Zunehmend

Zunehmend
  • März 2026
  • 3 min

Vor ca. einem Monat hatte ich einen Kontrolltermin bei meinem Lungenarzt aufgrund einer Hyposensibilisierungs-Behandlung, und erlebte einen ziemlichen Schock, als ich mich dort auf die Waage stellte: 93kg.

Das ist an sich nichts wirklich Beunruhigendes bei meiner Körpergröße von knapp 1,90m, aber für mich war es trotzdem völlig unglaublich. Mein Leben lang hatte ich vergeblich versucht, nachhaltig zuzunehmen, aber es hatte nichts geholfen – ich war immer zwischen 78 und 83kg geblieben. Und auf einmal sollte ich innerhalb weniger Monate 10-15kg zugenommen haben? Wie?

Zugegeben, das letzte Jahr war emotional total anstrengend gewesen, und ich hatte auch in meinem Frust, immer ein wenig unterernährt zu sein, angefangen, eine der Lieblingsspeisen meiner Kindheit fest in meinen täglichen Speiseplan zu integrieren – nach dem Motto „Ich ess jetzt einfach so viel, bis ich wirklich zunehme“. Also jeden Tag abends als zusätzliche Mahlzeit, und zwar mein Spezial-Polenta-Gericht (siehe unten für das Rezept dazu).

Nun, offenbar hat es tatsächlich geklappt. Nur habe ich es gar nicht bemerkt, weil wir keine Waage zuhause haben.

Aufgrund von diversen beruflichen Herausforderungen im letzten Jahr (mein langjähriger Haupt-Auftraggeber existiert nicht mehr, der neue Job ist herausfordernd, und auch Menschen die mir nahe sind erleben durchaus Herausforderndes) habe ich leider dann noch monatelang einige für mich sehr nährenden Hobbies immer mehr in den Hintergrund gestellt – vor allem das Schreiben und das Musik machen.

Und plötzlich sieht man sich dann in den Spiegel und merkt, dass man sich zunehmend unwohl fühlt in seiner Haut. Irgendwelche an sich womöglich gar nicht so dramatischen Schwankungen im beruflichen Umfeld können dann auf einmal ganz schön verunsichern. Wenn man sich im eigenen Körper auf einmal eigenartig fühlt. Die langjährig etablierten Möglichkeiten, die eigenen Erlebnisse zu verarbeiten und auch auszudrücken zu lange vernachlässigt. Dann wird man irgendwann womöglich ein wenig sehr „wackelig“, leicht umzuwerfen.

Glücklicherweise ist es in meinem Fall noch vergleichsweise einfach, gegenzusteuern. Ich werde einfach in Zukunft testweise mal meine offenbar sehr verlässlich Kilo-produzierende Abendmahlzeit auslassen und stattdessen lieber einen Tee trinken. Mein tägliches kleines Workout wieder anfangen, das mir ja an sich eh Spaß macht. Wieder regelmäßig Musik machen, egal ob meine Bandkollegin Zeit und Lust hat, mitzumachen. Und so oft wie möglich wieder schreiben. Auch – oder vielleicht sogar vor allem – über die Dinge, für die man sich jetzt nicht gerade wie ein Held fühlt.

Und selbst wenn das hier niemand liest, hab ichs trotzdem geschrieben – und damit aus diesem eigenartigen „Vorzimmer“ an Gedanken/Emotionen, in dem sie sich gerne tummeln, raus in die Welt gebracht, um wieder Platz zu machen für das, was die Zukunft bringen mag.

In der Hoffnung, das mir das auch zunehmend wieder mehr gelingt,
Niklas

P.S.: Hier mein Spezial-Siebenbürger-Rezept zum Zunehmen, das offenbar prächtig funktioniert: Etwas Wasser im Topf mit etwas Salz zum Kochen bringen, Polenta nach Gefühl hineinleeren und dabei umrühren, bis man Widerstand spürt, danach eine Banane und etwas Butter stückchenweise dazugeben, das ganze noch etwas köcheln lassen bis es eine halbfeste Konsistenz hat. In eine Schüssel geben, etwas Honig drauf und dann (in meinem Fall laktosefreie) Milch darüber.

Nach und nach Aufblühen...

...in Form von Geschichten, Einsichten und bisweilen auch Workshops & Vorträgen.

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