Gestern morgen besuchte ich eine weitere interessante Schule, dieses Mal im schönen Nordrhein-Westphalen. Ausgehend von einer Grundschule (Volksschule für österreichische Leser) wurde über die Jahre eine Realschule (Unterstufe) und ab dem nächsten Jahr dann auch eine weiterführende Schule angefügt. Es ist eine große Schule mit insgesamt über 200 Kindern, was sich auch in einer etwas anderen Strukturierung als die der meisten Alternativschulen, die ich bisher besucht habe, auswirkt. Interessant ist auch, dass Nordrhein-Westphalen anscheinend als einziges Bundesland Deutschlands seine Alternativschulen finanziell sehr gut fördert, was sich in deutlich höheren Lehrergehältern und deutlich niedrigeren Elternbeiträgen auswirken kann.

Lehrer als Raum-„Inhaber“

In dieser Schule gibt es keine räumlich getrennten Klassen wie in anderen Schulen. Es gibt Fachlehrer, die jeweils in eigenen Räumlichkeiten untergebracht sind, eine Mathematik-Lehrerin etwa im Mathematik-Raum. Will ein Schüler nun etwas Mathematisches erledigen, so kann er den entsprechenden Raum aufsuchen und findet dort kompetente Hilfe. Alternativ kann er auch einen der vielen dafür vorgesehenen allgemeinen Lernräume benutzen. Dies hat unter anderem den Vorteil, dass die Raumverantwortlichen auch gewisse Ansprüche an die Schüler stellen können, die diese, wenn sie die Hilfe des Raumverantwortlichen annehmen wollen, respektieren müssen (sonst können sie aus dem Raum verwiesen werden).

Wochenpläne und Mentoren

Wie an vielen anderen Schulen gibt es auch an dieser Schule Wochenpläne, allerdings mit einigen Besonderheiten. Ein jeder Lehrer fungiert als Mentor für eine Gruppe an Kindern. Ein Mentor gibt Ankündigungen weiter, erstellt gemeinsam mit den Kindern die Wochenpläne und ist Ansprechpartner bei schulischen wie auch (das haben die Schüler selbst mir erzählt) manchmal privaten Problemen. Werden die vorgenommenen Aktivitäten erledigt, zeichnen die jeweiligen Raumverantwortlichen sie ab. Die Schüler haben dabei relativ freie Raumwahl, dadurch entsteht viel Bewegung, ohne das es allzu chaotisch wirkt. Bei Unregelmäßigkeiten wie Zu-spät-Kommen kann diese freie Raumwahl für einzelne Kinder eingeschränkt werden, eine recht natürliche Konsequenz, wie ich finde.

Probe-Tests und Meisterschaften

Interessant fand ich auch, dass an dieser Schule mein Probe-Test/Meisterschaft-System, von dem ich sehr viel halte, bereits in großen Teilen umgesetzt wird: Die Schüler erhalten eine Auflistung der für den jeweiligen Jahrgang erwarteten Leistungen. Wenn er sich bereit fühlt, kann er einen Probe-Test ablegen. Wird dieser gut überstanden, so kann jederzeit die „richtige“ Prüfung angegangen werden. Wer sich für Themen interessiert, die eigentlich erst in den folgenden Klassen kommen würden, kann so bereits vorarbeiten, ohne erst alle Themen seines Jahrganges in einer bestimmten Reihenfolge erledigen zu müssen. Bis zum Halbjahr des Folgejahres wird von den Lehrern jedoch darauf geachtet, dass die jeweiligen Klassenlehrziele erledigt werden.

Ein etwas anderer Kreativ-Raum

Kreativ-Räume sind ja meistens schon recht kreativ, aber dieser hat mich dann doch überrascht, weil er so konsequent durchgezogen wurde: es wird eigentlich nur mit Müll gearbeitet, und erklärtes Ziel (ich hoffe, ich habe das richtig verstanden) ist es, die Schüler dazu zu bringen, etwas zu tun oder zu denken, was sie nie vorher gemacht haben. Vor dem Kreativ-Raum findet sich daher etwa eine Couch aus lauter zusammengeklebten Kartonstreifen, im Raum selbst erste Ansätze interaktiver Kunstwerke. Schade, dass ich, um Roaming-Gebühren zu sparen, da lieber keine Bilder hochladen sollte.

Heute war ich an der freien Schule Bergisch-Land in Wuppertal, aber da die Pädagogen gerade mit einem Teil der Kinder an der Ostsee waren, kann ich da leider nicht sinnvoll darüber schreiben.

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