#147 Wanderer im Nebel

#147 Wanderer im Nebel
  • Dez. 2025
  • 4 min

Halt ein! Du Wanderer im Nebel
Siehst ja doch nicht mehr, wohin
Und würdsd auch ziehn an jedem Hebel
Entkommst doch nicht mir, was ich bin

Bist schon Wochen auf den Füßen
Hast auf Bällen wild getanzt
Kämpfst dich wacker, immer weiter
Nur in Bewegung glaubst dich ganz

Dein Auge sieht nicht, Blätter fallen
Dein Ohr hört auch ihr Raunen nicht
Dein Herz bleibt mir noch fest verschlossen
Nur immer weiter, mühst du dich

Halt ein! Du Wanderer im Nebel
Sag: Hörst du die Lieder nicht
Die da leise, dich umtönen
Die dir flüstern: Finde mich!

Und wenn du endlich, eingestanden
Dass nicht weißt du mehr wohin
Dass dein Blick sich hat verloren
Dass dein Sein im Nebel schwimmt

Und wenn begibst du nun dich tiefer
In die dunkle Nacht hinein
Tief in der Stille magst du finden
Was ist wirklich, wahrlich dein

Und so stehst du heute vor mir
Im vertrauten Feuerschein
Und die Jahre kommen wieder
Und es fällt dir wieder ein

Und du blickst auf, und du siehst mich
Glaubst man müsst doch stärker sein
Doch wenn diese Feuer brennen
Weißt du, bist du nicht allein

In den dunklen Nebelnächten
Denn der Geist ist wieder klar
Siehst im Feuerschein Gesichter
Wie es immer doch schon war

Dass an jenem Tag die Geister
Dass die Freunde warn vereint
Dass zur schwärzest Nacht wir feiern
Dass die Hoffnung in uns keimt

Und so kommt nur schön zusammen
Spürt nur manchen Hauch von Glück
Steht zusammen, feiert tüchtig
Dann bring ich euch Licht zurück

Und wieder kehren sie, die Kreise
Nur Runden drehn wir, immerdar
Fühlst dich noch an Schmerz gebunden?
Er doch nur Teil des Kreislaufs war

Erkennst mich nun?, so frag ich wieder
Wie jedes Jahr, dich, immerfort
Verwechselst mich noch, mit den Liedern
Die du mitsummst, an jenem Ort

Blinzelnd suchst du nach dem Raunen
Nach dem Flüstern, das dich lenkt
Immer wieder zu den Feuern
Wenn die Nacht sich tiefer senkt

Eines Tages magst du finden
Was dich in die Nebel führt
Was dich an die Kreise bindet
Was dein Schicksal schreibt noch fort

Und wenn der Tag kommt, magst du wählen
Ob du noch Wert in Nebeln siehst
Doch bis der Tag kommt, schür das Feuer
Wenn der Winter ins Lande zieht.

So halt ein! Du Wanderer im Nebel
Verweil den einen Augenblick
Bevor die Kreise dich entreißen
Und du nicht mehr kannst zurück

Denn hast du auch verflucht die Nebel
In der Sehnsucht nach dem Licht
Sind sie doch allzu rasch verflogen
Und der Alltag kehrt zurück

So frag ich dich nun, grad heraus
Der du dich plagst, tagein, tagaus
Was willst du tief im Nebel lassen
Kannst du’s sehen, kannst du’s erfassen?

Gibs nur dem Feuer, dem alten Freund
Macht’s gleich zu Nebel, macht es leicht
Machts schwinden, macht‘s schon fast vergessen
Dabei ist‘s Feuer unerreicht

Ruf sie nur an, die alten Geister
Lad‘ auch all die Freunde ein
Tief im Nebel finden sich Meister
Zum Feuer kehren auch sie immer heim

So seid willkommen, die ihr hier versammelt
Die ihr habt Hoffnung mitgebracht
Lasst uns trinken auf ein besseres Morgen
Hier im Schoß der dunkelsten Nacht

Denn die Hoffnung, wohl vergoren
Wie ein Feuer, wenn entfacht
Hat immer schon erneut geboren
Hat immer schon das Licht gebracht

Und so dank ich euch fürs Kommen
Denn wenn wir auch sind niemals allein
So ists doch viel schöner, wenn wir’s feiern
Dass das Licht kehrt wieder heim

Dass die Sonne wieder aufgeht
Dass ihr Licht gewinnt an Kraft
Dass die Kreise sich noch fortziehn
Dass die Feuer haben noch Macht

Ach du Wanderer im Nebel
Verbünd dich mit des Feuer’s Macht
Ruf die Deinen, ruf die Meinen
Bis im Schoß der dunkelst‘ Nacht
Unsere Hoffnung in das Leben
Wieder neu sich hat entfacht


(Diesen Text habe ich zum Anlass der Wintersonnenwende 2025 verfasst.)

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