So, nachdem das OK der Schule ein wenig gedauert hat, nun der Bericht über Schule Nummer 5 in meiner Liste, in der wiederum einige spannende Ansätze zu erleben waren. Ich hege den Verdacht, dass es sich bei einigen der folgenden Beobachtungen weniger um ein dahinterstehendes Konzept als um die umsetzenden Personen geht, aber auch von diesen kann man natürlich allerhand lernen.

Architektur

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Die Fassade der Schule. Ziemlich ungewöhnlich, nicht?

Was mir sofort beim Eintreten aufgefallen ist: Die Architektur und Einrichtung der Schule sorgt für eine sehr gute Stimmung. Nicht nur das Haus selbst ist von außen sehr lustig gestaltet (Gesicht), auch eine lichtdurchflutete Terasse und ein sehr natürlich verwachsener Garten laden zum Verweilen ein.

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Die Terasse. Lichtdurchflutet, mit Weinreben überwachsen. Genial.

Ein Bewegungsraum mit unzähligen Matratzen (die die Kinder in den Pausen auch ausgiebig zum Herumtoben nutzen) und sogar ein Raum, der statt eines normalen Fußbodens mit Sand ausgelegt ist, verblüffen. Der Raum gehört zwar nicht wirklich zur Schule und darf eher kulanterweise genutzt werden, und der Sand ist nach einigen Jahren nun ordentlich staubig und dadurch etwas unpraktisch, aber mangelnde Kreativität in der Raumgestaltung kann dieser Schule wahrlich nicht nachgesagt werden.

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Ein Strand mit Musikinstrumenten, unter Dach.

Die Kinder werden gefragt

Und zwar des Öfteren. Erst wurden sie gefragt, wen denn das Thema 2. Weltkrieg interessiere, mit der verkleinerten Interessensgruppe wurden dann für sie interessante Fragen zum Thema gesammelt, bevor gemeinsam versucht wurde, diese Fragen zu beantworten. „Damit ich euch keine langweiligen Vorträge halte, die euch eh nicht interessieren“, meint die Betreuerin in einem Nebensatz – und unterscheidet sich mit dieser beiläufig eingeworfenen Einstellung damit beträchtlich von der Masse an Pädagogen, die nie auch nur auf die Idee kommen, dass das Interesse und die tatsächlichen Fragen der Kinder eigentlich vorgehen könnte.

Interessant war dann später auch der Vorschlag, die Kinder könnten doch während der Diskussion zeichnen oder etwas aufschreiben, falls sie sich dann besser konzentrieren können, was von den Kindern auch fast ausnahmslos angenommen wurde.

Fantasie-Maschinen

Eine andere Betreuerin schlug der Restgruppe in der Zwischenzeit vor, Maschinen zu erfinden. Da entstanden dann Pullover-Maschinen (mit Färbevorgang), Zuckerrohr-Verarbeitungs-Maschinen oder eine Geschenkspapier-Recycling-Fabrik. Die Betreuerin stellte den Kindern dann jeweils weitergehende Fragen, wie eben, welche Farbe der anfangs ohne den Färbvorgang hergestellte Pullover wohl haben werde, um sie zum Nachdenken zu bringen.

Ich kann mir vorstellen, dass es auf diese Weise möglich ist, relativ komplexe Produktionsvorgänge der wirklichen Welt auf einfachste und auch für Kinder nachvollziehbare Weise darzustellen. Die Vorgänge werden in der Fantasie der Kinder zu Maschinen (wie wird eine Wurst hergestellt zum Beispiel), und wenn Interesse für einzelne Unterprozesse entsteht, können wieder Fantasiemaschinen überlegt und mit „richtigen“ Herstellungsmethoden verglichen werden.

Eigene Geschichten vorschreiben

Die Idee ist so simpel, dass ich fast ärgere, da noch nicht selbst daraufgekommen zu sein. Was tun, wenn ein Kind größere Geschichten schreiben will, aber es noch nicht kann? Die verbreitetste Methode scheint mir zu sein, sie eben kurze Geschichten abschreiben zu lassen, damit sie das Schreiben üben, bis sie auch ganze Sätze und gar Geschichten selbst schreiben können. Hier sah ich jedoch eine viel logischere Lösung: Ein Kind sagte seine Geschichte einer Betreuerin an, die schrieb es für ihn in schöner Schrift vor, und er schrieb seine eigene Geschichte nun selbst. Wie viel motivierender muss es sein, seine eigenen Geschichten zu schreiben anstatt der ständigen Kurzgeschichten und Gedichte, die zum Schreiben lernen abzumalen sind?

Leitung des Kreises

Eine Betreuerin erklärte mir auch eine interessante Ansicht zur Leitung der Versammlungskreise, als ich sie fragte, ob es nicht sinnvoll wäre, dass die Kinder lernten, den Kreis zu moderieren, wie es an vielen Schulen üblich ist. Sie meinte, sie hätte beobachtet, dass diese Moderation dann meistens sehr durchstrukturiert und damit weniger lebendig sei. Je vorstrukturierter etwas sei, desto leichter lasse es sich an die Kinder delegieren, desto größer sei jedoch gleichzeitig auch die Gefahr, dass die Struktur starr werde. In einer anderen Schule, die ich besucht habe (und auf deren OK ich noch warte, bevor ich den entsprechenden Bericht veröffentliche) wurde dieses Problem dadurch gelöst, dass den kreismoderierenden Kindern Leitfäden gegeben wurden, an denen sie sich orientieren konnten, aber nicht mussten.

Wenn alles gut geht, steht dann in nächster Zeit noch ein Artikel an, der noch auf das OK der Schule wartet, und gegen Ende Juni/Anfang Juli geht’s vielleicht nochmals nach Deutschland, da kommt vielleicht noch etwas hinzu. Entsprechende Vorschläge für Besuche bzw. Gastbeiträge sind wie immer erwünscht, die entsprechenden Kontaktdaten sind unter Kontakt zu finden.

Niklas

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