Werkzeuge für Bunterrichter: ein Übungszettel-Generator für Additionen

Für alle, die weniger blabla und mehr Generator sehen wollen: http://bunterrichten.host56.com/werkzeuge/

Wenn ich heutzutage etwas Neues lernen möchte, kommt mir gar nicht mehr der Gedanke, eine Abendschule oder einen offiziellen Kurs zu besuchen. Ich schalte meinen Computer ein und suche, ob andere bereits ähnliche Ideen hatten und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben. Welche Werkzeuge sie verwendet haben, welche Fehler sie machten und ich vermeiden kann. Welche verschiedenen Meinungen es zu den jeweiligen Praktiken und Werkzeugen gibt.

Der zweite notwendige Schritt, ohne den das Internet ziemlich nutzlos wäre, ist das Experiment. Ich brauche die Möglichkeit, meinen Wissenstand und die Umsetzung in Handeln an der Realität zu erproben. Vor einigen Monaten wollte ich stricken lernen. Ich schaute mir also YouTube-Videos an, besorgte mir dann (es sah nicht schwer aus) zwei Stricknadeln und Wolle – und scheiterte kläglich. Selbst eine daraufhin hinzugeholte Freundin konnte mir nicht weiterhelfen. Nachdem es sich hierbei mehr um eine Laune gehandelt hatte, brach ich das Experiment eben ab. Bis heute kann ich nicht stricken.

Im Gegensatz dazu hatte ich Anfang dieser Woche den Einfall, doch endlich testweise ein kleines Programm zu schreiben, das Übungszettel für Additionsaufgaben ausspucken würde. Ich hatte seit Jahren nicht mehr programmiert, was die Sache schwierig machte, aber ich besorgte mir die notwendigen Werkzeuge (Eclipse und einen lokalen Server zum Testen) und experimentierte so lange, bis es funktionierte. Immer, wenn ich nicht weiter wusste, suchte ich im Internet nach Lösungen, und schlussendlich funktionierte mein Generator, den ich euch heute auch zugänglich machen möchte – vielleicht kann ihn sogar jemand von euch verwenden oder hat Ideen, wie er zu erweitern wäre.

Ein Übungszettel-Generator

Zu finden unter: http://bunterrichten.host56.com/werkzeuge/

Mit einigen Einstellungen (wie viele Summanden, Zahlenräume, Anzahl der Rechnungen) erstellt er euch eben automatisch ein .pdf-Dokument, dass, wenn ihr die Einstellungen nicht zu absurd setzt, euch ein 2-seitiges .pdf-Dokument auswirft. Wenn ihr dieses nun beidseitig druckt, habt ihr in einigen Sekunden einen Übungszettel für eure Schüler, die sich auf der Rückseite sogar selbst kontrollieren können. Es handelt sich um Zufallszahlen, d.h. bei Bedarf können jederzeit neue Rechnungen erstellt werden, über die Zahlenraum- und die Summanden-Einstellung auch in verschiedenen Schwierigkeitsgraden.

screenshotLoesungen
Hier seht ihr die zweite Seite mit den Lösungen. Auf der ersten ist dort, wo hier die Lösungen sind, ein Freiraum.

Lernen und leben in einer bunterrichtenden Umgebung

Es ist dies die inspirierendste Form des Lernens und Tuns, die ich kenne. Etwas tun zu wollen (neu zu lernen oder zu verbessern), und sein derzeitiges Können tatsächlich an der Welt (in diesem Fall einem Computer) ausprobieren zu können. Ich kann den Computer jederzeit ausschalten, niemand zwingt mich dazu. Ich darf ohne negative Konsequenzen scheitern, darf auch Jahre später zurückkehren, um das Problem eben erst später zu lösen. Ich habe Zugriff auf eine Fülle an Informationen, wenn ich dies möchte. Niemand zwingt mich dazu, ihm zuzuhören oder die beste Lösung zu verwenden. Ich suche meine Lösung, und das einzige Qualitätskriterium ist, ob meine Lösung meine Erwartungen erfüllt.

Dieses Lernen, dieses Tun hat keinen vordefinierten Anfang und kein endgültiges Ende. Aus potentiellen Lernressourcen werden für das aktuelle Problem relevante Informationen herausgefiltert. Viele Lösungen anderer werden mit eigenen Erfahrungen und Ideen verknüpft, um auf heuristischen Wege zu einer eigenen Lösung zu kommen, die dann in der Praxis ausgetestet wird, und so geht der Kreislauf weiter, bis eine zeitweilig zufriedenstellende Lösung gefunden wird. Nur wenig später kann jedoch, aufbauend auf dem neuen Erkenntnisstand, bereits wieder neue Forschung, neues Experimentieren betrieben werden. Es ist ein Prozess mit Raststationen, aber keinem festgelegten Ziel.

Open-Source-Pädagogik

Für nicht sinnvoll halte ich es dagegen, wenn jahrein, jahraus zigtausende Lehrer aufs Neue ihre Lehrmaterialien neu erstellen und sammeln und da vor allem in den Anfangsjahren hunderte Stunden darauf verwenden, auf liebevollste Art und Weise komplexe Sachverhalte auf die Bedürfnisse ihrer Schüler herunterzubrechen, und dann nochmals jeweils einige Zeit damit, diese Übungszettel auch noch ästhetisch zu gestalten. Ich glaube doch, dass es da sinnvoll ist, sich ein Beispiel an der Open-Source-Bewegung zu nehmen und auf die Arbeit anderer aufzubauen, anstatt ständig alles von Grund auf neu zu erschaffen.

Damit diese Wiederverwertung gelingen kann, wird es jedoch notwendig sein, von kompletten Stundenplanungen wegzukommen, schon alleine deshalb, weil diese sehr schwer zu referenzieren und damit wiederzufinden sind. Ein einzig linear abrufbares Material wird schnell verworfen, wenn es zu lange dauert, bis die benötigte Information gefunden werden kann. Anstatt metaphorisch gesprochen ein ganzes Buch mit Informationen zu füllen, mag es sinnvoller sein, Lernmaterialien in sehr kleinen Einheiten zu sammeln und dafür auch offline eine leistungsfähige Verlinkung zu entwickeln, mit der die benötigten Informationen schnell gefunden werden können. Komplexe Sachverhalte können dann ebenso über diese Verlinkungen vertieft werden, ohne dass daraus vorgefertigte Kurse nach linearem Muster werden müssen.

Niklas

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