch wenn sie es nicht so genannt hat) ist z.B. Maria Montessori. Die „Großen“ in ihrem jeweiligen Feld haben meiner Ansicht nach alle die Fähigkeit besessen, in stimmigen Kontakt zu treten.

Obwohl es durchaus möglich ist, Einzelpersonen und kleinere Gruppen (etwa eine Schulklasse) direkt über stimmigen Kontakt zu führen, ist es vor allem bei größeren sozialen Systemen oft nicht mehr sinnvoll. Vorerfahrungen mit stimmigem Kontakt erleichtern es jedoch sehr, lebendige, lernende Systeme des Miteinanders zu entwerfen und aufrechtzuerhalten, die einen stimmigen Kontakt zwischen den Betroffenen fördern. Auch diese führen nach den Erfahrungen der letzten Jahre langfristig zu deutlich weniger Aufwand bei besseren Resultaten.

Vor allem aber können solche Systeme eines, was klassische Pädagogik-/Führungs-Zugänge nicht vermögen: sie erziehen und führen zur Selbstständigkeit der uns Anvertrauten. Sie sind damit nicht nur effizienter im konkreten Handeln, sondern auch nachhaltiger.

Wie könnte es weitergehen:

Wenn all dies interessant klingt, so stellt sich so mancher wohl die Frage: kann ich dem, was hier geschrieben steht, vertrauen? Wer findet sich hinter diesen Worten? Eine Antwort auf die Frage nach dem Wer ist hier zu finden.

Ob ein vertrauensvoller Kontakt möglich wird, lässt sich am einfachsten über ein unverbindliches persönliches Treffen herausfinden. Am raschesten und unkompliziertesten kommt dies über eine Kontaktanfrage zustande, die hier möglich ist.

Wenn eine direkte 1:1-Kontaktaufnahme eine zu große Überwindung darstellt, besteht auch die Möglichkeit, erstmal einen meiner Vorträge/Workshops zu besuchen.